Bingen Münster i. W., Koblenz, Mainz, Worms, Colmar, Gießen, Mannheim, Offenbach, Karlsruhe, Limburg, Ludwigshafen, Saarbrücken, Gera, Solingen, Düsseldorf, Metz, Wiesbaden, Göttingen, Chemnitz, Straßburg i. E., Görlitz, ferner die Gewerbekammern Hamburg und Weimar sich der Eingabe der Frankfurter Handelskammer in allen Stücken angeschlossen und dieselbe beim Bundesrathe selbstständig unterstützt. Bemerkenswerth erscheint, daß sich insbesondere die Handelskammern der an Bayern und Württemberg grenzenden Staaten: Hessen, Baden, Elsaß-Lothringen und der Thüringer Länder gegen die Uebelstände ausgesprochen haben, die sonst von keiner Seite, als von München, geleugnet worden sind.
Karlsruhe, 5. August. Der Großherzog, die Frau Großherzogin und der Erbgroßherzog sind heute Vormittag von Schloß Mainau nach Bad Kreuth abgereist.
Aesterreich.
Triest, 3. August, lieber das gestrige Bomben-Attentat bringen die Wiener Blätter ausführliche Berichte. Wir entnehmen denselben: Als sich der von den Veteranen veranstaltete Fackelzug über den Korso bewegte, wurde plötzlich aus dem oberen Stockwerke eines Hauses daselbst eine Petarde oder Granate herabgeworfen, die vor der Tete des Veteranenzuges niederfiel und unter heftiger Detonation explodtrte. Durch die Trümmer des Sprengkörpers erlitten drei Personen schwere Verwundungen. Dr. Alexander v. Dorn, Chefredocteur der „Triester Zeitung", der als Mitglied des Veteranenveretns neben dessen Pläsidenten marschtrte, wurde am gefährlichsten verletzt, indem ein Stück der Petarde beide Knochen des linken Unterschenkels zerschmetterte. Er stürzte blutend zu Boden und mußte von mehreren Mitgliedern des Turnvereins vom Platze getragen werden. Der 14jährige Kellner Angelo Forti aus dem Hotel Aqmla Nera" wurde durch ein Sprengstück so schwer verwundet, daß er auf dem Transporte in das Spital Giusto starb. Das Geschoß war eine Orsinibombe aus Gußeisen von etwa zwei Zentimeter Stärke mit Pistons, von denen vier auf dem Straßenpflaster nebst vielen anderen Sprengstücken aufgefunden worden sind. Die letzteren wurden weit umhergeschleudert und es ist zu verwundern, daß nicht mehr Personen Verwundungen erlitten. Die „N. Fr. Pr." meldet noch: Die Untersuchung der aufgefundenen Sprengstücke und Pistons ergab zweifellos, daß die geworfene Bombe ein auswärtiges Fabrikat war und daß ihre Construction am meisten an jene Bomben erinnert, die vor einigen Jahren bei der republikanischen Demonstration in Parma geworfen wurden. Man ist überzeugt, daß der Verbrecher ein Fremder ist. Natürlich wurden die umfassendsten Maßregeln emgeleitet, ihm auf die Spur zu kommen und feiner habhaft zu werden. Die Polizei hat bereits Anhaltspunkte, die Erfolg versprechen, doch entziehen sich die bisherigen Ergebnisse selbstverständlich der Veröffentlichung. Die polizeiliche Besetzung des Hauses Nr. 9 auf dem Corso erfolgte, weil die meisten Augenzeugen darin übereinstimmen, daß aus demselben die Bombe geworfen wurde. Andere Zeugen bezeichnen allerdings andere Häuser. Die Möglichkeit, daß die Bombe von der Straße aus in die Menge geworfen wurde, erscheint ganz ausgeschlossen. Wahrscheinlich wurde sie aus dem Fenster des Dachbodenraumes geschleudert, wohin sich der Verbrecher eingeschlichen, und aus welcher er sich in der ersten Verwirrung unbemerkt entfernen konnte. Nachts wurden mehrere Individuen arretirt, aber nur wegen provocirender Aeußerungen, welche die Entrüstung des Publikums erregten.
Irankreich.
