ansätze gutgeheißen, nämlich für Brückengeld und Ueberfahrten 120,742 X, für Sporteln 48.900 X, für Stempel und Gebühren 1,400,000 X, für Collateralgelder 360,000 X und für Abgabe von Hunden und Nachtigallen 132,080 X Bon mehreren Seiten wird über die trotz der neuen Verordnung vom Januar b. I- immer noch bestehende allzu große Höhe des Jmmobiiienstempels geklagt, während die Vertreler der Regierung, Geh. Ratd Hallwachs und Oberstaatsanwalt Becker, darauf Hinweisen, daß die Erleichterungen gerade für geringere Summen geschaffen sei, während der frühere hohe Stempel auch für die Folge nur bei den in Städten vorkommenden Verkäufen großer Objecte in Anwendung kommen werde. — Bei dem Einnahmekapitel „Aus Reichssteuern", wofür 408,506 X eingestellt werden, beklagt Abg. o. Rabenau wiederholt, daß diese Einkünfte nicht, wie es ihre Bestimmung sei, zu Steuererleichterungen verwandt worden feien. Ministerialpräsident Schleiermacher weist dem gegenüber auf den beinahe 1 Mill. X betragenden Ausfall an den Einnahmen aus Forstdomänen hin, welcher unbedingt eine Steuererhöhung nöthig gemacht hätte, wenn nicht die Einnahmen aus dem Reiche zu dessen Deckung, also inbirect zu einer Steuerverminderung hätten benutzt werden können. — An Geldstrafen werden nach dem Vorschlag der Regierung 157,068 X, an andern unmittelbaren Einnahmen der Hauptstaaiskasse 60,714 X und an zufälligen Einnahmen der Hauptstaatskasse 285,413 X in Ein ahme gesetzt — Es folgt die Berathung des Entwurfs des Finanzgesetzes für die Finanzperiode 1882—85. S 1 des früher mltgetheilten Entwurfs wird mit folgender Einschaltung angenommen: »Erfolgt im Laufender bevorstehenden Finanzperiode eine Abänderung oder Ergänzung der zur Zett hinsichtlich der directen Steuern bestehenden Gesetzgebung, so soll für die beiden letzten ober das letzte Jahr der Finanzperiode wegen des Ausschlags der directen Steuern weitere Vereinbarung mit den Ständen stattfinden. Gleiches soll geschehen, falls der dem Großherzog Ihum aus den Zöllen, der Tabaks- und Reichestempelsteuer zufließende Betrag die für den Matrtcularbeitrag aufzuwendende Summe in einem der Etatsjahre der bevorstehenden Finanzperiode um mindestens 400,000 X übersteigt." Die unter Cap. 4 des Einnahmebudgets vorgesehene Summe von 7,900,186 aus directen Steuern wird dort eingestellt. — Zu z 2, welcher Vorschriften wegen der inbirecten Abgaben enthält, beantragen zwei Mitglieder des Ausschusses, welchen sich heute die übrigen außer Ellenberger anschließen, die Entscheidung: „Jedoch soll von den Weineinlagen der Weinhändler eine Abgabe fernerhin nicht mehr erhoben werden." Gleichzeitig wird an d-m betreffenden Kapitel des Einnahmebudgets ein Abstrich von 60,000 X beantragt. Dieser Antrag, dem sich die Regierung anschließt, wird nach warmer Fürsprache der Abgg, Racke, Wasserburg, Schröder, Böhm, Pennrich, Betz und Wolfs- kehl und nachdem allein Abg. Ellenbcrger dagegen gesprochen, gegen 5 Stimmen angenommen und damit der Antrag des Abg. Wasserburg, auch die Tranksteuer u-n Wein zu stre-chen, erledigt. — § 3 des Gesetzentwurfs wird ohne Debatte angenommen, ebenso der Gesetzesentwurf im Ganzen.
Nächste Sitzung morgen. Tagesordnung: Vorlagen und Anträge.
Darwstadr, 10. März. [$elegramm.j Die zweite Kammer beschließt bei der zweiten Lesung des Etats für daS Polytechnikum mit 23 gegen 22 Stimmen, die Regierung zu ersuchen, bei fortdauernd fchwacber Frequenz die Anstalt mit Ablauf der kommenden Finanzperiode aufzuheben.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Correspondcnz-Bureau.
