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srr. 128. Dienstag den 6. Juni 1882

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bnre.ru : Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Vringerlohin Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.

Deutschland.

Darmstadt, 3. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Oberstlieutenant Gilet vom 6. Fuß-Artillerie-Regiment, den Präsidenten des Oberlandesgerichts Kempff, den Polizeirath Haas, den Pfarrer Dingeldey von Gießen; zum Vortrag den Staatsminister Frhrn. v. Starck.

Heute Vormittag 7 Uhr fand auf dem Weiterstädter Exercierplatz eine Besichtigung der hiesigen beiden Escadrons des 1. Großh. Dragoner-Regiments (Garde-Dragoner-Regiments) Nr. 23 statt, welcher sich eine Uebung der hiesi­gen drei Escadrons des 2 Großh. Dragoner-Regiments (Leib-Dragoner-Regi- ments) Rr. 24 anschloß. Se. Königl. Hoheit der Großherzog, Se. Großh. Hoheit der Prinz Heinrich und Se. Hoheit der Fürst von Bulgarien wohnten den Uebungen bei und beehrten später das Casino des Officier - Corps Großh. 2. Dragoner-Regiments mit Allerhöchst- und Höchstihrem Besuch, um an dem dortselbst servirten Frühstück Theil zu nehmen.

Darmstadt, 2. Juni. Das Amtsblatt Großh. Ministeriums des In­nern und der Justiz, Section für Justizverwaltung, Rr. 21 enthält: Aus­schreiben vom 22. Mai, betr. die Gerichtskosten und Gebühren.

Rr. 22 enthält: Ausschreiben vom 26. Mai, betr. den Ansatz, die Er- Hebung und Beitreibung der Gerichtskosten.

Darmstadt, 3. Juni. Das feilte ausgegebene Großherzogltche Regierungsblatt (Beilage Nr. 12) enthält:

1. Oeffentlicke Anerkennung einer edlen That.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Brückenwärter Georg Dörner zu Nierst in in Anerkennung der von demselben mit Muth und Entschlossen­heit vollbrachten Rettung eines Mannes vom Tode des Ertrinkens eine Geldprämie Allergnädigst zu rnrlelhm geruht.

2. Neber sicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 188283 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communalbedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Mainz.

3 lieber sicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1882 83 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Lauterbach.

4. Uebersicht der pro 1. April 188283 von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehm-gtrn Umlagen zur Bestreitung Der Communalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Groß Gerau.

5. Ordensverleihungen.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 16- Mar dem Ortseinnchmer Friedrich Volk zu Reichelsheim das allgemeine Ehren­zeichen mit der Inschrift:Für fünfzigjährige treue Dienste", am 17. Mai dem ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der Landes-Universität Dr. Hein­rich Will das Ritterkreuz 1. Elasse dcs Ludewigs Ordens, an demselben Tage dem Bürgermeister der Bv>germeisterei Mettenheim, im Kreise Worms, Heinrich Frühauf, das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für langjährige treue Dienste" zu verleihen.

6. Ermächtigung zu Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens

Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 16. Mai dem Rentner Gustav Heinrich Lepenau aus Mainz, dermalen in St. Peters­burg, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Maje>:ät dem Kaiser von Rußland verliehenen St. Stanislaus-Ordens zweiter Classe zu ertheilen.

7. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft.

Am 9. Mai wurde der Gerichtsaccessist Rudolph Prätcrius zu Langen zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgerichte Langen zugelassen.

8- Dienstnachrichten.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 17. Mai dem mit Wirkung vom 1. Juni 1882 in den Bezirk der Oder-Postdirection Darmstadt versetzten Postinspector Börner aus Oldenburg m gedachter Eigenschaft die landesherrliche Bestätigung zu ertheilen.

9. Concurrenzeröff-,ungen.

Erledigt sind: Die Lehrerstelle an der evang. Schule zu Weinheim, Kreis Alzey, mit einem jährlichen Gchalte von 900 ; mit der Stelle ist Organistendienst

verbunden. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Löhrbach, Kreis Hepvenheim, mit einem jährl. Gehalte von 900 .>L.

