Ausgabe 
2.3.1882 Erstes Blatt
 
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Ar. 32. Wr-ft-i-s Blatt. Donnerstag den 2. März 1882.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureau r Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Amtlicher Hheil.

Betreffend: Drainirung in Flur IV, X, XI, XII und XIII der Gemarkung Hungen.

Bekanntmachung.

Bei der gemäß unserer Bekanntmachung vom 14. Januar l. I. (Anzeiger Nr. 16) vorgenommenen Abstimmung vom 25. Februar l. I haben 70 Betbeiliate deren Grundbesitz einen Flächengehalt von 252236 qm mit einem Steuerkapital von 242 fl. 54 fr. hat, gegen das Unternehmen gestimmt. Da aber der Grundbesitz der Mehrheit, nämlich von 152 Betheiligten, welche gesetzlich als für das Project stiminend angesehen werden, eine flache von 928068 qm mit-einem Steuerkapital von 974 fl. 24 fr. repräsentirt, ist die Ausführung der Pläne beschlossen worden.

Es wird dies unter beut Anfllgen zur Kenntniß der Betheiligten gebracht, daß die aus die Abstimmung bezüglichen Actenstucke 14 Tage lang, von der ortsüblichen Verkündigung dieser Bekanntmachung an gerechnet, auf dem Bürgermeisterei-Bureau zu Hungen zur Einsicht der Betheiligten osten liegen und daß eine Anfechtung der Zulässigkeit oder Rechtsbeständigfeit der Abstimmung oder des vorstehend angegebenen Resultates derselben binnen der obigen Arstt bei Dtcidung des Ausschlusses mittelst Rekurses an den Kreis-Ausschuß des Kreises Gießen stattfinden müßte.

Gießen, den 1. März 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Politische Ueberficht.

Gießen, 28. Februar.

Der Bundesrath hielt am 23. Februar eine Plenarsitzung ab Von den zur Berathung gelangten Gegenständen ist besonders zu erwähnen die Vorlage, betr. die Grundsätze bei Besetzung der Subaltern- und Unterbeamten- Stellen bei den Reichs- und Staatsbehörden mit Militäranwärtern, welche nach den Ausschilßanträgen in erster Lesung init einigen unwesentlichen Abänderungen angenommen wurde.

Der König von Bayern hat, wie aus München berichtet wird, dem Präsidenten des bayerischen Staatsministeriums, Cultusminister v. Lutz, ein Handschreiben zugehen lassen, welches, wie man erwartet, officiell zur Kenntniß der zweiten Kammer gebracht werden wird.

Die zweite sächsische Kammer, von welcher die Forderung des Justizministers zu persönlichen Zulagen au richterliche Beamte atu 26. Januar abgelehnt worden war, hat auch den Beschluß der ersten Kammer, dem Justiz- minister das Postulat zu persönlichen Zulagen an richterliche Beamte in be­schränkter Disposition zu bewilligen, in ihrer Sitzung vom 24. Februar abgelehnt.

In der österreichischen Hauptstadt beginnt der bevorstehende Urtheilsspruch in dem Proceß wegen des Ringtheaier-Brandes die Aufniertsain- keit zu erregen. Sämintlichen acht Angeklagten ist die Anklageschrift am Freitag zugestellt worden und darf man gespannt sein, rote das Urtheil ausfallen wird. Die angemessene Bestrafung derjenigen Personen, welche die unmittelbare Schuld an jener fürchterlichen Katastrophe tragen, ist allerdings eine Coitcesfion an die öffentliche Meinung, eine eventuelle Bestrafung der zunächst Schuldigen würde aber trotzdem auch eine, wenngleich nur indirekte, Verurtheilung der eigenthüm- lichen Verhältnisse in der Verivaltung Wiens bedeuten, ivelche mit die Schuld an dein entsetzlichen Ereignisse voin 8. December v. Js. tragen.

