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Marseille, 7. Mai. DerPetit Algerien" berichtet, im Süden von Oran solle ein neues Gefecht stattgefunden haben, in welchem gegen 1500 Ara­ber gefallen seien. Auch die Franzosen sollen dabei beträchtliche Vertu,te erlitten Ijai,en'gpnbon, 7. Mai. Heute Nachmittag findet ein Ministerrath statt.

Petersburg, 7. Mai. Fürst Alexander von Bulgarien empfing gestern die hier weilenden bulgarischen Officiere und hatte mit denselben eine längere Unterredung. Heute begiebt sich der Fürst zum Diner bei den, Kaiser und der Kaiserin nach Gatschina.

Lokales.

Gicsicn, 8 Mal. sTürschmann-s Richard Türschmann hat sich brreit crkläit, bie JDebipustrilogie d-s Sophokles: König Oedipus, Oedtpus auf Kolonos und AiMgone, hier lum Vortrag zu bringen, wenn ihm für diese Rccitakion, welche drei Abende einer Woche in Anspruch nimmt, ein entsprechender Zuhörerkreis gesichert ist. Es sind deshalb Adonnemenislisten bei den Herren I Ricker und W. Rudolph ausgklegt. Wir zweifeln nichl daran, daß das kunstsinnige Publikum unserer Universitalssladt bet welchem der geniale Künstler mit dem Vortrag des Hamlet, des Kausmann oon Venedig und des Saull, den ungekhelltesten Beifall geerntet hat, d>e vorzüglichst-Leistung desselben vollkommen zu würdigen wissen wird, lieber die Art, wie Türschmann die Dramen des Sophokles auffafct unb darstellt, berichtet ein ausführlicher Artikel derGrenzbolen , welchem wir nach,olgende Bemerkungen entnehmen: .

Türschmann legt seinem Vorträge mit Recht die Donner',che Uebersetzung zu Grunde, denn sie ist von allen wohl die gewandteste und flüssigste, die in d-n Ehor- lieUen oft zu einem ergreifenden Nachdichten des Originals wird, ohne sich von dem­selben zu weit zu entfernen. Er hält sich aber nicht sclaotsch an den Donner schen Text, sondern folgt zuweilen andern Uebertraguiigen, zuweilen nimmt er mit der zu Grunde gelegten Uebersetzung selbstständige A-nd-rungen vor.

Die drei Tragödien hält Türschmann für eine durchaus organische Einheit, zwar nicht für eine Trilogie in der Alt der Aeschyleischen Otestie, aber doch für eine Ge- sammtcomposition, deren dritter Theil immerhin zuerst entstanden fein mag, die aber durch die Idee des Ganzen wie durch die emhettliche widerspruchslose Gestaltung der Charactere fest geschlossen ist. So ist ihm der oft heroorgehobeue Widerspruch in jtreon in den drei Dramen vielmehr eine vom Dichter mit klaren Zügen zur An­schauung gebrachte Entwickelung dieses Characters, der sich in verschiedenen Situationen eben verschieden gestalten muß, ob er ohne eigentliche Regtcrungsjorgen dem Throne nahe steht, ob er eine schwierige Mission für feinen Staat rücksichtslos auszusühren hat, ob er endlich an der Spitze desselben stehend und in vollem Bewußtsein seiner Macht und Verantwortlichkeit auf ungeahnt- Widersetzlichkeit stößt. Um den Character des Oedipus einheitlich darzustellen, kann Türschmann natürlich ihn im ersten Drama nicht als ein- ideale Persönlichkeit auffassen, deren Lebensglück ohne eigenes Verschulden voii einer dunklen geheimnißoollen Macht unrettbar und entsetzlich verwüstet wird, kann in dem Drama nicht den pessimistischen Gedanken abgespiegelt sehen, daß keine Vorsicht, kein Scharfsinn, nicht di- edelste Mannestüchtigkeit und nicht die rreueste Pflichterfüllung eines Menschen davor zu schützen vermag, daß seine Lebensblülhe in schaurig kurzer Zeit verwelkt und zerflatlert. Türschmann legt vielmehr großes Gewicht auf die blutige Mordlhrt in jenem Engpaß, die nach des Thäters eigener Darstellung durch Rothwehr keineswegs entschuldigt werde, und auf den unseligen und tadelnswerth leichtsinnigen Entschluß, die ältere KöntgSwittwe zu heirathen, da thm doch das Orakel die entsetzliche Aussicht auf eine Ehe mit der eigenen Mutter eröffnet hatte und er seit feiner Flucht aus Korinth in völliger Unwissenheit über seine Abstammung fern mußte. Man muß gestehen, daß Türschmann seine Auffassung durch seine Recitaiion in geist­voller und das Gemüth des Zuhörers mächtig erregender Weise zur Geltung bringt. Nach seiner Darstellung ist Oedipus eine -del angelegte Natur, in seiner ernstvollen Tüchtigkeit auf seine Klugheit und Energie allzu stolz vertrauend, als Herrscher eifrig besorgt um das Wohl seiner Unterthanen, aber leicht gereizt zu jähem Zorn, zu rück­sichtsloser Leidenschaft. Als bann das nachtdunkle Geschick den stolzen Mann ersaßt, wird er zwar aufs tiefftc erschüttert, aber der leidenschaftliche Sinn bleibt ungebrochen, und nachdem die erste Gewalt des L>chmerzes über das von ihm selbst heraufbischworene Unglück ausgetobt, sucht er in sophistischer Weise (im koloneischcn Oedipus) alle Schuld von sich abzuwälzen, wie er schon gleich nach der Katastrophe sich als einen von den Göttern Gehaßten und Verfolgten bezeichnet hatte. Mild und versöhnlich macht ihn sein Unglück nicht, fonbiin er geht mit dem Gefühl grimmigen Hasses gegen seine Vaterstadt und gegen seine Söhne, welche die Pflicht der Pietät gegen ihn verletzt haben, m bie Mrabesruhc.

