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sind verschlammt und zerstört und es ist in Folge von Arbeitslosigkeit ein sehr trüber Winter in Aussicht. Es werden ja vor Allem Communtcationsmrttel, Wege und Brücken wieder hergestellt werden müssen; es werden Vorschüsse gezahlt werden müssen für Futter, Vieh und Saaten für das nächste Frühjahr. Alles in Allem genommen, stehen wir vor einer sehr schweren Heimsuchung in der Rhetngegend und ich behalte mir vor, dem hohen Hause, wenn der Oberpräsident seine Beobachtungen mir in einem erschöpfenden Bericht mitgetheilt hat, davon Kenntntß zu geben.
Einstweilen handelt es sich um schleunige Hülfe und die Regierung hat deshalb beschlossen, zunächst als Beitrag zur Lösung der Wohnungs- und Verprovtantirungs- frage den Kaiser telegraphisch zu bitten, das Staatsmintstertnm zu ermächtigen, 500,000 X aus dem Hauptextraordinarium k fonds perdu herzugeben, um die Behörden bet den nöthigen Maßregeln zu unterstützen (Beifall.) Dies wird aber nur eine vorläufige Forderung fein. Wenn die Berichte der Behörden einlaufen und ein definitives Bild ergeben werden, dann wird es nicht zu umgehen sein, daß wir mit höheren Anforderungen an die Landesvertretung herantreten. Ich will damit schließen, daß ich der gesammten Bevölkerung meine volle Anerkennung und die der Regierung, und ich hoffe auch in Ihrem Namen sprechen zu dürfen, ausdrücke für die wahrhaft bewundernswürdige Haltung, mit welcher sie sich der Calamität gegenüber gestellt hat. Sie hat namentlich eine ganz außerordentliche Treue den Beamten gegenüber bewährt. Die Beamten, namentlich die Gemeindebeamten, haben mit unübertrefflicher Ausdauer und Aufopferung ihre Schuldigkeit gethan und vor Allem hat sich auch die militärische Hilfe als garz außerordentlich wirksam erwiesen. Wäre das Commando Pioniere aus Eoblenz nicht in Neuwied gewesen, so würde es wahrscheinlich ohne Verluste an Menschenleben nicht obgegangen sein. So ist es gelungen, 2—300 Personen, welche im höchsten Grade gefährdet waren, auf das Trockene zu retten. Ich schließe meinen Bericht, indem ich das hohe Haus bitte. von diesen Maßregeln Kenntniß zu nehmen und den Forderungen, die wir an Sie stellen werden, von vornherein wohlwollend entgegen zu treten." (Beifall.)
Telegraphische Depeschen.
Wolff'- telegr. Eorresponderrz-Brrreau.
Berlin, 4. December. Dsr Kaiser conferirte heute Nachmittag eine Stunde mit Fürst Bismarck.
Berlin, 4. December. Bei der Landtagsersatzwahl im hiesigen 4. Wahlbezirk wurde Munckel gewählt.
— Abgeordnetenhaus. Bei fortgesetzter Berathung des Etats für das Ministerium des Innern erörtern Dirichlet, Rauchhaupt, Eynern, Windthorst, Kropatscheck, Weis die Ursachen des Vagabondenwesens und die Mittel zur Beseitigung desselben. Dirichlet bringt den Fall der Durchpeltschung eines Mädchens durch den Amtsvorsteher Rotenhan (Hirschberg) zur Sprache. Rauchhaupt constatirt, daß die conservative Presse das Verhalten des Amtsvorstehers nicht in Schutz genommen habe. o. Eynern glaubt, daß der Culturkampf die öffentliche Ordnung gelockert habe, Schuld daran sei über die Art, wie die Ultramontanen den Kampf geführt. Die Vagabondage hat ihren Grund in den allgemeinen gewerblichen Verhältnissen. Windthorst meint, mit mechanischen Mitteln seien die Uebelftände nicht zu beseitigen. Die Ausführung der Maigesetze habe zur Vernichtung zahlreicher Institutionen geführt, die der Linderung des Elends dienten- Das Schulaufsichtsgesetz sei die Grundursache des Uebels. Die Religion habe in der Volksschule einer Masse für das praktische Leben überflüssigen objectiven Wissens Platz machen müssen. Die Debatte erstreckte sich sodann noch auf Verbrecher-Colonien und Besserungsanstalten. Der Etat der dauernden Ausgaben des Ministeriums des Innern ist damit erledigt. — Fortsetzung Mittwoch.
— Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht einen Erlaß des Arbeitsministers, welcher verfügt, daß di.' freiwilligen milden Gaben an Lebensmitteln und Kleidungsstücken, sowie an Brennmaterial für die bedrängte Bevölkerung der Rheinprooinz und Hessen- Nassaus auf den Staatsbahnen und auf den unter Staatsverwaltung stehenden Prtvat- bahnen Frachtfreihett genießen sollen. Für die von den Staats- und Communalbehörden und Wohlthätigkeitsvereinen zu dem gedachten Zweck angekauften Lebensmittel und Saatgut wird nur die Hälfte der tarifmäßigen Fracht berechnet.
Meiningen, 4. December. Der Herzog Bernhard von Meiningen Vater des regierenden Herzogs, geb. den 17. December 1800, ist gestern Nachmittag gestorben.
Kopenhagen, 4. December. Durch Schneegestöber ist der Bahnver- t'ehr auf Seeland und Jütland theilweise, auf Laaland und Falster ganz unterbrochen. Die Abendpost aus Kopenhagen erreichte nicht Korsör.
London, 4. December. Die Königin hat anläßlich der heute stattfindenden Eröffnung des neuen Justizpalastes den Lordkanzler Selborne in den Grafenstand erhoben. — Das Befinden des Generalpostmeisters Fawcett hat sich zwar noch nicht gebessert, derselbe bleibt jedoch bei Kräften.
Petersburg, 4. December. Gestern Vormittag 11 Uhr trafen der Kaiser und die Kaiserin, vom Hausminister Graf Woronzow, den Generaladjutanten Richter und Tscherewin, dem Hofmarschall Fürst Golizyn und der Staatsdame Fürstin Kotschubey und dem Hoffräulein v. Oserow begleitet, mittelst Gxtrazugs von Gatschina hier ein und begaben sich nach dem Anitschkow-Palais. Kurz darauf fuhr der Kaiser nach der Michael-Manege, wo das Semenoff'sche Garderegiment den 199. Jahrestag seines Bestehens feierte. Auf dem rechten Flügel des Regiments hatte der vorgestern hier wieder eingetroffene commandi- rende General des Garde-Corps, Großfürst Wladimir, Aufstellung genommen. Der Kaiser umarmte und küßte denselben wiederholt, von dem Regiments wurde der Kaiser mit stürmischen Hurrahrufen begrüßt. Nach der Parade sand in dem Anitschkow-Palais ein Döjeuner statt, an welchem alle Stabs- und Ober- Officiere des Regiments thellnahmen und wobei der Kaiser einen Toast auf das Semenoff'sche Garderegiment ausbrachte.
Lokales.
Gießen, 5. December. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 7. December 1882, Nachmittags 4 Uhr.
1. Umguß einer Glocke auf dem Stadtthurm.
2. Voranschlag dec evangelischen Kirche für das Jahr 1883/84
3. Die Gemetnderechnung pro 1881'82 betr.
4 Die Quellwasserleitung.
5. Die Überschwemmungen am Rhein und Main.
6. Den Bau und die Unterhaltung der Kunststraßen.
7. Die Anlegung von Feldwegen und Entwässerungsgräben in dem Neustädter Feld.
8. DaS Decken der chaussirten Gemeindewege.
9. Die Bildung der Kreis-Ersatz-Eommission.
10. Die Viehzählung im Jahre 1883.
11. Die Straßenbeleuchtung.
12. Die Beleuchtung der öffentlichen Aborte.
13. Die Anschaffung von Feuereimern.
14. Bestand der städtischen Schulen im Winter 1882/83.
15. Die Klaffe IVb. der Stadtknabenschule betr.
16. Die Stiftung der Kinder und Erben des CommerzienrathS Georg Karl Gail zu Gießen.
17. Erwerbung von Straßengelände vor den Häusern des Goldarbeiters JuliuS Noll und Metzgermeisters Heinrich Meister, sowie Trottoirpflasterung daselbst.
