auch geplündert und der Besitzer der Herrschaft mißhandelt. Ebenso wurde das Schloß des Senators Klußyn überfallen und nach vollbrachter Plünderung fast ganz zerstört. Täglich langen hier aus den Gouvernements Kiew, Podolien und Volhynien Gutsbesitzer ein, die den Ausbruch eines allgemeinen Angriffes auf alle Besitzenden befürchten und sich und ihre Familien in Sicherheit bringen wollen. Die Gutsbesitzer in der Umgebung von Balta haben Militär requirirt, das ihnen auch bereitwillig zur Verfügung gestellt wurde, und organisirten einen scharfen Patrouillen-Dienst unter eigener Controle, der Tag und Nacht in Thä- tigkeit ist. Einer der Flüchtlinge machte uns hier die Mittheilung, für die natürlich keine Bürgschaft übernommen werden kann, daß der Besitzer von Pollona, eines aus der Linie Brody - Berdyczew - Kiew liegenden großen Gutes, Graf Karwicki, sich während eines vor ungefähr 8 Tagen stattgesundenen Ueber- falles mit seiner Familie drei Tage in einem Keller versteckt gehalten habe und seine und seiner Angehörigen Rettung nur dem Umstande zu danken habe, daß einer seiner Diener in dem zehn deutsche Meilen von Pollona entfernt liegenden Berdyczew Meldung von dem Uebersalle machte und am vierten Tage eine dahin beorderte Abtheilung von Kosaken den Excessen ein Ziel setzte. Der letzte Fall wird so eben strengstens untersucht.
Petersburg, 3. Juni. Großfürst Alexis besuchte gestern die Ausstellung in Moskau. — Der Botschafter v. Nowikoff hatte gestern eine Audienz .beim Kaiser.
Türkei.
Konstantinopel, 3. Juni. Eine Note der Pforte an die Botschafter theilt denselben mit, daß Derwisch Pascha und Lebib Bey, früher erster Secretär des Sultans, heute, mit unbeschränkten Vollmachten versehen, nach Egypten abreifen werden.
— (Meldung der „Agence Havas"). Der Minister des Aeußern, Said Pascha, theilte den Botschaftern Frankreichs und Englands die Abreise eines türkischen Commissars nach Egypten behuss Ausübung einer versöhnlichen Mission bei den militärischen Chefs mit. Der Commiffar sei Träger eines eigenhändigen Schreibens des Sultans.
Konstantinopel, 3. Juni. Derwisch Pascha, Lebib Effendl und ein Ulema sind heule Abend aus der Yacht „Azzebin" nach Alexandrien abgeretst. Der englische und der französische Botschafter haben die Pforte heute in einer identischen Verbalnote zur Theilnahme an der Botschafter-Conferenz emgelaben.
Aegypten.
Kairo, 3. Juni. (Meldung des „Reuter'schen Bureaus"). Der Khedive hat eine Depesche des Großveziers erhalten, in welcher derselbe mittheilt, daß sich Derwisch Pascha an Bord der Jacht „Jzzedin" begeben hat und morgen als Commiffar des Sultans nach Egypten abreisen werde. — Arabi Bey hat den General-Consuln ein Rundschreiben zugehen lassen, in welchem er auf's Neue versichert, daß den in Egypten lebenden Europäern in keiner Weise Gefahr drohe.
— (Meldung der „Agence Havas"). Vierzehn hervorragende Beduinen- Häuptlinge erschienen vor dem Khedive und versicherten ihm, wenn die Türken kämen, um die Ordnung wieder herzustellen, würden sie ihre Verbündeten sein; kämen sie aber, um das Land zu besetzen, so wären sie deren entschiedenste Feinde. — Die Einnahme von Khartum wird dementirt.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correspondenz-Bureau.
Kaffel, 4. Juni. Se. Königl. Hoheit Prinz Karl von Preußen hat gestern Abend hier, wo übernachtet werden sollte, nach Aushebung des Diners das Unglück gehabt, ein Bein zu brechen.
Frankfurt, 4. Juni. Die „Frkftr. Ztg." meldet aus New-Iork vom 3. ds., Abends 7 Uhr: In Warren County wurde eine weitere Petroleumquelle entdeckt, welche täglich 2000 Faß liefert. Petroleum crude aufgeregt 56 Va.
Wi»n, 4. Juni. Das „Fremdenbl." bestätigt, daß der Minister des Auswärtigen, Graf Kalnoky, bei der gestern Mittag erfolgten Ueberreichung des formellen Vorschlags einer Botschafter-Conferenz durch die Botschafter Englands und Frankreichs erklärt habe, diesen Vorschlag im Principe anzunehmen in der Voraussetzung, daß auch die anderen Mächte zustimmen würden.
