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1882

Sonntag den 8. Januar

Nr. 7

8 Uhr:

Bureanr Schulstraße B. 18.

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ist nur- wenig zu vermelden. In Frankreich herrscht in politischer Beziehung tiefe Stille, unb nachdem der Proceß Roustan-Rochefort vorüber ist, macht eigentlich nur noch der Cultusininister Paul Bert von sich st'rechen , der mehr und mehr seine freisinnigen Ansichten in seinem Reffort zur Geltung bringt. Roustan ist nach seiner Niederlage nach Tunis zurückgekehrt, und dort,-me der osficielle Telegraph dienstferttg meldet, von der französischen Kolome begeiftert empfangen worden. Es ist das ein kleiner Trost, der aber freilich keinen großen Eindruck in weiteren Kreisen machen dürste. In England machte Äcr. Her­bert Gladstone, der Sohn des Premierministers, von stch reden, der in einer großen Epistel an den Magistrat einer irischen Stadt dre Unruhen rm ^anve als ungefährlich und den Aufstand als fast beseitigt hmstellt. Unglücklicherweise für den scharfsichtigen Brieffchreiber kommen aber fortwährend Nachrichten aus strland die gerade das Gegentheil von Air. Gladstone s Bries besagen und die ivohl mehr Glauben verdienen, als der Inhalt desselben. Bon einer kriegeri­schen Bewegung spricht man in Rußland; es ist aber kaum auzunehmen, daß dieses Gerücht sehr enift aufzufassen ist; ein Zeitungs-Eorrespondent, dem es offenbar an sensationellen Ereignissen mangelt, bat sich durch Berbreitung solcher Nachrichten wohl ans der Verlegenheit Helsen wollen, und weiter hat die Lache keinen Zweck. In Wien weilt noch immer die türkische Gesandtschast, welche Kaiser Wilhelm den türkischen Orden überbrachte. Man ist nut dein Resultat der Mission am goldenen Horn sehr znfrieden, denn man hofft, sich rmnier fester an Oesterreich und Deutschland anlehnen und dadurch Frankreich m Lums um England in Egypten, wo neuerdings die nationale Partei, die s. ;> den-Nllstar- puisch arrangirte, wieder von sich reden macht, in Schach zu halten, .yat auch der Sultan wohl nicht auf thaffächliche Unterstützung zu hoffen, so wird ihm vielleicht doch moralische zu Theil dadurch, das; sich die Machte bemühen , tue Türkei aus ihrem stagnirenden Zustand zu heben, und das ist mehr wer.h, als alle Hilfe in der hohen Politik. _____ ,

Aeutschtand.

m »ai-inttadt, 6. Januar. Den Ständen ist von Seiten des Großh. Fin«ini- mtniftedüm "imttrm 31. D-cemder o. I. der Entwurf des Finanzg-,-tz-s für ?SwX 1882/85 zur Ertheilung der versostnngsmatzm-n Zustimmung Mit d m B-mcikm zugegongen, daß die Bestimmungen des Entwur,s ihre Begründung ,n den betreffenden zum Hauplvoranschlag der L-taats-Einnahmen und Ausgaben gegebenen Erläutei ungen finben. Der Entwurf lautet.

