Ausgabe 
2.11.1882 Erstes Blatt
 
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dtv. 2S6. Erstes Blatt. Donnerstag den 2. November 1882.

Hiehener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureaur Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Betreffend: Das Auswanderungswesen.

Gießen, am 30. Oktober 1882.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstände sind, an Erledigung der Verfügung vom 2. Oktober 1882 binnen acht Tagen.

_______________________________________ Dr. BoeMann.__________________________________________

LehrerCpnferenz

des Conferenz-Bezirks Gießen: Mittwoch den 8. November, Vormittags 10 Uhr, in &ie$en, des Conferenz-Bezirks Lieh - Hungen: Donnerstag den 9. November, Vormittags 10 Uhr, in Lich.

Gießen, den 31. Oktober 1882. Büchner, Kreisschulinfpector.

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Berlin, 30. October. Wir entnehmen denBerl. Polit. Nachr.": Die unentschlossene Haltung des französischen Cabinets gegenüber den Umtrieben der Anarchisten ist für die Negierung des Herrn Grövy zu einer Quelle von Verlegenheiten geworden, welche dem Ansehen der Republik dauernden Schaden zu bringen droht. Bereits tauchen Gerüchte auf, welche die Stellung des Mini­steriums erschüttert sein lassen, und obgleich denselben zur Zeit noch alle reale Grundlage ermangelt, so kann doch die Situation nach dem Zusammentritt der Kammern jeden Augenblick eine für Herrn Duclerc sehr bedenkliche Wendung nehmen. Jedenfalls sind die Voraussetzungen, unter denen dem Cabinet die Unterstützung einer verläßlichen Majorität für das Ensemble seiner Politik ge­sichert wäre, mehr als prekär, und schon gleich nach Eröffnung der Kammer­session werden demselben harte Prüfungen seiner Lebensfähigkeit nicht erspart bleiben.

Zuin Gegenstand diplomatischer Erörterungen ist das Auftreten der. inter­nationalen Revolutionäre auf französischem Boden einstweilen noch nicht gemacht worden. Man hegt eben zu den leitenden Persönlichkeiten an der Seine das Vertrauen, daß sie die staatliche Autorität vor ernstlichen Beeinträchtigungen zu schützen wissen werden und hält sich übrigens von jeglicher übertrieben pessimi­stischen Auffassung der Zukunft fern.

