leiben angenommen. — Zu Gap. 66, „Wittwen- und Waisen-Versorgungsanstall", werden die gefotberten 170,482 X bemiüigt, weiter wird dem Ansinnen der Regierung entsprechend die Zustimmung dazu ertheilt, daß für die drei Jahre der nächsten Finanzperiode die Pensionen der Wittwen und Waisen der Volksschullehrer aus den Mitteln der Volksfchullehrer-Wittwenkasfe aus den Betrag non 400 X jährlich erhöht weiden. Ein Antrag der Abgg. Schröder und Haas hatte 450 X vorgesehen, doch erklärt sich Geh. Staatsrath Knorr vorerst gegen diese Erhöhung, bis wieder ein normaler Zustand bezüglich des Zuflusses von Ueberschüssen aus erledigten Schulstellen in den Provinzial-Schulfonds eingetreten sein werde. Die übrigen Posten des Budgets des Ministeriums des Innern werden sämmilich ohne erhebliche Debatte durch Annahme der Ausschußanträge bewilligt und nur in dem Capitel „Ceutralbauw-sen im Ressort der inneren Verwaltung" finden bei den Neubautei' und größeren Herstellungen gegen den Widerspruch der Regierung Abstriche im Gesammibetrage non 5230 X statt.
Die Kammer tritt fobann in die Berothung des Budgets des Ministeriums der Finanzen ein. Zu Kap. 86, „Ministerium selbst", beantragt der Ausschuß in Consequenz seiner früheren Anträge bei den Vortragenden Röthen, an den persönlichen Ausgaben 3300 X zu streichen Weiter beantragt er, dem von der Regierung beantragten Vorbehalt bezüglich der Bewilligung von Gehalten an die Vortragenden Räthe in den Abtheilungeu der Ministerien in der Weise stattzugebeu, daß die Regierung ermächtigt ist, jedoch nur wenn und soweit es zur Gewinnung oder Erhaltung einer vorzugsweise geeigneten Kraft für die Stelle eines Vortragenden Raths in den Abtheilungen für SchulaNgelegenheiien, für öffentliche Gesundheitspflege und für Bauwesen giothwendtg ist, einen höheren, als den nach der Anciennetät sich ergebenden Gehalt bis zum Maximalbetrag von 6500 X mit der Einschränkung zu bewilligen, daß im Ganzen zu diesen Erhöhungen der Gehalte nicht mehr als 3000 X verwendet werden dürfen. Diese Anträge des Ausschusses werden ohne Debatte angenommen. — Die Anforderungen für die Haupt st aatskasse und für „streitig e Recht sv et« hältnisfe und Proceßsührung" werden verwilligt. Zu Kap. 89, „Rentämter (Obereinnebmcreien)", wird die Anforderung der Regierung mit der Beschränkung verwilligt, daß bei porkomuienden Vaeanzen in dieser Budgetperiode vor Verständigung mit den Ständen eine Stelle non den zehn hier eingestellten Rentbeauuen- stellen in Starkenburg und Qberhessen (etwa Lindenfels), nicht wieder besetzt, sowie daß, sobald den Hauptsteuerämtern die Collateralsteuererhebung übertragen fein wird und sich durch Vacanz einer andern Obereinnehmerei, refp. eines andern Rentamts die Gelegenheit zur anderweiten Verwendung des bermaligen Obereinnehmers zu Worms ergibt, die Obereinnehmerei Worms eingezogen werde. — Fortsetzung der Bubgetberathuvg morgen. — Unfern neulichen Bericht über die Verhandlungen der zweiten Kammer bezüglich der Vorschulen an den Gymnasien ergänzend, bemerken wir, daß der Abg. Han stein für die abgelehnte Eingabe der feminariftifdj gebildeten Lehrer an den höheren Lehranstalten in Darmstadt. Mainz, Gießen, Offenbach und Worms um Erhöhung ihres Maximalgehaltes einlrat.
München, 1. März. . Das königliche Handschreiben vom 23. Februar hat seine Wirkung bei unseren Ultramontanen nicht verfehlt. In der Thal kann bei nüchtern urtheilenden Leuten die Enttäuschung nicht wohl größer sein, als sie jetzt ist.
