zu stellen, welches sonach die Ehre hat, in seinen Reihen drei Generationen von Prinzen Ihres Hauses zu zählen. Mit den aufrichtigsten Glückwünschen vereinige Ich den lebhaften Wunsch, Ihren Namen noch lange Jahre an der Spitze des braven Regiments von Libau glänzen zu sehen.
— Das Mitglied des Herrenhauses, Baron Senfft v. Pilsach, ist gestorben.
— Ueber die Verurteilung eines Unschuldigen schreibt man der „Königsb. Hart. Ztg." aus Elbing, 30. October: „Im Jahre 1877 wurde vom Schwurgerichte Hierselbst der Arbeiter Schulz aus Milenz wegen Beraubung eines Schweinehändlers zu 12 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Schulz hatte von dieser Strafe bereits 18 Monate verbüßt, da endlich bequemte sich der damals ebenfalls verurteilte Zuchthäusler Czerlinski zu einem umfassenden Geständniß, wodurch die Unschuld des Schulz an den Tag kam. Am 27. v. M. wurde er von der Anklage des Raubes freigesprochen. Gleichzeitig erkannte der Gerichtshof dahin, daß ihm die baaren Auslagen für die Vertheidigung aus der Staatskasse zu ersetzen seien." Dem bestehenden Gesetze ist damit Genüge geschehen; aber auch der Gerechtigkeit?
— Aus Mülhausen schreibt man der „Straßburger Post": „Unter der israelitischen Bevölkerung hiesiger Stadt herrscht große Aufregung. Es wurden nämlich ungefähr 20 junge Israeliten verhaftet, welche es verstanden hatten, durch Täuschung der Behörden sich vom Militärdienst zu befreien. Die Zahl derjenigen, welche dieses Manövers beschuldigt sind, soll sich auf 32 belaufen. Wie man sagt, waren diese Leute bei der ersten Musterung zurückgestellt worden, nachher haben sie sich dann irgend einen wirklich dienstuntauglichen jungen Mann ausgesucht, welcher unter dem Namen seines Auftraggebers sich bei einem Arzte ein Dienstuntauglichkeits-Zeugniß verschaffte, mit dem dann der Betreffende seine Entlassung vom Militärdienst bewirken konnte. Diese Zeugnisse sollen meisten thells aus Altdeutschland geholt worden sein. Obschon es schon längst ausgefallen war, daß fo viele kräftige junge Israeliten keinen Militärdienst zu leisten hatten, so dachte doch Niemand an einen solchen Betrug, bis derselbe durch Ver- rath zu Tage kam. Die Betroffenen sind alle vermöglich, einige davon sogar reiche Leute; es ist deshalb erklärlich, daß ihre Verhaftung ein ungeheueres Aufsehen hervorgerufen hat. Das Manöver soll schon vom Jahre 1876 an getrieben worden sein."
Aegypten.
Kairo. 3. Novbr. Mit Genehmigung der Behörden ist vom General Alison beschlossen worden, sofort drei englische Osficiere nach dem Sudan zu entsenden, die über die gesammte militärische Lage daselbst berichten und sich auch über die Straßen von Suakim nach Khartum und über tue Möglichkeit, Khartum in Vertheidigungszustand zu setzen, Jnsormationen verschaffen sollen.
Telegraphische Depeschen
Wolff'S telegr. Eorrespondenz-Brrreair.
Wernigerode, 5. Novbr. Se. Maj. der Kaiser ist heute 'Nachmittag kurz nach 5 Uhr in bestem Wohlsein hier eingetroffen und wurde aus dem Bahnhofe vom Grafen zu Stolberg und den städtischen Behörden empfangen Die Stadt ist glänzend geschmückt und beleuchtet. Se. Majestät, von der Bevölkerung mit jubelnden Hochrufen begrüßt, wurde von dem Grafen zu Stolberg in's Schloß geleitet, woselbst die Gräfin Stolberg und deren Verwandte den Kaiser empfingen. Um 6 Uhr findet das Diner, um 7 Uhr Beleuchtung der umliegenden Züge und ein großer Fackelzug statt. Ueberall verkünden Böllerschüsse die Freude der Bevölkerung. Der Kriegeroerein hat die Ehrenwache im Schlosse. Morgen früh um halb 10 Uhr erfolgt der Aufbruch zur Jagd, welche in einem eingestellten Jagen auf Rothwild und Sauen im Forstrevier Hasserode und in einem Treiben auf Rothwlld und Sauen im Forstrevier Oehrenfeld bestehen nürd. Das Frühstück wird um 12 Uhr an der sog. Himmelspforte eingenommen.
