empfangen wurde. Der Eröffnungsfeier wohnten außerdem bei: der Erzbischof, die Minister Graf Kalnoki, Graf Taaffe, Conrad Frhr. v. Eybesfeld, Mitglie- der deS diplomatischen Corps, Vertreter der Aristokratie und andere Personen von Distinction. Auf die Ansprache des Grafen Zichy, in welcher dieser für die Schenkung des Platzes zum Künstlerhause dankte, erwiderte der Kaiser, es freue ihn, daß der Kunst eine neue Stätte geschaffen sei und die Künstler zu einem edlen Wettstreit eingeladen seien, bei welchem die vaterländische Kunst gewiß einen hervorragenden Rang einnehmen werde. Der Kaiser besichtigte sodann die Ausstellung. 1 p
— Der Commandant von Tersana Seozi meldet: Es ist ein verd^- tiges Individuum verhaftet worden; auf mehreren Berghohen wurden Signalfeuer wahrgenommen, so scheint ein Angriff der Insurgenten bevorzustehen. — Nach einer Meldung aus Gaczko haben 6 Compagnien des 67. Regiments am 28. v. Mts. bei Pientista ein glänzendes siegreiches Gefecht mit den Insurgenten bestanden.
Arankreich.
Paris, 1. April. Die Kammer der Deputirten hat sich bis zum 2. sD?ai vertagt. — Der Senat berieth heute über die Kreditvorlage von 8 Mill. Fres. zu den tunesischen Expeditionskosten. Broglie constatlrte, daß Tunis schon 80 Mill, koste; er kritisirte den Bardo-Vertrag und verlangte, daß das Ministerium sich über seine Absichten hinsichtlich der tunesischen Schuld und anderer fragen ausspreche. Der Conseilpräsident Freycinet erwiderte, der Effeetivbestand von 35,000 Mann in Tunis sei gegenwärtig nothwendig, werde aber allmälig verringert werden. Die empfangenen Kriegsentschädigungs-Gelder müßten an.den Bey zurückerstattet werden, da die französischen Truppen sich bei einem Verbündeten, nicht bei einem Gegner befänden. Bezüglich der and; ^n Fragen werde die Regierung ihre Meinung im Monat Mai mittheilen. Der Kredit wurde einstimmig bewilligt. Der Handelsvertrag mit Italien wurde genehmigt. — Der Senat vertagte sich bis zum 2. Mai.
Italien.
Rom, 1. April. Die Riten-Congregation hielt im Vatikan eine zwüte vorbereitende Sitzung zur Selig- unb Heiligsprechung von Marie Christine von Savoyen, Königin beider Sicilien.
Palermo, 1. April. Die 600jährige Gedenkfeier der sieilianischen Vesper begann gestern Vormittag und verlief in vollständiger Ordnung. Der sehr zahlreiche Zug der Festtheilnehmer nahm zuerst seinen Weg nach der Helligen - Geist - Kirche, von wo der Ausstand gegen das Haus Anjou ausgegangen war, sodann nach der Kirche Martorana, in welcher bas Parlament des befreiten Siciliens tagte. In beiden Kirchen wurden Gedenktafeln angebracht. Der Senator Perez und der Deputirte Crispi hielten Reden, worin dieselben versicherten, daß die Feier in keiner Weise sich gegen Frankreich richte. An dem Festzuge nahmen die meisten sieilianischen Senatoren, die Deputirten und Municipalitäten der größeren Städte Siciliens und zahlreiche politische Arbeitervereine Palermos Theil. Die Stadt ist beflaggt. Abends findet allgemeine Illumination statt. Mehr als 20,000 Fremde aus allen Theileu Siciliens und dem Kontinent sind hier dngetroffen.. , i
Die Ordnung ist fortwährend ungestört geblieben. Die heute Nachmittag stattgehabte Regatta ist durch einen leichten Regen beeinträchtigt worden. Heute Abend finden die Darstellung einer Seeschlacht, ein Feuerwerk und die Illumination des Golfs statt. Garibaldi richtete an den Maire von Palermo ein Schreiben, in welchem er die Bevölkerung zu ihrer gestern beobachteten Haltung beglückwünscht.
Spanien.
Madrid, 1. April, lieber die Provinz Katalonien ist der Belagerungszustand verhängt worden. In mehreren Fabriken wurde die Arbeit wieder aufgenommen.
Türkei.
