Ausgabe 
2.11.1882 Erstes Blatt
 
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Theater.

Seit vergangenen Mittwoch hat Herr Schubert die diesjährige Saison eröffnet. Leider war es uns nicht möglich, der ersten Vorstellung beizuwohnen. Als zweite Probevorstellung ging am FreilagKrieg im Frieden" über die Bretter und war die Vorstellung eine gelungene zu nennen. Herrn Schuberts Reif v. Reiflingen war mit einem Worte ausgezeichnet. Gleich hinter ihm folgt, gleich an Werth, der Apotheker des Herrn Kraatz. Auch Herr Adatera als Stabsarzt war nicht zu unterschätzen, wenn auch der Rockkragen nicht besonders sitzt. Herrn Abatera möchten wir übrigens rathen, nicht so laut zu sprechen. Ebenso waren die Herren Kubale und Pall mann an ihrem Platz. Herr Ernst spielte seine Rolle als General äußerst würdevoll. Der Ulanenlteutenant des Herrn Hinrichs in Husarenuntform hätte besser sein können. Wir erlauben uns Herrn Hinrichs darauf htnzuweisen, daß Husaren leichte Cavallerte sind und rathen ihm, nächstens trotz des ernsten Inhaltes der Rolle etwas beweglicher $ s Frau Schubert f en. war die besorgte Mutter wie sie im Buch steht und gebührt ihr das größte Lob, während Frau Schubert-Schneeberger nicht hinter rhr zurtlck- blieb. Sie war die reinste Vollblut-Ungarin und spielte correct, jedoch konnte uns ihr Costüm im ersten Akt nicht besonders gefallen. Auch über Familie Hauptmann und Fräulein Herze ns krön können wir nur lobenswerthes sagen.

Eher besser als schlechter war die Sonntags-VorstellungMein Leopold. Ganz besonders gefielen uns hier die Herren Schubert, Kubale, Kraatz und Ernst. Jedoch auch die DamenSchubcrt-Schneeberger und Frl. Herzenskron waren nur zu loben. Die Vorliebe des Herrn Hinrichs fürRigoletto können wir uns nicht erklären. ,

Gestern Montag betraten wir mit großen Erwartungen den Saal, welche nur gerechtfertigt wurden.

Alle Mitspielenden spielten gut. Es ist eine Stimme, daß die diesjährige Truppe bedeutend besser ist als die vorigjährige. Wir sind sehr gespannt auf Mittwoch Abend. Gelingt die Aufführung vonMarte Stuart", so wird Herr Schubert so wemg wie das Publikum sich zu beklagen haben. Fr-

Toleranz zu thun war, sondern um Förderung konfessioneller »ZweLe. Daß es ihnen darum zu thun ist, darf ihnen Niemand Übel nehmen, wohl aber das Verfteckspiel, das damit getrieben wird. Den uns unbekannten Leitern des neuen Ver­eins soll damit kein Vorwurf gemacht werden. Sie sind zum Thetl wohl selbst nur Decoration für die dahinter liegenden Zwecke. Wir möchten von Herzen wünschen, daß die Eindrücke, die wir und viele empfangen haben, uns getäuscht hätten. Um sie zu widerlegen, genügen aber schöne Worte nicht. --r-

Geehrter Herr Redacteur!

Gestatten Sie mir einige Worte über eine Frage, die für eine nicht geringe Zahl von Bewohnern der Stadt und der Umgegend von Interesse ist