Kairo, 5. Novbr. Nach amtlichen Nachrichten ist in Mekka die Cholera ausgebrochen.
Petersburg, 5. Novbr. Der „Regier.-Anz." bestätigt, daß alle Gerüchte von einem Pferdeausfuhr-Verbot aus Rußland durchaus grundlos seien. Das im Jahre 1877 erlassene Pferdeausfuhr-Verbot über die westliche Landesgrenze und das Schwarze und Asow'sche Meer sei bereits im Jahre 1878 wieder aufgehoben worden. — Dem genannten Blatte zufolge sanden am 2. ds. Versuche statt, eine Telephon-Verbindung zwischen der Telegraphen-Station in dem Palais zu Gatschina und Petersburg herzustellen.
Lokales.
Gießen, 6. November. Gestern wurde dahier ein Btttler verhaftet, in dessen Besitz sich 18,75 A oorfanden. Derselbe ist Oesterreicher und betreibt das Betteln gewerbsmäß g.
— In vergangener Nacht fand m der Neustadt eine Keilerei statt. Die Be- theiliglen wurden zur Anzeige gebracht.
Wernrischtsö,
Mainz, 3. November. In der Nähe unserer Stadt wurde dieser Tage von einem Landmann beim Anlegen einer Grube zum Einlegen von Rüben ein sehr werthvoller und bemerkenswerther Fund gemacht. Ungefähr einen Meter tief unter der Erdoberfläche stieß der Mann mit seinem Werkzeug auf eine Urne, welche in Trümmer ging und entrollten dadurch dem Gefäß eine große Menge Goldgulden aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Im Ganzen waren es 1005 Goldstücke, welche der Finder zu Taq beförderte und repräsenttrten dieselben einen Werth von 8—10,000 «A Glücklicher Weise ist jedoch der ganze Fund unserem städtischen Münzcabinet bereits gesichert, so daß die werthvollen Stücke vor einer Verschleuderung bewahrt blieben.
Zürich, 1. November. Ein neuer, ebenso räthselhaster als scheußlicher Mord setzt die Gemüther des Cantons in Schrecken. Im nördlichen Theile desselben liegt idyllisch das Dörfchen Glattfelden unweit des Rheines. In seiner Mitte, fast unmittelbar von den bäurischen Gehöften umgeben, ein stattliches Pfarrhaus, dessen Bewohner junge Leute und von allgemeiner Beliebtheit sind. Pastor, Pastorin und zwei jüngere Kinder, eines von 4 Monaten. Pastor Jäggli befand sich Dienstag und Mittwoch in der Geiftlichkeitssynode in Zürich, welche über Trennung der Kirche vom Staate berieth. In dieser Nacht seiner Abwesenheit wurde die junge Frau im Schlafe überfallen und erwürgt. Bis jetzt hat man keine Spur des Mörders als die Fußtritte unterhalb des Eorridorfensters. Im Hinteren Zimmer sd'läft die Magd. Morgens 3 Uhr hörte sie Hülferufe, sprang in die Wohnstube und fand den Srcretär erbrochen, alle Thüren offen, auf dem Boden die Lampe. Sie hörte vor Schreck nichts, ergriff das Knäblein 'm Bett, sah nicht nach dem Nebenzimmer, sondern sprang mit jenem durchs Fenster. Sofort herbeigerufene Hülfe fand die Pastorin erdrosselt neben dem Bette.
