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Mittwoch den 5. Juli 1»82.
Meßmer Anzeiger
Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Bnrea«: Schulstraße B. 18.
PrciS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
o Gießen, am 4. Juli 1882.
Betreffend- Die von den Gemeinden für die I881/82cr Holzsamensendungen zu leistenden Ersatzzahlungen.
Das Großherzogliche Kmsamt Greßen
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--------------Das Großherzoglichc Steucr-Commissariat Gießen
Gießen, am 4. Juli 1882. _____
Politische Ueberslcht.
Gießen, 3. Juli.
In unserer inneren Politik herrscht gegenwärtig vollständiger Mangel an bemerkensmertheren Ereignissen und auch die noch nicht zu einem definitiven Ausgange gelangte Krisis im, preußischen Finanzministerium vermag das allgemeine Interesse nicht mehr zu fesseln, da die,endgiltige Losung dieser Frage sich jetzt mit zienllicher Gewißheit voraussehen läfzt. Au der Ernennung des Staatssecretärs im Rcichsschatzamt, Scholz, zum Nachfolger des Herrn Bitter Zweifelt Niemand mehr, auch dürste Herr Scholz die Leitung der preußnchen Finanzen nicht nur provisorisch, sondern definitiv übernehmen, denn die von einem Berliner Blatt gebrachte Nachricht, daß der Reichskanzler selbst das Finanzministerium übernehmen und daß ihn Herr Scholz in der Leitung destel- ben nur vertreten werde, ist bis jetzt nicht bestätigt worden und kann man diesen Gedanken überhaupt wohl als aufgegeben betrachten. Auch das Gerücht von einer Verschmelzung des preußischen Finanzministeriums mit dem Reichsscyatzamt bewahrheitet sich nicht, beide Aeuiter werden auch ferner neben einander bestehen und bezeichnet man mit Bestimmtheit Herrn Burchard, den bisherigen Direetor im Reichsschatzamte, als den künftigen Leiter dies'es Ressorts. ,
In der bayerischen Armee wurden in diesen Tagen zwei seltene Regiments-Jubiläen begangen. Das in München garnisonirende zweite Jnfan- lerieregiment „Kronprinz" feierte am 29. Juni das 2OOjührige Jubiläum seines Bestehens und die gleiche Feier beging an demselben Tage das in Nürnberg garnisonirende erste Cheveauxlegers-Regiment. Dem erstgenannten Regiment waren anläßlich dieser Feier neue Fahnenbänder für die Fahnen vom Könige verliehen worden, welche die Prinzessin Ludwig an die Fahnen heftete.
Das Münchener Rathseollegium hat einen Beweis religiöser Intoleranz gegeben. In seiner Sitzung vom 30. Juni beschloß das genannte Collegium mit 16 gegen 6 Stimmen, den Altkatholiken die ihnen feit dem Jahre 1871 zur Benutzung eingeräumte Kirche wieder zu entziehen. Ob die Staatsregierung diesen Beschluß gutheißen wird, ist noch nicht bekannt.
Die den österreichischen Ministern Baron Conrad, Dr. Arazak und Graf Falkenhayn durch die Verleihung des Ordens der Eisernen Krone 1. Klasse zu Theil gewordene Auszeichnung wird in den Wiener maßgebenden Kreisen als ein Vertrauenszeichen des Kaisers für das Cabinet Taaffe betrachtet. Häufig hat in Oesterreich die Verleihung solcher Auszeichnungen für den betr. Minister die Bedeutung eines Vorboten für die baldige Versetzung in den Ruhestand, diesmal aber wird die Sache in der That keine ominöse Bedeutung haben. Das Cabinet Taaffe erfreut sich beim Kaiser nach wie vor des größten Vertrauens und seine Stellung ist zur Zeit eine derartig gefestigte, daß hiergegen alle ferneren Angriffe der Verfassungspartei sich als nutzlos erweisen werden. Eine andere Auszeichnung ist dem FZM. v. Dahlen und dem FML. Baron v. Jovanovic durch die Verleihung des Großkreuzes vom Leopoldorden mit der Kriegsdecoraüon zu Theil geworden, als Anerkennung für ihre hervorragenden Dienste bei der Pacificirurg der insurgirten Provinzen.