Der hinter der neuen Aula nach der Schiffenberger Straße führende Weg bildet die kürzeste Verbindung zwischen der Mitte der Stadt (Plockstraße Btsmarckstraße) und der Schiffenberger Straße; er wird aus diesem Grunde nicht nur von allen Denen begangen, welche z. B- den Schiffenberg besuchen, sondern Hunderte von Arbeitern müssen denselben täglich benutzen, wenn sie nicht einen großen Umweg machen sollen. Dieser Weg ist in einem geradezu poli;eiwidrigen Zustande und nach schwachem Regen mehrere Tage nicht passirbar. In diesem Herbste ist er stellenweise geradezu ein Sumpf. Die Benutzung des Weges ist stellenweise nur durch Uebertreten auf die benachbarten Wiesen möglich und trotz aller Warnungsze-chen werden alljährlich die letzteren immer wieder begangen, weil eben auf andere Weise das Durchkommen unmöglich ist. Nach preußischem Feldgesetze ist die Betretung der benachbarten Grundstücke stets gestattet, wenn der Weg in ungangbarem oder unfahrbarem Zustande ist; wie es in dieser Hin­sicht das hessische Gesetz hält, weiß ich nicht, aber daß eine solche Bestimmung durchaus ver­nünftig ist, liegt auf der Hand. Gestern Abend ereignete sich an dem erwähnten Wege Folgendes: Ein Feldhüter hatte sich an das Ende des Wiesenpfades posttrt. das von der Stadt am entferntesten lag, ließ die zahlreichen Arbeiter den Wiesenpfad zuerst wandeln und notirte sie alsdann zur Bestrafung. Zunächst wäre doch zu erwarten und zu verlangen gewesen, daß er sich an den Emgang dieses Pfades von der Stadt­sette her postirt und die betr. Leute gewarnt hätte. Die Frage wäre eben die : Wer ist in letzter Linie für die Uebertretung dieser Leute wenn auch nicht lurffttsch so doch moralisch verantwortlich, wenn ein öffentlicher und sehr stark benutzter Weg in solchem Zustande seit Jahren liegen bleibt? Mit geringen Kosten waren Ne schlimmsten Stellen wenigstens passirbar zu machen und dadurch für die meist nicht in der Gesetzeskenntntß bewanderten Landleute, welche früh und Abends diesen Weg gehen, die Veranlassungen zu Uebertretungen und Bestrafungen zu beseitigen.

Zur gefl. Beachtung.

Schriftliche Anfragen wegen Auskunftsertheilung über Inserate rc. können wir nur dann beantworten, wenn denselben eine Freimarke für die Rückantwort betgelegt ist. Ueber Inserate bezüglich deren Offerten einzureichen sind, ist, dre Expedrnon zu keinerlei Auskunftsertheilungen befugt. Offertenbriefe sind soweit keme bestimmten gegenteiligen Abmachungen getroffen wurden in der Expedition abzuholen.

Wie ein interconfessioneller Verein den Zweck haben könne, die Gründung einer Niederlassung katholischer barmherziger Schwestern zu ermöglichen, fragt da erstaunt ein Einsender! Wir wollen dem Herrn dasUnicum" erklären. t

Das kommt daher, weil die Barmherzigen Schwestern gemäß ihrer Statuten Kranke ohne jeden Unterschied der Confession verpflegen.

Der Herr Einsender nehme sich nur die Mühe einmal die Statistik der Kranken nachzulesen, welche die barmherzigen Schwestern in Mainz und Offenbach verpflegen, so wird er finden, daß darunter eine verhältnißmäßig ungemein große Anzahl von Evangelischen, Juden und auch Freireligiösen sind.

Versteht der Herr Einsender jetzt, warum der VereinJedermann ohne Rücksicht auf confessionellen und politischen Standpunkt gebrauchen kann?"Warum evangelisches und jüdisches Geld nicht verschmäht wird?" Deshalb, weil die Schwestern auch Jedermann ohne Rücksicht auf confessionellen und politischen Standpunkt verpflegen, weil auch evangelische und jüdische Kranke nicht verschmäht werden.

Die Nieverlassung barmherziger Schwestern ist kein Mißtrauensvotum gegen die Krankenpflegerinnen des Alicevereins und Diakonissinnen, es ist nur Concurrenz, und die Kranken haben den Vottheil davon-

Die Diakonissinnen und sonstigen Krankenpflegerinnen werden doch hoffentlich die Concurrenz der katholischen barmherzigen Schwestern nicht fürchten! Aber das propa­gandistische Wesen! Nun diese allgemeinen Verdächtigungen sind schon ost genug erst jüngst wieder im Offenbacher Stadtrath zurückgewiesen worden. Wir wollen dem Herrn Einsender undallen evangelischen Bürgern", die das Propagandawesen fürchten, ein einfaches Mittel angeben, demselben zu entgehen.

