Freitag den 7. Juli
srr. 155
1882
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagH.
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PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Vrrrcirir: Schulstraße B. 18.
Bekanntmachung.
Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Vorstand des Sächsisch-Thüringischen Reiter- und Pferdezucht - Vereins zu Merseburg die Erlaubniß zum Vertrieb der Loose ä 3 Jl. für die am 30. November d. I. projectirte, von der Königlich Preußischen Regierung genehmigte Verloosung von Equipagen, Reit- und Wagenpferden re. für den Bereich des Großherzogthums erthellt.
Gießen, am 4. Juli 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Politische Uebersicht.
Gießen, 6. Juli.
Die innigen Beziehungen, welche zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn und deren Kaiserhäuser obwalten, werden durch die in Aussicht stehende Begegnung unsers greisen Kaisers mit dem österreichischen Herrscher eine abermalige Verstärkung erfahren. Wie verlautet, würde diese Begegnung im nächsten Monat, gelegentlich des Aufenthaltes Kaiser Wilhelms in Gastein, erfolgen, doch ist noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob die Begrüßung in Gastein selbst, oder vielleicht in Ischl stattfinden wird. Es wird versichert^ daß keiner der beiden Souveräne von einem Minister begleitet sein werde, so daß die in Aussicht stehende Kaiserbegegnung allerdings weniger einen politischen, als vielmehr einen persönlichen Charakter tragen würde.
Mit der im „Reichs-Anzeiger" veröffentlichten amtlichen Mittheilung von der Entlassung Bitter's — unter Beibehaltung des Titels und Ranges eines Staatsministers .— und der Ernennung des Staatssecretärs im Reichsschatzamte, Scholz, zum Finanzminister hat die Krisis im preußischen Finanzministerium factisch ihr Ende erreicht. Herr Bitter verabschiedete sich am Montag von den Rathen feines Ressorts; als letzten Amtsact hat er in vergangener Woche ein Rescnpt an die Regierungs-Behörden gerichtet, worin zu äußerster Sparsamkeit wegen der finanziell bedrängten Lage aufgefordert wird. Die „Rordd. Allg. Ztg. hat bereits das Programm des neuen Finanzministers verkündet. Ergeben, sagt das officiöse Blatt, die nächsten Wahlen einen Landtag, der gegen die Steuer-Reform ist, so wird damit der Regierung jede Operations- Basis entzogen und es müssen die bisherigen Steuer-Erlässe fortfallen, da auf die Dauer der Staat bie Ausfälle, welche in Folge der Erlässe entstehen, durch Anleihen nicht decken könne. Mit diesen Worten wird demnach der Steuer-Erlaß schlechthin zur Wahlparole gemacht.
Am Sonntag hat in Köln der Parteitag der Nationalliberalen ver Rheinprovinz Westfalem und Hessen-Nassaus stattgefunden. Den Glanz- punkt desselben bildete die Rede Bennigsen's, in welcher der nationalliberale Führer sich zunächst über die Steuer-Reform-Frage äußerte und die Reform- bedürftigkeit der directen Steuern anerkannte, wobei er sein bekanntes Steuer- Reform-Programm, wie er es in seiner Rede vom 15. Juni niedergelegt hatte, entwickelte. Hierauf kam Herr v. Bennigsen auf die Kirchengesetzgebung zu sprechen und gab dre Bereitwilligkeit der Nationalliberalen, für die Wiederkehr des kirchenpolitischen Friedens m Preußen mitzuwirken, zu erkennen, nur müßten hierbei die Rechte des Staates jedenfalls gewahrt bleiben. Schließlich berührte der Redner noch die bevorstehenden Landtagswahlen und knüpfte hieran eine Uebersicht über die nationale Bewegung in Deutschland seit dem Jahre 1848, worauf Bennigsen mit einer Mahnung zu reger Wahlagitation feine mit vielem Beifall aufgenommene Rede schloß. Die Versammlung wurde vom Vorsitzenden v. Schulte-Bonn mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser geschlossen.
Auch Frankreich ist von dem kriegerischen Eifer Englands angesteckt worden. Das aus 6 Panzerschiffen, einem Kreuzer und einem Aviso-Dampfer bestehende französische Evolutions-Geschwader ist am Montag von Marseille in See gegangen, um auf indirectem Wege längs der tunesischen und tripolitani- schen Küste nach Egypten zu gehen. Von Bona (Algier) aus werden dem Geschwader die letzten Befehle zugehen. In Toulon werden Transportschiffe zur sofortigen Beförderung von 15- bis 20,000 Mann bereit gehalten. Zwei weitere Panzerschiffe werden ausgerüstet, um binnen Kurzem dem Geschwader nach- solgen zu können und außerdem wird eine Reserve-Abtheilung gebildet werden. Diese Vorbereitungen scheinen fast darauf hinzudeuten, daß Frankreich dem ihm von England angeblich gemachten Vorschlag eines gemeinschaftlich bewaffneten Vorgehens in Egypten doch nicht so ganz abgeneigt ist.