Lemberg, 4. Juni. Die von verschiedenen Blättern gebrachte Nachricht von der Aufstellung eines Militär-Cordons an der russischen Grenze zur Hintanhaltung der Einwanderung der jüdischen Bevölkerung aus Rußland ist unbegründet. Es ist nur eine strengere Handhabung der Vorschriften über den Grenzverkehr angeordnet und die Gensd'armerie angewiesen morden, darüber zu wachen, daß die Juden nur an den erlaubten Punkten über die Grenze gehen.
Petersburg, 4. Juni. Der Kaiser besuchte gestern, am Sterbetage seiner Mutter, der Kaiserin Maria Alexandrowna, Vormittags die Peter-Paul- Kathedrale und wohnte daselbst der Seelenmesse bei. Später stattete der Kaiser den Großfürsten im Winterpalais Besuche ab und kehrte sodann nach Peter- hos zurück.
— Der „Regier.-Anz." meldet: Die Botschafter Frankreichs und Englands begaben sich gestern zu dem Minister des Auswärtigen, v. Giers, und überreichten demselben eine identische Note, in welcher der Zusammentritt einer Conserenz in Konstantinopel vorgeschlagen wird, um die egyptische Angelegenheit in Gemäßheit des im vergangenen Februar von den Großmächten angenommenen Principes zu ordnen. Die kaiserliche Negierung hat diesem Vorschläge zugestunmt.
— Das „Journal de St. Pötersbourg" erklärt die Mittheilung des „Nomanul", daß der Vorschlag Barrere's in der Donau-Commission von allen Mächten angenommen worden sei, in dieser kategorischen Form für unrichtig.
Konstantinopel, 4. Juni. Nach der gestern der Pforte gemachten englisch-französischen Verbalmittheilung soll sich die in Aussicht genommene Bot- schafter-Conferenz mit folgenden Punkten beschäftigen: 1) Ergreifung von Maßregeln zur Aujrechtbaltung der Rechte des Sultans und des Khedive. 2) Bestätigung der internationalen Abinachungen und der daraus Frankreich und England, resp. Frankreich, England und den übrigen, Mächten resultirenden Ver- dindlichkeiten. 3) Entwickelung der egyptischen Institutionen und Achtung der durch Firmans garantirten Freiheiten.
Lokales.
Gießen, 5. Juni. In der am Samstag Abend im Saale des Caf6 Leib abgc- haltenen Generalversammlung der hiesigen Gewerbebank waren ca. 150 Mitglieder anwesend. Die Versammlung genehmigte die Rechnung über das abgelaufene Geschäftsjahr, ebenso die vorgeschlagene Dividende von 8 pCt. Die ausgeschiedenen Aufsichtsraths- Mttglieder wurden sämmtlich wieoergnvählt An Stelle des verstorbenen Herrn Andreas Euler wurde Herr Julius Hoch in den Aufsichtsrath gewählt.
— Wie schon früher mitgetherlt wurde, wird am 18 Juni dahier das große Ktrchengesangfest des hessischen Kirchengesangveretns stattfinden. Um der wetten Entfernung willen und weil keine Kirche des Landes mehr sämmtliche Vereine zu fassen vermöchte, werden allerdings wesentlich nur oberhessische Vereine daran theilnehmen, die Vereine von Allendorf a. d. Lda., Friedberg, Gießen, Llch, Londorf, Nauheim, außerdem die Vereine von Frankfurt a. M. und Zwingenberg. Dirigirt werden diese Kirchengesangfestc statutengemäß von dem Veretnsdtrigenten, gegenwärtig der Dirigent des Darmstädter Vereins, Gymnasiallehrer Dr. Bender. Die Oberhessischen Eisenbahnen geben gegen Legitimationskarten die üblichen Sonntag-Retourbillete zu einfachem Preise auch schon Samstags aus, weil dre Generalversammlung schon Samstag Abend stattfindet. Auch für die Main-Weserbahn sind Fahrvergünstiguugen nachgesucht, aber die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Festseier wird, wie auch schon voriges Jahr in Lampertheim, eine gewisse gottesdienstliche Form haben. Dennoch muß, um die beträchtlichen Kosten zu decken und allzu großen Zudrang zu vermeiden, Eintrittsgeld erhoben werden. Großer Zuzug von außen steht zu erwarten. Möchte dann das Wetter das Fest begünstigen.
Vermischtes.
Darmstadt, 31. Mai. sPostpersonalnachnchten.j 1. Versetzt sind der Post- inspector Börner von Oldenburg nach Darmstadt unb der Postkassirer Winter von Darmstadt nach Wiesbaden.
