ankenlager
Nr. 34.
U i
Donnerstag den 9. Februar 1882.
ichcner Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
1.
sei.
72 Uhr, vom
rnLs 8 Uhr,
lang: Concert uni
87t
inz
olb
ijtti.
16
16
20
16
16
Ws ^yorZ] Wil. Staaten.
in Bremen *
t< • /.
tu I' itrdS^ '
-!!!'?.....
^Mngsooll
m"'
»•JS#
bach. 274
L.
22-2;
40-4- 74—'' 72-?
53-6'
16-2
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Vnv<an r Schulstraße B. 18.
PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Zur deutschen Schulfrage in Ungarn.
Die Gewaltstreiche, die gegenwärtig in Ungarn von dem herrschenden Maqvarenthuni gegen die deutsche Schule und damit gegen die deutsche Smtrona- lität in übermüthigster, herausforderndster und rechtsverachtendstec Weise aus- aeübt werden, beginnen auch die öffentliche Meinung in Deutschland niehr und mehr in Erregung zu setzen, wozu die verdienstvolle Thatigkeü des deutschen Sckmlvereins und die jüngst erschienene unwiderlegliche und vernichtende Anklage- ickriit Hungarica“ des Professors R. Heinze wesentlich beigetragen haben. Allein der deutsche Protest gegen die Unterdrückungs-Politik der magyarischen Gewalthaber muß noch viel lauter und allgemeiner ertönen, wenn er m Pesth Eindruck machen soll, und den Versuchen, die erregte öffentliche Meinung m Deutschland einzuschläfern oder irre zu leiten, wie sie von Pesth aus unternommen werden, muß energisch entgegengetreten werden, lieber die Verhandlungen des ungarischen Unterhauses vom 27. Januar, die dem deutschen ^chulverem, den Verwahrungen der deutschen Presse gegen die Magyarisining und Mtßhand- lung der Deutsch-Ungarn und der Heinzesschen Anklageschrift gewidmet waren und in Deutschland noch mehr hätten beachtet werden sollen als geschehen, schreibt man von hervorragend competenter Seite: „Daß der von vielen Seiten für die Deutschenhetze in erster Linie verantwortlich gemachte Ministerpräsident K Tisza jeden Uebergriff der Magyarm und jede Beeinträchtigung der Nichtmagyaren in Abrede stellte, war ebenso selbstverständlich, wie, daß alle magyarischen Parteien des Hauses einschließlich der Ueberläufer dem zustunmten. Aber das kleine Häuflein der Sachfen bot dem Sturm kühn die Stirn. Drei ihrer besten Vorkämpfer: Wolff, Grull und Zay vertheidigten furchtlos und»treu dre nationale Sache und deren gutes Recht; ste betheuerten feierlich die Richtigkeit der von deutscher Seite erhobenen Anklagen. Auf einzelne ^hatfachen hatten die Magyaren sich wohlweislich nicht eingelassen. Tisza stellte eingehende Darlegungen in Aussicht, durch welche die erregte öffentliche Meinung m Deutschland umgestimmt werden solle. Außerdem soll der Dispositions-Fonds des Ministerpräsidiums, 200,000 fl., ausgiebig benutzt werden zu Beeinflussung oer ausländischen Presse. An die Pesther Correspondenten deutscher Blätter wirb also der Versucher noch zudringlicher als bisher herantreten mit dem Terrorismus als Hintermann. Deutschen Zeitungen sei daher bezüglich ihrer Pchher Berichterstatter noch größere Vorsicht als sonst gerathen. Rian spielt m Pesth die Rolle des unschuldig Angegriffnen, man schürt aus Leibeskräften die Erbitterung gegen die Sachsen, die man als böswillige Urheber dieses vermeintlichen Angriffs hinstellt, weil sie, in ihren heiligsten Rechten und Gefühlen verletzt, nicht schweigend das Haupt beugten, uni sich, gleich einer großen Anzahl anderer Deutsch-Ungarn, den Fuß ihrer Vergewaltiger auf den Nacken setzen zu lassen. In der Presse müssen für jetzt die Sachsen die äußerste Vorsicht beobachten, um es nicht zu gewaltsamen Ausbrüchen von Seiten ihrer heißblütigen Gegner kommen zu lassen. Daß Einzelne für ihre Briefe ein gewisses schwarzes Cabinet fürchten, wissen wir, ohne über die Begründung. dieser Besorgniß urtheilen zu können. Selbst in Cisleithanien glaubt die deutsche Presse Gründe zu haben, der deutschen Nationalität in Ungarn nur mit mehr oder weniger Zurückhalttmg sich anzunehmen, oder auch ganz zu schweigen zu dem Vernichtungskrieg, welcher jenseits der Leitha gegen das Deutschthum geführt wird."
Deutschland.
Darmstadt, 7. Februar. Das heute ausgegebene Großh. Regierungsblatte Rr. 1 enthält die Allerhöchste Verordnung, die Gerichtskosten und Gebühren betreffend.
