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einen Stich durch die Lunge, der rechte Arm ist fast zu Brei zerschlagen. Bei beiben Ermordeten wurde viel G Ib und Noten vorgefunben. Der Angriff muß sehr energisch gewesen sein, denn obwohl des schönen Welters wegen eine Menge Personen wenig! hundert Schritte von der Mordstelle spazierten und saßen, hat keiner etwas gesehen ober gehört. Nur em Junge, der unweit der Stelle Vogelnester suchte, sah eine An­zahl Männer ringen, und zwei stürzten zu Boden; darauf sprangen vier in einen Wagen und fuhren schleunigst in der Richtung nach Chapelizod davon Der Jung! kann das Aussehen der Männer nicht beschreiben. Die Polizei burchsuchte den Park sofort, ohne irgenb Spuren aufzustnden. Es sind noch keine Verhaftungen vorge­nommen, aber beibe Velocipebisteu sinb zurückgehallen. Der Vicekönig Spencer soll sofortige Abbankung vorhaben. Die Stellung der Regierung dürfte durch das Ereignis; äußerst schwierig werden-

Oesterreich.

Wien. 6. Akai. Officiell. Die Streifung am 4.. wurde ohne jeden weiteren Widerstand durchgeführt. Es wurde hierbei wahrgenommen, daß 37 Insurgenten an der montenegrinischen Grenze von den Grenzposten entwaff­net wurden. Alle Einwohner von Ober-Poborj haben sich geflüchtet. In einem verlassenen Hause wurde eine große Menge Patronen vorgefunden. Unter« Poborj, Maini und Braic sind ruhig.

Ringtheater-Proceß. Der Gerichtshof beschloß die Vorladung der Theater-Directoren Laube und Ascher als Experten über den Wirkungskreis der Theater-Directoren, der Regisseurs rc., sowie der beiden Aerzte, welche die auf­gefundenen Leichen untersucht haben. Die heute vernommenen Zengen, unter denen sich Graf Lamezan befand, deponirten mehr oder weniger bekannte Details.

Prag. 6. Mai. Bis auf einzelne Schachten des Aussiger Bezirks, in welchen die Arbeit noch nicht völlig wieder aufgenommen, ist der Strike fast überall beendet. In dem Karbitzer Saxonia-Schacht haben alle Strikenden heute Nachmittag persönlich zur Reinlohnung am Lohntische zu erscheinen und sich bestimmt zur Wiederaufnahme der Arbeit für Montag früh zu melden, widri­genfalls dieselben in ihre Heimath abgeschoben werden. Der Bezirkshauptmann erließ nochmals einen sehr eindringlichen Warnungs-Aufruf.

England.

-London, 6. Mai. Davitt, der Gründer der Landliga, ist heute Nach­mittag aus dem Portland-Gesängniß entlassen worden. Parnell, Dillon und O'Kelly sind ihm entgegengereist.

Anläßlich einer Feier der Freilassung der verdächtigen Jnhaftirten fand gestern in Ballina ein Zusammenstoß zwischen Polizei und Volkshaufen patt. Die Polizei machte von der Feuerwaffe Gebrauch und verwundete meh­rere Excedenten lebensgefährlich.

Der Eisenbahnbeamte Ioung ist wegen Bedrohung mit Mord und wegen Erpressung vor die Assisen verwiesen worden.

Dublin, 6. Mai. Der neu ernannte Staatssecretär für Irland, Lord Frederik Cavendish, und der Unterstaats- secretär Thomas Bourke stnd heute Abend während eines Spazierganges im Phönix-Park ermordet worden. (Unfern Lesern in der Stadt zum Theil gestern mittelst Extrablatt mitgetheilt).

Loudon, 7. Mai. DerFranks. Ztg" wirb lelegraphi«: Der eben ernannte, erst gegen Mittag mit bem neuen tBic-fällig in Dublin angekommene Oberfecretär £orb Freberick Cavendish ging Abenbs, von ber Einsührungsfeierlichkeit kommenb, mit bem Untersecretär Burke burch ben Phömxpack auf bie vicekön gliche Sommerwohnung zu. Zwei Vetocipebisten, welche Beibe emherschreiten gesehen, sanben bei ihrer Rück­kehr Cavendish im Hauptwege, Bourke in einem Settenpsabe in ihrem Blute schwimmenb, ermorbet Bourke hatte mehrere Stiche nahe bem Herzen; ber Hals ist fast vollstänbig burchschnitten, bie Kleiber sinb zerrissen und blutgetränkt. Der Zustand ber Hänbe deutet auf hartnäckige Vertheidigung. Cavendish hatte mehrere Stiche in ber Brust,

Italien.