Das englische Unterhaus hat nun in voriger Woche, wie in feiner letzten Session, wiederum seinen Bradlaugh-Scandal gehabt, welche Affaire sich schließlich zu einer Schlappe für das SDiinifterium Gladstone gestaltete. Denn daß der conservative Antrag auf Ausweisung des durch sein tumultuarisches Auftreten hinlänglich bekannten Bradlaugh aus dem Hause mit der imponirten Majorität von 291 gegen 83 Stimmen angenommen wurde, ist ein bedenkliches Zeichen für die Lagez des Cabinets Gladstone, denn offenbar stimiuten viele Liberale mit den Conservativen, also mit den Gegnern des gegenwärtigen liberalen Cabinets und der Umstand, daß die radikalen Minister - Collegen Gladstone's gegen den conservativen Antrag stimmten, beiveist deutlich, daß das englische Cabinet bereits beginnt, sich in einen gewissen Gegensatz zu vielen seiner bisherigen Anhänger zu setzen. Falls das Ministerium noch inehrere solche Nie­derlagen im Laufe der Session erleiden sollte, wozu auch Aussicht vorhanden ist, so kann man dann wohl behaupten, daß seine Tage gezählt seien.

In Petersburg hat in voriger Woche der große, schon vor längerer Zeit in Aussicht gestellte Nihilistenproceß gegen Trigonja und 19 Genossen be­gonnen. Rach dem Inhalte der Anklage steht die jetzige Verhandlung mit dem Attentate aus Kaiser Alexander III. vom 13. März v. Js., mit der Ermordung beä Generals Mesenzeff, sowie mit dem im Renteigebäude in Gerson ausge- stihrten Millwnendiebstahle in engstem Zusantmenhauge. Die russische Regierung hat die strengste Geheimhaltung der Verhandlungen während des Processes an­befohlen und nur sehr weuigeu Personen den Zutritt gestattet. Ja, der Ge­richtspräsident wollte sogar den Vertheidigern verbieten, sich während der Ver- ^""lungen mit ihren Clienten zu berathen, doch ivurde auf den Protest der Verthewiger dieses Verbot wieder zurückgenoinmen. Die Angeklagten, deren Benehmen in den Verhandlungen durchgehend als frech und herausfordernd ge- fchtldert wird, leugneten alle timen zur Last gelegten Vergehen. Die Hetzereien in der panslavistischen Presse gegen Deutschland dauern fort. So reproducirt dieNordd. Allg. Ztg." einen Artikel des russischen BlattesNeue Zett über die Bedeutung der Skobeleff'schen Reden und hebt hervor, daß der Artikel von einer Zeitung gebracht werde, die das Organ Jgnatieff's sei und dies sei um so auffälliger, als der Artikel seine Umsturz-Tendenzen auch gegen

das russische Kaiserthum richte. Wenn die Russen einen Atilla oder Tamerlan spielen wollten, so sei nicht anzunehmen, daß dies unter der Führung der Dy­nastie geschehen sollte. DieReue Zeit" nenne auch nicht den Kaiser Alexander, sondern Skobeleff ihren Atilla. Wenn Skobeleff die Ikussen deutscher Abstam­mung in erster Linie als den Feind Rußlands bezeichne, wisse Jeder, daß dazu in erster Linie die kaiserliche Dynastie gerechnet werde.

Aeutschland

sschütz zu den Realschulen für dos Jahr 188283 in das «udart ewmn-u-n, ort,.. Wau§0abung (ür 188285 jedoch davon abhängig zu machen i,°s> die R-ai-rung vor Abtaus des ersten Budgeliahres eine Vorlage aus Utbernabme der Kost"« ber^ealfcbulcn auf die Staatskaste an den Landtag gelangen lasse" 2 eventstell Di-Anforderung von 142,725 M als Zuschuß zu den Real­schulen in das Budget etnzusiellen, deren Verausgabung für 188385 i-doch davon abhängig »u machen, daß die Regierung vor Ablauf des ersten Budgetjahres di- Bei-