Da gegenwärtig der vorzügliche Landpostdienst der deutschen Reichs­postverwaltung die erhöhte Aufmerksamkeit des Auslandes auf sich gezogen hat, so sei bemerkt, daß nach dem neuesten Beihefte des Postamtsblatts 19 Mill. Seelen, also die starke Hälfte der gejammten Bevölkerung des Reichspostgebiets außerhalb der Postorte in 170,000 ländlichen Wohnplätzen über ein Gebiet von 444,170.27 qkm zerstreut leben. Auf 400 Mill, ist die Zahl der Sendun­gen gestiegen, welche binnen Jahresfrist von den Bewohnern des platten Landes zur Postbesörderung eingeliefert werden oder für solche bestimmt sind. Für die Bedürfnisse dieses weiten Jnteressenkreises zu sorgen, ist die Aufgabe des Land­postdienstes. Die Zahl der Landbriefträger war auf 12,000 erhöht worden (jetzt beträgt sie 14,000), aber noch erwiesen sich die Bestellbezirke zu ausge­dehnt, die Anforderungen an die Leistungen des einzelnen Boten als zu erheblich. Bei diesem Anlasse wird der neuen Gattung von Verkehrsanlagen, nämlich der PosthiMtellen" zur Unterstützung des Landbriefträgerdienstes, erwähnt. Ohne als Postaristalten im gesetzlichen Wortstnne zu bestehen, besorgen sie den Verkauf von Werthzeichen u. s. w., die Annahme gewöhnlicher Briefsendungen und Pakete, näch Bedürfniß auch inländischer Telegramme, die Ausgabe gewöhnlicher Briefsendungen, Pakete und Zeitungen. Die Empfänger müssen für Abholung der Gegenstände sorgen,ersparen aber dafür weite Wege und die Zustellungs­gebühren, auf welch' letztem Umstand insbesondere der Landmann erheblichen Werth legt." Am 31. März d. Js. befanden sich bereits 1142 Posthülfsstellen in Wirksamkeit, wovon 166 unentgeltlich verwaltet werden. Die übrigen Post­hülfsstellen-Inhaber beziehen eine mäßige Entschädigung von durchschnittlich 42 «X jährlich für die Hergabe der Räumlichkeiten, Schreibmaterialien u. s. w. Der Verkehr bei diesen Posthülfsstellen war verhältnißmäßig sehr rege. Es wurden in einem Jahre über 8 Mill. Sendungenbehandelt", und zwar an­kommend 6 Mill., abgehend über 2 Mill. Stück. Außerdem haben die Hülfs- stellen für über 235,000 Jt. Freimarken abgesetzt. Dazu tritt eine Porto- Einnahme für unfrankirte Sendungen von über 21,400 Jt Die Ausgaben für den Betrieb der Hülfsstellen kommen auf 42,500 die Minder-Einnahmen an Bestellgebühren u. s. w., welche den Landbewohnern erspart sind, auf 15,400 Für das Etatsjahr 1882/83 steht zunächst die Einrichtung fernerer 1100 Posthülfsstellen in Aussicht.Die spätere Umwandlung der bedeutendem Posthülfsstellen in förmliche Postanstalten, deren Vorstufe sie gewissermaßen bilden, bleibt vorbehalten." An den Vortheilen der geschilderten Reformen im Landpostwesen waren Ende März d. Js. bereits 8 Mill. Landbewohner bethei- ligt; als abgeschlossen kann die Neuordnung noch nirgends gelten. Während der letzten 6 Jahre wurden in Orten des platten Landes 4000 Telegraphen- Anstalten eingerichtet.

Dre-den, 30. Octbr. Auf der durch den Rabenauer Grund führenden Secundärbahn Haimberg-Dippoldiswalde-Schmiedeberg fand heute unter Theil- nahme hoher Beamten der Ministerien der Finanzen und des Innern die Er­öffnungsfahrt statt. Die Stadt Dippoldiswalde gab den Gästen ein Diner. Auch die Secundär-Bahnstrecke Kirchberg -Saupersdorf ist heute eröffnet worden.

Aesterreich.

Meran, 31. Octbr. Die Eisenbahn geht von Jnnsbmck her nur bis Brixen, von da an füllt ein weiter See das Eisackthal. Im Süden, von Ala her, ist die Bahn nur bis Noveredo im Gange. Vom letzeren Orte bis Brixen wird auch der Wagenverkehr noch auf Tage und Wochen unterbrochen sein. Diesmal haben die Behörden den Telegraphen besser benutzt und von Norden her das Hochwasser aus der Rienz und dem Eisack angemeldet, so daß Bozen durch die mit großer Anstrengung arbeitenden Kaiserjäger, Landesschützen und die auf dem Durchmarsch befindlichen Mannschaften vom Regiment Maroicic, sowie durch die tapfere freiwillige Feuerwehr vor Ueberfluthung geschützt wurde. Die Verbindung auf der Fahrstraße zwischen Bozen und Meran bei Siebeneich wird durch ein Floß und einen Kahn vermittelt. Der durch das erste Hoch­wasser verursachte Schaden ist abgeschätzt und beläuft sich auf ca. 15,593,000 fl. excl. des Schadens an Straßen, Brücken und der Südbahn. Das Wasser fällt jetzt schnell. (Fr. Z.)

Aegypten.

