Nr 6. Samstag den 7. Januar 1882.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
_ . . a Press uiciicijuyinuj t. ux, ihu
J Sch ul st raße B. 18. Erscheint täglich Wit Ausnahme oes Monlogs. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps.
Amtlicher Hheil.
An die Großherzoglichen Bürgermeisterei n des Bezirks sausaenourmen: Albach, Annerod, Klein-Linden, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Ruttershausen und Watzenborn mit Steinberg).
Zur Wahrung der Besitzwechsel und etwaiger Abgänge an Gebäuden ersuchen wir Sie um baldige Einsendung der Brandkataster.
Gießen, den 4. Januar 1882. Großherzogl. Steuer-Commissariat Gießen
S ü f f e r t. _____________________________________________
Deutschland.
Darmstadt, 3. Januar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfingen heute Abend 6% Uhr den Königlich Bayerischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Grafen v. Tauffkirchen, den Königlich Sächsischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Frhrn. v. Fabrice, den Königlich Württembergischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Frhrn. v. Soden.
Darmstadt, 4. Januar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog nah- nien heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Kaisers. Königl. Oesterreichischen Kämmerer Baron Riefe - Stallburg, den Ober - Medicinalrath Dr. Lorenz, den Reallehrer Lenz aus Bingen, den Rechnungsrath i. P. Wämser, den Hausverivalter i. P. Winther, den Landstallmeister v. Willich, den Cabmets- secretär Dr. Clemm.
Berlin, 4. Januar. Im Reichsamt des Innern haben heute die com- misiarifchen Berathungen über den Erlaß der Ausführungs-Bestimmungen zu dem Gesetze, betreffend den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußnutteln und , Gebrauchs-Gegenständen, vom 14. Mai begonnen. Wie wir bereits gemeldet A haben werden in erster Reihe die das Petroleum betreffenden Verord- nunqen berathen. Veranlaßt sind die Verhandlungen zunächst durch em Schreiben , des Reichskanzlers vom 13. December 1881, welches auf die Rothwendigkeit Tier einheitlichen Regelung des Verkehrs mit Petroleum hinweist.
— In den letzten Tagen haben im Reichsamt des Innern Berathnngen stattgefunden, welche den Zweck hatten, die Gesichtspunkte festzustellen, welche für die beabsichtigte Aenderung des Titel 3 der Gewerbeordnung, betreffend den Gewerbebetrieb tm Umherziehen (Hausirgewerbe 1, als Grundlage zu dienen haben werden. Die diesbezüglichen Berathungen ivurden am gestrigen Tage beendet. Es dürste immerhin noch längere Zeit verstreichen, ehe die Vorlage an den Bundesrath gelangt. .
— Die gegenwärtig in Wien stattfindenden Verhandlungen zwstchen den Ministern Oesterreichs und Ungarns betreffen, wie wir hören, vor Allem die Finalisirung der Revision des Zolltarifs und haben auch für Deutschland bedeutendes Interesse. ,
— Wie den „Berl. Polit. Nachr" von zuverläßlichjter eeite aus Wien nütgetheit wird, sind alle Gerüchte über eine Einstellung der Recrutirung in der Krivoscie und in Bosnien absolut unbegründet. Es liegt im Gegeiitheil in der Absicht der österreichischen Regierung, mit aller Strenge für die Durchführung des Wehrgesetzes Sorge zu tragen und ist auch eine Verstärkung der Truppenbestände in Süddalmatien angeordnet worden.
.— Die Straßburger Tabaksmanufaktur ist nicht glücklich in den Processen , welche sie gegen die Inhaber ihrer Filialen anstrengt. Die Manufaktur hatte in dein vielbesprochenen Proceß, den sie gegen den früheren Inhaber der Stuttgarter Verkaufsstelle angestrengt, gegen das Urtheil des Stuttgarter Landgerichts Berufung eingelegt. Durch Urtheil vom 30. December v. Js. hat nun das Oberlandesgericht die Berufung zurückgewiesen und die Munufaktur in die Kosten verurtheilt.
Berlin, 4. Januar, lieber den Stand der kirchenpolitifchen Verhandlungen wird den „Berl. Polit. Nachr." Folgendes mitgetheilt: Die „Mission Busch" und neuerdings die „'Mission Bucher" werden in ihrer augenblicklichen Bedeutung stark übertrieben. Man betrachtete die Reise des Unterstaatssecretär Dr. Busch nach Rom als eine Art von Specialmission oder mindestens als Einleitung zu Verhandlungen mit der Kurie, welche bestimmt seien, den Kulturkampf zu einem raschen Ende zu bringen. Es bernhen diese Anschauungen, wie versichert wird, aus vollständig irrigen Voraussetzungen. Verhandlungen wurden bereits vor Ankunft des Herrn Dr. Busch in Rom gepflogen und werden nack seiner Abreise fortgesetzt, und zwar durch den ersten Botschaftsrath der deutschen Botschaft in Rom, Herrn v. Derenthal. Es handelt sich hierbei um Bersonalfragen, auf deren rasche Erledigung die preußische Regiermng großen Wertb leat und scheint es, daß der langsame Fortgang dieser Verhandlungen eiu weiteres Eingreifen von hier aus wunschenswerth inachte. — Es ergiebt M aus dieser Sachlage hauptsächlich bte Gewißheit, daß zunächst eine kirchen- olitische Vorlage, welche auf eine Abaiiderung der Maigefetze hinauslaufen würde dem Lairdtaqe nicht zugehen wird. Verhandlungen mit der päpstlichen »,,rie vstegen kein beschleunigtes Teinpo zu haben und es mag noch geraume geit verstreichen, ehe es möglich sein wird, auf Grund der vom Vatican er- Innnten Concessionen in eine 'Revision der Maigesetze emzutreten. Das erste » l der augenblicklichen Verhandlungen mit der Kurie ist die Beseitigung des nerkannten Rothstandes, welcher sich in seelsorgerischer Beziehung am meisten
fühlbar gemacht und der ja durch das Juligefetz unleiigbar eine Aenderung zmn Besseren erfahren hat.