Das englische Unterhaus hat endlich eine Gewaltanstrengung gemacht, um die Verhandlungen über die irische Zwangsbill zu Ende zu führen. Volle 32 Stunden währte der heiße Redekampf, vom Freitag Mittag bis Sonnabend Abend 8 Uhr, während dessen die Abgeordneten sich alle 8 Stunden ablösten und Dank dem energischen Vorgehen ist es gelungen, die erwähnte Bill der Hauptsache nach unter Dach und Fach zu bringen. Die irischen Abgeordneten versuchten zwar wieder in gewohnter Weise, die Debatten zu verschleppen, aber auf den Antrag Gladstone's wurde mit ihnen kurzer Proceß gemacht, indem man Parnell und seine Freunde, mit Ausnahme von sechs, einfach aus dem Sitzungssaale entfernte. Es war in der That hohe Zeit, daß die Zwangsbill Gesetzeskraft erlangte, denn es vergeht kaum ein Tag, welcher nicht Kunde von einem neuen agrarischen Verbrechen aus Irland bringt. — In dem Bureaux des Kriegsministeriums fand am Montag unter dem Vorsitze des Generals Wolseley eine Sitzung statt, um für den Fall, daß die Einberufung der Reserven nöthig werden sollte, die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen. Wie verlautet, soll die Einberufung der Reserven unverzüglich vor sich gehen und sei Ordre nach Chatham ergangen, die Panzerschiffe „Agamemnon" und „Ajax" zum sofortigen Auslaufen bereit zu machen.
In Ostrumelien gährt es wieder einmal in bedenklicher Weise und die Anzeichen einer Agitation, die danach strebt, diese Provinz von der Türkei gänzlich loszutrennen, treten immer deutlicher zu Tage. Die Pforte hat deshalb an Aleko Pascha, den Gouverneur Ostrumeliens, energische Weisungen ergehen lassen, Die bett. Agitation zu bekämpfen. Vielleicht ist es kein Zufall, daß solche Anzeichen gerade zu einer Zeit austauchen, wo ein Herr v. Nelidow, der Mitarbeiter am Vertrage von San Stefano, zum Vertreter Rußlands bei der Pforte ernannt worden ist.
In der egyptischen Krisis sind in der letzten Zeit neue Momente nicht aufgetaucht. Indessen hat die Lage am Nil noch nichts von ihrem gefährlichen Charakter verloren, auch in der feindseligen Stimmung der eingeborenen Bevölkerung Egyptens gegen die Europäer scheint sich noch kein Umschwung vollzogen zu haben, wenigstens spricht hierfür der Umstand, daß die Flucht der Europäer aus Egypten fortdauert. Arabi Pascha ist nach wie vor entschlossen, das Land gegen jeden Landungsversuch zu vertheidigen und haben deshalb die Werke von Alexandrien eine Verstärkung erhalten. Arabi wollte sogar ein Massenaufgebot ergehen lassen, doch gingen seine Minister-Collegen auf diesen Plan nicht ein, da er ihnen denn doch zu gefährlich erschien. Mittlerweile tagt die Conferenz zu Konstantinopel weiter, ohne daß man etwas von den 2Rrhand- lungen oder wichtigen Beschlüssen hört. Gerüchtweise verlautet, daß sich die Conferenz in diesen Tagen mit der Frage der bewaffneten Intervention in Egypten beschäftigen werde und daß, falls das Princip der letzteren anerkannt werde, es sich nur noch darum handeln würde, welcher Macht die Befugnitz, als Mandatar Europas in Egypten aufzutreten, ertheilt werden soll. Man schließt aus den Rüstungen Frankreichs, daß gegebenen Falls diese Macht mit der bewaffneten Intervention in Egypten beauftragt werden wurde.
Gießen, am 4. Juli 1882.
Betreffend: Statistische Ermittelung der landwirthschastlichen Bodenbenutzung und des Ernteertrags im Jahr 1882.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglicherr Bürgermeistereien des Kreises.
Sie erhalten mit näckster Post die erforderlichen Formularien, um mit Ermittlung der landwirthschastlichen Bodenbenutzung und des Ernteertrags in 1882 sofort zu beginnen, nachdem Sie vorher die Commissionen haben wählen lassen. Wie wir früher wiederholt bemerkt, empfiehlt es sich, dieselben Personen wieder in die Commissionen zu wählen, welche bereits bei den fraglichen Ermittlungen in vorderen Jahren thätig waren.
Indem wir Sie auf unsere Verfügungen vom 18. Mai 1878 — Anzeiger Nr. 118, —, vom 12. Juli 1879 — Anzeiger Nr. 162 — und vom 14. October 1879 — Anzeiger Nr. 242 — verweisen, bemerken wir, daß uns die Reinschriften der Uebersichten längstens bis zum 1. ^November d. I. vorzulegen sind. Dieser Termin muß strenge eingehalten werden.
Am 30. August d. I. wollen Sie Anzeige erstatten, wie weit Sie mit den Aufnahmen gekommen sind.
Or. Boekmann.
Deutschland.
Berlin, 5. Juli. Nach einer Meldung der ,,Nat -Ztg." hätten der eng- lische und französische Admiral ihren Regierungen dringliche Erachten zugehen lassen, ein Ultimatum an die egyptijche Regierung zu richten, wann die unverzügliche Einstellung der Vertheidigungs-Arbetten verlangt werde unter Androhung des Bombardements für den Fall der Fortsetzung dieser Arbeiten.
R-riin -> füll Die „Tribüne" enthält von der Direciion der kais-rltcheu Tabaknmnuiadlur in Straßburg unter Berufung aus das Preßgesetz solgende Zuschrift: ^Die kaiserliche^ Tadakmanusaklur hat aus technischen Gründen das Neusoriuen einer Cigarrensorte unter 48 Sorten in Angriff nehmen lassen. Die auserlesenen Cigarren
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I meiner ausgesührteir ■ Herren Dr. Anchner \ wird die Leistungs- ität derselben nach- _____________3738 die ergebene Anzeige, i in dem Wode'schm lM B. 85, *- rg Stadler, zellanofenseßer.__
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