1882
Freitag den 11. August
-rr. 18S.
Amts- und Anzeigeblati für den Kreis Gießen.
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Y5tiw<eH : Schul st raße B. 1b.
Einsendung der Fragebogen.
I. V.: vr. Hoffmann, Regierungsrath.
Nach schweren Wehen scheint endlich die Neugeburt des französischen Ministeriums definitiv erfolgt zu sein. Wie es heißt, würde das neue Cabinet in Bema auf die auswärtige Politik das Votum der Deputirtenkammer accep- iren jedoch sofort die parlamentarischen Körperschaften einberusen, wenn irgend ein Zwischenfall eintreten sollte, der die Würde Frankreichs berühren sollte. Dre vssicülle Mittheilung von der Bildung des neuen Cabmets ist den Kammern am Dienstag zügegangen.^^ man sich neben dem egyptischen Feldzug an- aeleoentlichst mit der parlamentarischen Krise, welche aus dem Confl-ct Zwischen ^en büden gefetzgebendm Häusern Englands bezüglich der irischen Pachtrückstands
bill zu entstehen droht. Die Lords sind anscheinend mcht gewellt, auf die von ihnen zu dieser Vorlage eingebrachten Amendements zu verzichten wahrend es andererseits keinen- Zweifel unterliegt, daß das Unterhaus dieselben ablehaen wird. Man sicht deshalb einem sofortigen Schluß der parlamerfiarfichen Less-oii entgegen, wobei angenommen wird, daß beide Haufer binnen höchstens i^age zu Uner neuen Session zusammentreten werden lediglich um die Pachtnichtands- vorlage dein alsdann einzuleitenden Einigungsverfahren gemäß nochmals zu berathen Italien sind in diesen Tagen die Gemeinderathswahlen beendigt -vordem Dieselben haben fast überall den Sieg der Liberalen gegenüber den Clericalen und Radicalen ergeben. Von den größeren Städten fites nur Venedig wo die bisherige clericale Gemeinde-Vertretung-hren S-tz behauptet hat.
Die Verhandlungen der Conserenz gehen noch -mmer -m Tempo be, seligen deutschen Bundesrathes vor sich, so daß man W Jr“9en ot) denn die Conserenz überhaupt zu einen,definitiver- Beschluß auMftm Am Samstaa gelangte der Antrag Italiens betreffend den Schutz des Suez- Canals wieder zur Erörterung. Eine Verständigung wurde indessen noch Nich^ erzielt, obwohl der englische Botschafter, Lord Dufferin, den Antrag „nn.Ww annahm. Weiter verlangte Lord Dufferm nochmals d-e Aechtung Arab- Pascha i3 durch d.,e Pforte, und schließlich gab Sa-d Pascha Erklärungen über d-e türkische Expedition nach Egypten, aus denen zu entnehmen -st, daß d-e Expedition^ nur 5000 Mann stark fein werde und daß die von Konstantinopel bereits ab gegangenen türkischen Truppen für Salonichi bestimmt gewesen ,e-en. W-e aus Konstantinopel vom^8^ ds. berichtet wird, hatte in der Dtontagssttzung der Conferenz Said Pascha Lord Dufferin den Erlaß der Proklamation gegen Araln Pascha zugesagtpten £g einer scharfen Recognoscirung der Engländer aeaen die Stellung Arabi's bei KafreDowar am 5. August zum ersten ernftlichen Zusammenstoß zwischen den beiderseitigen Truppen gekommen. D-e Egypter wurden auf ihre zweite Vertheidigungslinie zurückgeworfen, worauf d-e Engländer merkwürdiger Weise in chre Verschanzungen vor Alerandr-en zuruckgmgen. E-n bie x>on englischer Seite kommenden Berichte tragen mcht -n-mer den stempel der Glaubwürdigkeit. ____________ ____
Politische Ueberficht.
Gießen,. 10. August.
