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,81 Erstes Blatt. Sonntag den 6. August 1882,

ießcucr Anzeiger

Amts- nnb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

-- ------------------ ' . M PrciS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn, t Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.

Amtlicher Hheit.

Gefundene Gegenstände:

Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken.

Auaestoaen: 1 Distelfink.

Gießen, am 5. August 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Aesterreich.

Trieft, 3. August. Heute Nachmittag begaben sich die Mitglieder der Handels­kammer zu dem Vertreter des Statthalters Rinaldini, um demselben den Beschluß der Handelskammer mitzutheilen, durch welchen dem tiefsten Abscheu über die gestrigen Vorkommnisse Ausdruck gegeben wtcd. Heute Abend soll der städtische Verwaltungs- Ausschuß zusammentreten, um einen analogen Beschluß zu fassen.

Türkei.

Konstantinopel, 3. August. In der gestrigen Sitzung der Conferenz bestätigte, wie weiter gemeldet wird, Said Pascha die schriftliche Erklärung der Pforte vom 28. Jult, mit welcher dieselbe die Intervention acceptirt. Der Vertreter Rußlands, Onou, wies darauf hin, es scheine billig, daß die Türkei zuerst versuchen sollte, die Ordnung in Egypten wieder herzuftellen und daß erst, wenn ihr dies nicht gelingen sollte, andere Mächte hierzu schreiten sollten. Lord Dufferin erklärte, England wünsche die türkische Aktion unter der Bedingung, daß zuvor die Proklamation gegen Arabi Pascha erlassen werde. Said Pascha entgegnete, diese Proklamation sei jetzt unmögl'ch. Sobald die türkische Fahne auf cgyptischem Boden wehe, werde die Handlung Arabi Paschas über die weiter zu ergreifenden Maßregeln entscheiden Bei der Diskussion des italienischen Antrages wegen des Collectivschutzes des Suez-Canals erklärte Lord Dufferin, er besitze darüber keine Instructionen. Der Marquis de Noaillcs sagte, er könne Angesichts der französischen Cabinetskrisis nur seine persönliche Meinung aus- sprechen Beide Vertreter erklärten darauf, ihren Regierungen referirm zu wollen. Schließlich theilte Dufferin der Conferenz seine Note vom 30. Juli und die Antwort der Pforte auf dieselbe mit.

(Telegramm derAgence Havas".) Drei Transportschiffe mit Artillerie und Munition sind Abends nach Alexandrien abgegangen; dieselben werden unterwegs weitere Truppen ausnehmen.

Gutem Vernehmen nach hätte der Sultan die Absicht, auch eine Civilmission nach Egypten zu entsenden.

Der Premierminister gab gestern der Hoffnung Ausdruck, daß die Differenzen mit England betgelegt werden würden.

Crtspr ist hier eingetrosfen.

Aegypten.

Alexandrien, 3. August. Die englischm Truppen haben gestern das Fort Mex besetzt Eine Abttmlung Artillerie wurde heute früh mit Marinetrupven in der Richtung auf Mchalla vorgeschickt und fand die Eisenbahn auf eine Strecke von ca. 200 Metern durch die Truppen Arabi Paschas zerstört. Man sah die Cavallerie Arabi Paschas und etwa 200 Mann Infanterie avanciren, doch fanden k.'ine Zusammen­stöße statt. Heute wurde eine größere Recognoscirung vorgenommen. Das 38. und das 60. Regiment rückten mit Artillerie-Abtheilungen in 2 Colounen gegen die Haupt- Vorpostenstellungen Arabis vor. Dieselben waren fast ganz verlassen. Der Feind zeigte sich nicht und nach einem kurzen Gewehrfeuer k.hrten die englischen Truppen ohne Verluste nach Ramleh zurück. ______

Deutschland.