Konstantinopel, 1. April. In Folge der Note des russischen Botschafters von Novikoff in Betreff der Kriegsentschädigung theilte die Pforte demselben mündlich mit, sie wolle dem mit dem Palms festgestellten llebereiufoinmen hinsichtlich der Kriegsentschädigung beitreten unter dem Vorbehalte, daß die Pforte die gegebenen Garantien eventuell gegen andere Äquivalente umtauschen darf, daß ferner der Garantiewerth die Kriegsentschädigung nur um ein Viertel übersteigen soll und daß endlich Rußland darauf verzichtet, die mit der Controls über die Einziehung der garantirten Steuern beauftragten Delegirten zu ernennen , womit die ottomanische Bank beauftragt ist. Nachdem Novikoff erklärt hatte, alle Modisicationen mit Ausnahme der letzten anzunehmen, übersandte die Pforte am 30. v. Mts. eine Note als Antwort auf die Note Novikoff's vom 27. v. Akts., in welcher sie der Hoffnung Ausdruck giebt, daß Novikoff auf dem letzten Punkte nicht beharren werde und daß sie das Uebereinfommen für abgeschlossen betrachte.
Amerika.
New-Aork, 1. April. Die Schuld der Vereinigten Staaten hat im vergangenen Monat um 16,460,000 Doll, abgenommen. Im Staatsschätze befanden sich ult. März 253,290,000 Doll.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Correspondenz-Bureau.
Petersburg, 2. April. Das „Journal de St. P.tersbourg" erklä.t die von Lord Srratheden und Salisbury hinsichtlich des Veikehrs russischer Hanbelssck den Dardanellen geäußerten Bedenken für unbegründet. Auch die von der rJi gemachten Vorbehalte seien nicht berechtigt. Man könne unmöglich Handelsschisse auf welchen unbewaffnete Rekruten oder von der Polizei escoitirte Verbrecher oder ein in.- Soldaten tronsportirt würden, Kriegsschiffen gleichstellen. 0
Belgrad, 2 April. Der Jahrestag des vom Fürsten Milchch Obrenowiisch am Palmsonntag 1815 begonnen m serbischen Freiheitskrieges ist heute festlich beaanmm worden. Die Stadt ist mit Flaggen geschmückt, in den Kirchen wurde Festgottesdienst abgehalten, nach der kirchlichen Feier fand i-m Palais des Königs großer (Jnt- pfang statt, für den Abend ist eine Illumination der Stadt tn Aussicht genommen
Konstantinopel, 2. April. Der russische Botschafter Novikoff hat auf die Note der Pforte vorn 30. März geantwortet. Er besteht auf Beibehaltung der Controle bezüglich der Regelung der Kriegskosten-Entschüdigung — Der Sultan empfing den serbischen Gesandten Gruic und verlieh demselben den Großkordon des Niedschidje-Ordens.
Lokales.
Gießen, 3. April. Heute Vormittag 9” passirte Se. Königliche Hoheit der Großherzog aur der Re se nach Berlin den hiesigen Bahnhof.
— Auf der Schiisenderger Chaussee wurden gestern von Bubenhand ca. 20 Baumstämmchen anqeschäit.
— In der Rächt von Sanrstag auf Sonntag wurde in der Fabrik von August Schlesinger eingebroch n und ein Sack mit Lumpen im Werthc von 20 JL gestohlen.
— Heute Morgen wurde eine inännliche Leiche in dem früher Fries'schen Felsen- keller vorgefund.n. Die Persönl chkeit derselben ist noch nicht festgestellt.
— Ein heruntergekommener fiüherer Kutscher wurde heute Morgen wegen Betrugs, Obdachlosigkeit und Bettelns verhaftet.
— Außer den drei am Samstag verhafteten Hafendieben wurden am Sonntag Morgen noch zwei zu dem Complott gehör-nde Lehrlinge ermittelt und verhaftet. Vier der Verhasteten find Jungen im Alter von 14—17 Jahren, der Fünfte ist ein schon älterer Taglöhncr von hier. Dieselben haben die nachverzeichneten Diebstähle nächtlicher Weise mittelst Uebei steigens und theils mit Einbruch ausgesührt, und zwar: X. am 26 Januar I. I. aus einem Stalle in der Kaplansgaffe 1 Hasen, 2. am 28. Januar l. I. aus dems-lben Stalle mittelst Uebersteigens und Erbrechens einer Thür 5 Hafen, 3. am 30. Januar l. I. aus einem Stalle in der Bahnhofstraße mittelst Erbrechens der Stallthür 3 Hasen, 4. am 4. März l. I. aus der Geilfus'schen Besitzung in der Westanlage mittelst Uebersteigens nud Erbrechens einer Thür 2 Hasen und 5. am 30. März L I. aus deiselben Besitzung mittelst Uebersteigens und Erbrechens einer Thür 3 Hasen. Ferner wurde heute Nacht in derselben Besitzung eingebrochen, aber ohne Ei folg.