Berlin, 9. März. Das Abgeordnetenhaus genehmigte heute in zweiter Lesung den Ankauf der Bergisch-Märkischen und Thüringer Bahn einschließlich der Anlage einer Bahn von Eichicht nach der Meiningen'schen Grenze, ferner den Ankauf der Berlin - Görlitzer, der Cottbus-Großenhainer, der Märkisch- Posener und der Rhein-Nahe-Bahn und genehmigte das ganze Gesetz durchweg nach den Commissions-Anträgen.
— Der permanente Ausschuß des Volkswirthschastsrathes besprach das Monopol heute vorwiegend vom landwirthschaftllchen Gesichtspunkte, Nathusius und Krüger schlugen zu 7—19 zahlreiche Milderungs-Anträge vor. Regie- rungs-Commissär Mayr hob die Vorzüge der Vorlage vor den bezüglichen französischen Bestimmungen hervor und bemerkte, das Blätterzählen sei absolut nothwendig und der Gewichtsbestimmung vorzuziehen. Die Pffanzgebiete könnten eventuell erweitert werden. Die Preise würden jedenfalls nicht schlechter sein als bisher. Der Ausschuß nahm sodann die §§ 7—34 mit einigen Aenderun- gen an und beschloß u. A., daß die Kommunen berechtigt sein sollen, den Mono- polbetrieb, wie andere ähnliche Betriebe, zur Besteuerung heranzuziehen.
München, 9. März. Die Kammer der Reichsräthe hat bei der Berathung der Mckäußerung des Abgeordnetenhauses über den von diesem in der Simultanschulfrage gefaßten Beschluß den Beschluß des Abgeordnetenhauses und ebenso auch den vom Ausschuß gestellten Antrag abgelehnt und den Vorschlag des Reichsraths Neumayr auf Aufrechterhaltung seines früheren Majoritüts- Beschlusses angenommen.
Wien, 9. März. Officiell wird aus Risano vom heutigen Tage gemeldet: Gestern wurden Vratlo und Ubli besetzt. Etwa 150 Insurgenten flohen, ohne Widerstand zu leisten, auf allen Punkten; 10 derselben wurden gefangen genommen. Die Truppen erstiegen die Höhen und standen am 8. März in der Linie Orahovac-Ubalac-Ledenice-Greben-Celina-Jelovica-Berg. Bei Kon- jisko südöstlich Trebinje fand gestern ein Gefecht 'gegen etwa 100 Insurgenten statt, welche zurückgetrieben wurden. Die Truppen hatten keine Verluste/
— In Cattaro wurde ein Korrespondent serbischer Blätter, Namens Igor Vezics, welcher aus Montenegro kam, verhaftet. — Wie aus der Herzegowina gemeldet wird, entsetzte die Regierung alle der orthodoxen Gemeinde angehörende Beamte in Mostar ihrer Posten.
Rom, 9. März. General Medici ist heute früh gestorben, der Zustand Lanza's ist hoffnungslos.
Lokale».
Gictzen, 10. März. (Das W o hlth ätigkc its-C o nee rt b e § Grasen Göza Zichy am 12. März 111. (Schluß.! Wir führen unserer musikalischen Plau- beret noch Einiges hinzu. Der Graf, welcher einem ber reichsten uub ältesten Ungar. Mag- natengeschlechter angehört, verlor im Alter von 15 Jahren burch ein Unglück auf ber Jagb seinen rechten Arm. Ab-r burch eine unbesiegbare Leidenschaft für bie Musik und eine bebrütende Naiurantagc getrieben, hat er unter der Leitung ausgezeichneter Lehrer, darunter auch — Franz Liszt — feine musikalischen Studien vollendet und seiner Linken eine so märchuhafte Fertigkeit erworben, daß er, wo er sich auch öffentlich produzirt hat, stets bas Entzücken des Auditoriums und die Bewunderung der maßgebenden Kritiker erregte. Er ist der einzige einarmige Pianist, von welchem die Kunstgeschichte bis heute Notiz zu nehmen sich veranlaßt fühlte. Dieser Künstler, welcher durch seine eminente Virtuosität auf dem Glarner das Publikum förmlich electrifirt, thut dar, was Energie und ernster Wille, verbunden mit entsprechendem Talente vermögen. Noch sei bemerkt, daß er am 6 März nach seinem Goncertiren in Karlsruhe und Mannheim von dem Großherzog von Baden nach Baden geladen war.
Wir glauben mit diesin Zeilen eine ehrende Pflicht zu erfüllen, indem wir unser Publikum aus diese Thatsach-n aufmerksam machen und den Wunsch aussprechen, daß eine möglichst rege Betheiligung an bem Konceite dem edlen gi oßmuthtgeu Künstler seine humane Mission lohnend und erfreulich machen möge.