Paris, 5. August. Der Verwaltungsrath der Suezkanal-Gesellschaft, auf telegraphischem Wege von Herrn v. Leffeps zusammenberufen, ertheilte einem Anträge die Zustimmung, welcher besagt, daß der Khedive die Concessions- Bestimmungen des Kanals nicht ändern könne. Die Urheber der Concession hätten vor aller Welt die Verpflichtung übernommen, daß der Kanal neutral sein solle. Die Kanalgesellschaft müsse diese Verpflichtung aufrecht erhalten und'pro- testire daher gegen jeden militärischen Akt in Bezug auf den Kanal und schließe sich dem Protest des Herrn v. Leffeps an.
tznglaud.
London, 5. August. Der Chef des Generalstabs der egy ptischen Expedition General Adye hat sich gestern über Marseille und Brindisi nach Alexandrien begeben. — Heute sollen 5 Truppenschiffe mit 3000 Mann aller Waffengattungen nach Egypten abgehen.
Rußland.
Petersburg. Aus Moskau trifft die sensationelle Meldung hier ein, daß über Galatz durch Vermittlung eines dortigen russischen Beamten eine bedeutende Menge Dynamit — circa 200 Kilogramm — in einer den Seidenwurm- Cocons sehr ähnlichen Verpackung über die rumänische Grenze nach Rußland gelangt sei. Die Sendung wurde von der Zollbehörde in Kiew rechtzeitig entdeckt und an die Genie-Abtheilung des dortigen Stabes abgeliefert, damit sie unschäolich gemacht werde; auf dem Transport aber ist dieselbe wieder spurlos verschwunden und nur eine Partie Steine angelangt, so daß sowohl auf den transportirenden Militärs, wie auf den unteren Zollbeamten ein schwerer Verdacht ruht. Es liegen nun, jener Meldung nach, Anzeichen vor, daß die Sprengmasse den Weg nach Twer gefunden und demnach wohl eine verbrecherische Bestimmung auf der directen Bahn von hier nach Moskau habe. Die Nachricht wird ohne Zweifel mit der Verhaftung des Sohnes des Consuls Romanescu in Galatz Zusammenhängen; derselbe wurde wegen des Verdachts der Dynamitlieferung an die Terroristen in Odessa vor wenigen Tagen fejtgenommen. Gleichzeitig treffen auch wieder Drohungen in besonders zuversichtlichem Tone bei Hofe ein, in welchen dem Czaren die Fortsetzung des Kampfes auf Tod und Leben angekündigt wird, bis er dem Volke die Freiheit gewähre, auf die es längst Anspruch habe. Uebrigens sei erwähnt, daß noch nie mit solcher Bestimmtheit kaiserlichen Concessionen gelegentlich der schon. in ganz naher Zeit erwarteten Krönung entgegengesehen worden ist, wie eben jetzt.
Türkei.
Konstantinopel, 5. August. In der letzten Note Lord Dufferin's an die Pforte wegen der Proklamation gegen Arabi Pascha wird abermals daraus hingewiesen, daß die Landung der türkischen Truppen in Egypten von dem vorherigen Erlaß dieser Proklamation und von dem vorherigen Abschluß einer englisch-türkischen Militärconvention abhängig sei.
Konstantinopel, 5. August. (Telegramm der „Agence Havas")- Die gestrige Conferenz mußte vertagt werden, weil die Pforte Zeit zu gewinnen versucht. Der Sultan hat noch nicht eingewilligt, daß die türkischen Truppen unter den Befehl eines englischen Generals gestellt werden.
Aegypten.
Alexandrien, 5. August. Heber den heute stattgehabten Zusammenstoß zwischen den englischen Truppen und den Truppen Arabi Paschas wird noch weiter bekannt: Um 4 Uhr Nachmittags begann das Geplänkel, wobei eine englische Adtheilung gegen die Eisenbahnlinie vorrückte und den daselbst gewonnenen Vorsprung behauptete. Das 16. Scharfschützenregiment ging zu gleicher Zeit längs des westlichen Ufers des
Mahmudiehkanals und das South-Staffordshire-Regiment und Cavallerie längs des östlichen Canalufers vor. Die Egypter wurden genölhigt, sich von ihren sämmtlichen Vorpostenstellungen zurückzuziehen und alle ihre verfügbaren Streitkräfte, etwa 4 Bataillone Infanterie, 4 Caoallerie-Regimenter und mehrere Kanonen vor ihre Hauptlinie bei Kafr Dowar zu verwenden. Die Kanonen aber wurden durch das Feuer der englischen Geschütze alsbald zum Schweigen gebracht. Die Marinetruppen unter dem Befehle des Generals Alison, welche die Eisenbahnlinie besetzt hielten, gingen nunmehr vor und warfen die Egypter in die zweite Gefechtslinie in nächster Nähe bei Kafr Dowar zurück. Die Marinetruppen erlitten hierbei einige Verluste. Als die Egypter gezwungen waren, ihre Truppen auf ihre Hauptposition zurückzuziehen, zogen sich die englischen Truppen bei einbrechender Nacht zurück. Die Zahl der Tobten und Verwundeten ist noch nicht bekannt. Eine Anzahl Verwundeter fiel in die Hände der Engländer, welche auch eine Anzahl Gefangene machten.