Berlin, 6. Februar. Aus Rom wird den „Berl. Polit. Rachr/ geschrieben: Unser Vertreter in Konstantinopel ist angewiesen worden, in allen auf Egypten bezüglichen Communicationen mit der Pforte Hand in Hand mit den Vertretern Oesterreichs, Deutschlands und Rußlands zu gehen. Die Vorkehrungen, die italienischerseits auf nulitärischern Gebiete getroffen werden, stehen augenblicklich im Zusammenhänge mit der Eventualität, daß durch die Vorgänge in Kairo und die Stellung Englands und Frankreichs zu denselben die Mittel- meerfrage aufgerollt werden könnte. Man ist nämlich hier der Ansicht, daß ungeachtet der friedlichen Erklärungen Freycinet's sich bezüglich der egypttschen Absichten Frankreichs wenig geändert habe. Der Vorschlag, die italienische Armee um 4 Divisionen zu vermehren und dafür zu sorgen, daß im Kriegsfälle die Compagnien auf den Stand von 250 Mann gebracht werden, hat die Approbation erhalten. Wie sorgsam man indessen bemüht ist, Alles zu unterlassen, wodurch Mißtrauen in die militärischen Maßnahmen erweckt werden könnte, geht daraus hervor, daß ein Manöver abgesagt worden, in welchem der Kampf eines Armee-Corps mit einer Panzerfregatte dargestellt werden sollte. — Eine gewisse Ergänzung erhalten die vorstehenden Nachrichten durch folgende Mittheilungen unseres Londoner Correspondenten: In Folge der neuesten Nachrichten aus Kairo und der nicht mehr zu beschönigenden Thatsache, daß die Nationalpartei das Heft daselbst vollständig in die Hand bekommen, sieht man die egyptische Angelegenheit hier wieder viel ernster an und ist es nicht unmöglich, daß die Ereignisse selbst Herrn Gladstone über die Opposition , bie er in der öffentlichen Meinung und im Schoße des Cabinets selbst bezüglich seiner egypttschen Ideen findet, hinweghelfen könnten. Alles wird davon abhängen, ob Dllke mit seiner letzten Rede Recht behält, in welcher er behauptete,
daß sich, was Egypten betrifft, an der englisch-französischen Ueberemstunrnung durch den Sturz Garnbetta's Nichts geändert habe.
— Aus Bern geht den „Verl. Polit. Nachr." die Meldung zu, daß daselbst und in Genf eine Anzahl Italiener, die revolutionärer Verbindungen verdächtig waren, verhaftet worden sind, und zwar wurden in Bern 45 und in Genf 12 Individuen in Haft genommen.
— Die kaiserliche Verordnung über die größeren Truppenübungen m diesem Jahre ist jetzt ausgegeben worden. Das Kaiser-Manöver findet darnach bei dem 5. und 6. Armee-Corps (Posen und Schlesien) statt. Der betreffende Passus in der Verordnung lautet: Das 5. und 6. Armee-Corps sollen große Herbstübungen: Parade, Corps-Manöver — jedes Armee-Corps für sich — und dreitägige Feld-Manöver gegen einander vor Mir abhalten. Betreffs Zett und Ort dieser Uebungen will Ich näheren Vorschlägen durch Vermittlung des Kriegsministeriums entgegensehen. Bei den übrigen Armee-Corps finden die gewöhnlichen Uebungen statt.
Arankreich.
Paris, 6. Februar. Die Verhaftung Bontoux" und der Zusammensturz aller seiner Unternehmungen beherrscht.nach wie vor das Tagesgespräch. Man hatte weitere Verhaftungen befürchtet, doch verlautete bis jetzt nichts davon. Bontoux und sein Mitgenosse Feder, der Director der Union Gckrörale, sind sehr niedergeschlagen. Sie hofften auf ihre Freilassung, sehen sich aber jetzt gründlich enttäuscht. In politischer Beziehung herrscht Ruhe die nur durch fortwährende Angriffe gegen Gambetta unterbrochen wird. Man sagt allen Ernstes, er wolle auf einen Sturz des Cabinets oder Auflösung der Kammer hinarbeiten, um seine Unentbehrlichkeit zu zeigen. ,
— Bei dem Durchbruche des Wasserbehälters m Calais, in Folge deffen sich 500 000 Liter Wasser auf einmal über die benachbarten Häuser ergoffen, sind glücklicherweise nicht 27 Menschen um's Leben gekoinmen, wie man Ansangs befürchtet hatte, sondern 12, unter ihnen 8 Kinder, welche die Schule noch nicht verlassen hatten, während die übrigen seit 20 Minuten fortgegangen waren. Da auch ein anderes Reservoir zu brechen drohte, ist es geleert. Die Stadt Calais und St. Pierre les Calais werden dadurch eine Zeit lang kein Wasser aus der Wasserleitung erhalten. _________
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Corresponderrz-Birreair.