— Der mittelrheinische Fabrikantenverein, welchem ein großer Theil der Großindustriellen des Mittelrheins angehört, und zivar Anhänger der verschiedensten politischen Richtungen, hat in der Frage der Hastpflichtrefonn und Unsallversicherung eine Erklärung er'assen und entsprechenve Eingaben an den Reichskanzler, den Bundesrath und den Reichstag zu richten beschlossen. Der Keim dieser Erklärung deckt sich im Wesentlichen mit dem Anträge, der bei Be- ra jung der Unfallversicherungs-Vorlage im Reichstage von den Rechtsliberalen gepellt wurde, und umfaßt folgende Punkte:
a) Das Haftpflichtgefetz hat schädlich gewirkt und erscheint ungeeignet, eine Sicherstellung gegen alle Betriebsunfälle herbeizuführen; b) eine solche Sicherstellung der Arbeiter und ihrer Hinterbliebenen wird am besten durch eme vorgeschriebene Versicherung, welche den Betroffenen entsprechende Bezugssätze zuspricht, gewährt; c) eine verschiedene Belastung je nach dem Grade vorhandenen Verschuldens erscheint ungeeignet und ist ebensoivenig eine Zahlung der ganzen Prämie durch den Unternehmer zu rechtfertigen. Der Arbeitgeber hat den größeren, der Arbeiter den kleineren Theil der Prämie zu tragen; d) eine anderweite Behandlung von Arbeitgeber und Arbeiter ist mir bei vorliegender straffälliger Verschuldung oder absichtlicher Veranstaltung des Unfalles zulässtg; e; subsidiäre Reichsanstalt unter wesenllicher Antheilnahnie der Betheiligten (Arbeitgeber und Arbeiter) an der Verwaltung erscheint als Folge des ausgesprochenen Versicherungszwanges ein Fortbestehen von Gegenseitigkerts-Verstche- rungs-Gesellschaften in Concurrenz mit der 'Reichsanstalt, selbstverständlich unter gewissen Normotiv-Bestimmungen, im Interesse der Betheiligten erforderlich.
— Ein neues Zollcuriosum bringt die „Frkftr. Ztg." zur Kenntniß. Eine Weinhandlung zu Frankfurt a. M. ließ ab Rheims nach Bamberg leere Champagnerflaschen schicken, welche lediglich zur Ausstellung m den Schaufenstern bestimmt waren. Zur besseren Veranschaulichung der Original-Flafche waren dieselben entweder mit Siegellack oder Staniol und ferner mit den für die einzelnen Sorten zur Anwendung koinrnenden Etiketten versehen. Statt als „natur- farbiges, gemeines Hohlglas" unter Tarifposition tOa ä 3 Jt. für 100 Kilogr. klassisiciri zu werden, hat das königl. bayer. Hauptzollamt in Bamberg die Verzollung nach Tarifposition 10k zu dem Zollsätze von 30 JL für 100 Kilogr. vorgenommen. Wie verschieden Seitens der Zollbehörden verfahren wird, zeigt der Umstand, daß das Frankfurter Hauptsteueramt die Klassificakion nach Tarifposition 10a vorgenommen hatte. Aus die Beschwerde des betr. Handlungs- haufes gegen das Vorgehen des Hauptzollamtes zu Bamberg, welches die Emballage' in eine höhere Tarifklasse gesetzt hatte, als die Waare selbst, erfolgte nichts weiter, als daß das Hauptsteueramt in Frankfurt, von Bamberg aus aufmerksam gemacht, jetzt auch die Flaschen in die Tarifposition 10k einreihte. Das betr. Handlungshaus hat sich jdtzk an den Bundesrath gewandt.
England.
London, 4. Januar. Der Kanzler des HerzogthumS Lancaster, Bright, und der Präsident des Handelsministeriums, Chamberlain, hielten gestern zu Birmingham vor ihren Wählern Reden. . Bright erörterte die auswärtige Politik des gegenwärtigen Cabinets und constaOrte, daß, wenn England> auch kemen Bundesgenossen besitze, es doch jetzt mehr Freunde habe als je. /'"glst vertheidlgte sodann die Politik der Regierung in Bezug auf Irland und betonte, die Zwangs maßregeln seien durch die absolute Nothwendigkett geboten. Chamberlamer art, die Regierung werde an ihrem Programm, das auf die Abstellung dct Uebe stände und die Unterdrückung der Gewaltthätigkeiten m Irland genchtet '^ festhalten und verspreche sich Erfolg von dem Landgesetze LchonseenZechn einer Besserung der dortigen Verhältnisse vorhanden mdem bute im Monat December um 40 pCt. abgenommen hatten. - ^rciheits- schließlich eine Milderung oder Aufhebung der für Irland getrokst £ ™ beschränkungen in Aussicht, sobald die 9 a2 5 at mW b fi
den Anspruch der Großgrundbesitzer auf «chadenerfatz aus Staatsmntein stir ungerechtfertigt.___________ ____________ —
” Telegraphische Depeschen.
Wolff s telegr. Correspondenr-Burea«.
Berlin, ü. Januar. Der ,Mchs-An^ pMicirt heute die kaifeUiche Verordmnsti, welche den Landtag aus^ Ausschließung des klerikalen
Abgeordneten Sucher aus seiner Fraktion wird mitgetheilt, daß demselben »°.n


