Ausgabe 
10.9.1882 Zweites Blatt
 
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ist die kaiserliche Manufaktur die einzige Tabakfabrik, welche indem sie chre Erzeugnisse als von ihr herrührend kennzeichnete, während sonst fast ausnahms­los gang und gäbe ist, Cigarren ohne Nennung ihrer Fabrikanten in den Consum zu bringen und dieselbe nur mit gewöhnlichspanisch klingenden" Bezeichnungen zu versehen zu einer, so zu sagen, persönlichen Kritik herausforderte, zu einer Kritik, die zu üben sich Jeder berechtigt glaubt, und die m möglichst abweisen­der und schneidiger Form ausgeübt zu haben, seit einiger Zeit als eine politische That von den Linksliberalen ausgegeben wurde, nachdem den Führern dieser Parteien mit Aufbietung jedes Mittels gelungen war, gegen die kaiserliche Manufaktur und deren Fabrikate Stimmung zu machen, um so ein volksthümliches Argument gegen die Monopol-Idee zu gewinnen.

Wenn durch das inzwischen zurückgezogene Circular die Manufaktur Fabrikate ohne ihre Firma angeboten hat, so hat sie sich damit nur der allge­meinen Usance im Cigarrengeschäst angeschlossen. Es verdient vielleicht erwähnt zu werden, daß das berühmte in Bremen domilicirte Cigarren-Jmporthaus, welches den Erklärungen der Bremer Handelskammer gegen das Monopol einen eigenen nicht anonymen Brief hinzufügte, für seine inländischen Fabrikate sich selbst anonymer Bezeichnungen bedient.

Wir zweifeln jedoch nicht, daß es den in Vorbereitung befindlichen Ände­rungen innerhalb der kaiserlichen Tabak-Manufaktur in Straßburg baldigst ge­lingen wird, Maaren herzustellen, die in jeder Weisekaiserlich" genannt zu werden verdienen.

Eine außerordentlich nachahmenswerthe Verfügung hat die königliche Eisenbahndirection zu Elberfeld am 2. d. Mts. erlassen. Dieselbe lautet:Es giebt häufig Veranlaffungen, aus denen Eltern resp. Erzieher Kinder ohne Beglei- lung reisen lassen müssen. In solchen Fällen wird es den Angehörigen eine Beruhigung sein, zu wissen, daß den Kmdern Seitens der Angestellten der Eisen­bahn besondere Aufmerksamkeit und Fürsorge gewidmet wird. Wir weisen deshalb die Stations-Beamten, sowie die Zugführer und Schaffner an, sich allein reisender Kinder in jeder Hinsicht auf das Beste anzunehmen, sich mit dem Ziel ihrer Reise bekannt zu machen, sie über die Schwierigkeit ihrer Reise, sowie die Mittel zu deren Vermeidung zu belehren, ihnen Plätze in angemessener Gesellschaft zu geben, insbesondere auch in den erforderlichen Fällen speciell zum Um- und Aussteigen auszufordern, ihnen dabei behülflich zu sein und dieselben aus den Umsteige-Stationen an den diensthabenden Beamten oder den Zugführer des Anschlußzuges zu verweisen. Denjenigen Erwachsenen, welche allein reisende Kinder an den Zug begleiten, ist jede geforderte Auskunft zu ertheilen uffd ihren speciellen Wünschen bezüglich der Fürsorge für die Kinder bereitwilligst zu ent­sprechen. In gleicher Weise ist auch älteren, hülssbedürstigen und des Reisens augenblicklich unkundigen Personen, namentlich allein reisenden Frauen jeden Standes zu begegnen".______________________________

Ium Eisenbahn-Unglück Ireiburg-Hugstetten.

Freiburg, 7. September.