Berlin, 7. Februar. Abgeordnetenhaus. Beralhung der Kirchenvorlage. Der Cultusmmisier Gotzler motiotrt di- Vorlage und bemerkt, d,- Gren;regul,rung zwischen Staat und Kirche sei nothwendig und wünschcnswerth, wobei es aber nicht die Auf. msbe sein könne ein neues Recht zu finden. Der Minister schildert die heilsamen Wirkungen des Juligesetzis vom Jahre 1880, dessen Vollmachten die Regierung loyal benubt habe Die Regierung werde auf diesem Wege weiter gehen. Der Minister meist aus die feindselig- Haltung der polnischen katholischen Bevölkerung hin, die noch immer^an^der Hoffnung aus X Wiederhelstellung'Polens f-sthalte. An der Spitze ber Bewegung ständen katholische Geistliche unb bie Regierung sei dadurch zu besonderer Vorsicht gezwungen. Der Minister erklärt sich gegen bie Regelung^ der Frage durch Concordate, die stets Verwickelungen geschaffen habe. Die Regierungi .et ^er^U0t, bafe der Papst den Frieden wolle und durch Annahme der Vorlage sich noch mehr dazu veranlaßt sehen werde. Die discretionären Vollmachten widerspracken keineswegs dem constitutionellen Princip, dieselben seien jetzt schon vielfach vorhanhen. Der kirchl:^ Frieden lasse sich nicht decretircn. Die Vorlage fei aber em Mittel zum Fneben. Auch wenn die Vorlage abgelehnt werde, werde die Regierung in ihrem Streben zur Wiederherstellung des kirchlichen Friedens doch feftbalten. Abg. v. Schorlemer will bie ben Katholiken durch die Verfassung gewährten Rechte gewahrt wißen und bemerkt, düs ^u iaesetz habe wenig bew kt discretionäre Vollmachten für die Regierung wünsche ^-Partei Ein^B-fftrung s-t nur möglich durch bie Beseitigung der Maigesetze, denen die Katholiken sich nicht unterwerfen könnten; in der Ernennung ^alk s für Lamm hab. bie fterunfl Wne Rücksicht für das verletzte Gefühl b-r Katho .ken ge-
Die Regelung der Frage der Anzeigepfl'cht bätte m Rom geschehen müsse. Die Katholiken müßten auch auf der Beseitigung deskirchlEenGerichtshofes^stehm daß k-WLWWGMKM- sondern eine Verkümmerung der Maiestatsrechte. W>r wo 0 ^^res
Frieden und keine Willkür und nMer. unsl jebetnü^’7tXu“a öbe? bie ®rnennun0 unterwerfen Gras Wintzmgerobe spricht leine sroßeGem g (5-®ntrum verbreite eine Falk's aus. Nicht die katholische Bevölkerung sond-.n das Eentrmn falsche Meinung über bie Gesinnungen diefis^°H°E^,"chten gewähren, wollten servativen würden der Regierung prlneipiell diseretionare Vollwt u tritt aegen
dieselbe aber an eine gewisse Frist gebunden w.sftw n cjn;
die Vorlage auf, die ganz ungerechtfertigt und von Mitztrau^^ ytfmmtc 3eit Voll- gegeben worden sei. Der Abg. Holtz will der R-gteru fl^b Verweisung an
machten -rtheil-n, andernfalls die Vorlage abl ) - Juligesetz vom Jahre 1880
eine Commission. Der Abg. Windihorst süb @'enJQ[ten gingen ihm zu weit und habe keinen Wandel geschaffen, d>- diseretionaren G-wa^^ Hztten die Katholiken ohne Aushebung der Maigesetze werde nichts -rr-tch^^^^ eingesehen, so konnten sie 10 Jahre gewartet, bis man das ihnen |U0 ' 3U führen. Die Frage fet,
auch noch 10 Jahre warten, um d ese Erkenntniß zu « » elnem gewissen Zeitraum ob die Vorlage ein Definit.vum ^\°^tSwoUe Er hätte d-ßha b gern di- eine materielle Revision der Maigesetz & Hereinziehung der Bolen sei ihm
Jnstruetionen Schlözer's zu-kennen u sprengen, sei mißlungen. Jetzt suche
unverständlich. Der Versuch, das 'ss^en, um glauben zu machen, der Cultur- man das äußere Gerüst der Kirche b i Don Centrumsmännern zu verhindern. Der kamvf sei vorüber und um bie „icbtet werden, nicht auf diseretionaren Voll- Friede müsse auf soliden Grundlagen ber Polen die Regierung für vermachten. Graf Limburg Stirum hall Complieation zu verschließen, erklärt
pflichtet, das Auge nicht fl®0fTnltr für bie Vorlage. Die Beseitigung ber Maigesetze MS'i'SSSU«... - s..w»« "■«»