Das alte Jahr ist tobt, es lebe das neue", so hieß es m der vergan- qenen Woche; in den meisten Reichen Europas ist Neujahr gefeiert worben, so weit eben der Gregorianische Kalender zu Recht besteht. Mßland und die . übrigen Staaten, in denen die griechisch-katholische Religion die vorherrschende ist, feiern bekanntlich nach dem alten julianischen Kalender das Fest der ^av- reswende 14- Tage später. Wie in der Weihnachtsmoche, ruhte auch in der vergangenen die Politik, wenigstens entbehrte sie positiver Grundlagen, und die Zeitungsnachrichten beschäftigten sich daher hauptsächlich nur mit Bermuthungen und Hinweisungen auf die nun wieder beginnende Parlamentär rsche Sestion. Dät der Reu-Eröffnung des Reichstages, die aiu s))ioutag statthaben wirr, dürfte denn auch die verhältnißniäßige Stille, welche um Weihnachten und'Neu­jahr herrschte, beendet jein; die erste Hälfte der Neichstagssespon hat uns zur Genüge gezeigt, daß sich genug Zündstoff angesammelt hat, um aufregenre Explosionen herbeizuführen und an diesen dürfte es denn auch m der Zukunft nicht fehlen, um so weniger, da den Arbeiten des Reichstages minuttelbar ne des preußischen Landtages auf dem Fuße folgen werden. Daß der Reichstag noch wichtigere Gesetze zu Stande bringen wird, ist kaum anzunehmen; i|t Die Etatsberathung erledigt, die Hamburger Zollanschluß-Vorlage angenommen und ebenso das Gesetz über die Berufsstatisük, so wird die deutsche Volksvertretung voraussichtlich nach Hause gehen, und wir bleiben so ziemlich auf demfelben Platze stehen, auf dem wir uns vor der Reichslagserößnung befanden. Fürst Bismarck will absolut feinen Willen durchsetzen, aber da dazu die nöthrge wiaio- rität im Hause fehlt, so geschieht zunächst eben nichts, selbst das nicht, was bei einem geringen Entgegenkommen doch leicht vollbracht werden könnte, wie z. B. das Unfallversicherungs-Gesetz. Einige Klarheit mag vielleicht noch^ die aut n'i Tagesordnung der ersten Reichslagssitzung stehende Hertling'lche Interpellation bezüglich der Fabrikgesetzgebung bringen; welche lebhaft die soeialpolitgchen Pro- jeete des Reichskanzlers berührt, und ebenso der Windthorst'sche Antrag einiges Licht über die Verhandlungen mit Rom, auf richtige, praktische Vorlagen ist jedoch nicht mehr zu hoffen. Was der Reichstag unvollendet gelaßen, wird aber, in zwiefacher Hinsicht mindestens, der preußische Landtag wieder ausneh- men. Regelung des Culturkampfes und Steuerreform, diese beidenZUngelegen- heiten werden hauptsächlich in der vorausstchtlich nicht allzu kurzen ^jion zur Sprache gelangen. Wenn schon der Reichskanzler für den Augenblick durchaus keine Aussicht hat, im Reichstag neue Steuern bewilligt zu erhalten, so kann ei es doch nicht unterlassen, dem Landtag ein Gesetz vorzulegeii, durch welches ui Preußen eine neue Steuerordnung eintreten soll, nachdem im Reichstage fernere indirecte Steuern zur Ermäßigung der directen bewilligt sind. Es ist Machst ichon etwas sehr optimistisch gehandelt, über noch gar nicht vorhandene Gelder bestimmt zu verfügen, dann aber noch schwerer, diese Gelder aufzubringen, ohne dem Nationalwohlstand eine empfindliche Wunde zu versetzen, zumal man ia überhaupt nicht weiß, wie viel Geld eigentlich nothig ist, um biete Steuer­reform durchzuführen. Wir meinen, es ist gar nicht so nothig, neue Steuern zur Beseitigung der alten zu erheben, sondern weit angebrachter, diejenigen, welche zahlen können, mehr heranzuziehen, um die Aermeren zu entlasten. Mnd in Hand mit den neuen Steuer-Projecten geht auch die Beilegung des Kirchen­streits die dem Kanzler die nothige Majorität in den Parlamenten bringen und die Macht des Centruius brechen soll. Wie es scheint, nehmen die Berhcrud- lungen den besten Fortgang, und da der Papst wirklich Neigung zeigt, die Diffe­renz mit dem deutschen Reiche aus der Welt zu schaffen, so dürfte die dem preußischen Landtage zugehende kirchenpolitische Vorlage stch auch völlig in diesem Sinne aussprechen. Ob diese Vorlage freilich angenomiuen werden wird, ist fraglich da sie, dem Vernehmen nach, die Lösung der ganzen Frage dem Er­messen des Staates in den einzelnen Fällen anheimstellen und sie nicht von vornherein wie es das Ceutrum und ein großer Theil der Liberalen verlangt, durch ein eigenes Gesetz ein- für allemal regeln will. Neben diesen Bestrebun­gen des Reichskanzlers wurde wieder und immer wieder behauptet, Fürst BiS- 'inard' gehe darauf aus, die sog. Papstfrage zu regeln, d. h. den Papst durch einen Cougreß - Beschluß sämmsticher 'Mächte unabhängig m Rom hmzustellen und Rom als freie Stadt unter dem Schutz sämmtlicher Mackste zu erklären. Wäre dieses Gerücht wirklich begründet, so hätte aber unser Kaffer bei dem Neuiahrs-Euipfange der deutschen Generalität den Frieden gewiß imlst als voll- tommeu ungestört bezeichnet, denn Italien wird sich Rom ohne Schwertstreich sicher nicht wieder nehmen lassen. Die Worte Kaiser Wilhelms am Neujahrs- laae haben überall den weitesten, freudigsten Widerhall hervorgerufen, um. betbätiat, daß wir nicht mir augenblicklich Frieden haben, sondern daß uns dieses hohe Gut auch für die Zukunft dauernd gesichert ist. Aus dem Auslände

