Freitag den 3. Februar
Ne. 29,
1882,
icßcnct Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
S&UteaH : Schulstraße V. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Politische Uebersicht.
Gießen, 2. Februar.
Der Reichstag ist am Montag durch eine kaiserliche Botschaft, welche Staatssecretär v. Bötticher verlas und die den Schluß der Session aussprach, geschlossen worden. Die letzte Sitzung war eine rein formale, in welcher Staatssecretär v. Bötticher zunächst erklärte, daß der Bundesrath dem Anträge Richter wegen Einstellung der Ueberschüsse aus dem Jahre 1881—82 in den Etat für 1882—83 zwar zugestimmt habe, aber sich gegen ein ähnliches Verfahren in Zukunft verwahren wolle. Nachdem Präsident v. Levetzow die übliche Uebersicht über die Geschäftsthätigkeit des Hauses gegeben, dankte Graf Moltke dem Präsidenten für seine Geschäftsleitung, worauf die Abgeordneten nach Verlesung der erwähnten Botschaft mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser auseinandergingen. Hiermit ist die erste Session der fünften Legislaturperiode des Reichstags geschlossen und es erscheint jetzt von Interesse, die Bilanz seiner Thätigkeit zu ziehen. Zunächst muß betont werden, daß die abgelaufene Reichstags-Session i:n Gegensatz zur vorhergegangenen der vierten Legislaturperiode ansehnliche positive Leistungen aufzuweisen hat. Von den Vorlagen wurden die Hamburger Zollanschluß-Angelegenheit ganz und die Berufsstatistik mit einigen unwesentlichen Abänderungen genehmigt, desgleichen der Etat; definitiv abgelehnt wurden nur der Volkswirthschaftsrath und die Position für die Unter- officier-Vorfchule in Neu-Breisach. Einen verhältaißmäßig großen Theil der Zeit nahmen die aus der Mitte des Reichstags selbst hervorgerufenen Verhandlungen in Anspruch, nämlich die von den verschiedensten Seiten eingebrachten Anträge und Interpellationen, worunter der Antrag Windthorst auf Aufhebung des Jnternirungsgesetzes als der in seinen Folgen weittragendste erscheint. Der Antrag wurde "allerdings mit großer Mehrheit angenommen, indessen steht die Entscheidung über die fernere Gestaltung der kirchenpolitischen Frage nicht beim Reichstage, sondern beim preußischen Abgeordnetenhause. Alles in Allem genommen, kann man mit dem Verlauf der Reichstags-Session zufrieden sein, doch ist zu bedenken, daß die eigentlichen kritischen Zeit- und Streitfragen nicht Dur Verhandlung kamen, da dieselben der nächsten Session vorbehalten sind und erst dann wird das Verhältniß zwischen Regierung und Reichstag auf die entscheidende Probe gestellt werden.
Die Dispositionen für die Arbeiten des am Montag wieder zusammengetretenen preußischen Abgeordnetenhauses sind folgende: In dieser und der nächsten Woche — vom vergangenen Montag an gerechnet — sollen zur Erledigung der ersten Lesung der vorliegenden Gesetzentwürfe an jedem Tage Plenar- Sitzungen abgehalten werden. Nach der ersten Berathung des Etats wird die erste Lesung der Vorlage wegen des Ueberganges der Privat-Eisenbahnen an den Staat, darauf diejenige der Kreis- und Provinzial-Ordnung für die Provinz Hannover und dann die erste Berathung der kirchenpolitischen Vorlage stattfinden, so daß letztere erst in der zweiten Hälfte der nächsten Woche zur ersten Berathung kommt.
Die Reichstags-Commission hat nun das Programm für den Entwurf eines Reichstagsgebäudes festgestellt. Hiernach bildet der Platz für die Errichtung des Reichstagsgebäudes ein Rechteck von 136 Mr. Länge und 95 Mtr. Breite; die Höhenanlage ist nahezu eben. Der Sitzungssaal für den Reichstag- wird 600—640 Quadr.-Mtr. Grundfläche umfassen und sind in ihm amphüheatralische Sitze für 400 Abgeordnete angeordnet. An den Sitzungssaal schließt sich eine Halle (Logen) für die Abgeordneten, welche höchstens 500 Quadr.-Mtr. Grundfläche umfaßt und an diese Halle schließt sich eine Flucht von Zimmern, die den verschiedensten Zwecken dienen sollen. Außerdem sind noch Räumlichkeiten für den Restaurateur, für den Hausinspector, dann eine Druckerei, Wachtlocale für Polizei und Feuerwehr u. s. w. vorhanden.
Im Süden der österreichischen Monarchie ist die Lage der österreichischen Regierung nach wie vor eine precäre, wenn auch in den letzten Tagen von dort keine hervorragenderen Ereignisse gemeldet wurden. Die österreichischen Truppen sind auf den meisten Punkten gezwungen, sich in der Defensive zu halten und haben Mühe, die Weiterverbreitung des Aufstandes zu hindern. Die Aufständischen sind meist sehr gut bewaffnet und vorzüglich organisirt und geführt, und haben sich in den bisherigen Zusammenstößen mit den österreichischen Truppen als vorzügliche Schützen bewährt. In Wien hofft man, nach Eintreffen der nöthigen Verstärkungen, den Aufstand in etwa 3 Wochen bewältigen zu können, was aber in Anbetracht der außerordentlich schwierigen Verhältnisse in den aufständischen Bezirken als eine vage Hoffnung erscheint.
Die Bildung eines neuen Cabinets in Frankreich ist schneller erfolgt, als man eigentlich hoffen durfte, was beweist, daß das zurückgetretene „große Ministerium" Gambetta gar nicht so schwer zu ersetzen war. Neber den Charakter des neuen Ministeriums läßt sich noch kein definitives Urtheil abgeben, doch hat dessen Zusammensetzung in Frankreich wie im Auslande allgemein befriedigt.
