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Nr. 178

Donnerstag den 3. August

1882.

vne steuer ilit meiner

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Amtlicher Höeit.

Gießen, am 1. August 1882.

Betreffend: Die Veröffentlichung eines Werkes über die Kunstdenkmäler im Großherzogthum Hessen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir erinnern Sie an die Einsendung derFragebogen", soweit Sie damit im Rückstände sind.

I. V.: Or. Hoffmann, Regierungsr ath.

Bekanntmachung.

Wegen eines schweren Krankheitsfalls ist der Verkehr mit Wagen durch die Mäusburg bis auf Weiteres gesperrt. Gießen, am 2. August 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Deutschland.

Berlin, 31. Juli. DieNordd. Allg. Zig." schreibt:$)ieAugsburger Allg. Ztg." vom 21. Jult enthält einen Artikel aus München, tn welchem darzulegen versucht wird, daß die Einführung einer gemeinsamen Post-Freimarke für den Wechsel­verkehr zwischen Bayern und Württemberg einerseits und den übrigen Theilen des R'iches andererseits in die Reservatrechte der genannten süddeutschen Staaten cmgreifcn würde. Boyern und Württemberg, so wird ausgesührt, hätten nach der Verfassung an den zur Reichvkasse fließenden Einnahmen des Poftwdsens keinen Theil, dafür seien sie selbstverständlich berechtigt, die Transportgebühren für die bei ihnen aufgegebenen Sendungen einschließlich derjenigen nach dem Reichspoftgebiet für sich zu vereinnahmen, und dieses Recht werde durch die besonderen Werthzeichen zum gesicherten Vollzug ge­bracht. Diese gesummten Ausführungen treffen ober den eigentlichen Kern der Sache gar nicht. Es müssen bei der angeregten Frage die rechtliche und die finanzielle Sette streng geschieden werden. In rcchtl-cher Beziehung erkennt der Artikel derAugs­burger Zeitung" selbst die Einfachheit derjenigen staatsrechtlichen Schlußfolgerungen an, welche auf Grund der Reichsoerfassung und des Posttaxgefitzes zur Hervorhebung der Thatsache geführt haben: daß die Reichspostverwaltung an der Hand der schon jetzt bestehenden Gesetze zweifellos ermächtigt sei, eine gemeinsame Freimarke für den bezeichneten Verkehr auszugeben. Es findet sich in der Mittheilung aus München allerdings der Nachsatz: Man habe die materielle Begründurg jener Schlußfolgerungen zu bezweifeln, allein Gründe, auf welche die Zweifel sich stützen, sind nicht angeführt. Eine bezügliche Widerlegung dürste auch schwer werden, denn der § 9 des Posttax­gesetzes bestimmt mit klaren Worten, daß diePostanstalten" (also auch in Bayern und Württemberg) nach näherer Anordnung der Reichspostverwaltung Freimarken bereit zu halten haben. Diese Vorschrift bezieht sich wie das ganze Gesetz auch auf den Wechselverkehr, indem nach § 13 a. a. O. nur dec innere Verkehr von Bayern und Württemberg ausgenommen ist. Was die finanzielle, in dem Aufsatz derAllgemeinrn Zeitung eigentlich allein behandelte Seite der Frage betrifft, so liegt es auf der Hand, daß. falls die Reichspostverwaltung von dem ihr zustehenden Rechte zur Ausgabe gemeinsamer Postwerthzeichen für den Wechselverkehr Gebrauch machen sollte, M-.ttel und Wege zu suchen sein würden, um das Interesse von Bayern und Württemberg in gehöriger Weise zu sichern. Vorläufig handelt es sich aber um derartige Fragen noch gar nicht; es kommt vielmehr einzig und allein auf die Erörterung der Rechtsfrage an und wenn diese allein in's Auge gefaßt werden will, so ist die Entscheidung an der Hand der bestehenden Gesetzgebung ganz zweifellos in dem Sinne abzugeben, daß die Einführung einer gemeinsamen Freimarke für den deutschen Wechselverkehr ohne Weiteres erfolgen kann."

