Ausgabe 
10.1.1882
 
Einzelbild herunterladen

die Person des Königs. Ihre Erhaltung ist eine staatliche Nothwendigkeit für Preußen. Es ist deshalb mein Wille, daß sowohl in Preußen, rotem den gesetz­gebenden Körpern des Reiches über mein und meiner Nachfolger verfassungs­mäßiges Recht zur persönlichen Leitung der Politik meiner Regierung kein Zweifel gelassen und der Meinung stets widersprochen werde, als ob die in Preußen jederzeit bestandene und durch Artikel 43 der Verfassung ausgesprochene Unverletzlichkeit der Person des Königs oder die Nothwendigkeit verantwortlicher Gegenzeichnung meinen Regierungsakten die Natur selbstständiger königlicher Entschließungen benommen hätte. Es ist die Aufgabe meiner Minister, meine verfassungsmäßigen Rechte durch Verwahrungen gegen Zweifel und Verdunke­lung zu vertreten; das Gleiche erwarte ich von allen Beamten, welche mir den Amtseid geleistet haben. Mir liegt es fern, die Freiheit der Wahlen zu beein­trächtigen, aber für diejenigen Beamten, welche mit der Ausführung meiner Negierungsakte betraut sind und deshalb ihres Dienstes nach dem Disciplinar- gesetz enthoben werden können, erstreckt sich die durch den Diensteid beschworene Pflicht auf Vertretung der Politik meiner Regierung auch bei den Wahlen. Die treue Erfüllung dieser Pflicht werde ich mit Dank erkennen und von allen Beamten erwarten, daß sie sich im Hinblick auf ihren Eid der Treue von jeder Agitation gegen meine Regierung auch bei den Wahlen fernhalten."

Berlin, 7. Januar. Der Bundesrath wird sich demnächst mit dem ihm vorliegenden Entwurf des Vogelschutz-Gesetzes befassen, welches auch dem Reichstage alsbald zugehen dürfte. In dem Gesetze ist von einer Aufzählung der Vogelarten, deren Fangen, Erlegung und Feilbieten allgemein oder für ge­wisse Zeiten untersagt sein soll, abgesehen, und die hierber zu erlassenden Be­stimmungen dem Bundesrathe anheimgegeben worden. Nöthiger fast, als bei uns, ist aber der Vogelschutz in Italien und anderen südlichen Ländern, wo unsere Wandervögel auf der Reise bekanntlich in kolossalen Mengen hingemordet werden. Da sollte man auch gelegentlich eimnal Vorstellungen machen.

München, 7. Januar. DieMünchener Morgen-Ztg." veröffentlicht ein Antwortschreiben des Fürsten Bismarck auf eine ihm von der Vorstandschaft der gemäßigten Partei Münchens telegraphisch eingesandte Neujahrsadresse. Dieselbe lautet:Berlin, den 3. Januar 1882. Es gereicht mir zur beson­deren Freude, aus Ihrem Telegramm zu ersehen, daß auch dort Anzeichen einer Wiederbelebung, der wirthschaftlichen Thätigkeit wahrnehmbar sind. Die Befesti­gung dieser Erfolge unserer Zollpolitik und die fortgesetzte öffentliche Diskussion derselben werden mit der Zeit dahin führen, die Absichten, welche die verbün­deten Negierungen bei ihren wirthschaftlichen Reformen leiten, in das richtige Licht zu stellen. Auf diesem Wege hoffe ich, daß vielleicht langsam, aber sicher, die Wahrheit sich durch ihr eigenes Gewicht so weit Bahn brechen wird, daß die Verleumdungen und Lügen, wie sie bezüglich der Reformbestrebungen der verbündeten Regierungen bei den Wahlen in vielen Kreisen verbreitet wurden, künftig keinen Glauben mehr finden werden."