Die barmherzigen Schwestern gehen zu Niemanden, der sie nicht ruft Wer also dieBekehrung" fürchtet, der hole keine barmherzige Schwester, sie drängen sich Nie- mandem^auf^ollen hoffen, ba& ni$t auch in Gießen einmal der Fall eintritt wie in Frankreich (den Namen der Stadt habe ich leider vergessen): Man trieb die barm­herzigen Schwestern aus dem Spitale und setzte weltliche Pflegerinnen etn, da kam der Typhus die weltlichen Pflegerinnen flohen und die ansteckenden Krankheiten zwangen die radikale Behörde, die barmherzigen Schwestern wieder zu rufen. Daß sie kamen, versteht sich von selbst, denn der Herr hat gesagt:Liebet eure Feinde, thut Gutes denen die Euch hassen, damit ihr Kinder Eures himmlischen Vaters fett».1

Die barmherzigen Schwestern aber haben dadurch aufs Neue bewiesen, daß sie bis zur Stunde noch sindjene Wunderblumen in der Welt, jene Herzen, in welche sich die Liebe Jesu geflüchtet hat." .

Hat der verehrte Einsender selbst erst einmal das Wirken der barmherzigen Schwestern zu beobachten Gelegenheit gehabt, er wirb keinEingesandt" mehr machen wie in Nr. 254. J- B- 8 *)

*) Wir halten weitere Erörterungen in diesem Betreff an dieser Stelle nicht mehr als dem Zweck förderlich und verweisen etwaige Erwiderungen auf den Inserat en- theil unseres Blattes. D. Red.

Eingesandt.

Qnr flh-fläniuna und Bestätigung desEingesandt" im Dienstagtzblatt, betreffend

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ftane öaÄtatboÄ ©emetnbe um Beihilfe feiten? ihrer Mitbürger gebeten, so Se'lCanbÄb 0enommen habende?

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U »l.WM.W! .««». t»; J» I"«»'1«- seien unsere evangelischen Diaconissen oder Alicepflegermnen. Auch letzt W man wieder durch einen ganz unbekannten Herrn sammeln. Wer ahnte, ehe die Jtot^ttn Sonntagsblatte erschien, daß derVerein für Krankenpfl. g, , f . t betJ etwas mit den katholischen Schwestern zu thun habe? Aber wie manche wagten den höflichen Bittsteller nicht abzuweifen und mußten endlich werden, daß zu e u Unternehmen beigetragen haben, das ihrer Ueberzmgungi zuwide-stDas Ganze muß nothwendig den Eindruck machen, daß wenigstens die

sich dessen wohl bewußt waren, daß sie Ursache hatten, chre eigentliche Absichten vor dem Urtheil der Bewohner unserer Stadt zu verhüllen. Man mußte aus dieDermuthung kommen, daß es ihnen bei ihrem Unternehmen zunächst nicht um Humanität und

b «,nrtraa näher eingehen. Man muß denselben voll und ganz wollten wir au den Vor rag 8 behandelten Gesetzentwurf zu bekommen,

gehört haben, um eine reffll «3 befeanbeln, wie Redner es gethan, dürste so leicht Gerade dieses Thema so ° Vem Retchstag gelingen und darum war es ein glücklicher keiner zweiten Person >n u m ben Vereinsabend zu gewinnen.

Gedanke bes Vorstandes , v . n lohnte dm dankenswerthen Vortrag. Mochten

Lebhafter Be-s-ll -0 zahlreich besuch« fein une der gestrige, damit

"UN au»«ÄS,o?ftanbe§ mich den richtigen Erfolg erzielen.

die Vemühm^gen des V S Adreßbruchs für unsere Stadt -st zufolge der Neu-

. Di- »«»-«»0 . .tDinsenbe Nothwendtgkeit geworden und steht zu erwarten, Nummerirung d-r Haustr lwmg sjlugj(laung bcr ausgegebenen Hauslisten das daß durch b-e selbstihatige und^ con Um an ung 0efteUte Anfragen zu

Adreßbuch nur an Vollstandlgt g^r ausgegebenen Hauslisten alle im

beantworten, bemerken. wr ertaui n » resp. Familienhäupter auszusühren sind. Haust wohnenden seIbftft«nbt8en iS rp « ble Namen der Familten-

