1882
Samstag den 4. März
Nr 51.
»ichencr Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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Darmstadt, 1. März. Se. Königl. Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Obersten v. Treskow, den Oberstlieutenant o. Klüber, den Oberstlieutenant v. Dresky, den Oberstlieutenant v. Prittwitz, den Grasen Oriola von Büdesheim, den Frhrn. v. Rabenau von Friedelhausen; zum Vortrag den Staatsminister Frhrn. v. Starck und den Ministerialprüsidenten Schleiermacher.
— Aus die Interpellation des Herrn Landtags-Abgeordneten Sturmsels, den Ausbau der Staatsstraße von Grünberg nach Hungen am Ausgang von Grünberg bett., wurde in der gestrigen Sitzung der zweiten Kammer der Stände von dem Großherzoglichen Ministerium der Finanzen folgende Antwort ertheilt:
Dem in das Staatsbudget pro 1879,82 eingestellten Betrag von 26,000 JL für den Umbau der Straße Grünberg-Hungen am Ausgang von Grünberg lag das ältere zur Ausführung genehmigte, aber im Jahre 1866 inhibirte Projeet zu Grunde.
Nachdem wiederholt die Mittel zur Verfügung gestellt worden waren, um den fraglichen Straßen-Umbau vorzunehmen, wurde Seitens der Stadt Grünberg dringend gewünscht, eine andere Zugsrichtung für die neu herzustellende Straßenstrecke zu wählen, so zwar, daß die Neustadt hiermit in nähere Verbindung gebracht werden könne. Es wurden hiernach mehrere Projecte ausgearbeitet, geprüft und wegen Ausführung derselben mit dem Stadtvorstand von Grünberg verhandelt. .In Folge hiervon ist die Ausführung der neuen Straßenstrecke verzögert worden. Nachdem aber vor Kurzem eine weitere Local- besichtigung stattgefunden hatte, wurde unterm 14. v. Mts. definitive Entscheidung über die Zugsrichtung der zu verlegenden Straße getroffen, hiervon die Großh. Bürgermeisterei Grünberg, das Großh. Kreisamt Gießen und Vas Großh. Kreisbauamt Grünberg in Kenntniß gesetzt und die Ausführung angeordnet.
m. Darmstadt, 2. März. fZweiie Kammer der Stände. 13. Sitzung.! Zu Beginn der heutigen Sitzung verkündigt Präsident Kugler eine Vorlage der Regierung in Betreff der Einstellung von 25,500 M. in das außerordentliche Budget als Kosten der zum Schutze gegen die Erdrutschungen in der Gemarkung Dienheim erforderlichen Arbeiten. — In Fortsetzung der Budgetberathung erklärt Theobald Namens des Finanzausschusses, baß derselbe nach den gestern stattgehablen Erörterungen seinen auf Abstrich von 6100 31. für 200 Kälber gerichteten Antrag bei dem Kapitel „Impfwesen" zurückziehe. Er fragt an ob dann auch Kälberlymphe an Privatärzte abgegeben werden könne und ob die Gewißheit vorliege, daß eine Uebertragung der Tuberculose bei Anwendung oon Kälberlymphe ausgeschlossen sei. Die erste Frage beantwortet Ministerialrath Weber dahin, daß, soweit möglich, eine Abgabe von Kälberlymphe an Privatärzte stattfinden werde, während auf die zweite Frage Ober- Medicinalrath Reißner erwidert, die Frage der Uebertragung der Tuberculose bet der Impfung sei so außerordentlich zweifelhaft, daß eine positive Angabe darüber nicht zu machen sei. — Na» einigen Bemerkungen der Abgeordneten Metz, Wolz, Freiherr von Nordeck zur Rabenau, Dittmar, Mass er bürg und Wolfs kehl, welche sämmtlich die Abgabe von Kälberlymphe an Privatärzte desürworten, wird die Anforderung von 20,600 m. mit einem Amendement des Abg. v. Rabenau genehmigt, welches eine Ueberschreitung des gewährten Credits zum Zwecke der Abgabe von Lymphe an Privatärzte von vornherein billigt. — Zu Cap. 51, „Entbindungsanstalt zu Gießen", und 52, „Entbindungsanstalt zu Mainz", werden die Anforderungen von 16,931, resp. 9287 M. ohne Debatte bewilligt, letztere Summe jedoch abzüglich von
