1882
Mittwoch den 1L Zanuar
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«iu'licner Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Amtlicher Hheit. Bekanntmachung.
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Durchschnlllsmarktprelse «m *0««l ®f“..* 10, Stteh * 10 per 100 ililog™»m.
Gießen, den 9. Januar 1882. " ' GroßherzoBches Kreisamt Gießen.
Politische Ueberskrht^
Gießen, 10. Januar.
Mit dem am Montag, den 9 Januar, erfolgten Wiederzusammentritte des Reichstages hat die verhältnißmäßig lange Pause m unscreni parlamentarischen Leben, welche die Weihnachtszeit nut sich brachte, ihr Ende erreicht und es wirb ohne Zweifel in dem noch übrigen Theste der Reichstags,es,wn noch zu manchen lebhaften Debatten kommen. Den Anlaß hierzu wird ledenfalls die kirchenpolitifche Frage geben, welche durch den Antrag des Abg. ^ndhprst auf Aushebung des sog. Jnternirungs-Gesetzes gegen renitente kathott,che Geistliche nun auch im Reichstage zur Erörterung gelangt. Die Annahme dieses Antrages würde in dem Gefüge der preußischen Kirchengesetzgebüng eme empstndliche Lucke Hervorrufen, was sowohl von liberalen, wie von constrvattven Blattern betont wird und die conservativen wie die liberalen Reichstags-Fraktionen — Mit Ausnahme eines kleinen Theiles der Fortschrittspartei — werden dechalb gegen den Antrag Windhorst stimmen, welcher nächsten Mittwoch zur Berathung gelangen soll, und die Ablehnung desselben ist daher wahrscheinlich. Auch der preußische Landtag wird in dieser Woche — am)14- ^Ear zusammentreten , in welchem die kirchliche Frage gleichfalls emen Hauptpunkt der Verhandlungen bilden wird, doch ist über den Inhalt des dem Landtage vorzu- leqenden kirchenpolitischen Gesetzentivurfes noch nichts bekannt.
Beachtenswerth ist die Antwort, welche _ber Kaiser der Serhner »tobt. verorbneten-Versammlung auf deren Glückwunsch-Schreiben zum JahreAvech el hat zugehen lassen. In derselben dankt der Monarch den Stadtverordneten für ihre immer von Neuem hervortretenden Beweise warmer Anhanglichttü. imd , Siebt dann dem Wunsche Ausdruck, daß die begonnene Lösung der Schwierigkeiten welche nur allzulange auf dem ivirthschafllichen Leben lasteten, i neuen Jahre kräftig fortfchreiien möge, damit unter dem gesicherten «chutze des Friedens der Wohlstand der Ration, aus dessen Forderung das ganze Streben der kaiserlichen Regierung gerichtet seh, sich zu neuer Muhe entwickele.
Der Kaiser zweifle nicht, daß diese seine ernsten Bemühungim m dem umfangreichen Gemeinwefen Berlins, zum Heil und Segen, der L-iadt, eme krättige und nachhaltige Unterstützung finden werden. .
Charakteristisch für die Verhältnisse innerhalb der ultramontanen Mehr- beit der bayerischen Abgeordnetenkammer ist die Ausschließimg des klerikalen Abgeordneten Bucher aus seiner Fraktion. Herr Bucher hatte in der »Donau- Zeitunq" mehrere Artikel veröffentlicht, in denen der ultramontanen Kammermehrheit ein ehrenvoller Ausgleich mit dem Ministerium Lutz angerathen wurde wolle sie dies aber nicht, so müsse sie sich zu einem entscheidenden schritte entschließen, welcher das Mnisteriurn entweder zur Demission oder zur Kammerauflösung zwinge. Der Vorstand der ultramontanen Partei hat m diesem Voraehen Bucher's jedenfalls eine Gefährdung ihrer Bestrebungen erblickt und verfügte deshalb die Ausschließung des genannten Abgeordneten aus dem Frak- twn_>D österreichische Regierung gestaltet sich die Loge in den aufständi- ftben Bezirken Süd-Dalmatiens mit jedem Tage mißlicher. Den Aufständischen __ denn daß man es in der Bocche di Cattaro nur mit „Räuberbanden zu tbun habe wagen die Wiener Osficiösen denn doch nicht mehr zu behaupten — kommt besonders das Terrain sehr zu statten, da in den Schluchten der Boeche di Cattaro den Aufständischen nur schwer beizukommen ist. Dian hat sich deshalb bis jetzt begnügt, die aufständischen Bezirke durch einen militärischen Cor- von aewissermaßen abzusperren, aber trotzdem gelingt es den Aufständischen, -inrrh^fortaeiebte Zuzüge aus Montenegro und Bosnien sich immer mehr zu SS”» üfSlÄ« **£. h°> sich nun <■**•, «*• Rkachtmitkel in Süd-Dalmatien zu entfalten und dorthin roeitere Verstärkungen für die Truppen in der Gesammtzahl von 7000 Mann ju fänden.