— Schon feit geraumer Zeit wurde einem Bäcker von seinem am Wiesecker Weg 0 genben Hol, ein ziemliches Quantum gezehniet. Die unberechtigten Executoren wurden gestern Abend abgesaßt und einer derselben heute Morgen mittelst Karrenfuhrwerk nach dem Hbtel in der Bachgasse gefahren.
— Ein Gymnasiast, welcher am Mittwoch Nachmittag aus seiner Wohnung in ber Ludwigsstraße mit einem Flobertflintchen zwischen in einem Garten beschäftigte Arbeiter schoß, wurde ermittelt, ihm das Flintchen abgenommen und er zur Anzeige gebracht.
— Vor ca. 14 Tagen wurde in einem h esigen Fabrikgeschäste ein größerer Messingdiebstahl verübt. Die beiden Spitzbuden wurden ermittelt und heute Morgen eingesteckt. __
Bttmifcbte*.
Darmstadt, 6. März. Heute wurde vor der Strafkammer dahier die Untersuchung gegen den Gärtnerleh.ling Ludwig Rühl von Brssungen wegen Todischlags verhandelt. Am 21. Decemder 1881 haben in Abwesenheit des Lehrherrn die Lehrlinge Holz gemacht und hat der Lehrling Stein des Meisters Pflanzenkorb auf den Boden gebracht, welcher sich über dem Standpunkt des Angeklagten befand. Der Pflanzenkorb fiel herunter und zwar gerade dem Ludwig Rühl auf den Kops. Derselbe kam durch diesen Zufall so in Wuth, daß er dem Stein, trotz des Bittens, ihn nicht todt- zuschlagen, mit einem Holzbeil, das er in der Hand hatte, und sodann, nachdem ber Stiel desselben in Folge eines Schlages mit demselben auf einen Balken — wie der Angeklagte angibt — entzwei gegangen war, mit einer größeren Holzaxt so auf den Kopf schlug, daß derselbe fast ganz in Trümmer ging. Der Tod trat alsbald in Folge des großen Blutverlustes ein. Außer dem anderen Lehrjungen hat Niemand etwas gehört und hat der Thäter kaltblütig den Leichnam bei Seite schaffen wollen. Der Thäter ist geständig; er ging nach der Thai nach der Bergstraße, hatte kein Geld, fand ferne Arbeit und nachdem er sich neun Tage — th-lls auf dem Bettel — draußen berumgetrieben, hat er sich auf dem Rückwege in Bensheim selbst der Polizei gestellt. Der Angeklagte ist 17 Jahre alt; von feinem Lehtherrn, wie auch von seinem früheren Lehrer wild ihm das beste Zeugniß ausgestellt, nur ein gewisser Trotz, der nicht zu bewältigen, wird ihm zur Last gelegt. Mit dim Getödteten hat er nicht zum Besten gestanden, auch nach der Abendschule hat er ihm aufgelauert, um ihn zu schlagen, wie er selbst zugesteht. Auch soll er ihn, früher schon Phosphor, das der Meister zum Mäusevergifien angeschafft, auf fein Brod g> streut haben, um ihn zu vergiften. Das Lesen von Räubergeschichten soll viel Schuld an den Verirrungen des Angeklagten tragen. Der Gerichtshof vertutheilte den Angeklagten wegen Todtschlags in eine Gesängnißstrafe von 5 Jahren.
Offenbach, 7 März Dem Vernehmen nach wurden die großen Asphaltirungs- arbeiten an den Neubauten des Centralbahnhofes zu Straßburg, in einem Flächeninhalt von 17,000 Quadratmeter, der hiesigen Firma Aug. Martenstein u. Joffeaux zur Ausführung übertragen. In Coucurr-nz waren Asphaltgeschäste aus Berlin, Bremen, Basel, Cöln, Breslau, Stuttgart, Wiesbaden und Straßburg.
Frankfurt a. M-, 7. März. Der Central-Ausschuß für das fünfte deutsche Turnfest hielt gestern Abend unter dem Vorsitze des Henn Oberbürgermeisters Miquel feine Schlußsitzung ab, um über die Verwendung des Ueberschusses endgültig zu entscheiden. Es wurde der Beschluß gefaßt, den Ueberschuß unter die hiesigen Vereine, die das Fest veranstaltet hatten, nach Maßgabe der im Juli und August 1880 vorhandenen Mitglieder zu vertheilen; darnach würde der Frankfurter Turnverein ungefähr 1800 X, der Turn- und Fecht-Clud etwa 1000 X, der Turnverein Sachsenhausen etwa 800 X und die Frankfurter Turngemeinde etwa ebensoviel erhalten. — Von ruchlosen Händen wurden in verflossener Nacht auf der Hanauer Landstraße zwölf Bäumchen geknickt.