Alexandrien, 5. August. Das gestern Abend hier verbreitete Gerücht von einem Brande im europäischen Quartier von Kairo ist vollständig unbegründet. — General Graham übernimmt das Commando über die englische Brigade in Ramleh. ।
Alexandrien, 5. August. Heute Nachmittag 5 Uhr griffen englische Truppen die Vorposten Arabi Pascha's bei Ramleh, zwischen dem Mahmudieh- Kanal und der Eisenbahn nach Kairo, mit mehreren Ge/chützen an, indem sie den Feind von drei Seiten beschossen. — Arabi Pascha hatte heute Vormittag 14 Mann mit einer Parlamentär-Flagge in das englische Lager geschickt. Dieselben waren daselbst von einem englischen Ofsicier in Empfang genommen worden; die Begegnung hatte aber kein Resultat.
Port Said, 5. August. Die Zahl der bis jetzt in Suez gelandeten englischen Marinesoldaten beträgt etwa 450. — Die Ruhe in Kairo ist bis jetzt nicht gestört.
Telegraphische Depeschen.
Wolff s telegr. Correspondenz-Bureau.
Petersburg, 6. August. Das „Journal de St. Pötersbourg" sagt in Bezug auf die von Dilke dem Deputirten Worms im englischen Unterhaus am 4. ds. ertheilte Antwort: Wir begreifen nicht, inwiefern die bezüglich der russischen Kriegsentschädigung von der Türkei gegebenen Pfänder zu einer türkischen Anleihe dienen könnten, und wissen nicht, welche thatsächliche Unterlage Dilke bei dieser Auskunft gehabt haben möge. — Ein Circular des Ministers des Innern bestimmt, daß in Verfolg des kaiserlichen Ukas vom 26. October 1876 eine Pferdezählung in der Zeit vom 15. August bis 15. October stattfinden soll.
Pera, 6. August. In der gestrigen Sitzung der Conferenz stand der Antrag der italienischen Regierung, betr. den Collectivschutz des Suezkanals, zur Berathung. Lord Dufferin nahm denselgen im Princip an, erklärte aber nochmals, er habe noch keine formellen Instructionen erhalten. Marquis de Noailles wiederholte, Angesichts der Cabinetskrrsis müsse er sich die Meinungsäußerung seiner Regierung vorbehalten. Lord Dufferin urgirte alsdann die Nothwendig- keit des Erlasses der Proklamation gegen Arabi Pascha und wies auf die unter den Muselmännern in Egypten verbreiteten Gerüchte hin, nach welchen der Sultan Arabi Pascha schützen und Truppen zur Vertreibung der Engländer senden solle. Said Pascha gab sodann Aufklärungen über die türkische Expedition und theilte mit, daß die Anfangs der Woche abgegangenen Soldaten Rekruten gewesen seien, welche in Salonichi bleiben sollen. Die eigentliche Expedition werde 5000 Mann stark sein. Kreta solle als Militärdepot dienen. — Gutem Vernehmen nach wird Server Pascha nach Alexandrien gehen. — Zwei Transportschiffe sind heute in Alexandrien eingetroffen. — Die Truppen sind zum Einschiffen bereit, aber noch nicht eingeschifft. Verträge auf Lieferung von Fleisch, Kohlen und anderen Bedürfnissen sind noch nicht abgeschloffen. Der Transport-Dampfer „Babil" ist heute hierher zurückgekehrt, da die Maschine unbrauchbar geworden ist.
Washington, 6. August. In Brownsville (Texas) sind 750 Fälle von Erkrankungen am gelben Fieber vorgekommen; die Epidemie breitet sich schnell aus.