Das hiesige Cluborgan freilich ist der Meinung, daß durch jene Kundgebung des königlichen Landesherrn nichts geändert worden sei. Entweder das Handschreiben existirc oder nicht"; treten die Minister mit demselben hervor, dann würde dadurch die Kammermehrheit zur Mandats-Niederlegung gezwungen und das könne der Regierung unmöglich erwünscht sein. Eine Drohung, die wahrhaft kindlich genannt werden muß. Zunächst ist der Zweifel an dem Dasein des Handschreibens so unpasseüd, daß ihn nur die äußerste Betroffenheit und Verlegenheit entschuldigen kann. Bitt landesherrlichen Kundgebungen wird doch in ernsthaften Organen nicht in Sensation gearbeitet und die Dementis würden auch nicht auf sich warten lassen. Was aber die eventuell angedrohte Mandais- Niederlegung betrifft, so hört hier eigentlich die ernsthafte Diskussion auf. Was am 29 Stptember 1881 nach einem glänzenden ultramontanen Wahlsiege an den constitutionellen Bedenken wie den persönlichen Befürchtungen und Interessen von 26 Mitgliedern der Rechten scheiterte, sollte jetzt nach fünf Monate langen, erfolglosen Bemühungen, Schlappen, Zerklüftungen, Häkeleien jeder Art denkbar sein? Mit dieser Drohung wird man Niemanden schrecken könneik. Abgesehen aber von den Gewählten, ist man denn der Wähler so sicher? Nach einer so beispiellos nutzlosen Vertrödelung der Zeit, bei welcher jede auch nur vorläufig vom Etat abgestrichene Mark dem Lande mindestens einen Thaler rostet, könnte sich in der Stimmung auf dem Lande doch Einiges geändert haben und die Maschinerie trotz ihrer Erprobtheit einmal versagen. Herr Dr. ®aller tritt hier offenbar als Prediger in der Wüste auf. Die politischer angelegten Naturen seiner Partei müsse die königliche Kundgebung logischerweise als eine Erlösung aus einer unmöglichen Situation begrüßen und daß die ersten Ankündigungen und Vorbereitungen dieser Kundgebung in jenen Kreisen sofort die bezeichnete Wirkung hatten, dafür geben wenigstens hinsichtlich eines einflußreichen Mannes gewisse Zeitungsäußerungen genügende Anhaltspunkte.
Wie aus Berlin gemeldet wird, soll das Centrum die Nachricht von der königlichen Kundgebung mit äußerster Bestürzung ausgenommen haben. Das glauben wir gerne; ein hiesiger Umschwung hätte den Herren auch in Berlin recht wohl getaugt und die betr. Krisengerüchte waren ja auch daher gekommen.
Rußland.
Petersburg. Alle Welt spricht noch von der letzten Rede des Generals Skobeleff in Paris. Daß dieser russische General mächtige Freunde am Petersburger Hofe besitzt und Deutschland in leitenden russischen Kreisen keine sehr großen Sympathien erwarten darf, möge nachstehender Artikel beweisen, welchen die „Neue Zeit" (Nowoje Wremja), das officiöse Organ des Ministers des Innern (Jgnatieffh bringt:
„Die Raisonnements über den General Skobeleff hören M der deutschen Presse bis jetzt nicht auf. Man spricht von dem General Skobeleff nnd nicht von seiner Rede...... Am meisten darüber, was er sich denkt
Unsere Gesellschaft ist in Der Mehrzahl unstreitig friedlich gestimmt. Diese friedliche Stimmung ist jedoch keineswegs Indifferenz und auch nicht Apathie
Wenn die Gebote des Schicksals die Völker gegen einander führen und das Schwert aus der Scheide ziehen lassen, so verstummt der Wettkampf in der Cultur. Die Barbaren, welche in Europa eindrangen, haben bewiesen, daß die Civilisation ein Ding ist für sich, und daß die Kraft auch ein Ding für sich ist. Europa gegenüber sind wir in gewisser Beziehung Barbaren, und wenn in Europa von Zeit zu Zeit Stimnien über eine von Osten her kommende Volkswelle, über eine fürchterliche und verderbenbringende Welle laut werden, so wissen dieselben recht gut, was sie reden.