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1 Paar Stiefel, mehrere Schlüssel.

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(<)ichciu'r Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Nachdem Wir mit Unseren getreuen landen über die Art und Weise überein- aekvmm n sind wie die zur Bestreüung der Staats-Ausgaben m den Etaisiahren 1888/84 unb 1884/85 auf dem Wege der Besteuerung zu deckenden Summen Lbracht werden sollen h7ben Wi^°er°rd°net und ^ordnen Wir w,e folgte

e 1 An direkten Steuern soll">us die Mark Einkommensteuer- und Gewerbe- f nnn 19 A aus die Mark Grundsteuerkapstal der Betrag von

17V?auLtidiUam uni) nach d.'n gesetzlichen Bestimmungen erhoben werden. Der früber^ Sleuerausschlag zur Verzinsung und Tilgung von Provlnzlal-Straßenbau- fchulben soll auch in der Finanzpenode 1882/85 ausgesetzt bleiben und es soll der Nettobetraa dieses Ausschlags von 3 Heller auf den Guldcn Steuerkapital, foweit der- ^lbe noch für d e ProvMz Oberhessen erforderlich ist, aus Staatsmitteln entnommen und^ anO die Provinzim:Straßenbaufonds jener Provinz abgegeben werden.

II ^Zndireete Äusiage

§ 2. Neben den nach Matzgabe der Reichsgesetze über die Zölle xnb Reichs- steuern zu erhebenden Auslagen sollen

2. das ^Brückengeld und die Abgabe für Ueberfahrten,

3. die Stempelabgaben und Gerichtsgebuhren,

4. die Collateralgelder, _ .,, .

5 die Abgaben von Hunden und Nachttgallen und b

zweige so verwandt werden, wre-die Bedürfnisse k lben gegenwärtigem Gesetz

bewilligt worden und wie diese Bedürfnisse m der ö

aufgefübrt sind. fnn auf die Summe von 3,500,000 X

Das Betriebskapital der Hauptstaatskasse l I ermächtigt, zu diesem Behuf gebracht werden. Unser Ministerium der ty- höchstens zum Belauf des der Stadt auf dem Wege des Anlebensein Capckal bl Darlehens von 2,520,000 X

Mainz aus den Activen der e ,9 g f^nehmen, dessen Verzinsung

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liegen jetzt vor. Danach betrug ^506 689 mehr als am 1. December 1875), am gedachten Tage 2^,062 Kopf U.5 , 23,048,628 weiblich (1,307,962 mehr). S'SS Ä*!m« -l"-.

1 '-8 Uhr 193 '«be von and.

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----------- Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marr 50 P',.

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gehaltvolle,

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