2. In den Ruhestand getreten ist der Postverwalter Freymann in Gedern.
Mainz, 31. Mai. Die Stadtverordneten beschlossen heute Abend die Anlage einer Pferdebahn in unserer Stadt. Nach dem Beschluß wird dieselbe bis jetzt nur innerhalb des Weichbildes der Stadt angelegt und zwar in vier Linien, wovon zwei sofort und zwei in drei Jahren zum Ausbau kommen sollen. Die erste dieser Linien beginnt am Ende der Gemarkung Mainz auf der Weffenauer Chaussee, geht über die Neuthorstraße, den Graben, die Holz- und Rheinstraße, durch die Fischthorstraße, über den Liebfrauenplatz, den Markt, Ludwigsstraße, Schillerstraße, den Münfterplatz, die Gartenfrontftraße und endet mit der Bonifaciusstraße. Die zweite Linie nimmt ihren Anfang an der Neuthorkaserne, geht durch die Wallstraße, Bocksgasse, Rheinstraße, große Bleiche bis zur Bauhofstraße, durch dieselbe über den Boulevard, die Bonifactus- straße zur Schulstraße, durch diese zur Rheinallee und auf derselben bis zum neuen Rheinthor. Linie Nr. 3 beginnt am neuen Centralbahnhofe der Hess. Ludwigsbahn im Gartenfeld, geht durch die Gartenfrontstraße Nr. 45 zur Brücke über den neuen Central- bahnhof, von dieser die Mombacher Straße entlang zum Mombacher Thor und von diesem die Wallstraße entlang bis zum neuen Rheinthor. Die letzte Linie ist die größte Strecke und findet dieselbe ihren Anfang in Zahlbach, dem Platze vor der Kirche, geht an dem Friedhöfe vorbei durch das neue Bingerthor zur Ueberbrückung des neuen Centralbahnhofs, von dort an den letzteren selbst, sodann durch die Gartenfrontstraße Nr. 27 über den Münfterplatz zur großen Bleiche und durch dieselbe über die neue Rheinbrücke nach Castel an den Bahnhof der Nassauischen Staatsbahn. DieGesammt- länge der vier Linien ist 15,840 Meter. Anlage und Betrieb der Bahn soll an einen Unternehmer vergeben werden und wurde beschlossen, dieselbe sofort öffe: tlich aus- zuschretben. Die Dauer der Concession ist auf 35 Jahre festgesetzt, doch ift der Stadt das Recht Vorbehalten, nach 15 Jahren die Bahn gegen den durch Experten abzuschätzenden Werth zu übernehnien. Abgesehen von den von der Militärbehörde und dem Staate verlangten Garantien hat der Uebernehmer eine Caution von 30,000 J4- au stellen, von welcher Summe er bet der Eröffnung des Betriebs auf den zwei ersten Linien 20,000 zurückerhält.
Mannheim, 2. Juni. VI. Verbandschießen des Pfälzischen und des Mittelrheinischen Schützenbundes und des badischen Landesschützenvereins zu Mannheim vom 9. bis 16. Juli. Nur noch fünf Wochen trennen uns von dem Anfänge des Verbandschießens und sind alle Specialcomit6s in emsiger Thätigkert, alles Erforderliche zu einem würdigen Empfange der Festgäsie oorzubereiten. Die Festbauten, von den Unternehmern zum Aufschlagen fertig gestellt, sollen jetzt aufgeschlagen werden und wird solches in kurzer Zeit bewerkstelligt sein. Für die Becher-Prämien sind sehr elegante Becher ausgewählt, die den glücklichen Schützen Freude bereiten werden Für Stand ist ein Pokal, für Feld ein Römer, beide zu einander passend, bestimmt. Die Ehrengaben zur Ausschmückung des Gabentempels mehren sieb jetzt, cs sind bereits 30 im Gesammtwerthe von über 2500 M- theils etngesandt, theils angemeldet worden. Nach den Punktationen des Programms sind für die Festtage bestimmt: Samstag den 8. Juli: Gesellige Zusammenkunft der angekommenen Schützen im Badnerhof. Sonntag den 9. Juli: Großer Festzug; Beginn des Schießens Montag: Volksbelustigungen. Dienstag: Gesangsvorträge; Illumination. Mittwoch: Doppelconcert; Festoper. Donnerstag: Schauturnen; Gesangsvorträge. Freitag: Großes Volksfest. Samstag: Schlachtmusik; Feuerwerk; Schluß des Schießens. Sonntag den 16. Juli: Schlußfeier: Vertheilung der zehn ersten Preise jeder Festscheibe. — Geschossen wird vom 9. Juli Mittags 4 Uhr bis Samstag Abends 8 Uhr. Täglich Festbankette in der Festhalle und Militär- couceitc.