— Die brasilische Ausstellung des Centralvereins für Handelsgeographie, welche 'N den Sälen des Architektmhauscs in Berlin eröffnet worden ist, stellt ein großes, farbenreiches Tropenbild dar. Die Wände sind bedeckt mit gröbsten, aus Panther-, Jaguar-, Coaty- (Nasenbär), Beutelratten- und Ameisenbär-Fellen kunstvoll zusammen
gesetzten Verzierungen, zwischen denen sich reichgeschnitzte Jndianerwaffen — Bogen und Köcher, buntbefiederte Pfeile u. s. w. — abheben. Mannigfache Zierathen, hölzerne Kämme, Halsbänder aus Zähnen und dergleichen haben dazwischen Platz gefunden. Weiterhin erblicken wir prächtige Exemplare von Lianen (der Schlingpflanze des Urwaldes) in den eigensten Windungen, neben Palmblättern, Riesengräsern, Moosen, Krokodil- und Haifischköpfen. Um den Eindruck, welchen dieser Tropenschmuck auf den Beschauer macht, noch zu erhöhen, sind an verschiedenen Plätzen prächtige Exemplare ausgestopfter Jaguars, Pumas, Jacares (eine Krokodtlart), Leguans, Affen, Gürtel- thiere und Riesenschildkiöten ausgestellt, farbenprächtige Vögel, besonders Tukans, zeigen ihr schillerndes Gefieder und dazwischen leuchten kleine Korallenriffe roth auf. Im handelsindustrieüen Theile der Ausstellung finden wir nicht minder interessantes Material vor, in erster Reihe die Specialausstellung des Kaffees Mit großer Anjchau- lichkett ist hier durch eine hohe Würfelpyramide das Verhältniß der Kaffeeproduklion der verschiedenen Tropenländer illustrirt. Den Grundstein der Pyramide bildet ein die jährliche Kaffeeproduklion der ganzen Erde mit 615,711 Kg. darstellender Würfel; unmittelbar auf demselben erhebt sich der Würfel Brasiliens mit 300,000,000 Kg, dann der der holländischen Coloniern in Ostasien; Venezuela, Ceylon, Hayti u. a. thürmen sich tn spitzer Abstufung nach oben und unmittelbar an die Pyramide schließen sich die zweihundert verschiedenen Kaffeesotten, therls in Säcken, theils tn hohen Gläsern aus gestellt, an. Die meisten derselben kommen von Rio de Janeiro, dann folgen Sao Paulo, Minas und Santo- Tabakblätter haben Santa Cruz, Munda Roya, Blumenau und Jtojah-Bruspue geliefert, desgleichen Chartons (Cigarren) und Cigarros (Mais- blätter-Cigarretten) Neben dem Cauha und Caxaxas, Zuckerrohr, Rohrzucker sieht man den Rohrbranntwein, Piraheiraha und den Cha do Mate von Paraguay, einen Thee, welcher in besonders dazu erbauten Mühlen gestampft und aus einer eigenthüm- lieben AU von Flaschenkürbis durch Röhrchen aufgesaugt wird, der brasilische Sherry Cobbler also. Auf Nutz- und Farbhölzer der verschiedensten Art: Jpeholz aus Pernam- buco, Cedernbolz und Sao Bento, verschiedene Sorten von Baumwolle, Orangewein und Weine aus Campo Bom, Malz und dergleichen folgen Seidenraupen, Cocons und sehr schöne Rohseide in weiß und gelb, sodann die allerverschiedensten Früchte und (Sämereien, Ganz besonders reichhaltig ist die Sammlung von Conserven, unter denen die Macachis (eingemachte Ananas) die hervorragendste Stelle einnimmt, nicht minder die köstliche Doze de Mangaba (Palmfrucht von Pernanrbuco), Goiabas Mangas, Bananen, CarjambollaS (eingemachter Palmenkohl), Maraconias in Blechdosen eingekocht, Krabben, Feijao (eine Art schwarzer Bohnen), Tracara brasileira. In der Abteilung für Stoffe und Gewebe finden wir Stricke und Taue ans Cocos- und Nesselfasern, Siebe aus Plamblättcrn und — Badeschwämme und Damenhauben aus Gurkenfasern! Die Gegenstände sind thaifächlich aus den Fasern der Luffagurke, die in der Colonie Joinoille angebaut wird, gefertigt, wie auch aus dem Gravata, einem Binsenfaserstoffe, die mannigfachsten und seltsamsten Artikel hergeftellt werden. Acara, ein Gerbstoff für feines Leder, ist neben Säften und vegetabilischen Substanzen, die medicinischen Zwecken (besonders der Homöopathie) dienen, ausgestellt, desgleichen Cam poire-Kirschen, Erdmandeln, wohlriechende Kräuter, Leder, Rinder- und Schweinefett, Steinkohle von San Jeromino, Amethyste, Achate, Eisenerze, Ziegelsteine und ein vollständiger Thonofen aus Pernambuco. In der ethnologischen Abteilung Haber leider eine Anzahl der Gegenstände auf der Reise Bruchschaden erlitten, besonders die Sammlung uralter Thongefäße; außerdem sind noch Sternwaffen der Buggers (Wilden) aus der Steinzeit und Steinteller derselben vorhanden. Gelbe Lederanzüge, wie die brasilischen Ranchcros und Viehtreiber sie zu tragen pflegen, mit Lasso, Modelle von Flößen mit rautenförmigen Rudern und schließlich ein Colossalbild der Stadt Rio de Janeiro, von Jacobs gemalt, vollenden die Liste der Sehenswürdigkeiten dieser Ausstellung, welche ohne Zweifel für den deutsch-brasilischen Handelsverkehr von Bedeutung sein wird. Während der Ausstellung wird in einer Bude von Tannenzweigen der aus den Proben brasilischer Kaffees bereitete Trank verschenkt werden.
