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Telegraphische Depeschen.

Wolff s telegr. Correspondenz-Bureau.

Paris, 1. Januar. Der Seine-Präfekt Herold ist heute Morgen ge­storben. Der Empfang im Palais Elisöe hat heute dem Programm gemäß stattgefunden. Die Präsidenten des Senats und der Kammer brachten bei dein Präsidenten Grevy die Sympathien und die Ehrfurcht des Parlaments zum Ausdruck. Dieser erwiderte, er habe mit ganz besonderer Genugthuung die von den beiden Kammerpräsidenten ausgesprochenen Gesinnungen ausgenommen. Bei dem Empfange des diplomatischen Corps, in dessen Namen der Nuntius als Doyen die Glückwünsche darbrachte, erwiderte Gr6vy mit dem Ersuchen an die Vertreter der Mächte, ihren respectiven Regierungen den aufrichtigen Aus­druck seiner Freundschaft und Sympathie zu übermitteln.

Tunis, 1. Januar. Die französische Kolonie hat dem Ministerresiden­ten Roustan einen sehr warmen Empfang bereitet, wobei der erste Deputirte der Kolonie energisch gegen die Verleumdungen protestirte, deren Gegenstand Roustan gewesen, und den lebhaften Sympathien und der völligen Ergebenheit der Kolonie für Roustan Ausdruck gab.

Lokales.

Gießen, 2. Januar. Das diesmalige Treiben in der Neujahrsnacht war im großen Ganzen ziemlich ruhig. Nur einige Wenige, welche die Unverfrorenheit besaßen ihre Schießdinger vor der Nase von Schutzleuten abzudrücken, wurden abgefatzt Un- glückssälle durch Schießen sind in hiesiger Stadt mit einer einzig'N Ausnahme nicht zu verzeichnen- In einer Restauration in der Neustadt brannte im Hofe ein Mann ein kleines Kanöncheu in dem Augenblicke ab, als ein Kellner mit einem Schwenkkübel aus der Thüee trat. Der Kellner wu,de an der Schulter und im Gesichte, wenn auch nicht bedeutend, verletzt- Der Schießlustige wird sich wohl wegen fahrlässiger Körper- letzung zu verantworten haben. In den umliegenden Ortschaften hat es dagegen mehr Verletzungen gegeben. Verschiedentliche Verstümmelungen an Händen sind hier zu melden.

In der Neujahrsnacht wurde einem in der Bismarckstraße wohnenden Lehrer mittelst eines Revolvers durch das Fenster und die Stubenthüre geschossen und zwar kurz nachdem der Lehrer mit seiner Frau sich von demselben Fenster entfernt hatte. Ein gleiches Bubenstück wurde in einem Hause des Leihgesterner Wegs verübt Hier schlug die Kugel an die Decke des Zimmers und fiel von da auf die unten stehende Lampe, gerade vor eine Frau, welche mit ihrem Kinde vor dem Tische saß. In der Ludwigsstraße mußten einige Laternenscherben als Zielobjekte dienen.

Zwei Droschtnbesitzern wurden in der Neujahrsnacht an je 2 in ihren Hof- raithen stehenden Chaisen das Verdeckleder mit einem Messer derart zerschnitten, daß sich der Gesammtschaden auf ca. 350 JL schätzen läßt. Der Thäter wurde gestern von der Polizei ermittelt u d zwar in der Person eines bei Beiden früher in Dienst ge­standenen Kutschers. Nach langem Leugnen gestand er seine Heldenthat ein. Da er sich außerdem noch eines Diebstahls verdächtig machte, wurde er heute Morgen verhaftet.

Das Unwesen der Neujahrsgratulationen von Seiten Bettler und Stromer am gestrigen Tage waren derart, daß d e Polizei gänzlich machtlos hiergegen war. Unter dem Deckmantel des Gratulirens wird gebettelt nach allen Regeln. Die Gutmüthig- keit des Publikums kann allein wohl hier nur Schuld fern, daß dies 8 liebel sich alljährlich mehrt. Läßt sich dieses nicht abändern, zumal die erfochtenen Pfennige später meistens in Branntwein verjubelt werden?

Am Freitag wurde im Launsbacher Walde beim Holzfällen ein 22jähriger Bursche von einem Baume derart getroffen, dag er sofort eine Leiche mar Der Ver­lust ist für die Eltern sehr hart, wer! cs ihr einziger Sohn war.

Oesterreich.

Wien, 31. December. DieWiener Ztg." publicirt das Gesetz, betr. den Veredelungsverkehr mit dem deutschen Zollgebiete und die betr. Ausfüh­rungsverordnung des Gesammtministeriums.

Aeigien.

Brüssel, 31. December. Eine Verordnung der Regierung verbietet für Belgien die Ein- und Durchfuhr von Rindvieh und Schafen aus Deutschland.