Die bayerische Abgeordnetenkammer hat ihre durch die Weihnachts- ferien unterbrochene Thätigkeit bereits am 4. Januar wieder ausgenommen. In dieser Sitzung wurde der Etat des Ministeriums des Aeußern berathen, bei welchem der Abg. Herz unter Bezugnahme auf die Rudhardt-Affaire die Aus­hebung sämmtlicher bayerischer Gesandtschaftsposten forderte, während Abg. Schelsaus Partikularismus" die Beibehaltung derselben, mit alleiniger Streichung des Berliner Postens, beantragt. Der Minister des Aeußedu, v. Crailsheim, entgegnete, daß die bayerische Regierung chren Gesandten, v. Rudhardt, aus freier Initiative von Berlin abberufen habe und daß übri­gens Fürst Bismarck dem guten Willen und dem Patriotismus Rvdhardt's völlige Gerechtigkeit habe angedeihen lassen. Der Antrag Schels, den Titel Gesandtschaftsposten" behufs Streichung des Berliner Postens an den Ausschuß zurückzuweisen, wurde schließlich mit knapper Majorität abgelehnt.

Oesterreich.

Wien, 7. Januar. Große Bewegung herrscht augenblicklich in Wiener publicistischen Kreisen, welche durch den seit längerer Zeit verbreiteten und nun vollzogenen Besitzroechsel einiger Journale hervorgerufen worden ist. Nachdem schon seit längerer Zeit die altePresse" und dieTribüne" als Eigenthum der Länderbank zu betrachten waren und diese Blätter nun in den definitiven Besitz der erwähnten Bank übergehen, hat dieselbe nun auch dasExtrablatt"^ um den Preis von 850,000 Gulden angekauft. Gleichzeitig ist die Länderbank in den Besitz eines großen Theiles der Aktien der GesellschaftElbemühl", welcher dasFremdenblatt" gehört, sowie der Leykam-Josefsthaler Papierfabriks- und Verlags-Gesellschaft in Graz, welcher dieGrazer Tagespost" gehört, gelangt. Diese Unternehmungen sollen für gemeinsame Rechnung einer ad hoc zu grün­denden Aktien-Gesellschast betrieben werden. Gegenüber der Macht, zu welcher auf diese Weise die Länderbant auf publicistischem Gebiete gelangt, sind wieder Gründungen einiger neuer journalistischer Unternehmungen geplant. Selbstver­ständlich ist dieser Besitzwechsel auch von einer Reihe von Personalveränderungen bei den einzelnen Journalen begleitet.

Arankreich.

Paris, 6. Januar. Der Ertrag der Steuern und inbirecten Einkünfte im Jahre 1881 übersteigt den Budget-Voranschlag um 217 Mill. Frcs.

Paris, 8. Januar. Bei den heute stattgehabten Senatorenwahlen int Departement der Seine wurden im erstell Wahlgange Victor Hugo und Peyrat gewählt. Nach ihnen erhielten die meisten Stimmen Tolain, Labordcre und Freycinet. Der alsbald eröffnete neue Wahlgang zur Wahl der drei übrigen Senatoren wird Nachmittags 4 Uhr geschloffen werden. Bis jetzt sind, mit Ausnahme von Algier und Oran, 77 Resultate bekannt, darunter sind gewählt: 56 Republikaner und 12 Conservative. 9 Stichwahlen sind erforderlich.

Die früheren Minister Caillaux und Talhouet sind nicht wiedergewählt worden.

England.

London, 7. Januar. In dem heute abgehaltenen Cabinetsrathe soll beschlossen worden sein, außerordentliche Maßregeln zu ergreifen, um das Ver­thellen von Waffen an die Bevölkerung Irlands zu verhindern, und diejenigen Personen, welche Waffen verthellen, gerichtlich zu verfolgen. Der General- fecretär für Irland, Forster, wird morgen bei der Königin eine Audienz haben, um wichtige Dokumente, betr. die irischen Angelegenheiten, vorzulegen.