Während Türschmann das Bild des Oedipus dunkler hält als es nach der ge­wöhnlichen Auffassung erscheint, hat er um so lichtere Farben für das Gemälde der Antigone. Die leidenschaftlich bald mit erhabenem Schwung, bald mit bitteren höhnenden Worten gegen Kreon kämpfende Jungfrau tritt bet ihm zurück vor der innig liebenden Schwester; in den wilden trotzigen Leidenschaften, welche das Labdakidenbaus verwüstet

und zerrüttet haben, steht sie da als die Vertreterin der Famflienpietät und der reinen Menschlichkeit.

Di- anderen Gestalten der drei Tragödien, wenn wir von Tiresias absehen in dem Tüischmann mehr bie priesterliche Anmaßung als die priesteiUche Hoheit zur Anschauung bringt, stellt er so dar, wie man bie Choractere sich gewöhnlich bentt. Boi trefflich ze-chnet er den edlen klaren Sinn des Theseus, den pietätsvollen, sonst beso nenen und nur durch bie Liebe zur Antigone zum offenen Bruch mit dem Vater fortgerissenen Härnon, bie milde und doch zum größten Opfer bereite Ismen-. Das ist alles voll und tief empfunden, alles lebenswarni und anschaulich, zum Theil von erschütternder, lange nachklingender Wirkung. Welche ungewöhnliche dramatische Gewalt zum Beispiel die Scene im König Oedipus hat, in welcher er sich als den Mörder seines Vaters und den Gemahl seiner Mutter erkennt, ist wohl nlelin Zuhörern erst durch diese vorzügliche Darstellung zu klarem Bewußtsein gekommen. Aber auch die Chorstellen, die er nicht nur den Rhythmen des Originals, sondern auch melodiös auf- und niederwog-n läßt, bringen bei dem herrlichen Organ des Vortragenden eine ganz eigenthümliche, unbeschreibliche Wirkung hervor.

Türschmann hat sich durch diese Recitation das große Verdienst erworben, kost­bare dichterische Schätze, die in der Regel nur weniger Eingeweihten mit vollem Glanze entgegenleuchten, einem größeren Publikum zu klarerem Verständniß zu bringen.

Gießen, 8. Mat. Dem O'oerhessischen Eisenbahnzug, welcher am Freitag 429 Nachmittags hier eintreffen sollte, stieß bei Reiskirchen derart ein Unfall zu, daß eme Achse des Tenders aus den Schienen sprang. Beschädigungen an Personal und Material sind nicht zu verzeichnen. Eine andere Maschine holte von hier aus den Zug in Grotz- Buseck ab und traf derselbe um VzG Uhr Nachmittags hier ein- Die erstere Maschine traf demnächst auch in hiesiger Station ein.

Handel und Verkehr.

Grünberg, 6. Mai. (Fruchtpreise vom 29. April.) Weizen ja 25.10 Korn ja 18.90, Gerste ja 16.94, Hafer ja 16.26, Erbsen ja 20.98, Lein ja 00.00 Samen ja 25.00, Kartoffeln ja 2.84, Wicken ja 00.00.

Frankfurt, 6. Mai. Aus dem heutigen Markte kostete der Centner Heu je nach Qualität ja 3.505.00, Stroh Ja 3.500.00, Eier das Hundert ja 4.505.50 Ochsenfleisch das Pfund 6570 H, Kuh- und Rindfleisch 4555 .$, Kalbfleisch 40 bis 60 Hammelfleisch 4065 .$, Schweinefleisch 7080 1 Hahn ja 1.702.20

1 Huhn Ja 1.802.30, 1 Taube 4550 1 Poularde ja 0.003.00, 1 Gans ja 6

bis ja 8, Welsche ja 812, 1 Ente ja 3.00, Butter 1. Qualität ja 1300.00, 2. Qualität Ja 1.200.00, Handkäs 4550 ,$ das Psund, Kartoffeln das Malter Ja 4.507.00, Kopfsalat 1000 H, gelbe Ruben das Gebund 712, Romainsalat 80-00 H, Rettig das Stück 68,$, Sellerie der Kopf 12-20,$, Blumenkohl 30 bis 50 ,$, Wirsing 10 -15 ,$, Weißkraut 1825 -$ das Stück, Rothkraut 2535 ,$, Kohl­kraut 00 ,$, Kohlrabi 00 ,$, Endivien 15-20 ,$, Spargel 5060 H das Pfund, Zwiebel 1012 ja der Gentner.