18. Das nördliche Thorhaus am Neuenwegerthor.
19. Straßenanlage zwischen Wallthor und Neuenweg.
20. Den alten Anneröder Weg betr.
21. Den Weg von der neuen Aula nach dem Schiffenbetgerweg betr.
22. Den Weg hinter dem Wenzel'schen Garten betr.
23. Herstellung eines Fußpfades über die Pipp'sche Schanze.
24. Die Erhöhung des städtischen Trottoirs.
25. Herstellungen am alten Rathhause.
26. Anschaffung von Schirmgestellen.
27. Kostendecreturen.
Gießen, 5. December. Die Einweihung des (an der Ostanlage hinter dem Petri'schen Hause gelegenen) neuen Gebäudes der Kleinkinderbewahranftalt fand gestern unter zahlreicher Betheiligung statt und war in allen ihren Thetlen eine wohlgelungene. Das stattliche Haus hatte Festesschmuck angelegt; Fahnen und Gutr- landen halfen mit zu dem freundlichen Eindruck, den Jeder empfing, der sich zur eigentlichen Weihefeier am Vormittage nach der Anstalt begeben hatte. Die drei großen Säle im Parterre nahmen die trotz des ungünstigen Wetters zahlreich Erschienenen auf, unter denen wir zum Theil neben einer großen Anzahl von Damen die Spitzen hiesiger Behörden, die Vorstände verschiedener Anstalten und Vereine bemerkten. Die Feier selbst, beginnend mit einem vom Kirchengesangverein vorgetragenen Choräle, gipfelte in der Wecherede des Vorsitzenden des Anstaltsvorstandes, Herrn Pfarrer Dr. Naumann, und war durch Gesänge des genannten Vereins, sowie besonders auch durch eine Art Liturgie der Kinder in würdiger Weise geschmückt. Es war eine rechte Freude aus dem Munde der Kinder zu hören und aus ihren fröhlichen Augen zu leftn, wie glücklich sie sich in diesem neuen Heim fühlten und wie gerne sie darum bei dieser Feier vor Allem das Lob Gottes verkündeten.
Am Abend vereinigten sich dann ca. 250 Damen und Herren in dem großen Wenzel'schen Gartensaale zu einer mit musikalischen und anderen Genüssen reich ausgestatteten Abendunterhaltung. Musiknücke, vorgetragen von der hiesigen Militärkapelle, abwechselnd mit den Gesängen des Gesangvereins „Sängerkranz", bildeten den fröhlichen Rahmen zu einer Reihe von Ansprachen und Toasten, die bald zu einer recht animirten Stimmung der Anwesenden beitrugen.
Nach einem von Herrn Bürgermeister Brämm ausgebrachten Hoch auf Kaiser und Großherzog gab Herr Pfarrer Naumann eine Geschichte der hiesigen Kleinkinderbewahranstalt, die seit 1836 (vom Freimaurerbund gegründet) besteht. Es folgten nun eine Reihe von Toasten, welche Vorstand, Schwestern und Wohlthäter der Kleinkinderschule ehrten oder das Wohl dcr Schule selbst leben ließen u. s. f.
Die ganze Feier aber war ein gutes Zeugniß dafür, daß das Interesse an unserer Anstalt in weiten Kreisen vorhanden resp. wieder geweckt worden ist. Wir wünschen der Anstalt nur, daß alle die Zeichen und Worte des Wohlwollens, die ihr gestern in so reichem Maße gespendet wurden, sich allezeit bewähren. Eine Anstalt zur Pflege kleiner Kinder, denen das Haus die nöthige erziehliche Pflege nicht bieten kann, braucht solche gute Freunde fort und fort, wenn sie ihre schöne für die ganze Gemeinde wichtige Aufgabe jederzeit erfüllen soll.