Darmstadt, 4. August. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: , ,

Am 13. Juli dem Schullehrer an der Gemeindeschule zu Framersheim, im Kreise Alzey, PH. Gerhard, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: Für fünfzigjährige treue Dienste" und .

am 19. Juli dem Bürgermeister der Bürgermeisterei Beltersham, im Kreise Gießen, Johs. Hartmann, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der In­schrift:Für langjährige treue Dienste" zu verleihen;

am 26. Juli den Obersteuerrevisor Nicolaus Bender zu Darmstadt nut Wirkung vom 1. August l. Js. an auf sein Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen und demselben in Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste das Ritterkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen;

am 2. August die Finanzaspiranten Georg Ruch aus Darmstadt und Albert Scriba aus Groß-Felda zu Oberrechnungs-Probatoren zweiter Klasse bei der zweiten Abtheilung der Justificatur Großh. Oberrechnungs-Kammer zu ernennen. ,, r

m Darmstadt, 4. August. GelegiNtUch der im kommenden Monat hier statt­findenden Jubiläumsfeier des 50jährigen Bestehens der drei landwirthschaftlichen Provinzialvereme des Großherzogthums Hessen, mit welcher in den Tagen vorn 16. bis 24. September eine unter dem Protectorate Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs stehende allgemeine landwirthschaftliche Landesausstellung verbunden sein wird, werden in unserer Stadt eine Anzahl von Specialvereinen, deren Bestrebungen mit der Land- wirthschaft in enger Verbindung stehen, größere Versammlungen abhalten. In erster Linie steht die Generalversammlung der landwirthschaftlichen Vereine des Großherzog- thums, für welche nach einer Mittheilung der Großh. Centralstelle für die Landwirth- schast der 21. September in Aussicht genommen ist. Der Verband der landwirthschaft- lichen Consumvereine wird seine diesjährige Delegirtenversammlung hier am 19. Sept, abhalten und der hiesige Gartenbauverein beschloß vorgestern auf Anregung der Großh. Centralstelle für die Landwirthschaft, die Schwestervereine des Landes zu einer in die Tage des Festes fallenden großen Versammlung einzuladen, bezüglich deren Tages­ordnung etwaige Wünsche baldthunlichst bei dem Secretariat des Gartenbauvereins zu äußern wären, da wegen zweckmäßiger Wahl des Versammlungstages eine Ver­ständigung mit der Großh. Centralstelle für die Landwirthschaft erforderlich ist.

Berlin, 3. August. DerRat.-Ztg." wird aus Paris gemeldet:Die Lage ist jedenfalls sehr ernst, da in Folge des Auftretens Englands europäische Verwickelungen zu befürchten stehen. Rußland zeigt sich England besonders feindlich gesinnt und will angeblich bei der Conferenz die Revision des Vertrages betreffs der Abtretung Cyperns an England beantragen. DieTribüne" schreibt:Man kann sich leider keinen Täuschungen mehr darüber hingeben, daß alle Hoffnungen auf einen reichen Erntesegen, mit denen man sich noch vor 14 Tagen trug, durch den inzwischen erfolgten Umschlag der Witterung in der grausamsten Weise vernichtet sind. Die Kalamität schlechten Erntewetters ist in unserem Vaterlande leider nicht neu, sie tritt so häufig ein, daß es fast ver­messen ist, eine Ernte zu loben, bevor sie in die Scheune gebracht ist. Eine so große Einbuße von nationalem Wohlstände ist ein Ereigniß von schwerer, allge­meiner Bedeutung und im Interesse der Landwirthschaft wüßten wir kaum eine Frage, die wichtiger ist, als die, wie solchen Einbußen erfolgreich vorgebeugt werden kann."

Telegraphische Depesche«.

Wolff'S telegr. Correspondenr-Burearr.

München, 4. August. Die auf Antrag der Gemeinde-Collegien, betr. die Umwandlung der Simultanfchulen in confefsionelle Schulen, erfolgte Ent- schließuna der Regierung giebt den genannten Collegten bekannt, daß dem An­träge nicht Folge zu geben fei. Zugleich wird der Magistrat beauftragt, einen Entwurf für eine Neubildung der Schulbezirke auszuarbeiten und der Regierung ' oalb einzureichen. . , , . £ . ..

