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1882.

Samstag den 3. Juni

126

Anzeiger

Amts- und Anzkigeblatt für den Kreis Gießen

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag».

Bureau r Schulstraße B. 18.

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Preis vierlekjährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlvhn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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rechtzeitig zur Stelle sind.

Gießen, am 2. Juni 1882.

Der Civilvorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission des Kreises Gießen. Dr. Hoffmann, Regierungsrath.

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IeutjchLand.

Aus dew GroHherzogthum Hessen, 1. 3uni. Das soeben ver­kündete Finanzgesetz für die Finanzperiode 1882 85 behält den bisherigen directen Steuerausschlag bei, jedoch mit dem Vorbehalt einer weiteren Verein­barung mit den Ständen sür die letzten Jahre der Periode, sofern aus Rücklicht der vorgelegten neuen Steuergesetze eine Aenderung oder Ergänzung der bestehen­den Gesetzgebung erfolgt oder der dem Großherzogthum aus den Zöllen der Tabak- und der Reichsstempelsteuer zufließende Betrag die sür den Matrieula r- Beitrag aufzuwendende Summe in einem der Etatsjahre um 400,000 J/L über­steigt. Bei denindirecten Auflagen" ist bemerkt, daß von den Weineinlagen der Weinhändler fernerhin eine Abgabe nicht mehr erhoben wird. Das Betriebs­kapital der Hauptstaatskasse soll auf 3,500,000 Jl. gebracht und zu diesem Be- hufe eine Anleihe bis zu höchstens dem Belauf des der Stadt Mainz gewährten Darlehns von 2,520,000 ju mittelst Ausgabe 4procentiger Schuldverschrei­bungen ausgenommen werden. Die Verzinsung erfolgt aus den von der Stadt Mamz zu entrichtenden Zinsbeträgen. Die dem Gesetz beigegebene Zusammen­stellung der städtischerseits gemachten BewMguugen ergiebt eine jährliche ordent­liche Ausgabe von 16,800,505 80 H, eine außerordentliche von 506,240

48 zusammen 17,306,746 28

Berlin. 31. Mai. Die Befestigung unserer Ostseehäfen bildet jetzt den Gegenstand der eifrigsten Thätigkeit. In Kiel ist die eigens zu diesem Zweck errichtete Festungs-Baueommission bereits am 1. April in Wirksamkeit getreten, und da die Befestigungen auf der Seeseite des Kieler Häsens vollständig vollendet sind und der schmale Eingang in die Kieler Bucht durch vier starke Forts be­herrscht wird, so beginnt man jetzt damit, durch große, weit vorwärts geschobene Forts auf der Landseite Kiel zu einer starken Landfestung zu machen. Die Einfahrt von Pillau, dem Hafen von Königsberg, soll jetzt durch zwei Panzer­forts gesperrt werden; ebenso wird bei Memel die Errichtung eines neuen Panzerforts beabsichtigt. An der Verstärkung von Danzig wird ebenfalls noch eifrig gearbeitet; es sollen auf dem rechten Weichseluser fünf und auf dem linken Ufer drei neue Forts allen Angriffen von der Seeseite begegnen. Swine- münde, der Seehafen von Stettin, ist ebenfalls in der letzten Zeit verstärkt wor- den, und Stralsund ist immer noch mit Werken versehen. Ganz schutzlos sind bis jetzt noch Warnemünde, der Außenhafen von Rostock, der große vorzügliche Hasen Wismar und Travemünde, der Außenhafen von Lübeck, doch sind auch hier die Plätze schon ausersehen, wo man erforderlichenfalls in wenigen Wochen Panzerthürme errichten will. Aus strategischen Gründen wünscht die preußische Regierung jetzt eine Eisenbahn aus der 44km langen Strecke von Rostock nach Stralsund zu erbauen. Ist dies erreicht, dann läuft ununterbrochen längs der ganzen deutschen Ostseeküste eine Eisenbahn, und die schweren Geschütze, welche an dem einen Tage bei Memel in Wirksamkeit sind, können nötigenfalls in einem der nächsten Tage vor Wismar donnern.

Berlin, 1. Juni. Die parlamentarischen Arbeiten nehmen heute, am Donnerstag, wieder ihren Anfang, zunächst allerdings nur erst in bescheidenem Maße, denn allein die Commission des Reichstages zur Vorberathung des Gesetzentwurfes, betr. die Abänderung der Gewerbeordnung, wird ihre Arbeit beginnen. Von den Mitgliedern der Commission sind eine ganze Reihe von Zusatz- resp. Abänderungs-Anträgen gestellt, und eine ziemlich ausgedehnte Dis- .cussion allein in der Commission schon steht also bevor. Es scheint ziemlich sicher, daß das Gesetz in seinen bedeutendsten Schärfen und insbesondere betreffend

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die.polizeiliche Beaufsichtigung etwas gemildert wird, denn auch Has Centrum hält- wunderbarer Weise nicht viel davon. Es läßt sich dies schon daraus erkennen, daß ivährend der ersten Berathung im Plenum die Windthorst'sche Fraktion ein strenges Schweigen bewahrte. Ob man auf das Zustandekommen des Gesetzes noch in dieser Session rechnen darf, ist ganz von der Entscheidung über den eventuellen Schluß der Berathungen abhängig. Allzu große Hoffnun­gen darf man nicht hegen. . ,