Kairo, 30. October. Die acht Hauptangeklagten Arabi, Ali Femi, Ab- dellal, Tulba, Osman Fauzi, Dakub Sami, Rifaat und der Scheik Abdu wer­den, wie nunmehr bestimmt ist, von Broadley vertheidigt werden. Gerücht­weise verlautet, daß es etwa 500 Mann von den hier befindlichen englischen Truppen erlaubt werden würde, an der Expedition nach dem Sudan als Fret- wMge theilzunehmen.

Telegraphische Depeschen.

Wotff's telegr. Lorrespondenr-Birrearr.

Baden-Baden, 31. Octbr. Das Allgemeinbefinden Ihrer Maj. der Kaiserin ist befriedigend. Der auf den Wunsch Sr. Maj. des Kaisers zu einer Consultation hierher berufene Wirkt. Geheimrath v. Langenbeck hat sich dahin ausgesprochen, daß die Art der Verletzung zur Heilung überhaupt längere Zeit bedinge und daß irgend welche Gründe zu Besorgnissen durch die Lang­wierigkeit der Heilung ebensowenig, wie durch besondere Erscheinungen gerecht­fertigt würden.

Lyon, 31. Octbr. Gestern sind hier 7 Anarchisten unter der Anschul­digung des Mordes verhaftet worden, zwei derselben werden auch der heimlichen Anfertigung von Dynamit beschuldigt.

Madrid, 31. Octbr. Von den nördlichen und südlichen Küsten Spa­niens werden heftige Stürme gemeldet, die auf dem Meere zahlreiche Unglücks­fälle angerichtet haben.

Kairo, 31. October. Der englische Generalconsul Malet theilte dem Khedive eine Depesche Lord Granville's mit, in welcher es heißt, da die Rege­lung der egyptischen Angelegenheiten mit sehr verwickelten politischen Fragen in Zusammenhang stehe, würde es unbillig sein, dem Generalconsul Malet allein die ganze Verantwortlichkeit zu überlassen. Malet besitze zwar das vollständige Vertrauen der englischen Regierung, die Regierung halte es aber gleichwohl für nützlich, daß Lord Dufferin sich auf einige Zeit nach Egypten begebe.

New-Uvrk, 31. Octbr. Gestern Nachmittag 5 Uhr brach in dem Park-Theater ein Feuer aus, durch welches das Gebäude in kurzer Zeit voll­ständig in Asche gelegt wurde.

Lokales-

Gieüen, 1. November. ^Sterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle betrug im Laufe der Woche vom 22. bis 28. Oktober im Ganzen 8 und zwar wurden 4 Kinder und 4 Erwachsene betroffen. Von 3 Kindern im ersten Lebensjahre starben 2 bald nach der Geburt an Lebensschwäche, eins von drei Monaten an Darmcatarrh. Ein Kind von 6 Jahren erlag Der Diphtherie Bei den 4 verstorbenen erwachsenen Personen war je einmal Altersschwäche, Krebs, Verschwärung der Wirbelknochen, Lungenentzündung die Todesursache te = , n 0.

Metzen, 1 November. Im Volksbildungs-Verein wurde gestern Abend die Winter-Saison mit einem Vortrag unseres Reichstags-Abgeordneten, Herrn Dr. Gutfleisch eröffnet. Mit herzlichen Worten begrüßte der Vorsitzende des Vereins Herr Professor Gareis, die überaus zahlreich erschienenen Zuhörer. Er theilte mit daß auch in diesem Winter wieder in Gemeinschaft mit dem Gewerbeverein eine Reihe' von Vorträgen abgehalten werden solle und forderte zum Besuch derselben freundlichst auf. Nach dieser kurzen Ansprache hielt Herr Dr. Entfleisch seinen angekündigten Vortrag über Unfallversicherung. In ^stündiger fließender Rede erläuterte unser Abgeordneter die schwierige Materie in so klarer und präciser Weise, daß Jedermann hoch befriedigt sein mußte. Es würde uns zu viel Raum einnehmen,