Berlin, 31. Juli. Hinsichtlich der bereits gemeldeten Erfindung, Spi­ritus aus electrischem Wege zu entfuseln, ist es erfreulich, heute zu unserer Be- sriedigung hinzufügen zu können, daß es sich diesbezüglich um eine in Frankreich erzielte, allerdings sehr erhebliche Verbefferung einer ursprünglich von einem Berliner Techniker gemachten Erfindung handelt, der die vorjährige electrische Ausstellung in Pans mit seinem ursprünglichen Apparat beschickt hatte. Einem franzöfischen Techniker ist, wie verlautet, ferner gelungen, ein Mittel gegen die Verheerungen der Reblaus zu entdecken. Nach unseren Informationen soll es das Phenol fein, durch welches dem schädlichen Wirken der Reblaus Einhalt geboten werden kann.

Die Leipziger Filiale der kaiserlichen Tabakmanufaktur in Straßbiirg wird demnächst aufgelöst werden.

Schweiz.

Bern, 31. Juli. In her Volksabstimmung wurde das Epidemiegesetz mit dem Impfzwang mit 200,000 gegen 50,000 Stimmen verworfen. Das Patentschutzgesetz wurde ebenfalls abgelehnt.

Arankreich.

Paris, 31. Juli. Wie der.Agence Havas" aus JsmaMa gemeldet wird seien die englischen Berichte über die Haltung Lesseps unrichtig. Lessers sei lediglich m dem Zwecke mit Arab, tn Beziehung getreten, um für 120 griechische Auswanderer und einen Transvort von Kairo nach Jsmatlia, bestehend aus 35 Kranken, 11 barmherzigen Schwestern, 1 Arzt und 4 Krankenwärtern, Schutz zu erwirken und die Aufrecbterbaltuna der Ordnung in der Provinz Zngazig sicherzustellen. Lesseps glaube noch immer, daß die Neutralität des Suez-Canals von den Egyptern nicht verletzt werden würde wenn dieselbe nicht europäischerseits angetastet würde. Er habe gegen einen Akt der eng­lischen Marine protestirt, welcher im Widerspruch stehe mit den Reglements der Canal-Gesellschaft.

England.

London, 31. Juli. Wie verlautet, wünscht der Prinz von Wales an der egyp- tischen Expedition theilzunehmen, hat diesen Wunsch aber auf Veranlassung der Königin aufgegeben. Der DampferOrient" ist mit dem ersten Bataillon der schottischen Garde und mit dem Herzog von Connaught, dem General Willis und dem Stabe der ersten Division des egyptischen Expeditionskorps an Bord, gestern nach Alexandrien abgegangen.

DieTimes" glaubt, eine Combinirung von Arabi Paschas Truppen mit türkischen Truppen würde, wenn letztere in Egvvten landeten, zur Gewißheit werden, England könne dadurch gezwungen robben, entweder Egypten den erfolgreichen Ver­schwörern preiszugeben oder in Opposition oder Collision mit den türkischen Truppen zu gerathen. Eine Kooperation mit der Türkei fet nur möglich, wenn die Türkei nur ein mäßiges Truppenkontingent absende, das unter dem Befehl eines englischen Com- mandeurtz operire.

Das Unterhaus nahm mit 140 gegen 23 Stimmen den Antrag der Re­gierung an, daß die Kosten der indischen Expedition nach Egypten aus den indischen Einkünften bestritten werden sollen, nachdem die Regierung ihren ursprünglichen An­trag dahin abgeändert hatte, daß zukünftige Beschlüsse der Kammer darüber Vor­behalten bleiben.

Das Oberhaus erledigte die Einzelberathung der Pachtrückftandsbill.

Plymouth, 31. Juli. An Bord desGellert" brach am 28. Juli Feuer in der wasserdichten Abtheilung aus, wo Nähmaschinen und Tabak lagerten. Da die Brand- statt-' unzugänglich und eine Quantität Harz an Bord war. wurden Anstalten zur Herablassung der Rettungsboote getroffen und der Cours verändert. Durch Herstellung -we:r großer Löcher im Verdeck wurde die Brandfläche überschwemmt und das Feuer unterdrückt. Nachdem daraus der gewöhnliche Cours wieder eingeschlagen, wurde die Fahrt nach Plymouth fortgesetzt. Der Schaden beträgt über 10,000 Dollars. Die Entstehung des Feuers wird der Selbstentzündung des Tabaks zugeschriebeii. Nach anderweitiger, in Hamburg eingetroffener Meldung hat derGellert" gestern Nach­mittag Dover paffirt und ist heute Nachmittag in der Elbe zu erwarten.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Eorrespondenz-Brrrearr.