Rom, 5 Mai. Der Papst empfing heute Nachmittag eine zahlreiche irische Deputatioil, weiche erschienen war, um ihm für die Verleihung der Kar­dinalswürde an den Erzbischof Mac Cabe zu danken und eine bezügliche Adresse zu überreichen. Jtl seiner Antwort belobte der Papst die Beständigkeit bet Irländer in den über sie verhängten Prüfungen und ihre Hingebung an de» Glauben. Er wies ferner auf die sehr schweren Gefahren tjin, denen sie auf dem Wege ausgesetzt feien, auf welchen man sie zu drängen suche und sprach bie Hoffnung aus, daß die Irländer nicht von der Mäßigung abweichen und nm legitime Mittel anwenben würden, um das Loos des Vaterlandes zu verbessern. Der Papst beglückwünschte schließlich die irischen Bischöfe zu ihrer Haltung und empfahl dem irischen Klerus und dem Volke, denselben Gehorsam zu leisten.

Amerika.

Washington, 6. Mai. Eine Depesche des Ingenieurs Melville vo» derJeanette" an den Secretär der Marine, datirt aus dem Delta des Lena- flusses vom 24. März meldet, daß er den Lieutenant Delong und seine Ge­fährten tobt aufgefunden habe. Melville setzte seine Nachforschungen nach dem Lieutenant Chipp, dem Commandanten der zweiten Schaluppe, fort.

Deutscher Reichstag.

4. Sitzung. Samstag, 6. Mai.

Präsident v. Lcvetzow eröffnet die Sitzung um l3/» Uhr mit den gewöhnlich!« geschäftlichen Miith-ilungen.

Am Bundesraihstische: Staatssecretär v. Boetticher u. A.

Der erste Gegenstand der Tagesordnung ist die Bcrathung des Antrags Froh m! auf Einstellung des gegen die Agg. Liebknecht unl> Kräcker bei bem Reichsgericht, bezw bei bem Lanbgericht in Breslau schwebcnben Strafverfahrens.

Abg. Richter (zur Geschästsorbnung): Unter ber Einwirkung bes Zusammen- tagens des Reichstages mit dem Landtage, dessen Ende sich nicht adsehen läßt, ist die Präsenz dieses Hauses eine überaus schwache und da so wichtige Gegenstände heutei jur Berathnng stehen, so halte ich es nickt für angezeigt, bei nicht beschlußfähiger Zahl in die Verhandlung cinzutreten. Das Haus ist ohne Zweifel nicht beschlußfähig^

Präsident v. Levetzow erklärt, einem solchen Zweifel nach der GeschästsordnuH nur dann Folge geben zu können wenn es sich um eine Abstimmung hanble.

Abg. Richter (Hagen): Dann stelle ich ben Antrag auf Vertagung dir Sitzung. ,

Nunmehr wirb bie Auszählung bes Hauses vorgenommen, welche bte Anwesen­heit von nur 160 Mitgliedern ergibt.

Das Haus ist hiernach nicht beschlußfähig.

Abg Freiherr v. Wöllwarth (Lauterburg) bedauert, daß tn dieser SBetfe Ute Geschäfte des Reichstags aufgehalten würden. Die südbeutschen Abgeordneten sei!» von weit hierher gereift und würden den Arbeiten bereitwillig obliegen. Nun fei aeir gestern b'e Zeit, welche auf die Berathnng bes hochwichtigen Gesetzentwurfs verwend!! werben konnte, aus eine nutzlose Geschäftsorbnungsbebalte vergeudet worden, und htM seien verschiedene Mitglieder während des Namensaufrufs im Foyer sitzen geblirt«, ba sie bie Sache Nichts anginge, wie sie auf bie Aufforberung, hereinzukommiö erodierten. Er conftatire das hiermit vor der Nation. (Bravo rechts.»

Abg. Dr. Braun richtet an den Präsidenten die Frage, ob er es für zulässiz halte, daß ein beschlußunfähiges Haus bebatlire.