Rußland.

Petersburg, 31. December. DasJournal de St. Pötersbourg" protestirt gegen das Arrangement, durch welches die Tribute von Bulgarien und Ost-Rumelien den Bondholders zuertheilt werden sollen. Das Blatt betont, daß die Kosten für die Unterhaltung des russischen Occupations-Corps zuvor bezahlt werden müßten. Rußland könne wohl auf die durch die neue Organi­sation hervorgerufenen Verlegenheiten Rücksicht nehmen, seine Toleranz müsse aber den befreiten Völkerschaften zu Gute kommen und nicht den Bondholders, denen gegenüber die Priorität Rußlands in Betreff jener Zahlung sich durchaus und evident auf der Basis des Berliner Vertrages begründe.

Rumänien.

Bukarest, 31. December. DerRomanul" bespricht die Beilegung des österreichisch-rumänischen Zwischenfalls und schreibt: Unsere Beziehungen zu dem benachbarten Kaiserreiche sind ivieder hergestellt. Beide Staaten befinden sich in der Position, welche sie vor dem Zwischenfalle hatten und fahren fort, jeder für sich, für die Vertheidigung seiner Interessen auf der Grundlage thätig zu sein, welche er für sie zu besitzen vermeint.

Serbien.

Belgrad, 31. December. Die Verhandlungen über die Handelsver­träge mit Deutschland und Frankreich sollen mit den Vertretern beider Mächte um die Mitte des nächsten Monats beginnen.

Afrika.

Tunis, 31. December. Der größte Theil des Stammes der Hamma- mos, etwa 2300 Zelte umfassend, wurde am 27. Decbr. in Gassa erwartet, um sich zu unterwerfen. Der übrige Theil dieses Stammes ist ebenfalls zur Unterwerfung geneigt. Die Jnsurrection in Süd-Tunis dürste demnach gänzlich erloschen fein. Die Kolonne des Generals Delebecque, welche in Süd-Oran operirte, hat ihre Beobachtungsposten wieder eingenommen, nachdem sie die In­surgenten vollständig aus marokkanisches Gebiet zurückgedrängt hat.

Amerika.

New-Aork, 31. December. An der Westküste ist eine Pockenepidemie ausgebrochen. Man glaubt, daß die Krankheit durch Dampfer mit Auswande­rern eingeschleppt worden ist und sollen die Auswanderer deshalb Quarantäne halten. _________________________________________

Handel und Verkehr.

Frankfurt 31. Dez. (MarktberichtDer heutige Heu- und Strobmarkt war schlecht befahren. Heu kostete je nach Qualität brr Ctr. 4.00 6.00 Strob JL 4 004 so Butter 50 Kilo 90 00, im Detail i. Qualität daS Pfund 1.3000 2 das Pf. vH. 1 200 , Eier baß Hunvrrt 6.009.00. Ochsrnsteiiw vrr Pfund 6070 xS

Kuh , Ntnd und Farrenfleisch 40- 55 Kalbfleisch 40-55 T 6^04 35-65 Schweinefleisch 70 80 ein Hahn JL 1.80-2.20, ein Hubn J1 60 2 00 eine Ente 2.50 3.00, eine Taube 50-60 Gans 5 00-9 W das Stück 2.503.50, Poularden JL 22.60. Rehbock das Pfd. 70-80 A JL 2.50-3, Mischer Hahn 9-12, Kartoffeln 100 Ko. JL 4.00-5 00 loblLÄ ? Blumenkohl 1 St. 20-50 H, Wirsing 10-12 H, Gelberüben 1 Bund' 00-0 5 1 Bund 0 Sellerie daS Stück 00-00 Meerrettig 1 Stück 1015 ©toarad'hÄhm? 30 H, Romain-Salat 0000 Endivien 10 0 Rotbkraut 1520 1 10-12 Artischoken 00 00 H, Erbsen das Pfd. 00 Bohnen 100 ?

Kartoffeln das Gescheid 0-00 das Malter Jt. 0.09-0.00, Kopf-Salat Ä 00-00 Schnittlauch das Gebund 0 Kohlrabi per Stück 3-5 " °° * Spinat

An die Ireunde der einheimischen Uögel.