— Heute Nacht wurde durch ein Fenster in das Bureau des Maschinenmeisters der Obeih. Eisenbahnen eingestiegen und >.n dein Local 7 Schlösser erbrochen. Der Einbrecher scheint cs nur auf Geld abgesehen zu haben, hat aber keines vorgefunden. Jedenfalls von derselben Persönlichkeit wurde auch in das Bureau der Nenzel'schen Eisengießerei eingebrochen, jedoch auch hier ohne E>folg.
WerWischtes.
Mainz, 30. März. Trotz den nicht sehr günstigen Zeitverhältnissen sind doch die Arbeiter von Strikegelüsten umsponnen; in den letzten 14 Tagen haben die Arbeiter zweier hiesigen Fabriken die Arbeit eingestellt; ohne Erfolg erzielt zu haben, wurde in der einen Fabrik die Arbeit alsbald wieder aufgenommen; auch in der andern Fabrik wird es so kommen, da die Ursache der Arbeitseinstellung von ganz untergeordneter Bedeutung ist und die Arbeiter nur einen Zwang auf ihre Arbeitgeber ausüben wollten.
Hagen. In einer der letzten Nächte hatte ein Fabrikarbeiter das Unglück, beim Drahtwalzen so unglücklich sich mit dem glühenden Drahte zu verwickeln, daß an ein Herauskommen nicht mehr zu denken war- Dem Arbeiter, ein sonst fleißiger circa 20 Jahre alter Mensch, wurde in Folge der Verwickelung der Fuß mit dein glühenden Draht adgeschnltten und wurde der Aermste noch in der Nacht zum Marlenhospital tronsportirt, woselbst die Amputation des Fußes erfolgte. Bei näherer Untersuchung hat sich herausgestellt, daß die sämmtlichen Schutzvorrichtungen actio waren.
Berlin. lRoman aus bem Leven ) eeit wenigen Tagen hält sich in einem unserer eisten hiesigen Hotels eine Dome auf, bereit romantische Lebensschicksale bereits einem amerikanischen Bühnenschrlfisteller zum Votwiirfe eines Dramas gedient haben. Die Dame, welche in Begleitung ihrer Tochter eine Vei gnügungstour nach Deutschland macht, hat ihren Wohnsitz in San Francisco aufgeschlagen, wo sie als Gattin eines der wohlhabtiibsten Mitglieder der Central Paciftc-Gruppe auf Gold Hill lebt; schwerlich aber würde man jetzt in der eleganten Frau von Welt, Tournüre und-Chic den ehemaligen Goldwäscherjungen wiedereikennen, welcher in den Kleibern eines regelrechten Bergmanns der roiloen „mining regions“ von Süd-Californien o-er Jahre lang der Erde Schätze abzuringen versucht hat. Die Geschichte dieser Dame ist, wie gesagt, durch den amerikanischen Dichter Joaquin Miller in seinem Drame „The Danites“ ziemlich getreu wiedergegebeit worden. Sie sowohl als der Mann ihrer Wahl waren * zu atm, um »u heirathen und als dieser sich entschloß, gleich so vielen hundert Anoeren, sein Glück in den Minen zu suchen, folgte ihm das resolute Mädchen in einer Verkleidung nach, welche ihr Geschlecht nicht ahnen liefe. Diese so romantisch beginnende Geschichte endete jedoch im Leben höchst prosaisch, es stellte sich heraus, daß „der Mann ihrer Wahl" ein Taugenichts und salscher Spieler mar, der beim auch in einem Streit beim „Poker"-Spiel erschossen wurde. Nach seinem Tode blieb die Frau noch zwei Jahre lang in den Goldgräber-Camps, ohne daß ihr Geschlecht entdeckt worden wäre. Bei dem UeberfaU einer Postkutsche von Wells-Fargo durch Marodeure jedoch, als sie zum Beistand der hartbedrängten Passagiere herbeeilte — von denen einige bedeutende Geldsummeit bei sich trugen — wurde sie verwundet unb in bas Militärlarareth des nächsten Postens, Fort Kergan, gebracht. Unter den Passagieren, deren Leben und Vermögen sie hatte retten helfen, befand sich auch Oberft Fair, ein Mitglied des bekannten Sepie,nvirates der Silber'ürsten, jetziger Senator von Nevada, auf welchen dte Räuber es hauptsächlich abgesehen hatten und der, als er von den Schicksalen seiner Lebensretterin hörte, sie in sein Haus einführte. Dort lernte sie ihren jetzigen Gatten kennen, der merkwürdiger Weise ebenfalls früher Goldgräber gewesen ist und sich wohl erinnert, in einem der Can ps am sogenannten Gypsum Creek oft m;t derjenigen zusammengetroffen zu sein, die jetzt seine Frau und ein „Stern" in der guten Gesellschaft von Sau Francisco tft.