Der Präsident erwidert, daß geschäftsordnungsmäßige Debatten nach dir Praxis des Haufes zulässig feien-

Abg. Rickert proteftirt dagegen, daß ein Mitglied die Beschlüsse des Hauses ilt dieser Weise fritifire, wie dies der Abg. v. Wöllwarih gethan, und hält ihn für ott-- pflichtet, die Namen der Mitglieder zu nennen, gegen die er derartige JnsiuuatioiM geltend gemacht.

Ab. v. Wöllwarth erklärt, daß er ben Abg. Mayer (Württemberg) gennit habe. (Dr. Braun: Sie haben verschiedene Mitglieder gesagt!) Ja, es sind ach verschiedene Mitglieder aufgefordert worden, in den Saal zu kommen.

Der Präsident beraumt die nächst- Sitzung auf Montag 11 Uhr an. Tngii- orbnung: Gewerbenovelle, Zolltarif. Schluß 2l/4 Uhr.

Telegraphische Depesche«.

Wolff's telcgr. Corrcspondenz-Bureau.

Berlin, 7. Mai. Nach einer Bekanntmachung des Präsidenten des Abgeordnetenhauses wird am nächsten Donnerstags den 11. d. Mts., die letzt! Sitzung des Hauses der Abgeordneten in gegenwärtiger Session und Nachmittags an demselben Tage der Schluß der Session des Landtages stattfinden.

Potsdam, 7. Mai. Ihre König!. Hoheit die Frau Prinzessin Wilhelm von Preußen ist gestern Abend 9 Uhr 50 Min. von einem Prinzen glücklich entbunden worden. (Unfern Lesern in der Stadt zum Theil gestern mittelst Extrablatt mitgetheilt).

Dublin. 7. Mai. Lord Cavendish und Bourke gingen gestern Abcid im Phönix-Park spazieren, als sich ihnen ein Wagen näherte. Zwei Mama entstiegen demselben, griffen Lord Cavendish und Bourke an und brachten dei- selben inehrere Stiche in die Brust und in den Hals bei. Lord Cavendish um Bourke scheinen den Angreifern erst nach starker Gegenwehr unterlegen zu |tti Die Mörder flohen sofort, die Polizei hat bis jetzt keine Spur von ihnen * deckt. Als die Körper der Ermordeten aufgesunden wurden, waren dieselm entsetzlich verstümmelt, der ganze Platz war mit Blut überschwemmt. Es herrM hier große Erregung. ,

Bis heute Morgen war wegen der Ermordung Lord Cavendtsh im Bourke's noch keine Verhaftung erfolgt. Gerüchtweise verlautet, der Viceköch Lord Spencer, habe auf die Nachricht von dem stattgehabten Morde die WM ausgesprochen, sein Amt sofort niederzulegen.

Sämmtliche Polizei-Stationen in Irland sind von der Ermord»« Lord Cavendish' und Bourke's in Kenntniß gesetzt worden; alle abgebenta Schiffe werden einige Zeit hindurch überwacht werden. Dem Verbrechen Uegit offenbar politische Motive zu Grunde, die Mörder haben ihren Opfern nW< geraubt, weder Geld noch Schmucksachen, noch auch Papiere. Die ZugiiW zu der Residenz des Vicekönigs im Phönix-Park werden durch starke Poli;-v Detachements bewacht. Der Königin und dem Premier Gladstone würbe W Verbrechen gestern Abend telegraphisch mitgethellt.