Mainz, 8. März, [llnglfitf ] In unserer Nachbarstadt Kastel hat sich gestern Nachmittag ein sehr bedauerlicher Unglücksfall ereigmt. Ein hiesiger Weinwuth wollte mittelst eines Privatfuhrwerkes von hier über Kastel nach Erbenheim fahren. In Gaffel wurden indessen — durch das Dampfabblasen einer Locomotive — die beiden vor dem Wagen befinbltdben Pferde scheu und gingen durch. Der Kutscher des Wagens wurde alsbald zur Erde geschleudert, ohne sich indessen schwer zu verletzen. Da nun die Pserde zügellos waren, rasten die Thiere wie toll durch die Straßen, der Wagen prallte gegen ein Haus an und weithin wurde der Insasse, der betreffende Weinwirth, auf das Pflaster geschleudert, wo der Mann mit zerschmettertem Schädel liegen blieb. Für den Unglücklichen ist keine Hoffnung mehr vorhanden. Der Wagen wurde durch den gewaltigen Stoß derart zertrümmert daß die einzelnen Stücke desselben auf einen Karren geladen nach Mainz gefahren wurden.
— Die Rechtsprechung in Bezug auf Schlägermensuren auf den deutschen Universitäten ist jetzt ganz unsicher. Während vor längerer Zeit ein Strafsenat des R ichs- gerichts die Schläger für tödtliche Waffen erklärt hat, ist neuerdings eine andere Entscheidung gefällt worden, die nicht gerade der ersten schnurstracks zuwiderläust, aber doch dieselbe illusorisch zu machen geeignet ist. Die Schläger sind danach an sich tödtliche Waffen, verlieren aber diesen Charakter bei den gehörigen Schutzmaßregeln, wie sie bei ©tubentenpaufereieu üblich find. — Die „Bonner Ztg " berichtet unterm 3. d. Mts.: „Eine Mensur vom 2 Juli v. Js. zwischen drei Hallensern und drei Bonner Allemannen wurde heute Mo-gen vor der Strafkammer oerbanbelt. Die sogenannte „pro patria-Paukerei" hatte auf Forderung der Hallenser Studenten hier in Bonn und zwar mit geschliffenen Schlägern ftattgefunben. Alle drei Paare hatten ordeniliche Schmisse davongetragen. Einem ber .Kämpfer mußten bie erhaltenen Wunben mit 38 Nadeln, einem andern mit 26 Nadeln gehaftet werden. Da aber die Verhandlung entgegen der Aufstellung der Anklage ergab, daß allerdings die Paukerei mit geschliffenen itödtlichen) Schlägern, aber auch nvt den nöihigen Schutzmitteln gegen Lebensgefahr durch bie üblichen Binden und Banbagen stattgesunben, so erfolgte Freisprechung sämmt- licher Angeklagten von ber Anklage des .-Zweikampf s mit tödtltchen Waffen, doch wurden sie wegen gegenseitiger Mißhandlung zu je 50 X ober fünf Tage Geiängniß verurtheilt".
— Den längsten Februar ber Welt hat in diesem Jahre der „Holsteinische Bote" gehabt, ber sich nicht bet dem 29. Februar begnügte, das Schaltjahr von 1884 ante« epirenb, sondern sich auch noch einen 30. Februar zulegte „Stolz will ich den Spanier . . ."
Handel und Verkehr.
Limburg, 8. März. (Fruchtmarkt) Rother Weizen X 20.90, Weißer Weizen X 20 70, Korn X 15.40, Gerste X 11,10, Hafer X 8,75, Erbsen X 00 00, Kartoffeln X 00,00.
731) lieber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von HA A.SEIVSTE1IV <4? VO€HjER in Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München 1 zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde zu Gießen.
Gottesdienst:
Sonntag dcn 12. März (Oculi):
Morgens 9*/2 Ubt: Pfarrer Schlosser.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Mittwoch den 15. März:
IV Passtonsgottesdienst.
Abends « Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Sonntag den 19. März, findet im Vormitiagsgoitesdienst die Feier des heil. Abendmahls statt. Die Beichte wird In Verbindung mit demselben gehalten werden
Die Psarrgeschäfte in der Woche vom 12. bis 18. März besorgt Pfarrer Schlosser.