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300 JL Zulage für den Direclor der Anstalt. Ferner beschließt die Kammer das Ersuchen an die Regierung, die Verköstigung in der Entbindungsanstalt zu Mainz, sofern dies ohne Mehrbelastung des Budgets geschehen kann, m Regie zu übernehmen, — Sür das „Lendeshospital" werden die geforderten 60,900 31, für die „Landes-Jrren- anstalt" die geforderten 128,100 M. debattenlos b-w lligt. Abg. B etz empftehlt bei letzterem Posten der wohlwollenden Erwägung der Regierung die Errichtung einer Irrenanstalt in Rheinhessen. Ministerialrath Weber bemerkt, es werden bei der notorischen Ueberfüllung der Landes-Irrenanstalt noch in dieser Finanzperiode entsprechende Vorlagen an die Stände gelangen. -- Der Vertrag bezüglich der Uebernahme der A n st a l t s ü r Blödsinnige i n D a r m st a d t in Staatsbetrieb wird genehmigt und der geforderte Staatszuschuß von 6700 3t. bewilligt. - Als Entschädigung sür getödtetes Vieh in Seuchensällen wird die eingestellte Summe von 25,000 nach kurzer Debatte bewilligt. - Bei Cap. 57, „Für die Landwnthfchast und die Forderung der Bodenmelioration", wünscht Abg. Frhr. v. Nordeck zur Rabenau, daß der Geueralsecretär der landwirthichaftlichen Vereine bei den Pramnrungen nicht, rote es aus den Erläuterungen zum Budget hervorgehe, gegtnuber den übrigen Commisstons- mitgliedern ein Vorrecht habe, worauf Ministerialraih Jaup erwidert, daß die erwähnte „entscheidende" Mitwirkung des Generalsecretars sich lediglich aus die Abgabe seiner mit den andern gleichwerthigen stimmen beziehe. Für die Central,lell^ für die Londwirthschast werden hierauf 16,706 3t bewilligt, ebenso für landwirthschaftliehen Unterricht unter der Voraussetzung, daß die Landwirthschastslehier m der Regel erst nach dreijähriger provisorischer Verwendung und nur aus Vorschlag der betreffenden landw. Provinzialvereine definitiv angeftellt werden und daß durch eine solche Anstellung nichts an dem seitherigen Verhältniß der Landwirthschaftslehrer zu den .Organen der Provinzialvereine geändert wird. An Beiträgen zur Bestreitung der Ausgaben der Provinzialvereine werden 12,000 3t, zur Hebung der Pferdezucht lovO zur Förderung des Obstbaues 3000.x und zur Finde,ung der Bodenmelioration unter Absetzung von 3300 3t an dm Gehalten der Culiuringenicure und von 1000 X an den Diäten und Reisekosten der Cultur-Jngenieure und unter Zusetzung von l000 31 iur Aushülfe bei den persönlichen Ausgaben bewilligt. Abg. Haas inierpellirt die Regierung, ob sie die Absicht habe, über die seit 1860 ausgesührten Meliorationen und die habet zur Verwendung gekommenen Kapitalien eine statistische Erhebung zu veranlassen, woraus Ministerialrath Jaup erwidert, die Regierung werde die gegebene An- refluna weiter verfolgen. — Abg. Freiherr v. Nordeck zur R abenau fragt, 0 (Semeinben verpflichtet seien, sich für die Kosten von Meliorationen zu verbürgen.welche Frage M nisterialrath Jaup verneint. - Sei dieser Gelegenheit wird die IN einer besonderen Vorlage der Regierung enthaltene Aniorderung der Regierung von 10,000 3t für Ausstellung umfangreicher Prozeete zur Melioration von Grund und Boden be willigt. — Abg Haas bittet die Regierung, m erster Lime die Frage der Entwmserung des Riedes in^Betracht zu ziehen. - Die für das Landg- ü ü -