Empede (Hannover), 28. März. Das gestern in hiesiger Gegend stattgehabte kurze, jedoch ziemlich schwere Gewitter h.rt zwei Menschenleben zerstört. Der 17jährige Schäfer Kuhlmann unb ber ca. 50jährige Schäfer Wiebking befanden sich zur Zeit des Gewitters mit ih en Schafheerden auf der zwisch n Empede und Suttorf an ber Leine belegencn sogenannten „Wiehe", als ein heftiger Gewitterfchlag Beide zu Boden streckte und töbtete. Kurz vor bem verhängnißvollen Schlage hatte ber Schäfer Kuhlmann ein zwei Stunden vorher geborenes Lamm, um demselben Schutz vor dem Regen zu gewähren, unter seinen Rock genommen, welches ebenfalls mit erschlagen wurde.
— Der originelle und witzige Posthalter Röth Kunzi in Ednak bet St. Gallen war ein tüchtiger Schütze, aber kein Redner und sollte doch einst an einem Schützenfeste eine Fahne übergeben, was er mit folgender Anrede that: „Eidgenossen! Waffenbrüder! Mir tft die Ehre zugefallen, dem feststehenden Verein anmit die Fahne ber Schützengesellschast Wartgu zu übergeben. Und . . . (Pause, allgemeine Erwartung auf des kräftigen Anfangs nicht minder kräftige Fortsetzung) ... und ... Do händ Ihr sie!" Endloser Jubel belohnte den Redner.
— Im „Salzburger Kirchenblatt" vom 16. März steht wörtlich folgende interessante Notiz: „In Paris starb vor Kurzem ein Communard. Derselbe bekehrte sich aus seinem Todtenbette unb legte bann bas Bekenntniß ab, daß er von einer geheimen Gesellschaft nach Süd-Afrika abgefenbet und mit vielen Geldmitteln versehen worden sei, um den Tod des Prinzen Napoleon herbeizusühren. Ueberdies feien ihm 50,000 Francs versprochen worden, sobald die That geschehen sei. Er habe seine Sendung erfüllt, indem er sich unter die Zulukaffern mischte unb sie mit Gelb bestach; so gelang es, Napoleon zu tobten- Zniückgekehrt habe er die 50,000 Frcs. wirklich erhalten unb bann verpraßt. Sv bekannte er sterbend unb reuig."
— „Tausenb Küsse hast Du mir — dutzendweis gegebtn", klingt das alte Studentenli b; „Tausenb Küsse!" schreibt der harmlose Backfisch, bem ber Liebesgott noch kein Privat sstmurn über das Kapitel „de basiis“ gegeben, am Schluffe ihres Brieses an die Busenfreundin; „tausend Küsse!" ... der Verliebte spricht es |o hin ohne jeden statistischen Hintergedanken unb küßt und küßt — er zweimal als
einmal"- — wer aber hat es je unternommen, tausend wohlgezaytte Küsse mit aller Gewissenhaftigkeit eines Oberrechuungsraths der Geliebten zu geben. Ern Gedicht Harnerling's in „Sinnen und Minnen" schilde>t uns den tragischen Ausgang eines solchen Versuchs; was des Dichters Phantasie geschaut mit Grauen, in Kelkheim ist es, wenn wir dem „Taunusboten" trauen dürfen, nunmehr zur grausen Wirklichkeit geworden. Wir lesen darin folgende Korrespondenz aus dem bezeichneten Ort: „Vor Kurzem wurde hier eine sonderbare Wette arrang rt, die beinahe einen üblen Ausgang aeuomm n hätte. In einer kleineren Gesellschaft von Herren und Damen kam nämlich u. A. auch die Rebe auf das Küssen. Ein Herr warf dabei die Frage auf, wieviel Küsse man wohl in einem gern ffen Zeitraum zu geben im Stande fei. Nachdem darüber verschiedene Ansichten laut geworden, machte sich em feuriger junger Mann anheischig mit feiner Verlobten innerhalb zehn Stunden ohne Unterbrechung zehntausend Küsse zu wechseln und proponirte dieserhalb eine Wette um zweihundert Mark. Als Bedingung stellte er, nach jeder halben Stunde eine kleine Erfrischung nehmen zu dü fen. Die Wüte wurde angenommen unb alsbald begann die süße, anscheinend
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