Kaiser Wilhelm hat am Dienstag, den 8. August seine Gastemer Radekur welche dem greisen Monarchen auch diesmal ausgezeichnet bekommen gÄ ?Jsch?wo3£Svon^der'VcMkerung"ein begeisterter Empfang SäÄ Wä» Briefmarkenfrage" scheint nun doch einer Lösung entgegen« machen die wenn sie auch nicht alle Wünsche der zunächst bethe-l-gten Interessenten erfüllt, doch die größten der auf diesem Gebiete hervorget-etemn SÄ beseitigen würde. Dem „Staats-Anzeiger sür Württemberg' zufolge beab ichtiat der lettende Minister Württembergs, Herr v Mittnacht, d-e »rage besonderer württembergischer Postwerthzeichen zum Gege>istande der Befprechung im Beirathe der Verkehrsanstalten zu machen. Diese Besprechung soll zedoch nnVnür ben Berathunaen ber Bnndesraths-Ausschusse, bett, tue Eingabe der Frankfurter Handelskammer, welche sich bekanntlich auf die Poftmarken-Ange- teaenheit bezieht, erfolgen, so daß es fast scheint, als ob Herr v. ..^ittnacht bestrebt sei, den eventuellen Beschlüssen des Bundesrathes m diefer Frage zuvor- mkommen Die württembergische Negierung will vorläufig ve-,uch-n, den Unzu- träalichkeiten abzuhelfen, welche sich aus der Nichtbeforderung von -mt Wertheichen anderer deutschen Postverwaltungen versehener Postkarten und ebenso auv ber Erschwerung der Einlösung der Postwerthzeichen ergeben, >m Uebr-gen aber die besonderen württembergifchen Werthzeichen beibehalten. — Auch weist das oben genannte Blatt die Behauptung der „Nordd. Allg. Ztg. , daß die wurttem- beraische Postverwaltung ein Deficit habe, als unrichtig zuruck, dieselbe liefere v lmehr jährlich einen Reinertrag von 1,300,000
1 der in- und ausländischen Presse haben die der „Times" „no>>bliä> aus Wien zugeganzenenen Depeschen, wonach der deutsche Botschafter in Paris Füch Hohenlohe, Herrn de Freycinet anläßlich dessen Rücktnttes wiederholt besucht und hierbei die Hoffnung ausgesprochen habe, ihn bald wieder im Amte zu sehen, vielen Staub ausgewirbelt. Diese Depeschen pnd selbstverständlich von Anfang bis Ende unrichtig und man muß s-ch nur wundern, daß ein Weltblatt wie bie „Times", sich in einer solchen Weise mysttficiren ließ. Nammtttch bie in jenen Depeschen ebenfalls mit enthaltene Angabe Deut,chlanv i)abe Frankreich volle Unterstützung in dessen Orientpolitik zugesichert mußte sofort als erfunden erscheinen, wenn man die vorsichtige und resermrte Politik Deutschlands in den auswärtigen Angelegenheiten erwägt. Allem Anschein nach find die erwähnt ein von Gambettistischer Seite stammen
des Tabttkat ? Herr Gambetta wollte Freycmet als Chef des neuen französischen Cabinets oder als Minister des Auswärtigen unmöglich machen, mb ent er U* bie Times"-Depeschen darzuthun suchte, daß Freycinet ganz nn deutschen Fabrmasser schwimmen würde, ivas in den Augen der Franzosen als Hochoer- ratb aelten würde Alittlerweile dürfte man auch in Frankreich zu der Emstcht Angt fein welches Bewandniß es -nit jenen Depefchen habe, deren Zweck somit Eeltett erschc-nt.Sombett«affäre ist noch immer das aus Oesterreich „ Mteressirende Ereigniß. Den Bemühungen der Behörden ist es
‘ bie Fortsetzung der lärmenden Kundgebungen gegen bie italienisch ge« toÄnröobner zu verhindern, so daß auch in den wohlhabenden und geblldeten Kreisen der Triester Bevölkerung wieder Beruhigung eingekehrt ist. Von dem Urheber des schändlichen Verbrechens hat die Polizei Koch noch keine Spur und dürften alle hierauf zielenden Bemühungen le-der erfolglos
Gießen, am 10. August 1882.
Betr«ss°nd- Die »M-n.lich»« -i-e. ü»« bi, K»Mm!»Ae- « ta»
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
„, (arnftheriortlidieit Bürgermeistereien des Kreises.
Dietenig» ,,n 3t«» wX 2* *2 »**, *■ «• - ***
---—---—— - v.;rcL^ vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Pringerlohn. Erscheint täglich mit Ausnobme beö Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Darmstadt, 8. August. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 14
Bekanntmachung der Großh. Ministerien des Innern und der Justiz und der Finanzen, die Instruction zur Dienstfuhrung der den Großh. M-mste. tten des Innern und der Justiz und der Finanzen untergeordneten fiskalischen
Großh. Ministeriums des Innern und der J.-s-iz, die Instruction Z'-r Dienstführung der Gememde-E-nnehmer, sowie der Rechner von
—* w.’taTÄ Justizbehörde einer gerechten Beschwerde der Interessenten Rechnung ge rag n LL Es ist dies die Anlieferung ber ^reic^en 8ormu nre für bu (W welche feit Einführung der neuen ^nchts-Organfiat-onsobald Ne wurden. Nach den jetzt erlassenen Anordnungen soll der: ^eoo. i, i alten, nebenbei bemerkt, sehr bedeutenden Bestände verb chl btoemb'neten, »Stes** -
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Allergnädigst geruht: Kreis-Gesundheitsamtes Büdin-
Am 4. August den Kreisarzt des Großh. K l ' Dienststelle' zu gen, Dr. Hermann Koch, auf sein Rachsucyen entheben.
Aegypten.
Alexandrien, 8 August. Iw ti°ust^des ^Nachimttagsh ging aber durch
«enommen ha- und die
Das englische Kriegssch'il, welches vor w°m-eh^ Superb",
egyptischen Vorposten bewußt, ^mcht^r-r (.m $agt§6cfe6[ die Anerkennung der Königi?wegm^ihres §«ip»en^ Verwundeten ist ein
befriedigendes.