Z. B. in einem Haust ? °°der bj', möblirte oder unmöblirte

Häupter zu verzeichnen. Hat eine Arbeiter. Näherinnen rc. vermiethet, so

Wohnungen an einzelne 4>er,onn, i desgleichen wenn sich Inder

find auch ^^^Namen Neftr Mlether^m^verzc^ynen^, befindet, so ist dieses

5alle ^Ekm Mne Ausnahme von der Aufnahme bilden Studirende, für welche auch zu v-rmerren. «.^.int^ sowie Einjährige ) Ferner bemerken wir noch, daß wst'hie7°landläÜftg unstr l'.^Stock parterre verstehen, wohnt also Jemand parterre, so wolle er in der ^tr- Rubrik 1. Stock mrznchmen.. der Universität

1. November, lleber den yeure eioen feine§ Vortrags

sprechenden Herrn Hofrath G h Dr Gerhard Rohlfs hielt gestern im schreibt die gestrige .-Mche -3 6' .^ Vortrag über seine Reise in Abessinien. Gewerbe- und F°rtb'ldungs^cremc Versammlung ein so liedeutender, daß das Wie zu erwarten, mar der 8 . c naetef,ben uest vollständig gefüllt war. Die c d^Sckiilderun^des^asrikanifcheii Alpenlandes, feiner politischen und geologischen fesselnde ^chuderung i sonderbaren Thier- und Pflanzenwelt, vor allen aber Verhalwiste, seiner reichen i6r'0^bnartißeg ^Christenthum allen Bemühungen pro- ^^br Bewohner welch s ) JUri are . Trotz in ursprünglicher Form erhalten testantrscher und katholischer g« e findig stolze Betonung der Be- haben, forotc bte bm Wmen Vortrag du ch Abend zu einem selten genußreichen.

gebrachte Ovation so stürmisch als möglich.

Verwischtes»

Dftober. Aus der Superintendent Dr. Simon Stiftung Darm stabt. 2b. Oktober. Mark Zinsen vergeben werden. Hülfsbedürfttge

Angehörige evangelischer Ge.sMchen aus Obechessen können sich bei Herrn Superinstn- ^"^''Vapknbu^g^ch Oktober. Nach soeben einlaufenden Nachrichten sind beim

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Etzerdkm vercheist man wejteVe dergleichen Apparate durch das Zimmer und zwar m

Toulon und Umgegend sind von einem wahren Wolkenbruch überschwemmt wordem Die Dächer wurden vom Sturm abgedeckt und die Baume umgeriffen. Bet St. Raphael an der Küste gescheitert und man fürchtet noch mehr Schiffbruch nm MittUm-er Jn Bordeaux hat die vom Sturm getriebene Fluth bi- medrigm Tbeile der Stadt überschwemmt. Zu Soulac in der Gironde ist der ^roße Schutzdetch durchbrochen Die Niederungen des M^doc sind Überschwemmt, was seit I

Kundert nicht vorgekommen war. Bet Vai.nes ist der neue Hafendamm von St Jacques aebrochen und di-Niederungen des Morbihan sind vom Meerwasser überschwemmt mnn ber ganzen westlichen Küste werden Schiffbrüche gemeldet und mele der kleinen ^scherfahrzeug^ ftn® ji ®runbe gegangen. Aus der Insel R« sind bte Deiche gebrochen und die Salzstiche überschwemmt, so daß große Salzvorrathe verloren gingen, ^n Eberbura bete der Sturm schrecklich; das Panzerschiff Devastation war in Gefahr «ck l°smr"ß n und bte Schiffe der Flotte hatten alle ihre Feuer angezündet, um in dstiem^sistllle"ausweichen zu können. Auch im Innern bat Sturm und Regen geherrscht, kn^Bn?deaur Grenoble, St. Etienne und anderen Orten. Von Valence wird Be» me bct® bbaTbie Rhone unerhört hoch steht. Zu Lyon sinb bst Quais überschwemmt. Dstblebten Nachrichten von Olöron, La Rochelle. Lorient und St. M^o melden Schiffs- Die letzten ^cawrr^ Qn b,n Küsten der Gascogne und der Bretagne letzt auf;

Ä abTr ^Ter^t nock in der Manche und im Pas de Calais; die Wetterkundigen Lstn^ber eine baldige W'-derkehr des Sturmwetters.