Die Verhältnisse in Irland sind bis jetzt keineswegs einer Besserung entgegengegangen. Die Grausamkeiten und Schandthaten mehren sich beständig und Einschüchterungen und Mordansälle gehen ihren gewöhnlichen Gang. Die englische Regierung' hat nun die in Irland stehenden Truppen wieder um einige Bataillone vermehrt, ob aber diese spontane Maßregel Erfolg haben wird, ist sehr fraglich. Uebrigens hat sich die Nachricht von einer in verschiedenen irischen Grafschaften entdeckten gefährlichen Verschwörung nicht bestätigt.
Die Aufsehen erregende Nachricht, daß der russische Botschafter in London, Fürst Lobanoff, berufen sei, demnächst an die Spitze der russischen
Regierungsgeschäfte zu treten und so gewissermaßen den Reichskanzler Fürst Gortschakoff zu ersetzen, wird von verschiedenen Seiten als mindestens verfrüht erklärt. Der Einfluß des Ministers des Innern, des Grafen Jgnatieff, soll in Petersburg noch immer maßgebend sein und Jgnatieff wird gewiß Alles aufbieten , um sich des ihm in der Person des Fürsten Lobanoff drohenden Rivalen zu erwehren.
Nachdem in Griechenland die Neuwahlen zur Deputirtenkam- mer vor Kurzem vollzogen worden waren, welche einen vollständigen Sieg der Regierung ergaben, ist in vergangener Woche die neue Kammer zusammengetreten. Die Thronrede, mit welcher die Kammer eröffnet wurde, hebt die Annahme der modificirten griechisch-türkischen Grenzlinie hervor, unter Anerkennung der von den Mächten zu Gunsten Griechenlands aufgebotenen Bemühungen. Weiter spricht die Thronrede die Hoffnung auf eine Beilegung der noch schwebenden griechisch-türkischen Schwierigkeiten aus und empfiehlt endlich der Kammer die Genehmigung außerordentlicher finanzieller und militärischer Maßregeln.
Am Sonntag fand eine längere Unterredung zwischen dem egpptischen Ministerpräsidenten Scherif Pascha und einer aus 7 Mitgliedern bestehenden Deputation der Notabeln-Versammlnng statt. Ueber 48 von den 52 Clauseln des neuen Reglementsentwurfs wurde eine Einigung erzielt. Bezüglich der das Budget betreffenden Clauseln wurde Scherif Pascha von der Deputation ermächtigt, über ein Arrangement mit England und Frankreich zu verhandeln. ___________________________________________________
Deutschland.
Darmstadt, 1. Februar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Oberst v. Treskow, den Oberstlieutenant v. Klüber, den Oberstlieutenant v. Dreskp, den Oberstlieutenant v. Prittwitz, den Oberst Frhrn. v. Rosen, den Divisions-Auditeur Justizrath Schenk, den Pfarrer Scriba von Alten-Buseck; zum Vortrag den Staats- mmister v. Starck und den Ministerialpräsidenten Schleiermacher.
Darmstadt, 1. Februar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog und JLre Großh. Hoheiten die Prinzessinnen Victoria und Elisabeth sind gestern Abend 10 Uhr in erwünschtem Wohlbefinden von Arolsen dahier wieder eingetroffen. ,
Darmstadt, 30. Januar. Das Großherzogliche Regierungsbatt (Berlage Nr. 1) enthält: , .,
1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, den Ausschlag der zur Bestreitung der allgemeinen Bedürfnisse der evangelischen Kirche des Großherzogthums im Etatsjahr 1882/83 erforderlichen Steuern betr.
2. Bekanntmachung desselben Ministeriums, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend.
3. Bekanntmachung desselben Ministeriums, das Familienfidercommrß der Fürstlichen Familie Isenburg und Büdingen in Wächtersbach betreffend.
4. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Ab- theilung für Schulangelegenheiten: Summarische Uebersicht der Rechnung der Regierungsrath Manschen Schulunterstützungs-Stiftung für <880.
5. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1882/83 zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse der israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Büdingen zur Erhebung genehmigten Umlagen. L _ , .
6. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Groß-Gerau, die Erhebung der Umlagen zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse in den israelitischen Gemeinden des Kreises Groß-Gerau für das erste Vierteljahr 1882 betreffend.
7. Promotionen an der Großh. Landes-Universität Gießen.
8. Ordensverleihungen: „
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 17. December 1881 dem Polizeidiener Karl Olf zu Groß-Rohrherm das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für Verdienste", am 7. Januar ld>8^ dem Ober-Fahnenschmied Saxer im 2. Dragoner-Regiment (Lerb-Dragoner- Regiment) 9tr. 24 das silberne Kreuz des Verdienstordens Phllrpps des Grotz- müthigen zu verleihen. , , „ n c .
9. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden ^rdens.
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht. Am 18. December 1881 dem Kaufmann Ernst Schuchardt zu die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen der ihm von Sr Hohedem «g von Tunis verliehenen Decoration 3. Klasse des Ordens 1 ertheilen.
10. Namensveränderungen.
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12 . Dienstenthebung.
13 Charakterertheilung.
14 . Ruhestandsversetzungen.
15 Eoncurirnzeroffnungen. ^'anstelle JU Babenhausen II; dotations- Eräugt stnd . x ^ste evang. Pfarrstelle zu Beerfelden; dotatwns- tophnft 2453 X' das Präsentationsrecht zu dieser Stelle steht dein Herrn Gmfm zu Erbach-Fürstenau zu, welcher jedoch den: Clafsificationsgefetze