In Frankreich tritt die Antipathie gegen jede auswärtige Actionspolitik immer schärfer hervor, wozu das Mißgeschick Frankreichs in seiner egyptischen Politik unzweifelhaft sehr viel mit beigetragen hat. Es ist noch nicht erwiesen, ob England der französischen Regierung wirklich den Vorschlag gemacht hat, gemeinsam in Egypten offensiv vorzugehen und ob, falls dies wahr gewesen, das Pariser Cabinet diese Proposttion abgelehnt hat, daß aber das Ministerium Freycinet sich gegen jedes derartige Unternehmen entschieden ablehnend verhalten würde, kann nicht bezweifelt werden. Mit den Enthüllungen des Gelbbuches denkt man eben in Frankreich über den Werth einer Allianz nut England sehr nüchtern, man ist nicht mehr gewillt, den Engländern wie in der Krim, in China, in Mexico, nun auch am Nil die Kastanien aus dem Feuer zu holen und die Franzosen haben hierin durchaus nicht Unrecht.
England setzt seine kriegerischen Rüstungen, unbekümmert um die Konstantinopler Conferenz, wo man sich zu einheitlichem Handeln verpflichtet, fort. Die Einberufungs-Ordres für die Reservisten 1. Klasse liegen zum Versandt bereit, die Militärdepots, wo sich die Reserven einfinden, werden mit den nöthigen Waffen und Uniformen versehen und alle Werkstätten in Woolwich sind in regster Thätigkeit. Trotzdem soll im englischen Cabinet noch große Un-
einiqfett herrschen: Lord Granville ist für ein Zusammengehen mit Frankreich, Lord Kimberley redet der türkischen Intervention das Wort, wahrend die Herren Chamberlain und Dilke für ein frisches, fröhliches Losschlagen m Egypttn stntr Die englische Regierung braucht aber in der egyptischen Frage gerade nicht s sehr in's Zeug zu gehen, denn es fragt sich überhaupt, ob die andern Machte ein bewaffnetes Vorgehen Englands in Egypten gestatten würden. Dann aber hat die englische Regierung rm eigenen Hause noch genug zu thun, die irischen Angelegenheiten würden jedenfalls auf eine größere auswärtige Action mm,erhm lähmend einwirken. Die neuen Mordthaten in Irland beweisen daß es dar. weiter qährt und kann England bei dieser Stimmung unmöglich daran denken, die in England stehende Trppenmacht zu schwächen und einzelne Regimenter nut " s”".,,ä"e-r Ich- w* ***• *•* **
nidit verkennen daß seit den stürmisch bewegten Tagen der Garibaldi-seier Ä 2fe Abspannung eingetreten ist. Ueber die beabsichtigte Ueberfuhrung de? ^icke Garlbclldi's" nach Rom verlautet noch immer nichts, eben,owemg Darüber ob die sterblichen Ueberreste des verblichenen Helden noch verbrann. WWWZMSM 2ÄSÄ R-m - d-n Radikalen sich-, >n eine- ,-°b,n d»I>°. Ich,» M b-i M--l-»-t-.
. ■ ® nhematiae Verhaftung von 18 verdächtigen Personen und die n von Dynamit und Sprengbomben beweist. Autzer-
Em Sabe“ de? höchstgestellten russischen Beamten beschuldigt, in Ver- b duna?nit den im Ausland lebenden Nihilisten zu stehen Der neu ernannte
S WLÄÄH Sft’-ÄÄt ÄÄi'S* * einer Untersuchung verlautet^ R (iegen neue Nachrichten von Belang
... ctx:, QUäänbe in Alexandrien werden noch immer als sehr uuücher
drien in einer Proklamation ausgeforde d ) . ^aß die Bevölkerung
sich mit den Europäern zu vertragen, doch wird versidjee^^8. rff verlautet, ihre feindselige Haltung gegen die Europäer be bat Geru-Ytw
Arabi Pascha habe sich entschieden.nach f^Unop uhr
Der Präsldentenmorder Guiteau yr 6 ^»^d erfolgte sofort, zu Washington durch den^Strangi hmgmchtet für seine ver-
Die Hinrichtung des elenden Guiteau ist Entsetzen versetzt und mit Ent- ruchte That, welche die ganz- cw'^ ^Gerechtigkeit überall nur
rüstung erfüllt hatte und es wird daher 1 ,-gg seinen anmagenden und mit Befriedigung aufgenommen werben, w „ haben und soMr noch m zugleich lächerlichen Eigendünkel b,S - Lben. mit feinem ^ode endet den letzten Stunven auf Begnadigung gey°N■ ) ’fani^e Gerichtsverfahren eines der widerlichsten Schauspiele, welches
der Welt je dargeboten hat. — ----- ---
□ - r ^Di^Abg^Schröder und Böhm haben folgen- Darmstadl, 3. 3^- ^9 @tänbe eingebra^t: Die Kammer
den Antrag bei der Zweiten
wolle Großh. Regierung ersuch ■ Strafgefetznovelle von 1816 gegebenen 1) In Ausführung des durch v . - Gesetzesvorlage zu machen,
Zusatzes $u § 55 des «'L?°'L nach Vallendung des 6. und vor Vollen-
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