Darrustudt, 27. Febr. Schon jetzt ist es sicher, daß der Kugler'sche Antrag ivegen Verpachtung der Oberhessischen Bahnen in der zweiten Kammer keine Mehrheit finden wird. Nach den Anträgen des Finanz-Ausschusses soll der seitherige Steuer-Ausschlag beibehalten tverden, jedoch eine weitere Verein­barung über die Höhe desselben stattfinden, wenn im Laufe der bevorstehenden Finanzperiode eine Abänderung der zur Zeit hinsichtlich der directen Steuern bestehenden Gesetzgebung erfolgt oder falls der Hessen aus den Zöllen der Tabaks­und der Reichsstempelsteuer zufließende Betrag die für den Matrikular-Beitrag aufzuwendende Summe in einem der Etatsjahre der bevorstehenden Finanzperiode um mindestens 400,000 M. übersteigen sollte. Nach den Anträgen des Aus­schusses und in Folge des bekannten Richter'schen Antrags in Betreff der Atatri- kularbeitrüge tvird unser Staatsbudget mit einem Ueberschuß von 337,000 abschließend Im Finanz-Ausschuß ist nachdrücklichst die Regulirung der Wetter, sowie Herstellung entsprechender Be- und Entwässerungs-Anlagen der Wiesengründe des Wetterthals betont worden.

m. Darmstadt, 28. Februar. sZweite Kammer der Stände. 11. Sitzung.) D:e Kammer nahm in ihrer heutigen Sitzung zunächst di- Beantwortung dreier Inter­pellationen von Seiten der Regierung entgegen. Es sind dies die Interpellationen des Stig. Arnold, die Abgabe von Woldstreu aus Eommunalwaldungen bete., der Abgg. Ellenberger und G-nossen, Loosholzbezug, Abästung der Baume am Rande des Waloes und Streuabgabc betr., und des Abg. Sturmfels, den Umbau der Staats- strotzc von Grünberg nach Hungen am Ausgang von Grünberg betreffend. Die Beontwoetung der beid>n erstgenun ten JM-i p-llMwn-n veranlassen eine längere Be­sprechung auf welche wenn auch nur auszugsweise einzugehen, uns der Raum verbleiet. Die Kammer fährt sodann fort in der Beraihmig des Haupt-Voran­schlags der Staatsausgaben für die Finanzperiode 188285. Zu Cap. 67, Gymnasien", beantragt Abg. von Jungcnseld, die Kammer wolle die Regierung ersuchen, in Zukunft bei Amstcllung des Hauxivoianichlags auch für das Gymnasium in Mainz die betrlffenii-n persönlichen und sachlichen Ausgaben in Ansatz zu bringen und dabei zu bemerken, durch welche Einnahmen und Beiträge dieselben gedeckt werden. Weiter beantragt derselbe Abgeordneter Die Kammer wolle erklären, daß die Beschlüsse bezüglich der Vorschulen an den Gymnasien zu Darmstadt und Gießen auch hinsichtlich der gleichen $oifdiule zu Mainz Geltung zu finden haben. Staatsmmister Freiherr von Starck erklärt, die Regierung sei grnöthigt, gegen einen derartigen Beschluß Widerspruch einznlegen. Da in dem Budget Mittel für die Erhaltung der Vorschule in Mainz ,r cht eingestellt seien, so werde auch die Kammer nicht in der Lage fein, über die Existenz oder Nichtexistenz dieser Vorschule Beschlüsse zu fassen! er bestreite Hr dazu di- Eompctenz. Präsident Kugler verweist hiernach beide Antrag-zur geschafM- ordnungSmäßigen Behandlung an den Ausschuß - Gelegentlich btefe§ GapitelSmttt eine Vorstellung von seminaristisch gebildeten Lehrern an den höheren Lehranstalten zu Darmstadt, Mainz, Gi-tzen, Offenbach und Worms erledigt, Erhöhung des

Maximalgehaltes bitten. Nach kurzer Debatte, IN welcher Abg. Strode dem Wunsche Ausdruck gibt, daß die Regierung für dw Zukunft den Gegenstand in Er- roäauna rieben möge wird nach dem Antrag des Ausschusses der Beschwerde keine Folge geg-b-n - Zu Cap. 38,Realschulen" beantragt der Ausschuß, außer kleineren Abstrichen an den Etats der Anstalten zu Michelstadt,, Isfeld, Friedberg,je^Beitraa?- LLLL &<«««*-«

lltcruul8abun0 für 188285 jedoch davon abhängig zu oab ouoflci einjujuucii,______ mttinns elften Budaetiabres eine Vorlaae auf