Würzberg, 1. August. Anläßlich der Jubelfeier der Universität fand heute Vormittag im weißen Saale des Nesidenzschlosfes die feierliche Begrüßung der sehr zahlreich erschienenen Deputationen der in- und ausländischen Hochschulen statt. Der Kultusminister von Lutz verlas ein Handschreiben des Königs, in welchem die Fest- theilnchmer begrüßt und gleichzeitig die verschiedenen Professoren verliehenen Ordens- becorationen mitgetheilt werben. Sodann brachten die Vertreter der Hochschulen, gelehrten Anstalten und Vereine unter Überreichung von Geschenken ihre Glückwünsche zu der Jubiläumsfeier bar.

Trieft, 1. August. Die hiesige Jnbuftrie- unb lanbwirthschaftliche Ausstellung ist heute durch den Erzherzog Karl Ludwig eröffnet worden. In seiner Antwort auf die vom Ausstellungspräsidenten Reinelt an ihn gehaltene Anrede sprach Erzherzog Karl Ludwig feine Freude aus, daß er sich von den glänzenden Fortschritten der hiesigen Industrie persönlich habe überzeugen können; es gewähre ihm, als Mitglied des Kaiser­hauses, doppelte Freude, daß die Ausstellung bei einem feierlichen Anlasse stattfinde, indem Trieft eben die 500jährige Feier seiner Vereinigung mit dem Vaterlande begehe. Erzherzog Karl Ludwig erklärte darauf die Ausstellung mit besten Wünschen für deren Erfolg unb unter lebhaften Hochs unb Evvivas ber zu ber Feier Versammelten für eröffnet. Auf bie Ansprache des Präsidenten des ungarischen Comtt^s, Herrich, erwiderte der Erzherzog mit ähnlichen herzlichen Worten.

London, 1. August. Meldung des Reuter'schen Bureaus aus Konstantinopel vom 31. Juli: Der russische Geschäftsträger Onon theilt den Mitgliedern der Konferenz mit, daß Rußland die egyptische Frage als eine zweifache betrachte und sich lediglich an der Diskussion über die Canalfrage betheiligen werde.

Toulon, 1. August. Drei Transportschiffe, worauf Truppen nach Egypten bereits eingeschifft sind, werden sofort desarmirt werden; die Truppen verbleiben vor­läufig hier.

Petersburg, 1. August. Der bisherige Chef ber Moskauer Polizei, General- Major Jankowski, wurde an Stelle des Grafen Protassow-Bachmletjew zum Gouver­neur von Astrachan und zum Hetmann der astrachanischen Kosaken ernannt.

Konstantinopel, 1. August. Wie es heißt, wurde dem englischen Botschafts- fecretär Sandison auf dessen Vorstellung wegen der Proklamirung Arab: s als Rebellen türkischerseits geantwortet, daß diese Angelegenheit bie Konferenz angehe; Sandison möge sich deßhalb an die türkischen Delegirten wenden. c _

- Eine kleine Truppen-Abtheilung geht demnächst unt^ Aklf Pascha auf Trans­portschiffen nach Egypten ab, um dem Khedive als Leibwache zu bienen. Dufferm hatte wiederholt Konferenzen mit Said Pascha. . . ~ .

- Der russische Geschäftsträger erhielt Instructionen betreffs der Konferenz. Obwohl über dieselben nichts verlautet, wollen politische Kreise doch den Austritt Ruß­lands aus der Konferenz und demnach das Ende derselben voraussehen.

L ondon, 1. August. DerDaily News" zufolge wäre Admmal Sey­mour angewiesen worden, die Uebergabe des Forts Aboukir zu fordern und im Weigerungsfälle daffelbe zu bombardiren.

Konstantinopel, 1. August. Em Circularfchreiben der Pforte soll demnächst an ihre Vertreter im Auslands gerichtet werden, worin sie auf die Hindernisse hinweist die England der türkischen Intervention entgegenstelle. Anlangend die augenblicklich unter den Mächten schwebenden Verhandlungen über einen durch die Conserenz herzustellenden gemeinsamen Schutz des Suez­kanals, so soll die Pforte bereits erklärt haben, sie fei mit jeder diesbezüglichen Maßregel vollkommen einverstanden, welche die Zustimmung der Conserenz ge­funden haben würde.