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srr. 182.

Dienstag den 8. August

1882.

ießener Anzeiger

Amts- imb Anzeigrblatt für den Kreis Gießen.

»»«tim t Schulstraß- B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme d°z Montags. Prcts mett-liLhrl.ch 2 Marl 20 Ps. mit Vringerlohu.

Durch bte Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheit.

Betreffend: Die Aufstellung der Verzeichnisse schulpflichtiger Kinder. Gießen, am 5. August 1882.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Unter Mittheilung nachstehender Ministerialverfüglmg beauftragen wir Sie, rubricirte Verzeichnisse für die Folge aufzustellen und rechtzeitig an die Schulvorstände abzugeben.

I. V.: 0r. Hoffmann, Regierungsrath.

Betreffend: Wie oben. Darmstadt, am 17. Juli 1882.

Das Gwßht'rzogliche Ministerium des Innern und der Justiz

Jbtheilung für Schuiangelepenheitrn

an die Großherzoglicken Kreis-Schulcommisfionen.

Nachdem die Führung der Geburtsregister auf die Standesbeamten übergegangen, ist die Frage entstanden, wer nunmehr die jährlichen Verzeichnisse der schulpflichtigen Kinder aufzustellen habe. Da den Standesbeainten eine Verpflichtung hierzu nach der ihnen ertheilten Instruction nicht obliegt, so erscheint es als das zweckmäßigste, mit Aufstellung dieser Verzeichnisse die Großherzoglichen Bürgermeistereien zu betrauen, da die Bürgermeister, wenn sie zugleich Standesbeamte sind, das erforderliche Material aus den von ihnen geführten Registern zu entnehmen in der Lage sind, im Falle der Trennung des Bürgermeister- und Standes­amtes aber auf Grund des Artikels 19 der Verordnung vom 3. November 1875, die Ausführung des Reichsgesetzes über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung vom 6. Februar 1875 betreffend, von den betreffenden Standesbeamten verlangen können, daß sie die Einsichtsnahme der Standesregister gebührenfrei gestatten, sowie die im amtlichen Interesse erforderten Aufzeichnungen zu ihrer Verfügung bereit halten. ___________________________________________________________Knorr.__Achenbach.

Betreffend: Die diesjährigen Herbstübungen. Gießen, am 4. August 1882.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir benachrichtigen Sie, daß die Hebungen der Cavallerie-Division in der Zeit vom 24. bis 30. August d. I. jedesmal von Morgens 7^211^2 W in der Gegend von Berstadt, Wohnbach 2C. stattfinden und daß hierbei die Fluren Möglichst geschont werden sollen. Zur Erreichung dieses Zwecks ist es erforder­lich, daß besonders werthvolle Felder, insbesondere die mit Dickwurzeln rc. bestellten Aecker durch Strohwische kenntlich gemacht werden, was Sie, soweit als nöthig, veranlaffen wollen.

Das Militär-Commando macht darauf aufmerksam, daß es bei dem eigenartigen schnellen Verlauf der Cavallerie - Hebungen sowohl im Interesse dieser, als in demjenigen des Publikums liegt, daß sich letzteres nicht in die Bewegungssphäre der Cavallerie-Massen begiebt und sich dadurch der Gefahr aussetzt, überritten zu werden. Es ist deshalb den Zuschauern zu empfehlen, sich nur in der Nähe der Ortschaften, am Waldrand oder in sonst schützendem Terrain aufzuhalten.

I. V-: Dr. Hoffmann, Negierungsrath.

Deutschland.

Berlin, 4. August. Wir entnehmen denBerl. Polit. Nachr." : Der Vorhang ist vor einem neuen Akte in dem egyptischen Drama aufgezogen wor­den. England hat die Stadt Suez besetzt; die egyptischen Truppen haben Alt- England diesen neuen Triumph zu erreichen nicht schwer gemacht, sie haben schleunigst das Hasenpanier ergriffen. Wie es scheint, beabsichtigt jetzt auch die Türkei energischer als bisher vorzugehen, drei türkische Transportschiffe sind nach Alexandrien ausgebrochen; sie führen Artillerie und Munition und die Complicatwn der Verhältnisse wird fortwährend bedenklicher. Dabei steht Eng­land das stch von Frankreich in Nichtsüber sein" lassen will, ebenfalls vor einer Vtinmertrise und sogar eine Auflösung des englischen Parlaments wenn auch noch nicht sofort, so doch im nächsten Frühjahre steht in sicherer Erwartung. Hwr spielen nicht nur die morgenländischen Angelegenheiten mit; ein großer ^herl der Differenzen innerhalb der englischen Volksvertretung beruht auf dem Widerstande des Oberhauses gegen die Bestimmungen der Pachtsrückstands-Vorlage. Sollte das Oberhaus die vom Marquis v. Salisbury diesbezüglich vorgeschlagenen Amendements nicht acceptiren, so wird wie aus Kreisen verlautet, die dem Cabmet von St. James nahe stehen, - das Par­lament sofort provocirt werden uiid sofort eine neue Session einberufen werden, in welcher die oben erwähnte Vorlage, in der im Unterlaufe erhaltenen Fassung die alleinige Maßregel des Ministeriums bilden dürfte. Sollte dann das House of Lords die Vorlage abermals verwerfen, dann wird die Auflösung des engli­schen Parlaments als unvermeidlich angesehen werden müssen.