Liverpool, 6. Januar. Aus Accra vom 8. December wird die Nach­richt bestätigt, daß der König von Aschanti 200 von benachbarten Stämmen geraubte junge Mädchen hat hinschlachten lassen.

Rußland.

Petersburg, 7. Januar. Aus Rußland wird abermals von hoch­wichtigen Verhaftungen berichtet, welche in Moskau vorgenommen wurden unb jedenfalls mit neuen nihilistischen Umtrieben Zusammenhängen. Auf Moskau scheint übrigens jetzt die russische Polizei ein wachsames Auge zu haben, was sich aus dem Umstande erklärt, daß in der alten Hauptstadt des Czarenreiches die Krönung Kaiser Alexanders und seiner Gemahlin stattfinden soll und daß es vorher nothwendig erscheint, das Terrain von den Nihilisten vollständig zu säubern. Ob das Letztere aber gelingen wird, ist freilich zweifelhaft und es haben die Nihilisten, wie bereits gemeldet, an Kaiser Alexander 111. ja die Drohung gelangen lassen, daß sie seine Krönung unter allen Umständen zu ver­hindern wissen würden.

Warschau, 6. Januar. An bein heutigen russischen Weihnachtsfeier­tage waren die Vorsichtsmaßregeln verdoppelt worden. Von den anläßlich der letzten Ruhestörungen Verhafteten sind 350 dem Criminalgericht übergeben wor­den; die übrigen wurden freigelassen.

Lokales.

Gießen, 9. Januar. (Sitzung der Handelskammer vom 23. Dezember 1881.) Anwesend die Herren Ed Silbereisen, S. Heichelheim, F. C. B. Koch und Gg. H. Schirmer.

Der Vorsitzende giebt der Kammer Kenntniß von 20 Eingängen

Hierauf theilt der Vorsitzende mit, daß er bezüglich der Errichtung einer Ver­suchsstation für die Untersuchung von Lebens- und Genußmiteln Rücksprache mit Herrn Bürgermeister Bramm genommen habe und man seitens der städtischen Behörde geneigt sei, die Errichtung einer solchen Stelle in Gießen zu befördern

Die Kammer wendet sich zu der Berathung der Frage betr. das Verbot der Bezeichnung inländischer Waaren als ausländische Fabrikate und beschließt, sich zur Zeit gegen ein solches Verbot auszusprechen, da die ohnehin schon sehr gedrückte Industrie dadurch geschädigt werden würde. Mit dem Eintritt besserer Zeiten würden die Fa­brikanten schon ohnehin von dieser althergebrachten Gewohnheit allmälig abgehen.

Elne Anfrage Großh. Ministeriums des Innern und der Justrz, betr. die Ein­fuhr von rohem Baumwollen Gewebe für Schmirgelleinen soll dahin beantwortet werden, daß in dem diess itigen Bezirk keine derartige Industrie bestehe.

Die König!. Elsenbahn-Dtrection Hannover theilt mit, daß die Eisenbahnkassen der (Stationen Gießen, Bockenheim und Frankfurt (Main-Wefer-Bahn) angewiesen worden seien, die Roten der Bank für Süddeutschland an Zahlungsstatt anzunehmen.