— (Falsche Fünfzig-Mark-Scheine.) In Solingen wurde in den letzten Tagen bei mehreren Geschäftshäusern der Versuch gemacht, falsche Fünszig-Markscheine mit der Jahreszahl 1874 in Zahlung zu geben. Schon bet flüchtiger Besichtigung hatten diese Scheine ihrer hellgrünen Farbe wegen und auch, weil die Wasserzeichen an ihnen nicht sichtbar waren, Verdacht erregt. Als ein ferneres Unterscheidungszeichen von den ächten, wird der „Sol. Ztg " mitgetheilt, daß auf den Fälschungen neben her Strafandrohung sowohl rechts als links das Sternchen fehlt.
Eingesandt.
Gestern Abend entwischte nach der Vorstellung ein Indianer, nahm feinen Weg durch die Stephansmark und gerieth über den W-esecksteg in bie, Bleichstraße. Alle Nachforschungen blieben bei jener Beleuchtung erfolglos, bis man denselben heute früh im Schlamme stecken sah, woraus selbst dieser Wilde, an Unwegsamkeit gewohnte, sich nicht allein heraushelfen konnte. Er bedankte sich, wollte nie wieder burebbrennen und fing, ob dies wirklich der directe Weg von der Aula nach dem Bahnhofe sei. Als ihm dies bejaht wurde, meinte er, bei ihm zu Hause wäre das alles anders und undenkbar.
Schiffsbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C- W. Dietz Nachfolger, Gießen.
Bremen, 3. November. Der Postdampfer Werra, Capt. I. Barre, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 25. Oktober von Newyork abgegangen war, ist geste n 9 Uhr Abends wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für boit bestimmten Passagiere, Post und Ladung 11 Uhr Abends die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 113 Passagiere und volle Ladung.
Bremen, 4. November. (Per transatlantischen Telegraph.^, Der Postdampfer Elbe. Capt. W. Willigerod, vom Norddeütschcn Lloyd in Bremen, welcher am 25. Oktober von Bremen und am 26- Oktober von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 4. Nov. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu JL 3.00—4.00, Stroh «//L 1.90—2.20, Eier das Hundert <X 6—7.50, Stück 6V2—8 H, Butter 1. Qualität 1.25, 2. Qualität 1.15, Kartoffeln per Centner 3.00—3.50, Kopfsalat per Stück 5 H, Wirsing 5—8 Rothkraut 15—35 H das Stück,
Gans JL 4.00—7.00, Huhn JL 0.00, 1 Ente 1.80—2.50, 1 Taube 50 H, Hahn X 1.00-1.20.
Gründer a, 4. November. (Fruchtpreise.) Weizen «A 18.98, Korn A 15-78, Gerste A 13.20, Hafer A 12.34, Erbsen A 18.74, Lein A —Samen A 26.00, Kartoffeln «A 6.22.
Frankfurt a. M., 6. November, Nachmittags 2 Uhr - MIn. (Tel-graphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactien 263, Staatsbahnactien 3007/s, Galizier 269Vg, Lombarden 120 /2, Rord- westbahnactien 1755/s, Darmstädter-Bankactien 156V«, Oberschlesische E.-B.-Act. 259 /2, Oefterr. Sllberrente 66, 4% Ungar. Goldrente 74V4, 4% 1880er Ruffen 5% 1877r Russen 87, 2. Orient-Anleihe 553/ig, Spanier 627/s, 5 /o Rumänische Rente 93V4, 4°/0 Unific. Egypter 71, Disconto Comm. 205^, Gotthardbahnactren 1043/4. Tendenz fest.
In der „Erklärung" des Herrn Dr. Kübel (cf. Anzeiger Nr- 259 1.Jölatt) t|t in einem Theil der Auflage m der 16- Textzeile von oben zu lesen: „Aber solch er Unterstützung von Setten angesehener evangelischer Bürger" u. s- w. Das Wort „evangelischer" ist durch ein Versehen weggeblieben, was wir zu berichtigen bitten-
Briefkasten. c, . .
Herrn C. I. K. Warum anonym? Ein witziges gutes Wort findet immer gute Stelle. _________________________________ __ ___________
731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in einender mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen.
von der Annoncen - Expedition von Bfl AASB^’STEI1V in
Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher i Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässig n Kath urtheilt