Briest, 4 August. Der Stadtrath nahm heute in zahlreich besuchter öffentlicher Sitzung eine Resolution an, welche der Entrüstung und dem Abscheu über die vorgestrige Frevelthat Ausdruck giebt.

Paris 4 August. DerAgence Havas" wird aus Alexandrien ge­meldet es sei dort eine Feststellung der von Europäern bei dem Bombardement erlittenen Verluste und die Ernennung einer Commission in Vorschlag gebracht, die sich über die Entschädigungen aussprechen soll . .

London, 4 August. Nach hier aus Alexandrien emgegangeuen Nach- rickten erließ Arabi Pascha ein Manifest, worin er die britische Flotte beschul- digt aus Rache dastr, daß die Forts Widerstand geleistet, das arabische Quartier in Alexandrien beschossen zu haben. Um die wehrlosen Einwohner zu schonen wäre er (Arabi) mit den Truppen abgezogen. Der Khedive habe den britischen Truppen die Thore der Stadt geöffnet, wegen welcher Verratherei der Sultan den Khedive abgesetzt habe und jetzt Truppen sende, um den Feind zu vertreiben. Arabi werde zur geeigneten Zeit in Alexandrien einmarschiren und gemeinsam mit den Muselmanen aus Stambul nicht allein die Ungläubigen, sondern auch die eingeborenen Landesverräther züchtigen.

_ Rach einer Meldung desReuter'schen Bureaus" aus Alexandrien von heute habe sich General Alison bei Gelegenheit einer gestern vorgenommenen Recognoscirung überzeugt, daß die in der Nähe von Alexandrien befindlichen feindlichen Truppen von wenig erheblicher Stärke seien. Zu allarmirenden Ge­rüchten von einem von Seiten Arabi Paschals zu besorgenden.Handstreich liege keinerlei Grund vor, Arabi Pascha könne die Offensive nicht ergreifen, ohne Bewegungen vorzunehmen, die seine Absichten sofort verrathen mutzten. Wei­teren Nachrichten zufolge befindet sich Tulba Pascha in Kafte-Dowar, in Arabi Pascha's Umgebung soll sich als einziger Europäer ein Schweiz, Namens Ninet, befinden, der früher Halim Pascha als gehe,mer Agent gedient M*-

Ein Telegramm des Admirals Hewitt bestätigt, daß Su^ am Mitt- woch ohne allen Widerstand besetzt wurde und daß die egyptischen gruppen die Flucht ergriffen.-

m ^UUUIV uuv mancherlei Anzeichen unzweifelhaft

Die Vorgänge tn AyAn haben, Welt eine höher und hoher gehende

zu ersehen ist, m der gelammten mohamedannw Egypter hervorgerufen,

Bewegung zu Gunsten der von den^ fremdenHerrschers schlagen Die Mos- deren Wellen selbst bis an dm Palast des tu'^nasiens, Arabiens und Syriens, lems der afrikanischen Nordküste, wie btejeng ^äffchen Türkei selbst, erflehen von die Bekenner Allahs m ^udien wre r immer ungestümer drängen

Allah den Sieg für ihre egyvt. ch n Glaub ^0^ ^lbdul Hamid, feinen Einfluß als die Ulemas der türkischen Hauptstadt ^scha und dessen Schaaren In

aEiches Oberhaupt aller yCmeflung gegenüber hat nun der Sultan einen

di- Wagschale zu werten. fi*on berfelben forttragen lassen, so müßte er-

schwierigen Stand, denn wollte er sich non oetie^ laffen- Selle

feine Bataillone, die letzt noch S " die Engländer zu fämpjen. Die Bekenner

an Seite mit den SRegjmentern « ab § dxz^adischah gewiß mit Begeisternng

des Islams wurden einem derart feine unberechenbaren Folgen für tue euro-

aber bhE,rlTfirtei unbbie wissen die Staatslenker am goldenen Horn zu patsche Stellung der türket uns o Truppen mit Arabi das Wort reden

komen^ No^b denk 'che? ab?r für das Ansehen des Sultans selbst in der moha- rnedanischm Welt würde es sein, wenn seine Truppen ihre Wan-n. vereint mit den