wird unter Absetzung von 700 3t an dem Gehalt des Landstallineisters m t bewilligt. — Abg Möhn befürwortet die Errichtung einer Beschalstation im> Kr f Mainz oder in dessen nächster Nähe, welcher Frage bie CentralstcUc
- Ohne Debatte werden die Forderungen für die H°vdelskanmern , d,Centralstll- für die Gewerbe und den Landesgewerbeverein, die L°vd^baugewe>kschnle z D Tn, stadt und erweiterte Handweikerschule des Großherzogthum .. beinhart wichtskosten bewilligt. - Bei dem Capitel .Fabrikinspeetor geben dteAbgg R- Nh arr und Schröder dem Wunsche Ausdruck, daß die Iah sbertchte des^adrikinfpectors den Kammern in extenso zugängli» gemacht werden . ,, . Zusammenstellung verkürzten Form, wie sie die am Reichsamt des Inn rn verart a tete Zu ammenmuung des Hauptinhalts der Jahresberichte sämmtlicherFobr kin p etoren etet Staats Minister Frhr. v. Starck, Exe, erklärt tue Bere Willigkeit^ d^N-m°rung den^g^ äußerten Wünschen gerecht zu werden , B Strick? von 3500 3t für
NEs des Finanzausschusses d A beanstandet der Ausschuß die geologische Zwecke zurück. Bei der oberen i 0 v |m Betrage von 300, r-fp.
- Ta? rn^a ersucht haben, den einen der beiden Bergmeister bald- auch die Negternng rfu»^ Stellen damit zu beseitigen. Nach
tbunlichst andeiweit zu verrv tIid) Meyger unter Hinweis aus die gegen- !L7,7 N»» » ‘w ”»■« *“■
Betreffend: Den im März 1882 vorzunehmenden Wiesengang. ®ie§en, den 1. März 1882.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Nach Artikel 7 der Wiesenpolizei. Ordnung ist im Monat März der Wiesengang von den Wtesenvorständen unter Zuziehung der Feldschußen und Wiesenwärttr ^au"ftragen"'Sie deßhalb, dieselben hierzu baldigst auszufordern und die über den Wiesengang aufzunehmenden Protokolle bis längstens zum €nbe ff. d7esen Protokollen haben die Wiesenvorstände, was Sie denselben noch besonders eröffnen wollen, hauptsächlich folgende Punkte aufzunehmen::
n ob die Anordnuua-n welche Sie bei dem im October v I. vorgenommenen Wiesengang getroffen haben, befolgt worden find und welche nicht,
2) welche Anordnungen'von diu Wtesenvorständen zur Beseitigung der bei dem diesmaligen Wiesengang vorgesundenen ff^-l von Ihnen getroffen worden sind oder vorgeschlagen werden; hierbei wird den Wieseuvorständen besonders empfohlen, ihr Augenmerk namentlich auch auf die Reinigung der Wiesen von Gestrüpp, Gesträuch, Moos rc.; auf die Entfernung der Herbstzeitlosen, des Erdauswurfs au8 ben Be- und Entwafserungs- gräben auf die Verebenung der Maulwurfshügel und dergleichen und auf die Unterhaltung der Be- und Entwäfferungsgräben zu richten und
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Su Tl« lnf»f«n fein be|oad-i-r Anstand variikgt. |<b,m bcr betttffandan Wies-abchb« ipttiast croffn.n
wollen, wAche Mängel der Wiesenvorstand vorgefunden hat und daß diese Mängel binnen der vom o0a™ ®’ie
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deS Wiesenvorstandes vernehmen und uns die Anträge des Gemeinderathes in besonderer Verhandlung vorlegen.
Dr. Boekmann. _________ ___
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