Die Irage des Kleingewerbes und die Kreditreform.
Wieder lauten die Jahresberichte über die Lage des Kleingewerbes nichts weniger als günstig. Soweit sich eine Besserung der Geschäfte konstatiren läßt, ist sie in der Hauptsache wieder nur dem Großbetriebe zu Gute gekommen. Die ewigen Klagen Über diesen Rückgang des Kleingewerbes ändern jedoch an den Thatsachen nichts. Man muß sich eben stets daran erinnern, daß wir uns jetzt in einer Übergangszeit befinden und daß seit dem Beginne der Aera des Dampfes unsere gefammten gewerblichen Verhältnisse in einem so tiefgreifenden Umwälzungsprocesse begriffen sind, wie ihn die Geschichte noch niemals aufzuweifen hatte. Die erweiterten Verkehrsverhältnisse und die Ersetzung des lokalen durch den Weltmarkt weifen der Industrie jetzt größere Aufgaben zu und bedingen in Folge dessen auch größere Mittel. Es ist deßhalb nur noch eine Frage der Zeit, wann der Kleinbetrieb in der großen Mehrzahl der Gewerbszweige durch das Großkapital und den Großbetrieb verdrängt sein wird. Nicht darum kann es sich also handeln, diesen naturgemäßen, durch die ganze Culturentwickelung bedingten Umwälzungsproceß mit dem einen oder andern Recept aufhalten und Ucder- wundenes wieder einsetzen zu wollen, die wahre Aufgabe einer vernünftigen Socialpolitik besteht vielmehr darin, ihn möglichst abzukürzen und Sorge dafür zu tragen, daß der Uebergang zu neuen Formen der Industrie nicht zu viel Opfer fordere. Für das Kleingewerbe ergibt sich daraus die Aufgabe, die Vortheile, denen der Großbetrieb seine günstigere Stellung verdankt, kennen zu lernen und alle Kräfte einzusetzen, um dieselben auch für sich wirksam zu machen. Reichen hierzu die Mittel des Einzelnen nicht aus, und dies ist meistens der Fall, so wirb die freie Vereinigung Vieler den Zweck erfüllen müssen.
Außer manchen anderen Vortheilen beruht die Hauptstärke des Großbetriebes unbestritten in den größeren Mitteln, mit denen er arbeitet; zum guten Theil liegt sie aber auch in den besseren Creditverhältnissen, die er sich auf Grund feiner ökonomischen Machtstellung erzwingen kann. Der Mangel an Capital und das im Kleingewerbe vorzugsweise und speciell in Deutschland herrschende Creditunwesen sind dagegen gerade die wesentlichen Gründe, welche den Niedergang desselben zur Folge haben. Der eigentliche Krebsschaden «st davon entschieden der letztere Grund, denn das unglückliche Borgsystem ist recht eigentlich die Ursache, weßhalb es dem Kleinbetriebe immer an Capital fehlt- Der Kleingewerbtreibende fängt in der Regel mit wenig Betriebskapital an. Das ist bei den jetzigen Concurrenzverhältnissen gewiß kein Vortheil; seine Lage würde aber, wenn er nur sonst tüchtig ist, immerhin eine haltbare sein, wenn er sein Capital stets zu seiner Verfügung hätte. Durch die langen Kreditfristen wird indeß das geringe Vermögen der Kleinge werbtreibenden in den meisten Fällen auf ein Minimum rebucirt, mit dem er nicht erfolgreich arbeiten kann. Er ist dadurch nicht in der Lage, sich feine Rohmaterialien günstig einkaufen zu können, er geräth in finanzielle Abhängigkeit von feinen Gläubigern, fein Verdienst wird geschmälert, seine Concurrenzfähgkeit auf jede Weise gelähmt und das Endresultat ist fein Ruin, die Vermehrung des Ganzen um einen neuen Proletarier. Aber auch das Publikum, welches der Unsitte des Borgens, fei es aus Noth ober aus Leichtsinn, huldigt, leidet darunter. Jemand, der gewohnt ist, selbst bte wichtigsten Lebensbedürfnisse auf Credit zu nehmen, wird sich dieselben damit nicht nur vertheuern, sondern sich auch jede geordnete Finanz- wirthschaft seines Haushalts erschweren, wenn nicht für immer unmöglich machen. Eine solide pünktliche Zahlungsweise und durchgreifende Creditreform würde deßhalb