Professor Maas veröffentlicht soeben einen ausführlichen Bericht über die ärzb lichen Hülfelefftungen bei dem Eisenbahnunfall. Danach wurden Medicinalrath Rerch und Hofrath Schinzinger um 9Vi Uhr Abends durch den Bahnamtsvorstand Ambros benachrichtigt, daß auf der Breisacher Bahn das Allarmsignal gegeben fei und daß möglicherweise ein Unglück vorgekommen. Beide Herren begaben sich auf den Bahn­hof. Der Bahnamtsvorstand, der einige Zeit auf einen Arzt gewartet halte, war hei ihrer Ankunft bereits mit einer Locomotive und begleitet von einer aus Bahnperson-l bestehenden Hilfsmannschaft dem Zuge nachgefahren. Mittlerweile kamen die Arbeiter und einige leichtverletzte Passagiere mit der Meldung von dem Geschehenen. Dr. Thtry, der mit Reich und Schinzinger zur Bahn gekommen, eilte nach der chirurgischen Klinik und von da, mit Verbandmaterial reichlich versehen, zu Wagen nach dem Un- sallorte; ihm folgten 12 Aerzte, die Assistenten der chirurgischen, medtcinischcn und gynäkologischen Klinik. Bei ihrer Ankunft fanden sie die herbeigeeilten Einwohner aus den benachbarten Ortschaften bereits in voller Thätigkeit Dr. Oster constatirte 10 Minuten vor 2 Uhr, daß kein Verwundeter mehr am Orte. Die 60 Mann starke Feuerwehrmannschaft half die Verwundeten nach Freiburg dringen. Eine Anzahl Aerzte begaben sich nach Hugstetten zu den dort liegenden Verwundeten, andere kehren nach Freiburg zurück. Professor Maas lobt die aufopfernde Thätigkeit aller Helfenden.

LoksleS.

Gießen, 9. September. (Sitzung der Stadtoerordneten vom 7. September.) Anwesend Herr Bürgermeister B ra m m, die Herren Beigeordneten Keller und Heß, von Seiten der Stadtoerordneten die Herren: Bai st, Diery, Gail, Grüneberg, Hanstein, Hornberger, Kauf, Lüdeking, Adolf Noll, Aug. Noll, Petri. Pfannmüller. Scheel. Schopbach, Vogtf, Wenzel und Wort- mann. In heutiger Sitzung wurde zunächst beschlossen, dem in Betreff des Umgusses einer Glocke abgegebenen Gutachten verschiedener Sachverständigen entsprechend, nämlich daß durch Ausschleifen der schadhaften Stelle und das Umhängen der Glocke das gewünschte Resultat nicht erzielt weiden könne, der Offerte der Glockengießerei Rinker in Sinn, wie solche bereits in Nr. 199 d. Bl. enthalten ist, näher zu treten, d. h. den Umgutz der Glocke vornehmen zu lassen. Von Großh. Handelskammer Gießen ist der Stadtverordneten-Versammlung ein Schreiben der Comitäs für Erbauung einer Secundärbahn von Gladenbach nach Lollar zugestellt worden, in welchem u. A die Ablehnung irgend welcher Unterstützung Seitens der Stadt bedauert und angeführt wird, in welcher Weise sich die umliegenden Städte und Kreisvertretungen, sowie Private an der Förderung des Unternehmens durch baare Mittel betheiligen. Die Kosten der Herstellung dieser ca. 15 Kilometer langen Strecke sind auf 150,000 JL veranschlagt, davon sind 117,125 X bereits gezeichnet, so daß noch der Rest von ca. 33,000 X aufzubringen sei, um das Project durchzuführen. Die Versammlung erklärt, auf ihrem bereits früher gefaßten Beschlüsse zu beharren, da das Interesse der Stadt an dem Bau kein solches sei, daß eine Zubuße geleistet werden könne. Eröffnung der Löberstraße. Nachdem Hr. E m i l N o l l erklärt hat, der Stadt das erfordert. Gelände zu dem angegebenen Preise von 7 X pro lUKlafter zu überlassen, bewilligt die Ver­sammlung demselben eine Vergütung von 30 Jfc für die Versetzung des Holzes und des Spaliers und spricht sich gleichfalls für die Herstellung eines Einganges zu seinem Grundstück aus Betreffs eines etngereichten Gesuches um Ausbau der Schützen­straße soll vorerst festgestellt werden, wie viel Häuser an genannter Straße bereits stehen und wie viel noch aufgeführt werden können. Das Gesuch des Herrn Rentner H. Vogt um Erlaudniß zur Herstellung eines Wasserabflusses mittelst Thonröhren nach dem Schoorgraben in der Westanlage wird genehmigt, desgl. dasjenige des Herrn Kaufmann Andreas Keller um Angabe einer Baulmie zum Zwecke der Aufführung eines Neubaues an Stelle des abzubrechenden Noll'schen Hauses am^Seltersweg, nach dem Anträge der Baudeputation. Zur Anschaffung von 100 L>tück neuen Feuereimern auf dem Submissionswege wird Genehmigung ertheilt; desgl. zur lieber: lassung eines Lagerplatzes an Herrn Bäckermeister Gg. Müller gegen Entrichtung des üblichen Pachtzinses. Die am 20. d. Mts. zur Vertheilung kommenden Zinsen aus der Stiftung des Rentners K. L- Kirsch wurden 11 bedürftigen Wittwern und Wittwen von hiesigen Bürgern zugetheilt.