Ein hundert Millionen Menschen zählendes Volk, das zum großen Theil in Dörfern, die bedeutend an Nomadenlager erinnern, sowie in Städten ange- stedelt ist, von denen viele nicht ein ordentliches Dorf im Westen werth sind, ein solches Volk ist keineswegs eine Größe, welche ein gebildeter Alaun im Westen zu ignoriren hat Wenn jemals das Schicksal es fügen, wenn die Nothwendigkeit, sich zu vertheidigen, kommen sollte, so würde das russische Volk den Beweis liefern, daß es zivar möglich ist, russische Armeen zu schlagen,
daß aber Rußland zu besiegen, so wie Frankreich von Deutschland besiegt worden ist, ein Ding der Unmöglichkeit ist, fowohl gegenivärtig, als in der Zukunft. Jeder Russe kann daher einem fremden Ueberfall gegenüber ganz ruhig sein und unter seinem Feigenbaum oder vielmehr unter seinen Birken und Linden sitzen, ohne sich vor Oesterreich oder vor Deutschland oder vor Jemand anderem zu fürchten. Oesterreich sowohl als Deutschland haben ihrerseits viel mehr Gründe, einen Ueberfall der „Barbaren" zu befürchten, als wir den Ueberfall civilisirter Menschen, da Barbaren viel weniger Grund haben, einen Werth auf ihr Hab und Gut, auf ihre Niederlassungen und selbst auf ihr Leben zu legen. — Jndeß besitzen diese Barbaren eine Armee, welche sich nickt zu schämen braucht und sich einer beliebigen europäischen Armee gegenüberstellen kann.
Das ist es, ivas in der Rede Skobelesf's im Wesentlichen ausgesprochen ist, und eben aus diesem Grunde hat dieselbe in Rußland so gefallen und im Auslande so mißfallen "
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telcgr. Correspondenz-Bu«eau.
Windsor, 2. März, Abends. Als die Königin heute, von London kommend, auf dem Bahnhofe von Windsor in den Wagen stieg, um sich nach dem Schlosse zu begeben, feuerte ein Individuum einen Pistolenschuß auf die Königin ab. Weder die Königin, noch sonst Jemand ist verletzt. Der Attentäter, welcher sehr ärmlich gekleidet war, wurde sofort von der Polizei verhaftet. Er nennt sich Roderick Meclean.
— Der Mensch, welcher auf die Königin schoß, befand sich unter der großen Menge, welche zur Begrüßung der Königin auf dem Bahnhofe war. Er schoß direct auf den Wagen, in welchen die Königin stieg. Der Knall des Schusses war nur ein schwacher.
Berlin, 2. März. Nach den dem Volkswirthschaftsrath zugegangenen Grundzügen für die Regelung der Arbciterunfallversicherung ist an dem Genossen- fchafts-Princip festgehalten unter Beihilfe des Reichs, fo lange bis die Erfahrung lehrt, daß die Industrie die Last allein tragen kann. Für Arbeiter, die nicht über 2000 (1500 ?) X Jahresverdienst haben, besteht Versicherungszwang. Die Höhe der Entschädigung wird nach der vom Reichstag angenommenen Bestimmung mit der Maßgabe bemessen, daß dieselbe für die ersten 13 Wochen nicht aus der Unfallskasse, sönderu aus der Krankenkasse zu bestreiten sein soll, wozu die Arbeitgeber 33 Vs pCt. beitragen. Bei Berechnung der Entschädigung soll nur Derjenige Theil des Arbeitsverdienstes in Betracht kommen, der 4 X täglich nicht übersteigt. Die Grundzüge fassen auch Gefahrklassen in’ä Auge, in welche Betriebe mit gleicher Gefahr einzutheilen sind.
— In den Motiven des Tabaksmonopols sind die Einnahinen auf 347,770,442 X, die Ausgaben auf 172,324,775 X, der Reinertrag auf 175,445,667 X veranschlagt. Der letztere ermäßigt sich durch den für die 4>/.Mocentige Verzinsung und Ainortisirung der Enschädigungssumme von 334,300,000 X. erforderlichen Betrag von 9,957,750 X auf 165,487,917 X
Dresden. 2. März. Der König ist heute Vormittag nach Mentone abgereift. Auf dem Bahnhofe waren die hohen Würdenträger des Staates zur Verabfchieduug anwesend.