fä8e unb unter Berücksichtigung ber Leistmigstahigküt ber Betreffenbin Stabte ein r R-guUrung unterzieht unb an ben ßanbtag eine bahm jielenbe Vorlage gelang n lot , bie erfte Kammer hat vielmehr bie 3iegierung5foiberung pure beroiUtgt. Der Ausschuß zweiter Kammer beantragt Beharren auf bem früheren Beschluß. Dasselbe ist ber ffaU bezüglich bes Abstriches von 1500 X an ber für Abhaltung von Turnlehrer- eirrten gesorberten Summe von 3100 X, bezüglich bet Nichtbewilligung ber von ber ersten Kammer gutgeheißenen Gehaltserhöhung bes Lanbstallmeisters von 700 x unb bezüglich eines Ersuchens an bie Regierung, ben einen ber betben 3erg- meist^r balbthunlichst anberweit zu verwenben unb eine ber beiben Stellen bamit zu beseitigen. - Bei ber Section sür Justizverwaltung beantragt ber Ausschuß nunmehr Bewilligung bes Gehaltes für einen Kostenrevisor, ist bagegen wie früher gegen bie Bewilligung ber für je einen Kanzlisten °m Oberlanbesgertcht unb an ben bret Lanbgerichten gesorberten Max malgehalte von 2100 Jl. äßeiter beantragt ber Ausschuß Beitritt zu bem jenseitigen Beschluß, den Durchs chnittsg ehalt ber Amtsger ich tsbiener von 500 auf 700 X zu erhöhen, bagegen soll auf bem ab- lehnenben Beschlüsse bezüglich bes Criminal-Polizei-Commlssars zu Darm- ftabt beharrt werben. Zu Hauptabtheilung 9,Finanzministerium , ist zu be­merken, baß bezüglich ber Erhöhung ber Dammwartergehalte, wie sie bie Regierung vorgeschlageit unb bie erste Kammer genehmigt hat, nunmehr bte Minorität b-s Ausschusses Beitritt zu ben beSfaUfigen Beschlüssen erster Kammer beantragt. - -zu Kap. 93,Kosten bes Katasters", wo bie 2. Kammer bie Ausgaben für bte Bezirksaeometer abgelehnt unb statt ber ©efammtforberung non 88,000 X nur 58 000 ^. bewilligt hatte, nahm bie 1. Kammer ben in ber 2. Kammer abgelehnten Antrag Dittmar an unb verwilligte im Ganzen bte Summe non 81,2o0 X. Ein Theil bes Ausschusses beantragt Beitritt zu biefem, ein anberer Theil Beharren aus bem früheren Beschluß. - Für bas H o f b a u w e s e n w.ll ber Ausschuß nach wie vor nur 55,000 X als Pauschsumme bewilligen, wahrend bte erste Kammer 65,000 X bewilligt Im Bubget ber außerorbcntlichen Ausgabe beantragt bezüglich bes Neu­baues eines Gymnasiums zu Darmstabt bie Majorität bes Ausichustes Be­harren bei bem früheren ablehnenben Beschluß, währenb bie Minorität in Ueberetiv stimmung mit ber ersten Kammer Bewilligung ber angeforberten 231,000 X beantragt.^.^, 4, Mai. Als neuestes Zollkuriosum ist die Verzollung von Kaffee als Putz zu rechnen. Wie aus Breslau berichtet wird, verzollte man dort bis vor Kurzem die in Säcken von blauem Kattun eingeführten Muster von rohem Kaffee unbeanstandet als Kaffee mit 40 M. für den Doppel-Centner (40 Ä für den Beutel); feit Beginn voriger Woche aber sind fämmtliche aus Holland mit der Post eingegangenen Kaffeemuster vou dem dortigen Steueramt nach ihrem vollen Bruttogewicht mit einem Zollsätze von 300 JL für den Doppel-Centner (3 für den Beutel) belegt worden, wahrscheinlich nach Nr. 18 Pos. c des Tarifs alsfertige Kleider und Leibwäsche, auch Putz." Die Adressaten haben die Annahme der solchergestalt belasteten Muster verweigert. , ,. , _

Berlin, 6. Mai. Das Abgeordnetenhaus lehnte die beiden ersten Para­graphen des Verwendungsgesetzes ab, worauf der Finanzminister, erklärte, die Negierung lege auf die Weiterberathung keinen Werth. Im Laufe der Debatte hatte der Minister v. Puttkamer die Vorlage vertheidigt und betont, eine Vor­lage, welche 54 pCt. directer Steuern abnehme, sollte man nicht so kurzer Hand abweisen. Die Regierung habe ihre Schuldigkeit gethan. Wenn das Parlament es ablehne, den darbenden Steuerzahlern das Brod unmittelbarer Erleichterung zu geben und statt dessen den Stein ungewisser Vertröstung gebe, so habe es die Verantwortung zu tragen. Ein Verhalten, wie das der Gegner der Vorlage mache allerdings eine Verständigung mit der Negierung fast un­möglich. Nächste Sitzung unbestimmt.

Im Herrenhause stand die Interpellation des Grafen Schliebeu. .aus der Tagesordnung, betr. die Ausschlachtung der Bauerngüter in Ostpreußen, Minister Lucius hält die von Schlieben geschilderten Zustände für übertrieben, sagt aber für den Fall ihrer Nichtigkeit ernste Erwägung zu.

Ems, 6. Mai. Die Kaiserin Eugenie ist heute Mittag zunt Kurge­brauche hier eingetroffen.