Vermischtes.

Unter dem Geläute von hundert Glocken zur letzten Ruhe bestattet zu werden, ist gewiß eine seltene, ganz außerordentliche Ehre. Aber nicht, wie man vielleicht glauben wird, einem hochmächtigen Potentaten, sondern einem einfachen Glockengießer wurde sie vor einigen Tagen zu Theil, und das Feierliche des Vorganges wurde noch erhöht durch den Umstand, daß die hundert Glocken nicht an einem Orte, sondern in den verschiedensten Ortschaften und in den verschiedensten Gegenden geläutet wurden. Man schreibt darüber aus Korn o tau: Dieser Tage starb der hiesige Glockengießer Otto Herold. Sein Vater, ebenfalls Glockengießer, hatte seiner Zeit die Glocke der hiesigen evangelischen Kirche angefertigt. Bei Ilebergabe derselben bedang er, daß die Glocke auch den zum Kaiholikisrnus üdergetretenen Familienmitgliedern zur Ruhe lauten müsse. In Folge dessen läuteten bei dem Begräbnisse Herold's die Glocken beider Kirchen; zur selben Stunde wurden in Folge eines besonderen Vertrages alle von der Firma Herold hergestellten Glocken, über 100, in verschiedenen Orten Böhmens, Mährens, Schlesiens, Nieder-Oefterreichs und Ungarns geläutet- Eine ebenso groß­artige wie sinnige Ehrenbezeigung.

Der Nekrolog des August hat in einem Wiener Blatte folgenden scherzhaften Wortlaut: Indem mit dem heutigen Tage jenes verlotterte Individuum, Namens August, welches einen vollen Monat hindurch allerwege Land und Volk mit seinen tückischen Streichen belästigte, flüchtig geworden, sehen wir uns veranlaßt, Folgendes wider ihn zu erlassen: In Erwägung, daß dieser Lump zahlreiche Mitbürger in abge­legene Gebirgsihäler gelockt und sie dort durch unaufhörliche Regengüsse zu ertränken versucht hat; in Erwägung, daß ein Theil dieser bedauernswerthen Opfer durch an­dauernden, gezwungenen Aufenthalt in feuchten, stinkigen Bauernstuben . sowie durch den steten, reizlosen Anblick von Strichregen und Wasserdampf erschrecklich nahe dem Blödsinne gekommen; in Erwägung, daß ein anderer Theil in Folge der erbärmlichen Kälte von so gemästeten Schnupfen heimgesucht worden, daß die ausgedehntesten Nasen sich als unzulänglich erwiesen; in Erwägung endlich, daß solch unerhörtes, verdamm- liches Benehmen durch volle 31 Tage geschehen: - widmen wir besagtem Augustus, allezeit Mehrer des Trübsal, unfern dreimal gezackten Fluch. Möge ihn auf seiner Flucht der Satan einholen und dieser den verwässerten Kerl in der Hölle dorren, bis I ihm her letzte Regentropfen aus dem Leibe fährt, auf daß er gewitzigt werde fürs nächste Jahr. Fluch ihm! (Folgen die Unterschriften . . . Millionen unterzeichnen fanatis ch.)

Allgemeine

5237

Herrn WILHELM REIBER, Seltersweg, übergaben wir ein Lager in Haslüster, Haslampen, und Koch-Apparaten, sowie allen sonstigen Gegenständen zur Gasbeleuchtung aus den ersten Fabriken dieser Specialitäten und in den bewährtesten Constructionen.

Giessener Gaswerk.

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stets frisch gebrannt, führen sich dauernd in weiteren Kreisen ein und dürfte dies alsKeutlichster Beweis ihrer Vorzüglichkeit gelten. Enrpfehle solche zu

Mk. 1., 1.20, 1.40 und 1.60 per Pfund,

sowie mein großes Lager in rohen Caffe S zu Mk. 0.70, 0.80, 92 Pf.

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S. Elsofier, Marktstraße.

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Kn^pf- und Besatzurtikeln, Hand­schuhen, Rüschen, sowie sämnstlichen Wolle- und Kurzwaaeen

auf das Beste sortirt und offertte solches zu billigen Preisen.

J. Haan Jr.

5747 am Kreuz.

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längerem Gebrauch den Vorzug. Besonders bewährt bei:

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