Mainz, 1. Juni. Am zweiten Pfingstfeiertage hat ein Soldat der hiesigen Garnison eine ebenso gefährliche als kühne Fahrt unternommen. Derselbe war nämlich an diesem Tage zum Besuch seiner bei Groß-Gerau wohnenden Eltern gewesen und verpflichtet, den Abend wieder in der Kaserne zu fein. Er hatte sich aber verspätet und es schien ihm nicht mehr möglich, rechtzeitig hier zu sein. Gerade, als er sich nun in der Nähe der Station Groß-Gerau befand, lief ein Güterzug in die Station ein, der aber sofort wieder in der Richtung nach Mainz abdampfte. Ein Gedanke durchblitzte den Kopf des Soldaten, rast, eilte er auf die dem Stationshause entgegengesetzte Seite des Bahnkörpers, und als sich der Zug langsam in Bewegung setzte, eilte er dem Zuge in raschem Laufe nach, hielt sich an einem, an dem letzten Wagen befindlichen Puffer fest, schwang sich im Fahren auf ihn und auf diesem höchst bedenklichen Sitz ritt er seiner hiesigen Garnison zu. Auf der Station Groß-Gerau konnte die Manipulation des Soldaten noch beobachtet werden und alsbald wurde die hiesige Verwaltung von dem Vorfall in Kenntniß gesetzt, welche sofort Anstalten traf, beim Einlaufen des Zuges den Soldaten festzunehmen. Doch die Verwaltung denkt und Gott lenkt; als der Güterzug in den hiesigen Bahnhof einfahren wollte, war das Geleise im Bahnhofe gesperrt und der Zug mußte deßhalb auf dem durch die neue Anlage gehenden Geleise stillhalten. Diese Gelegenheit benutzte der kühne Fahrer, von seinem Sitz herabzuspringen und sich seitwärts in die Büsche zu schlagen. Gleich darauf setzte sich der Zug in Bewegung; als man den Soldaten abfangen wollte, war dieser schon auf dem Wege nach der Kaserne. Ein Bahnwärter, der aber seinen Posten nicht verlassen durfte, sah von Weitem zu, wie der Soldat von seinem Sitz herabsprang und davoneilte . .
Frankfurt, 1. Juni. Ein Frankfurter, der bet einer Pfingsttour nach dem Odenwald einen der neuen 50-Markscheine ausgeben wollte, wurde unter dem Verdacht, falsches Geld verbreiten zu wollen, von dem Ortsdiener angehalten und vor den Bürgermeister gebracht. Nur mit Mühe gelang es ihm, den Letzteren von der Aechtheit des Scheines zu überzeugen und seine Freiheit wieder zu gewinnen.
— Elm im Glarner Sernfthal ist neuerdings bedroht. Die noch stehen gebliebenen gelockerten Massen am ominösen Tschingelberg sind wieder in Bewegung gerathen. Die große Spalte am R'stkopf hat sich fett der letzten Messung um einen ganzen Meter erweitert. Steine und Schutt rollen alle Augenblicke herunter. Die Glarner Regierung hat die Schule in dem von der letzten Bergsturz-Catastrophe noch verschonten The'le des Dorfes Elm schließen, das Gemeindearchiv tn Sicherh.'it bringen lassen und die Bewohner zu erneuerter Wachsamkeit gemahnt. Die Abbröckelungen finden namentlich an jener Stelle des Ristkopfes statt, welche seiner Zeit bom- barbirt wurde.
Offenbach, 2. Juni. Ein Gattenmord, der gestern Abend im kleinen Biergrund hier zur Ausführung gebracht wurde, versetzte die Bewohner dieser Straße in große Aufregi ng. Der Schuhmacher Ludwig Zahn aus Ingolstadt in Bayern, welcher mit seiner Familie, aus Frau unb einem elfjährigen Mädchen bestehend, hier wohnt, in Bornheim in Arbeit steht, mit feiner Ehehälfte aber nicht in bestem Ei-nvernchmen gelebt haben soll, fand, als er gestern Abend um 6 Uhr von der Arbeit hierher zurück- kehrte, seine Wohnung verschlossen, horte aber von einer Nachbarsfrau, daß seine Frau mit seiner Tochter in den Wald gegangen fei, um Tannenäpfel zu holen. Gleich darauf kamen auch Beide mit Tannenöpfel zurück und als die Frau ihren Mann in aufgeregtem Zustande im Hof stehen sah, wollte sie wieder zum Hofthor hinaus, der Mann forderte sie aber auf, mit ihm in die Wobnung zu gehen, und als sie darauf erwiderte: „sie wolle erst noch einmal wohin gehen", packte er sie am Arm, warf sie auf die Erde, kniete sich auf sie unb brachte ihr mit einem Schusterskneip, den er aus der Werkstätte mitgebracht hatte unb bei sich führte, zwei Stiche in bie Brust unb fünf