^n Trankreich sitzt das Ministerium Gambetta noch gar nicht sest _ int Sattel und schon heißt es, Gambetta werde demnächst eine,thellwelfe Umgestaltung seines Cabinets vornehmen. Vor Allem werden der Minister des Innern, WÄdeck-Rousseau, und der Finanzwinistir AUam-Targä als die en^ Mmister bezeichnet, welche aus ihren Stellungen scheiden wurden und soll Gambetta bemüht sein, dafür de Freycinet und Leon Say zu gewinnen. Ob diese Nachrichten eine größere Glaubwürdigkeit verdienen, muß ,edoch noch dahingestellt bleiben — Mn Stelle des verstorbenen Seme-Prafekten Herold ist der radicale Deoutirte Floquet zum Leiter dieses mchtigen Postens ernannt worden.
W Die englische Regierung trifft ihre Vorbereitungen für die am 7 tfebruar iu eröffnende parlamentarische Campagne. Nach den Ankündigungen der Minimer Chamberlain und Bright in ihren neulich zu Birmmgham Sehaltenen Reden werden sich unter den Vorlagen für die tomtnende teil,ton bej Parla
ments auch ein Gesetzentwurf über die Ausdehnung des Stimmrechts mrs die ländlichen Kreife nnd eine Vorlage, betr. die Reform des Bodengefetzes befinden. Aus den Mittheilungen der Minister ging ferner hervor, daß die englische Regierung beabsichtigt, noch andere wichttge Reformen zu beantragen, daß sie aber vorher die Geschäftsordnung des Unterhaufes einer Verbesserung unterziehen will. Wenn man bedenkt, daß die bisherige Geschäftsordnung es den irischen Depu- 'irten gestattete, die Debatten des Unterhauses fast bis m's Unendliche zu verschleppen, so begreift man die Nothwendigkeif einer Verbesserung der parlamentarischen Geschästsordnung und es wird diese Verbesserung der Hauptsache nach toohl darin bestehen, daß der Antrag auf Schluß der Debatte emge- ' ^rt Dst'von der italienischen Deputirtenkammer zur Vorderathung der Wahl- resormvorlaqe niedergesetzte Coinmission hat in vergangener Woche ihre Bera- thunqen beendigt. Das Resultat derselben ist die Annahme der Vorlage mit den vom Senate beschlossenen Abänderungen. Die Berathung der Vorlage in der Deputirtenkammer soll unmittelbar nach der Wiedereröffnung der Kammer- sitzungen erfolgen und gilt ihre Annahme als sicher. ..
Die Schweizer Bundesregierung bleibt sich tn dem energifchen Zuruck- tneifen ultramontaner Uebergriffe confequent. So hat der Bundesrakh den Staatsrath von Freiburg erfucht, die Niederlassungen der Mansten m Gtvistez und der Kapuziner in Guschekmuth binnen 4 Wochen aufzulösen und den Insassen derselben jede weitere derartige Ansiedelungen zu untersagen. Die Maßregel dürste mit der bei den letzten Großrathswahlen in Freiburg itattgesundenen ultramontanen Agitation im Zusammenhänge stehen. h .
Das Washingtoner Cabinet hat schon verschiedene Male me -lbstcht deutlich zu erkennnen gegeben, daß es nicht gewillt sei, die Einmischung der europäischen Mächte in amerikanische Angelegenheiten zu dulden. Em neuer Beweis hiervon ist eine Note des vorigen Staatsseeretärs Blame, durch welche Mexiko und die Republiken Mittel- und Süd-Amerikas aufgefordert werden, Delegirte zu einer am 30. November d. Js. in Washington stattzufindenden Conferenz zu entsenden, in welcher über die Schritte berakhen werden soll, die erforderlich find um die beiden amerikanifchen Contmenke gegen ,ebe Emmifchung und Beeinflussung der europäischen Mächte sicherzustellen. Die erwähnte Note datitt vom November vorigen Jahres; ob die mittel- und sudamerlkamschen Regierungen eine Antwort erkhellt haben und in welchem Smne dieselbe ausgefallen ist darüber ist allerdings nichts bekannt. Ebensowenig weiß man, ob Mr. Fre- linabujen, der Nachfolger Blaine's, überhaupt geneigt ist, dreie ^dee lemes Vorgängers im Amte wieder aufzunehmen, eine ^bce übrigens, die von den europäischen Cabineten wahrscheinlich nur belächelt werden wirb.
Deutschland.
Darmstadt, 8. Januar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Decbr 188t den außerordentlichen Professor an der Universität Marburg, Dr. Gustav Peseatora, zum ordentlichen Professor in der.Mrsttt- schen Fakultät der Landes-Universität mit Wirkung vom l. April 1882 3u ernennen und in der gedachten Eigenschast zu berufen.
Aranftreich.
Paris. 8 Januar. Das Resultat der Senatorenwahlen liegt nunmehr vollstänbia vor es sinb 64 Republikaner und 15 Conservattve gewählt worden, d eRepublikanerhaben 22 Sitze gewonnen. Freycinet ist viermal gewa tt wordem Der Senat wird fortan 207 republikanische und 93 conservattve Mitglieder Men. 3q( 6t 6 beä Todes Blanqui's begab sich heute eine
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England.
„ u Januar. Das „Reulerffche Bureau" meldet aus Kairo Lont m«, f .ljich" und der französische Generalconsul erhielten gestern Alienk auf telegraphischem Wege eine Collectivnoke ihrer Regierungen, in welcher