Karlsruhe, 2. März. In der zweiten Kammer wurde von dem Abg. Schneider (Mannheim) der von 27 Mitgliedern aller Parteien unterstützte Antrag eingebracht, die Kammer wolle die Erwartung aussprechen, daß Die Regierung die Vertreter Babens im Bundesrathe inftruire, gegen die Einführung des Tabaksmonopols zu stimmen.
Straßburg, 2. März. Die „Elsaß-Lothr. Ztg." schreibt: Der Gesetzentwurf über das Reichs-Tabaksmonopol ist, wie mir hören, den Handelskammern in Straßburg, Kolmar, Metz und Mülhausen, sowie den landwirthschast- lichen Bezirksvereinen von Ober» und Unter-Elsaß Seitens der Regierung zur Begutachtung mitgekheilt worden. Da Elsaß-Lokhringen das einzige deutsche Land ist, welches praktische Erfahrungen über das Tabaksmonopol'besitzt, darf man annehmen, daß die Gutachten, welche von den berufenen Vertretern der Landwirthfchast, sowie des Handels und Verkehrs im Reichslande nunmehr abzugeben sind, durch besondere Sachkenntniß und richtige Beurtheilung sich aus- zeichnen werden.
Warschau, 2. März. General Skobeleff ist gestern hier eingetroffen.
•Petersburg, 2. März. Der „Regierungsanzeiger" tritt der in der auswärtigen Presse verbreiteten Ansicht, daß die „Neue Zeit" als osfieiöses Organ des Ministers des Innern zu gelten habe, entgegen und bezeichnet dieses Gerücht als völlig unbegründet. Das Blatt hebt hervor, daß der Minister des Innern keines officiösen Organs bedürfe und daß fein Verhaltniß zu der „Neuen Zeit" genau dasselbe sei, wie zu den anderen Zeitungen der Residenz.
Konstantinopel, 2. März. Dem gestrigen Galadiner beim Sultan ging eine Besichtigung der kaiserlichen Gärten und ein Truppenmanöver voraus. Noch vor dem Diner drückte der Chef der außerordentlichen preußischen Mission, Fürst Radziwill, dem Sultan im Namen Des Kaisers den Dank für Die außerordentlich ehrenvolle Aufnahme aus, die die Mission gefunden habe. Der Sultan gab, hoch erfreut, seinen freundschaftlichen Gefühlen für den Kaiser und bet Freude über bie guten Beziehungen zu Deutschland Ausdruck und gedachte in ehrender Weise der großen Verdienste der in türkischen Diensten stehenden deutschen Beamten. Auch beim Diner wurden die Mitglieder der außerordentlichen Mission vom Sultan durch besondere Huld ausgezeichnet. — Gestern Abend fand zu Ehren der Mitglieder der Mission ein Rout in der russischen Botschaft jtatt. — Der Chef der Mission, Fürst Radziwill, begiebt sich Sonnabend nach Brussa und erst Ende nächster Woche nach Varna.
Lokales.
Gießen, 3. März In Wenzels Saalbau versammelte sich gestern Abenb der „Deutsche Schulverein", um Bericht über den bermaligen Stand der deutschen Sache IN O-sterreich-Ungarn uno zwei Vorträge der Herren Pros. Dr. Oncken und Pros. Dr. o. Liszt entgegenzunchmen, sowie eine Resolution über den Protest des Berliner Centralverclns gegen die Declarationen des Ministers Tisza im ungarischen Abgeordnetenhause, zu beschließen Wir werden des Näheren über die Versammlung in nächiier Nummer berichten.
n„ Gießen, 3. März. Wie uns mitgetheilt wird, wurde auf der Sonntag den 26. Februar a. c. in Frankfurt a. M. abgehaltenen Delegirten - Versammlung des Hess. Regatta - Vereins Gießen als Festort einstimmig gewählt und Sonntag der 25 Juni a. c. zur Abhaltung der II. großen Hess. Vereins-Regatta bestimmt. Die hiesige Rudergesellschaft hat das Arrangement und die Leitung des Festes übernommen und sind die näihigen Vorbereitungen bereits getroffen worden; trotzdem die Em- ladungen und Programme erst in den nächsten Tagen abgehen, haben jetzt schon verschiedene auswärtige Vereine ihre Be,Heiligung zugesagt, bezw. sich zur Regatta angemeldet ”