Der Chef der Reichskanzlei, Herr Geheimrath Rottenburg, begrebt sich heute zu kurzem Aufenthalt nach Friedrichsruh und gedenkt Anfangs nächster Woche wieder hier einzutreffen. Die zuletzt eingetroffenen Nachrichten über das Befinden des Reichskanzlers constatiren zwar eine erfreuliche Besterung un Be­finden desselben, doch ist dasselbe noch immer kein ganz befriedigendes ; nichts­destoweniger beschäftigt sich Fürst Bismarck ununterbrochen mit der Leitung der Geschähe. Ag." schreibt: Unaufhaltsam rollt in Egypten das Rad

der Ereignisse weiter. Die kopflose Politik der Westmächte hat es dahin gebracht, daß das zahme Volk der Egypter mehr und mehr sich einer stürmischen Erre­gung überläßt, und sie hat ihren eigenen Schützling, den Khedive, zur Zielscheibe der erwachenden Volksleidenschaft gemacht. Die Rotabeln, welche noch unlängst scheinbar so felsenfest zu dem schwachen Tewfik standen, sind durch die unüber­legten Schritte der westmächtlichen Vertreter dem Heer in die Arme getrieben. Ulemas und Rotabeln verlangen nunniehr vom Sultan entschieden die Absetzmig des Khedivs. Arabi Pascha ist Herr der Lage; er verbreitet die Nachricht, der Sultan habe ihm die Ersetzung Tewfik's durch Halim mitgetheilt, und das leicht­gläubige Volk saugt mit gierigen Sinnen jedes noch so thörichte Gerücht ein und läßt sich von dem neuen Propheten leiten wie die Schafherde vom Hirten. England und Frankreich setzen unterdessen getreulich ihre Politik der Unvernunft fort. Während es jedem Vernünftigen längst klar geworden, daß nur eme starke türkische Truppenmacht in Egypten die Ruhe wieder Herstellen kann, gestehen Dufferin und Noailles nunmehr zwar im Grundsätze zu, daß jene beiden Mue, welche die Pforte zu bewaffnetem Einschreiten im Nillande ermächtigen, nanllich Bürgerkrieg und Bedrohuna des Ansehens des Khedivs, eingetreten seien, juchen aber dennoch die thatsächliche Entsendung türkischer Truppen hmtanzuyatten. England hat sich bekanntlich längst nut einer wirklichen türkischen Cinmischmig versöhnt; dagegen kann Freycinet nicht von der Hoffnung lassen, daß er och noch mit bet bloßen Zulassung eines türkischen Commiffars i,t,o"fo,'nlle2,t"en Gleichzeitig tragt er demselben aber geradezu Haarstraubende Forderungen an die Nationalpartei auf. Oder ist es denkbar, daß der türkische Zevollmachttgte von Arabi und dessen Genossen verlangen soll, baß |te ihm

folgen, um vor dem Khalifen Rechenschaft abzulegen von ihrem ^reiben Die Pforte wirb wahrscheinlich ihrein Vertreter keine berartigen ißeMungMt aur- haifen Thuk sie es bennoch so geschieht es in ber sicheren Erwartung, baß die Häupter der Nakionalpartst jener Forderung ein entschiedenes Nein entgegenstellen wurden Damit ivaren dann türkische Truppen unvermeidlich geworden , aber wahrend augenblicklich eine verhaltnißmaßig kleine Macht genügen mußte, da ste ja mit offenen Armen empfangen würde, dürste nach dem B § . . h

ein Heer zur Eroberung des Pharaonen-Landes aufgeboten werden muffen. Wir denken jedoch, der Sultan zieht den Sperlmg m d^Hand der Taube auf d^m Dacke vor und läßt sich von den Westmächten nicht zum Bruche mit der Nationalvartei treiben Sollte dieser Fall dennoch eintreten ollte der türkische Commissar^ durchs thdrichtes Auftreten das Ansehen der Pforte tn Egypten

bedürfen, tieilc Aufträge werdn.

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Betreffend: Das Ober-Erfatz-Gefchäsl für 1882.

Bekanntmachung.

Das Ober-Ersatz-Geschast für 1882 wird im Kreise Gießen, o ith,

Dienstag den 27. Juni, im Gasthaus zum Rappen zu Gründer g. Bormtttags 8 Uhr, Mittwoch den 28. Juni, in dem alten Rathhause zu Geest en, Boruuttags 8 Uhr, Donnerstag den 29. Juni, daselbst, Bormittags 8 Uhr, Freitag den 30. Juni, im Rathhause zu Lich, Bormettags 9*/2 Uhr,

stattfindem^ Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzoglichen Ober - Ersatz - Commission un

Bezirk der 49. Infanterie-Brigade in sämmtlichen Aushebungsorten zu gestellen:

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c. die von den Truppentheilen zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Soldaten, Ä'ÄÄSflf» taw « ».*»- »* - »** ijMHtaVSSriÄSS« i-ch» 1« .«->,» »«> -»»-> »< 8..lun«m..n.

$ Die ntr Beurttieiluna von Reclamationen in Betracht kommenden Personen haben ebenfalls zu erscheinen. B t

Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon beachtlich anzuzeigen und ist, wenn ein Mültarpslichttger von \

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