731) lieber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von HAASEIV8TE1X de VOtiEEH in Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Bath ertheUt

Wafferwärmc der Lahn.

Am 8. Mai, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 13° R., Lusiwätme + 12R L- Chr. Rübsamen.

Schiffsbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C W. Dietz Nachfolger Gießen.

Bremen, 5. Mai. Der Postdampser Elbe, Capt. W. Willigerod, vom Nord- deufschiu Lloyd in Bremen, welcher am 26. April von Newyork abgegangen war, ist heute 10 Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 11 Uhr Morgens die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 406 Passagiere.

Berlinische Lebens-Versicherungs-Gesellschaft von 1836. Der uns vorliegende Rechnungs-Bericht derBerlinischen Lebens-Berstcherungs-Gesellschast von 1836" weist wiederum überaus günstige Resultate auf. Ende 1881 betrug die Versicherungssumme bereits ja 103 922 382; der Garantie- und Reservefonds wuchs um ja 1617 092 auf ja 29 514 752. Für die Versicherten konnte eine Dividende von 32pCt. in Aussicht genommen werden. Das constante Steigen dieses Gewinn-Antheils ist besonders bcachienswerth. Seit 1868 beobachtet man sollende Sätze: 17%, 18Va, 19, 21, 22, 22%, 23, 25, 27, 29, 30, 31, 32pCt. lieber die solide Fundamentirung, die vorsichtige Geschästsleitung und die gesunde Entwickelung dieses Instituts .braucht solchen Zahlen gegenüber gewiß nichts weiter gesagt zu werden.

Allgemeiner

Berlinische Kebens-Bersichcrungs-Gesefischast von 1836.

Fünfundvierzigster Rechenschafts-Bericht.

Anzeiger.

Süße Tafelbutter. a»

Kapital.

3228

135 967 29 514752 3 693041

Kapital und Rente.

Mk

Gesamtnt-Garanticfonds......

Nnveetbcilte Ueberschüffe der letzten fünf Jahre Mr

Auf die Prämie pro 1882 erhalten die Berechtigten

Die Dividende 1883 beträgt voraussichtlich

1884

, 1885

1886

Berlin, den 29. April 1882.

Schlackensandsteine,

Sarer^nÄg Baumaterial als Ersatz der Russensteine, Fabrikat der ^etziarer und Gießener Schlacken andstemfabnk, sowie alle and-r-n ««. arttfel, Tuffsteine und Kaminrohr- empfiehlt ®

30% Dividende.

31% 6.1878 gez. Prämien. 31% 1879

32%1880

32%1881

Conrad Vogt III. in Lich.

Ausverkauf!

noeb «""^^ngeschäfts verkaufe ich sämmtliche

Ä»®* ®ci*u"6 **

H. Marx, Bahnhofstraße.

Direktion der Berlinischen Lebens-Versicherunas-Geiellschaft

Weitere Auskunft wird gern crtheilt, auch werden Anträge «w? in r* ** Egeg-ngenonimen von Wilhelm MoÄ7r ftÄ*""8

3322 _____________________________________________Schillerstraße 111«. 0 '

2254 Berfichernnaen°mi^' <^^jahr der Gef-llfchaft, wurden abgeschlossen ncrnmcrnngen mit ........Mk. 9131170 Kapital und

Gefammte Jahres-Einnahme pro 1881 Mk' 4948 366 8Jcntc'

Angemeldet 415 Tterbefällc über . . ,s ZA i854184

Geschäftsstand Ende 1881

rlerstchernngsbestand 20772 Personen mit . Mk. 103 922382

Die Dampf-Molkerei Friedelhausen liefert zufolge der besten Methode des Entrahmens süßer Mich mittelst de Lavals Separator und unter Zu­hilfenahme der neuesten Erfindungen auf dem Gebiet der Molkerei uMr täglich frisch hergestellte süße Tafelbutter und wird verehrlichem Publikum etwas Vorzügliches geboten.

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Freiherr Adolf v. Rabenau.

Geh. Hofrath Prof. Dr. H. v. Fehlings

Gutachten: DieFranz Josef -Bitterquelle übertrifft das Friedrichshaller 4mal, Hunyady Janos mit 44, Pülna mit 62 pCt., sowie alle mir bekannten Bitter­wässer durch den Gehalt an wirksamen Bestandtheilen und findet die von , ärztlichen Autoritäten constatirte ausserordentliche Wirksamkeit auch in meiner Analyse ihre Begründung und Erklärung. Stuttgart, im März 1882.

FRANZ JOSEF

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2415 Brochüren d. die Versen- dungs- Direction in Budapest