** Gießen, 5. December. [£f)eater.] In dem drolligen Schwank Dr. Faust's Hauskäppchen begrüßten wir den Gast, Herrn Janez Mally als Andreas Pimpernuß. Wieder riß er die zahlreiche Zuhörerschaft zu hellem Lachen hin, die ihn dafür mit vielfachem Beifall und Hervorrufen belohnte. Dem Stücke kam die frische Darstellung der übrigen Mitspielenden zu statten. Wir erwähnen insbesondere Herrn Kubale, der den Schloßinspektor mit vielem Humor repräfentirte, Herrn Pallmann, dessen Cheval'er Silberpappel von erheiternder Wirkung war, Herrn Ernst, der in feinen beiden Rollen (Advokat und Amtmann) recht zufriedenstellend war, und Herrn Abatura, der den Oberst angemessen wiedergab. Von den Damen waren es Frau Schubert-Schneeberger, Frl. Herzen skron und Frl. Haupt- mann II , die ihren Part mit Natürlichkeit und gewinnender Anmuth spielten._____
— sKunstnotiz.] Freunde der Kunst und unserer herrlichen Umgebung machen rotr auf ein Oclgemälde unseres talentvollen Mitbürgers Wilhelm Jett aufmerksam, die Burg Gleiberg darstellend. Das Bild ist von dem Viadukt der Berlin-Metzer Eisenbahn ausgenommen und so naturgetreu, dabei mit so minutiöser Genauigkeit ausgeführt, daß Jedermann überrascht fein wird. Es ist in dem Schaufenster der Buchhandlung des Herrn Fehsenf eld, Seltersweg 35, ausgestellt, der auch mit dem Verkauf des Bildes beauftragt ist. R.
Handel und Verkehr.
Gießen, 5. Dezember. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 1.25—1.28, Hühnereier per Stück 7—8 Käse per Stück 5—8 Kasematte per Stück 3 Erbsen 1 Liter 20 H, Linsen 1 Liter 26 H, Tauben das Paar 60—70 Hühner per Stück X 1.00—1.20, Hahnen per Stück X 0.65 bis X 1.00, Enten per Stück X 2.00, Ochsenfleisch per Pfund 66-70 Ä Kuh- und Rindfleisch 56—60 H, Kalbfleisch 54 bis 56 Schweinefleisch 62—64 Hammelfleisch 60—66 H, Kartoffeln per 100 Kilo X 5.00—7.00, Zwiebeln per Gentner X 3.00, Milch per Liter 14—18 H. Gänse per Pfd. 48—62 H. Weißkraut 100 Stück X 2—4.50.
Für die Ueberschwemmten in Tirol und Kärnten sind nachttäglich bei mir eingegangen und wie die früheren 860 X an Herrn Bürgermeister Bramm abgeliefert worden:
Professor Baltzer 10 X
Durch Herrn Univ.-Rentamtmann Schmidt: C. Sch. 3 X. G. 2X, A. O. 2x Ph. K. 1 X, N. 1 X, K. 1 X, L. K. 1 X, L. h. 1 X, N. N. 1,50 X, E. 1 X, A- Sch. 1 x, I. B. 1 X, F. B. 2 X, zus. 18,50 X Summa 28,50 X
Gießen, 4. December 1882.
Ernst Braun, Gerichts-Accessist.
Bei dem Noihstand im eigenen Vaterlande ist die Sammlung für Tirol jetzt selbstverständlich geschlossen.
Für die Wasserbeschädigten im Großherzogthum gingen weiter bei uns ein: Louis Scheid (2. Gabe) 20 X, Verein „Union" 10 X, Frau v. Heimbracht 2 X, aus der Trommel im Cafö Leib (1. Rate) 30 X, Pfarrer Deichert tn Groß-Buseck 37,50 X, L- Georgi 20 X, HKG. 3 X, Haas 1 X, Rentner Carl Vogt I. 10 X, Frau A. S. 1 X, Pröschold 50 Ferd. Burk 200 X (in letzter Nr. haben wir Herrn Burk 10 X quittirt, welche jedoch für Tirol bestimmt waren, deshalb an gestern genannter Summe in Abzug zu bringen sind), in Summa 335 X, mit gestern quittirten 510,65 X (resp. 500,65 X) nunmehr 835,65 X Um weitere Gaben bittet
Die Expedition des „Gießener Anzeiger."
Für Tirol gingen noch bet uns ein: Ferd. Burk 10 X, Pfarrer Deichert in Groß-Buseck 37,50 X
Bei Herrn Bürgermeister Br amm: Frl. J.M. 3X, Rentner Georg Weidig 4 X
Allgemeiner Anzeiger.
Turnverein.
Unsere Mitglieder, insbesondere die activen Turner, werden gebeten, Dienstag den S. Dezember, Abends 8 Uhr, vollzählig in der Turnhalle zu erscheinen behufs Einthellung zu den Hebungen unserer demnächst stattfinden- ben Wohlthätigkeitsoorstellung.
Der Vorstand.
Große Auswahl in Kmderspiclwaareu
von 5 H an das Stück empfiehlt Timm, Bahnhofstr. 12. 8054
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