In Frankreich dauert die Ministerkrise fort. Herr Grdvy hatte sich mit einer Anfrage an den Baron de Courcel gewandt, um diesem ein Portefeuille in dem neu zu etablirenden Cabinet anzubieten; sicherem Vernehmen nach hat Herr Baron de Courcel, der Gesandte Frankreichs am deutschen Hofe, nicht Neigung, seinen hiesigen Posten gegen eine Ministerstellung in Paris zu vertauschen.

Als ein Zeichen für die Anstrengungen, welche die Staats- und unter- staatlicher Verwaltung stehenden Bahnen machen, um im Sinne des Erlasses des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten den zu' erwartenden starken Herbst­verkehr ohne Verzögerung bewältigen zu können, verdient angeführt zu werden, daß allein die Eisenbahnen Rheinland-Westfalens für die Vermehrung ihres Fahrmaterials gegen das Vorjahr fünfzehn Millionen Mark ver­wendet haben.

Wie dieTribüne" zu melden weiß, will man jetzt im elsaß-lothrin­gischen Landesausschuß nichts mehr von der Tabak-Manufaktur wissen Es 'soll in den letzten Monaten ein lebhafter Briefwechsel und mündlicher Meinungs­

Austausch unter sämmtlichen Mitgliedern des Landesausschusses stattgefunden und das Resultat darin bestanden haben, daß sämmtliche Bethelligte mit allen gegen eine Stimme beschlossen, daß einem Staatsinstitute, welches, anstatt streng kaufmännische Geschäfte, Politik getrieben habe, nicht mehr die rettende Hand durch weitere Zuschüsse a fonds perdu gereicht werden dürfe.

Berlin, 5. August. Das Neichsgesundheitsamt beabsichtigt, eine fort­laufende öffentliche Berichterstattung für das deutsche Reich über das Auftreten derjenigen gemeingefährlichen Krankheiten herbeizuführen, welche der Anzeige­pflicht unterliegen. Dies ist den Einzelregierungen des Reichs durch das Neichs- amt des Innern mit dem Zusatze kundgemacht worden, daß, wenn das Gesund­heitsamt auch die Schwierigkeiten nicht verkennt, welche dieser Arbeit gegenwärtig entgegenstehen, auch nicht im Zweifel darüber ist, daß eine solche Berichterstattung in der ersten Zeit nur einen geringen Anspruch aus Verwerthbarkeit würde machen können, es doch bei den mehrfachen Anregungen zur Inangriffnahme einer solchen von einem Mittelpunkte aus geleiteten Berichterstattung auf die rege Mitarbeiter aller Aerzte rechnen zu dürfen glaubt. Der preußische Minister der Medicinal-Angelegenheiten wünscht diese Bestrebungen des Gesundheitsamtes thunlichst zu fördern, denn er ist, wie er dies den Bezirks-Regierungen kund­gegeben hat, von der großen Wichtigkeit überzeugt, welche einer nach überein­stimmenden Grundsätzen zu bearbeitenden Erkrankungs- und Sterblichkeits-Statistik der Menschenseuchen für das deutsche Reich und insbesondere für Preußen zuer­kannt werden muß und von der Bedeutung einer fortlaufenden, sich auf die Gegenwart beziehenden Berichterstattung, deren Ergebnisse über die Bösartigkeit, Ausdehnung und Wanderung der ansteckenden Krankheiten unmittelbar für die Zwecke der Medicinalverwoltung verwendbar gemacht werden können.

Danzig, 5. August. Das Hebungsgeschwader, bestehend aus den Panzer­schiffenFriedrich Karl",Kronprinz",Friedrich der Große" undPreußen" ist gestern Abend von einer Kreuzfahrt in der Ostsee nach Gdmgen zuruckgekehrt. Der Aviso-DampferGrille" mußte wegen starken Weststurmes m Memel verbleiben. , , Lr

Frankfurt, 4 August. Bei den jüngst mitgethellten Verhandlungen der Münchener Handels- und Gewerbekammer über den Frankfurter Antrag auf Beseitigung der Hebelstände, welche sich aus der Verschiedenheit der Post­werthzeichen in Deutschland ergeben, wurde der Inhalt der Frankfurter Eingabe als nicht den thatsächlichen Verhältnissen entsprechend, bekritelt. Demgegenüber mag darauf hingewiesen werden, daß bereits im Jahre 1876 bte bayerische Handels- und Gewerbekammer für die Ob erpfalz und Regensburg in ihrem Jahresbericht vorwürfige Frage besprochen und die Uebelstände hervorge­hoben hat, die sich durch die Verschiedenheit der Postwertzeichen in Deutschland ergeben. Bis heute haben die Handelskammern: Darmstadt, Lauben, Barmen,