Ausgabe 
7.5.1882 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Sonntag den 7. Mai

Nr. 106

1882

Wtltmie t Scknlstraße B. 18.

Erscheint tiiglid) mit Ausnahme des Montags.

Je 50 Kilogramm kosten Mark und Pfennige.

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Preis vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit »ringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.

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Wochenschau

Gießen, 6. Mai.

Die parlamentarische Thätigkeit in den Einzelstaaten ist seit Zusammentritt des Reichstages auf den preußischen Landtag beschränkt, da auch der badische Landtag am Sonnabend, den 29 v. Mts., geschlossen worden ist. Es liegt nun die Frage nahe, wie lange dieses Zusammentagen von Reichstag und Landtag noch dauern werde und ob sich dieser Uebelstand nicht auf einen möglichst kurzen Zeitraum beschranken lassen werde. In dieser Beziehung läßt sich indessen noch gar nichts Bestimmtes sagen; nur so viel steht fest, daß der Reichstag, welcher am 5. Mai nach sechstägiger Pause wieder zusammengetreten ist, mindestens zwei Wochen brauchen wird, um seine ersten Lesungen zu been­den. Während dieser Zeit vertagt sich das Abgeordnetenhaus, um dann zur definitiven Erledigung der noch übrigen Vorlagen Verwendungsgesetz, Kreis­ordnung für Hannover, Canalbauten-Vorlage wieder zusammenzutreten, zu welcher Zeit sich der Reichstag abermals vertagen soll, um den Commissions- Berathungen Zeit zu lassen. Unter diesen Umständen ist die Aussicht nicht ausgeschlossen, daß der preußische Landtag erst zu Pfingsten seine Thätigkeit beendet und daß dann die Verhandlungen des Reichstages bis tief in den Juni hinein dauern werden, liegt auf der Hand eine Perspective, von welcher unsere Reichstagsboten nur wenig erbaut sein dürfen.

Die kirchenpolitische Vorlage ist vom preußischen Herrenhause am vorigen Dienstag mit 87 gegen 32 Stimmen nach den Commissions-Vor­schlägen genehmigt worden und hierauf wegen der an ihr vorgenommenen Abän­derungen nochmals dem Abgeordnetenhause zugegangen. Dasselbe beschäftigte sich am Donnerstag, den 4. Mai, mit der Vorlage; außerdem stand noch die zweite Berathung des Hundesteuer-Gesetzes auf der Tagesordnung. Auch sollte am Schluß der Donnerstags-Sitzung die nächste Sitzung des Abgeordnetenhauses, für tvelche die Tagesordnung zweite Lesung des Verwendungs-Gesetzes bereits feststeht, festgesetzt werden. Bekanntlich kam es in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom vorigen Dienstag über die Frage, wann die nächste Sitzung stattfinden solle, zu einer sehr lebhaften Debatte, da Präsident v. Köller oie uuf Sonnabend, den 6. Mai, anderaumen wollte, woaeaen aber mehrere Abgeordnete der Linken und auch Herr Windthorst protestirten, da an diesem Tage auch Reichstagssitzung sei. Die Debatte gestaltete sich schließlich zu einer scharfen Plänkelei zwischen oem Vicepräsidenten des preußischen Staats- mmrstermms, Herrn v. Puttkamer und den Abgg. Rickert, Dirichlet und Richter bezüglich des Rebenemandertagens von Reichstag und Landtag Herr v Putt- kamer erklärte im Verlaufe der sehr erregten Debatte, daß die Berufung und Schließung des Landtages ein der Krone zustehendes Recht sei; Abq. Windt- |orft erkannte zwar dieses Recht an, aber er forderte, daß die Minister dem Könige Vorstellungen machen mußten, warum das Haus den Schluß der Session roU« ^(e schließlich die Debatte mit der Bemerkung des Präsidenten

v. Koller geschlossen, daß das Haus am Donnerstag einen Beschluß über die Sonnabendsitzung herbeiführen werde B

^"o°°^angenen Mittwoch fand die feierliche Consecration und Inthronisation des Bischofs Höting von Osnabrück statt.

e ?/rike in den nordböhmischen Kohlenrevieren ist im Erlo chen begriffen Im Aussiger Bezirke wird bereits wieder m,t volle? etag!U9ren6e,te Don Aussig aufwärts fast alle Arbeiter wieder

fwwfe« Stimmung desselben ist im Großen der Erbaltuna hpa " ?ie

Dmge günstig, namentlich bringen die Deputirten aus den Feüen^dst Uebe°r- zeugung nut, daß der Lturz des Cabinets Gambetta die Bevökerunafe6r falt gelassen habe Aufgabe^der par amentarischen Mehrheiten und der Reaieruna wird es nun sein, die -Schwierigkeiten, welcbe ihnen hi» -Negierung

timisten für den Rest der Session noch'S Sen»uÄS "nd Legi- «4 wird das Cabinet Freycinet sein Budget u?d d7e'vielen welche der Deputirtenkainmer vorliegen, zu vertheidiqen haben ^ntrn9e' dings die entschiedene Unterstützung aller der Elemente der Komme"?" ^^br- aufrichtig mit der Regierung meinen, nöthig hat Emer, welche es

Das englische Cabinet Gladstone ist mit dem s.»___ .

feinet irischen Politik in ein gefährliches Fahrwasser aeratben 'im,!?* klIt Freilassung Paruell's, Dillon's und anderer verhafteter Aiitalieder den hat nicht nur im confervativen Lager, sondern a.tch unter de^L b raken ter Richtung großen Mißiuuth hervorgerufen. Gemäßigte Blätter wie 4- Standard",Daily Telegraph" verurtheilen ebenfalls die Tröntmend^'E? ' R°gtenrng in Irland, da hierdurch die Landliga förmlich d"

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gehört zu den radicalsten Ätitgliedern des enaliscben C?lün°7"^d Chamberlain

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durrhaman Pascha, den früheren Gouverneur von Bagdad, abermals ein Wechsel vollzogen. Man vermukhet, daß persönliche Differenzen zwischen Sultan Abdul Hamid und Said Pascha bezüglich der russischen Kriegskosten-Entschädi­gungsfrage den Anlaß zum Sturze des Letzteren gegeben haben, auch soll der­selbe in der Frage der Reformen nicht die vom ^Sultan gewünschte Energie entwickelt haben.