Berlin, 3. Juni. Zum Wiederzusammentritt des Reichstages bringt die Prov.-Corresp." eine längere Ausführung, in welcher es unter Hinweis auf die schnell gefaßten Beschlüsse der zur Vorberathung des Tabakmonopols einge­setzten Commission u. A. heißt: Es ist also die Sparsamkeit, auf welche das Reich angewiesen werden soll, und man muß annehmen, daß die Urheber der Resolution von der Meinung ausgegangen sind, die Verwaltung des Reichs und der Einzelstaaten sei bis daher nicht mit der angemessenen Sparsamkeit geführt worden, oder auch, es habe die Reichsgesetzgebung die Reichsmittel zur Befriedi­gung von Zwecken in Anspruch genommen, welche demnächst sortfallen können. Ob der Reichstag sich der Meinung seiner Commission anschließen wird, darauf werden die jetzt wieder aufzunehmenden Sitzungen desselben bald Antwort geben, und nicht gering ist die Erwartung, mit welcher dieser Antwort entgegengesehen werden muß. Nach der großen Majorität, mit welcher die Resolution gefaßt ist, hat dieProv.-Corresp." eigentlich nicht mehr nöthig, Zweifel darüber zu hegen.

Der socialdemokratische Abg. Bebel, der am ersten Pfingstfeiertage, wie schon mitgetheilt, plötzlich verhaftet wurde, ist schon am Mittwoch gegen Mittag, freilich gegen Stellung von 1000 Caution, aus der Haft entlassen worden. Von anderer Seite wird noch gemeldet, daß in dem Processe ein Termin auf den 15. Juni anberaumt ist.

Die Unfallversicherungs-Commission berieth heute die 3 ersten §§ der Krankenkassen-Vorlage. Liberalerseits wurde der Antrag eingebracht, nach der ersten Lesung der Krankenkassen-Vorlage die erste Lesung des Unfallgesetzes vor­

zunehmen, weil nach der Gestaltung der letzteren sich erst beurtheilen ließe, ob die dreizehnwöchige Carenzzeit beizubehalten sei. Der Regierungs-Commissär erklärt, das Krankenkassen-Gesetz sei für sich selbstständig. Wenn daffelbe zu Stande komme, so bleibe das Haftpflichtgesetz für alle Unfälle, da erst in dem Unfall­gesetz die Aushebung der Haftpflicht vorgesehen. Die Unfall-Vorlage werde also durch die Krankenkassen-Vorlage nicht präjudicirt; § 1 der letzteren wurde so­dann mit einem Antrag Gut fleisch angenommen, durch welchen die versicherungs­pflichtige Lohngrenze der Bauarbeiter von 62/3 auf 5 Tagesverdienst herab­gesetzt wird. Der Antrag Wichmann, auch die landwirthschaftlichen und Forstarbeiter zur Versicherung heranzuziehen, wurde abgelehnt. Die Commission strich im 8 2 die Befugniß der höheren Verwaltungsbehörde, die Gemeinden zu zwingen, die in dem § 2 genannten anderen Erwerbs-Categorien versicherungs- pfiichtig zu machen und nahin entsprechend dieser Aenderung die §§ 2 und 3 an. Darauf vertagte sich die Commission auf Montag.

Sicherem Vernehmen nach werden Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Gemahlin zur Theilnahme an den Tauffeierlichkeiten am 11. d. Ms. hier eintreffen.

Hesterreich.

Wien, 3. Juni. DieWiener Ztg." veröffentlicht die Ernennung des Grafen Wimpffen zum Botschafter in Paris, des Grafen Ludolf zum Bot­schafter beim italienischen Hofe und des Grafen Dubsky zum Gesandten in Madrid.

Srankreich.

Paris, 3. Juni. Die Kammer der Deputirten beschloß mit 301 gegen 146 Stimmen, als Zeichen der Trauer um den Tod Garibaldi's, die heutige Sitzung aufzuheben. (Proteste auf der Rechten). Die Sitzung wurde ausgehoben.

Kngland.