Wieder einmal nahet der Winter und mit ihm viele Drangsale und morgen für die im Winter bei uns bleibenden Vögel. Kälte und Hunger sind zwei hervorragende Feinde derselben. Der Hunger ist jedock der schlimmste dieser Feinde und an ihm gehen alljährlich viele Vögel zu Grunde. Wenn draußen alles mit Schnee bedeckt ober gar mit Glatteis überzogen ist, bann ist den Vögeln die Möglichkeit genommen, sich im Freien die Nahrung selbst zu suchen. Dann nähern sich viele derselben den mensch­lichen Wohnungen, um dort zu finden, was sie im Felde in dieser bösen Zeit vergeblich suchen, das erforderliche Futter. Haubenlerchen, Goldammern, Feldsperlinge, Stieglitze, Zeisige, Finken, Meisen, Goldhähnchen, Zaunkönige, Amseln und Raben sind in den Gärten und Anlagen, auf Straßen und freien Plätzen in der Nähe der Ortschaften die täglichen Wintergäste. Jeder Thierfreund weiß, was feine Lieblinge zu finden hoffen und reicht ihnen gern etwas Futter. Aber auch die Thierschutzvereine sehen m jener Zeit einen wesentlichen Theil ihrer Thätigkeit darin, den hungernden Vögeln das ent- svrechende Futter zu reichen- Auch in dem bevorstehenden Winter wird der Thierschutzverein bemüht fern, die Noth der armen Vögel nach Kräften zu lindern, wie derselbe auch überzeugt ist, daß alle wahren Thierfreunde ein gleiches Bestreben zeigen werden.

Soll aber den nothleidenden Vögelndur ch m von _ F tt der^befstrren

genützt werden, so darf man nur solche Futter re2^en' bvQ§ K ef^te Hülsens üchte W.eit draußen suchen und finben. ®rot 6Xg I <bt faJ« *s.S »«ms läh-'Ä Tode enbiflt. (Sperlinge und Dohlen darf man auf trockenem Fenftervrm mit -oroi frÜmm@6«tfotiftauf zweckmäßige Wahl von Futterplätzen zu achten- Wenn in einem Garte/Meisen" Baumläufer und Finken sich aushallen sob-fest'gt man am> besten etwa mannshoch in den Arsten eines Baumes em wagrechtes mit Leisten umgedenes Brett-. w:lches mit Kürbis-, Gurken, Sonnenblumenkornern, Hanf, Rübsen, Rutzk-rn ftücfcben Tala und ungekochtem Mark bestreut wird. ,

$ Goldammern, Haubenlerchen, Feldsperlinge und nordische Gaste finden sich am häufigsten auf mit Bäumen bepflanzten Landstraßen in der Nahe von Ottschafien em. Wenige Schritte von der Landstraße entfernt, kehrt man dm Schnee hmweg.bestreut diese freie Stelle mit Spreu ober Heusamen und bedeckt dieselbe lose mit fparr g N Dornen. Das zu reichende Futter besteht in £aferunb geringem Getreide.

Im freien Felde, in großen freiliegenden Obstgarten, an gegen Süden gelegenen Abhängen, z B. passenden Eisenbahnböschungen lassen sich«mit Vortheil.Iuttei platze für Stieglitze, Hänflinge, Finken und Zeisige anlegem .Nachdem solche Platze rote oo^ angegeben, zubereitet sind, bestreut man sie mit Mohnsamen, Rübsen, Hanf und ol g ©artenfämereien. Daneben kann man einige Pfähle einschlagen und kleine Bündel von Distel-, Möbren- und Cichorienstauden daran befestigen. lim.

Für Drossln kehrt man am besten unter einem dichten Lebensbaume oder Tannengebüsch den Schnee hinweg, streut etwas Geniste, z. B. abgefallenes Laub dahtn und füttert bann mit Vogelbeeren, Weißdornfrüchten, Trauben des roilben Wetnes, Hagebutten, getrockneten Hollunder- und Heidelbeeren, sowie mit femgehackten Fleiicy-

3ur Fütterung der Zaunkönige verwendet man am besten bas Dornkörbchen, in welches man Ameifenpnppen (vielleicht auch etwas Mohnsamen für Braunellen) le&t Jedoch muß dasselbe möglichst versteckt und an einem solchen Platze angebracht werden, an welchem der kleine Schlüpfer sich täglich aufhält.

731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer aTTXTI---

oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehon 8 cmt ren <ler Annoncen - Expedition von BAiSEmEIs TÄlZ Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor A, k R m

auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck 4'e

Erfahrungen und gründlicher Beobachtnngen /.'iverlasligen Rath ertheüt 6""^ teicher

Zur Enthebung von Neujahrsbesuchen haben nnd) Z

kinder-Bewohr, nstalt eine Gabe zugewendet: Herr" *** Äleim

Herr Professor Dr. Köllner, Herr Fri ed ri ch v. Lin innen Gutfleisch,

Allen, die beim Jahreswechsel unserer Anstalt eine liniert

Huben, sagen wir noch besonders unseren verbindlichsten er^un0 zugewendet Gießen, den 1. Januar 1882.

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D ^aumann, Pfarrer.

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und Rehbraten zu haben bei Wttdpret- händler Ebel, Maiktstraße (61

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