Die Degradation und Verbannung von 40 tscherkessischen Officieren durch das Kriegsgericht zu Kairo hat bei allen egyptischen Par­teien einen schlechten Eindruck gemacht. Der Vicekönig weigert sich, das Unheil zu sanctioniren; gerüchtweise verlautet, daß die Generalconsuln der Mächte in dieser Angelegenheit einen Protest erheben werden.

Zwischen Brasilien und der südamerikanischen Republik Uruguay droht sich ein Conflict zu entspinnen. In der Hauptstadt Uruguay's, Montevideo, herrschen schon seit einiger Zeit anarchische Zustände, infolge deren einige brasilianische Untertanen Beschädigungen an Leben und Eigenthum er­litten. Brasilien hat einen Gesandten nach Montevideo geschickt, um Genug- thuung zu verlangen , und zugleich ein Heer an der Grenze zusammengezogen. Als Antwort hat indessen die Regierung von Uruguay die Mobilifirunq der Armee und die Befestigung von Montevideo anbefohlen.

Lokale».

Gietzen, 6. Mai. (Sitzung der Stadtverordneten vom 4. Mai.) Anwesend - Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Keller und Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Baist, Gail, Grüneberg, Haustein, Horn­berger, Kauf, Lüdeking, August Noll, Pfannmüller, Scheel, Schop- bach, Wenzel und Wort mann. Dem bereits der vorigen Sitzung unterbreiteten aber vorerst an die Bauoeputation verwiesenen Gesuch des Schneidermeisters G. Leib und Sohn, betr. Eilaudnch zur Erbauung eines Wohnhauses in Holz an Stelle des zum Abbruch bestimmten Bey fuß'scheu Hauses am Wallthor, wird die Genehmigung ettheilt. Auf diksfallsigen Antrag Seitens der Stadtoei ordneten-Versammlung hatte bekanntlich die Polizeive,waltung s. Z. die weitere Ausgrabung von Gelände am Wißmarer Weg zum Zwecke der Ziegelsabrikation rc. bis aus eine Entfernung von 40 Meter vom Lahnuser verboten Hiergegen ist Seitens des Maurermeisters $. Strauch ein Gesuch etngegangen des Inhalts, daß man ihm das Ausgraben seines ca. >/r Morgen großen Feldgrunds,ückes an frag!. Stelle noch gestatten möge, da er sonst zu sehr in seinem Geschäft geschädigt würde. Das Gcsu ti wird indessen, nachdem es auch der Polizeiverwallung vorgelegen und dieselbe mit Rücksicht auf die drohende Ueberschwem- mungsgefahr gerade an dieser Stelle sich gegen Genehmigung ausgesprochen, abge­schlagen. Nachdem die zur Verbesserung des Wassers im Realschulbrunnen durch Abteufen rc. gemachten Versuch- fruchtlos geblieben, wird beschlossen, einen neuen Brunnenschacht >m Garten daselbst anzulegen. Eine Anzahl Viehhändler, Stallbesttzer und sonstige Interessenten haben ein Schreiben einge,eicht, in welchem sie um Ent­fernung der Barriere vor dem Schlosser Roll'schen Hause. Veränderung der Stellung der Barrieren und zwar parallel mit der Auffahrt zur Brücke, Erweiterung des Vüb- marktplatzcs nach der Euler'schen Besitzung hin, die Absperrung der Passage nach der Lahn während des Marktes und ferner dmum nachsuchcn, für die Abhaltung der 3 ersten Viebmärkte je 2 Tage anstatt wie seither nur 1 Tag festzusetzen. Betreffs des letzteren Punktes wird beschlossen, bei Gr. Ministerium um die Erlaubniß zur Ver­mehrung der Markttage nachzusuchen, während die übrigen Punkte der Baudeputation überwiesen werden. Der mit Schlosser Carl Sto hr vereinbarte Preis für Gelände zur Gradlegung der Wiescck wird genehmigt. Zum Zwecke der bereits früher be­schlossen n Anschaffung e nes neuen Gteßfasses wird der Stadtbaumeister beauftragt Erkundigungen darüber in Frankfurt, woselbst Fässer neuester Construction tu Gebrauch sind, elnzuzieben. ____________________________

Vierzigjährige Erfahrung in Hospitälern und Kliniken hat der Ncgcnerationstur des Dr. Libaut den Ruf des sichersten, schnellsten und billigsten Heilverfahrens gegen alle Blut- und Hautkrank­heiten gesichert. Man überzeuge sich durch Lesen der Broschüre, welche in den Buch­handlungen und gegen Einsendung von 50 L in Marken zu haben ist in der Rühl'scheu Buchhandlung in Darmstadt und der W. Er ras'scheu Buchhandlung in Frank- urt a. M., Göth estraße 3. 3281

Verzeichnis

der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat April 1882.

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