London, 3. Juni. Unterhaus. In Beantwortung mehrerer Anfragen t^ilt Dllke mit, Arabi Pascha habe noch keine weiteren Schritte behufs Ab­setzung des Khedive gethan, auch die formelle Anzeige von der Annahme der vorgeschlagenen Conferenz sei noch nicht eingetroffen, aber man dürfe mit gutem Grund die Annahme derselben erwarten, da sämmtliche hiesige Vertreter des Auslandes und ihre Negierungen sich günstig über das Project geäußert hätten. Dilke bestätigt ferner, daß in Alexandrien Erdwerke aufgeworfen werden, und sagt, die Negierung stehe wegen dieser Angelegenheit mit dem Admiral Sey­mour in Communication, sie werde aber Weiteres darüber weder heute noch auch die nächste Woche mittheilen können. Das Haus setzte darauf die Einzel- berathung der irischen Zwangsbill fort.

Italien.

Nom, 3. Juni. Die Nachricht vom Tode Garibaldi's hat allenthalben in Italien einen schmerzlichen Eindruck gemacht. Die Kaufläden sind geschlossen; in der Kammer wird heute eine große Kundgebung zum Andenken an Gari­baldi erwartet.

Rom, 3. Juni. Deputirtenkarnmer. Der Präsident theilte der Kammer die Meldung von dem Ableben Garibaldi's mit und hielt demselben einen warmen Nach­ruf. Die im Anschluß hieran von dem Präsidenten eingebrachten Anträge, betr. die Suspendirung der Sitzungen der Kammer bis zum 12. Ium, eine zweimonatliche Trauer, die Entsendung einer Deputation nach Cavrera zur Theilnahme an der Begräb- nißfeier, die Theilnahme in corpore an den Feierlichkeiten in Rom und das Anbringen einer Gedenktafel in dem Sitzungssaale der Kammer wurden einstimmig angenommen. Auf den Antrag des Ministerpräsidenten Depretis wurden ferner im Laufe der Sitzung folgende Gesetzentwürfe angenommen: Betreffend die Verschiebung der Nationalfeier auf den 18. Juni, die Bestreitung der Begräbnißkosten durch den Staat, die E rrchtung 1 eines nationalen Denkmals unter Mitwirkung des Staates und die Bewill gung einer Pension von je 10,000 Francs für die Witiwe und jedes der fünf Kmder Garibaldi's. .

Aus allen Städten Italiens gehen Meldungen über Kundgebungen der all­gemeinen Trauer über das Ableben Garibaldi's ein, so namentlich aus Palermo, Genua. Neapel, Mailand, Venedig, Verona, Bologna u. a- 2)te geschlossen, Trauerfahnen aufgehisst und die Theatervorstellungen ^ingestmt. Z R , Genua und Neapel blieben die Börsen geschlossen- Allenthalben und S 1 P für die Errichtung eines Denkmals eröffnet worden- M

Maddalena, 3. Juni. Bei der Leiche Garibaldis vergeht ein Piquet Marine Soldatm m" einem Officier den Ehrendienst. Man ermatte hier die Zusammenkunft der Kinder Garibaldis zur Verbrennungl des -eichnams nach den Bestimmungen des Testaments des Verstorbenen.

an, daß die Asche in einer Porphyr-Urne m Caprera verbleibe.

Außland.

Detersbura. Im Süden Rußlands sieht's höchst bunt aus. Nach verersourg. g Odessa kommen chon die Plünderungen

emem Beruht derPoltt. au^ letzten Zeit an mehreren

der Guter des ^ls Kazapen auch auf Meierhöfe und Besitzungen

Punkten Nutzlands A 9 leänben ÜOTT Polen und Russen befanden. So wurde vorgekommen, die sich « bgm Grafen Bobrinski gehöriger Meierhof der bet Smrela in der bgr P^elhaufe nur durch Einschreiten einiger Com- vaanien Infanterie an weiteren Ercessen verhindert. Im Gouvernement Kiew wurde dk Besitzung eines Herrn Stefanow demobirt; bei diesem Anlässe wurde