Gießen, 8. Januar. Im Saale des Cafe Leib wurde gestern Abend die Generalversammlung des hiesigen Vereins der deutschen Fortschrittspartei abgehalten. Herr Georgi begrüßte als Vorsitzender die Versammlung, wies auf die Thätigkeit und die Erfolge des jungen Vereins seit seinem Bestehen hm, gedachte der günstig aus' gefallenen Rekchsragswahl, bemerkte, daß es das Bestreben des seitherigen Vorstandes gewesen sei, Fühlung mit dem hiesigen nationalen und liberalen Verein zu behalten, und daß das soeben erwähnte Wahlresultat theilweise auch der he-vorragenden Thätig­keit einzelner Mitglieder des andern liberalen Vereins nut zu verdanken sei. Herr Louis Hornberger referkte über den zweiten Gegenstand der Tagesordnung, das allgemeine Wahlrecht bet den Landtagswahlen betreffend- Der Redner b merkte daß von dem Darmstädter Verein der deutschen Fortschrittspartei an alle liberalen Vereine in Stadt und Land Aufforderungen ergangen feien, die Petition einzelner Landtags-Ab­geordneten wegen Einführung des allgemeinen Wahlrechts durch Namensunterschriften zu unterstützen. Nachdem der Referent in klarer und gewandter Rede gezeigt hatte wie das letzt bestehende tnbirecte Wahlsystem es dahin gebracht hätte, daß an vielen Orten eine Wahlbttheifigung gar nicht mehr ober kaum noch exiftire, unb daß also die erzielten Wahlen nicht immer als das correete Ergebniß des Volkswillens zu be­trachten sei, wurde der Antrag die erwähnte Petition zu unterstützen, fast einstimmig angenommen. ö

Nach den Statuten des Vereins sollte der Vorstand aus neun Personen bestehen. Da diese Zahl sich mitunter als ungenügend berausgestellt hatte wurde beschlossen, sie bis auf fünfzehn zu erhöhen. Gewählt wurden die Herren: Georgi, Habenicbt Hnn°mra §ftnLcvJer' L ^Jughardt, F. (£ B. Koch, I, Krat-'

ling, G- E. Mohl, I. Ricker, R. Scheel, Schirmer, PH. Ubl Ebr Wallenfels, W. Wallenfels, C. Wenzel.

BernrifchteH.

sp - benJ Taunus, 5. Januar. Auf den Wiesen bei Dittenbergen (bei

^n^äbakd)) ^de gestern von einem Jäger ein seltenes Wild erlegt, nämltd) Vn Steinadler, dcr mit aufgespannten Flügeln 2.22 Meter maß.

' 5,. Januar. Der Schlosser Wilke, der phantasiereiche Verfett ger jenes .^alseisens, nutzem er hiesigen Aerzten ans Leben gehen wolltt hat gestern früh im Un ersuchungsgefangniß zu Moabit, woselbst er sich letzt befindet'den Versuch gemacht, sich durch Selbstmord dem irdischen Richter zu entziehen Als der Gttangenwatter des Morgens die Thür der Zelle aufschloß, um dem Wilke die Suvve reichen zu lassen, fand er denselben knieend vor seinem Bett und mit dem £ml«tu± erhängt vor. Dm Bemühungen der Beamten und des sofort hmzu- ^Efangn ßarzteS gelang es jedoch, den Lebensmüden wieder zum Leben und stud j tzt Vorkehrungen getroffen, welche dem Wilke eine Wiederholung derartiger Versuche unmöglich machen dürften.

für ' ar?» übcr Aerl H rinö-l In einer Reclame, welche der Pariser Flaaro" U" ?rl "ls angebliches Heilmittel in gewissen Leberkrankbeiten macht 6fleht ,cho längst, daß 'h die Uni"oersitäts-Nu^en't!'nE?n M " p e,n- zur Vertilgung ungeheuerer Biermossen schätzen. Die

It n Fuchse (les vieuxFuchs) von Heidelberg tragen stets in der lasche dnpn

u. A. e7Ä«n SS ®tT erzählen von einem Betrüger, der

Jia*nb » Sache überlegte,

doch nicht einlassen Wn« thnp Ä J ® e :Sie, auf das werde ich mich

nach einer Weile "es 4 fiumn SS* N'? ^ausztehen?" Und '"'-IS «'ÄS

ämäöSBX äss

richtungen aber und die nrbr-ap/tanpn.nF damaligen primitiven Ein-

um^bAelben^unoeE mad^en^ unb 'Ste damals!

auch in Englanb. Ein Leivfia^- ?ld)o a?e n tn Frankreich, sondern

bat nach dem Kriege An ftnb«nmfuM