Ausgabe 
1.10.1882 Erstes Blatt
 
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Lokales.

Verdutzt drehte sich der Kellner um, das rächte der ganz verlegen gewordene Kellner

verschwunden war.

ß e t m i f Ä t H.

Mainz 28. September. In einem Weinberge in der Nähe von Hochheim wurde vorgestern die Leiche eines Flörshetmer Bürgers Namens Schellheim aufgefunden. Die voraenornmene Untersuchung an dem Leichnam constatlrte, daß Schellhetm durch ^nen Schuß ermordet worden und demselben noch nachträglich mtttelst ernes schweren Keaenstandes der Schädel eingeschlagen worden war; tn der Nahe der Leiche wurde nnck noch ein Gewehr vorgefunden. Ueber die Ursache des Verbrechens ist noch nichts "bekannt, doch wurde so viel bereits constaUrt daß Schellheim am ver­flossenen Donnerstag mit einem anderen Flörshetmer Bürger nach Hochheim gehen wollte, seit dieser »Zett aber nicht mehr gesehen wurde. Die Untersuchung t|t in vollem Gang $$ September. Die Gebrüder Freiherren v. Rothschild haben

iüngst ihr Einkommen zum Zweck der Besteuerung angegeben und zwar hat der rüngere Bruder nach dieser Angabe das größere Einkommen, denn er ist für das laufende Jahr intt1 einem solchen von 4,788,000 X eingcschätzt. Während Baron Willy Rothfchtld diese Summe angegeben hat, wird vom Baron Maier Karl ein Einkommen von A 000 X versteuert- Nach diesen für die Besteuerung angegebenen Ziffern würde her Baron Wlly an jedem Tage die ganz nette Einnahme von 13,120 X haben- eine Summe mit der eine Familie em Jahr recht angenehm leben kann. Für jede Stunde "berechnet sich das Einkommen des Barons Willy Rothschild auf 546 X,für

Minute auf 9 X und demnach für jede Secunde auf 15 Pf. Das Letztere klingt nm Ende nicht sehr hoch - aber das Jahr yat eben 31.536,000 Secunden! Wenn Brnon Rothschild vierzig Jahre der Selbstständigkeit für sein Leben rechnet und wenn iäbrlich eine volle Million ausgibt, dann würde jeher der beiden Bruder, Zws auf ^ins aerechnet, nach seinem Tode ungefähr vierhundert Millionen Mark mehr hinter­lassen, als er seiner Zeit von seinem Vater ererbte.

Berlin 27 September. S. M- S-Hertha", 19 Geschütze, Commandant Eavt zur See von Kall, ist am 17. August er. auf der Rhede von Lagos eingelroffen unh nm 24 desselben Monats wieder in See gegangen. So wird amtlich gemeldet. Aus esilem Privatbriefe entnimmt dieWeser-Ztg.", daß dieHertha" Befehl erhalten bat die Küste von Oberguinea anzulaufen und dort von einem eingeborenen Neger­slamm, welcher kürzlich ein deutsches Schiff überfallen und geplündert hat, Genug- ibuuna und Schadenersatz zu verlangen, eventuell denselben zu züchtigen. Am 17. August hat die Hertha" im Hafen von Lagos oder richtiger auf der Rhede sich vor Anker aeleat Am folgenden Tage ist der deutsche Consul aus Lagos an Bord gekommen und bat mitgetheilt, daß derselbe Stamm, welchem die Expedition gilt, auch ein englisches Sckiff überfallen hat; daß übrigens von den ziemlich kriegerischen Eingeborenen, welche unter der nominellen Oberherrschaft des Königs von Dahomey stehen und diesem Tribut entrichten, schwerlich etwas zu erreichen sei. Auf derHertha" ist darauf alles ru Hner Landung und einem Angriff auf die Eingeborenen vorbereitet. Die eigentliche Landunasstreitmacht ist auf 135 Köpfe bemessen, die sämmtlich mit je 50 scharfen mannen versehen sind. Ein Reservecorps von 40 Mann soll den Soutten der An- nr?ffer bilden und es ist Vorsorge getroffen, daß vom Schiffe selbst aus die Küste ss Deckuna der Landungstruppen mit Granaten bestrichen werden kann. Der

Anariff war auf den 20. August tn Aussicht genommen.

_ ßun schreckliches Unglück meldet die Italia, das sich in der Nacht vom 18. h.n io Sevtember zu Cavaller Maggiore in Piemont zugetragen hat. Man fand 2 -wölf Mädch-n, die bet der Setdensptnneret ft-schäftlgt waren, an Erstickung weil sie in ihrem Zimmer eine halbabgedrehte Petroleumlampe hatten brennen ?n!s^n Die klamme iheilte sich der Flüssigkeit im Innern des metallenen Behälters wad?rck> di-Estlckung h rb-Ig-führt wurde. Man sand am Morgen di- Leichen mis allen Zeichen des T°d-sk°mpses, den di- Unglücklichen ausgestanden hatten.

»abteten Vertonen wird auf 5, di-i-nlgen der verwundeten auf 20 angegeben. Der Per- fnnf>nhrtbnbDt ist vom Feuer verschont geblieben, aber sammtliche Waarenmagazine, Ne WsE^r^iMrme^ auf 10 Tage enthielten, sowie gegen 100 Wagen m.t ^''"Preßburg?30. Septbr. (Privat-Depesche). Heute Nacht wie- verholten sich die Exceffe gegen die Juden. Das Militär schritt ein und mehrere Verhaftungen fanden statt. Wie verlautet, ist die Publicirung des Standrechts bevorstehend.

iÄiesien, 30. September. Schwurgerichtsverhandlung am 29. September gegen Wilhelm Röhrig V. von Homberg wegen Meineids.

®ebafe^om 4^ unbl18.Hpril l. I. vor Großh. Schöffengericht Homberg, einer rur Abnahme von Eiden zuständigen Behörde, tn der Pnoatklagesache gegen zMhelm Mensdorf von Homberg wegen Beleidigung den ledesmal vor seiner Vernehmung als Zeuge geleisteten Eid wissentlich durch em falsches

^ria^wurd/^für^schuldig erachtet und in eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten, sowie jur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer nnn 3 wahren verurlheilt, ihm auch die Befugntß abgesprochen. I- wieder als Zeug­oder Sachverständiger eidlich vernommen zu werden.

Giesten, 30. September. Herr Professor Bontng, den Z-itung-n grober Städte als -inen der besten Magiker, Physiker und Bauchredner b-z-ichn-n will von Sonntaa den 1. October an hier einige Vorst-llung-n ,m Saale des Cafs Leib geben. Gan, kürzlich ist H-rr Böning in Hannover ausgetreten und svricht sich der »Hannov. Courier^ äußerst anerkennend über seine Leistungen aus, nebenbei. feine nt-dl.ch-n xächter welche ihm bei den Vorst-llung-n als Pagen d-enm, -rwahn-nd. Es mag bier-in'k"mt,cher Vorfall erwähnt werden, welcher sich g-l-g-ntlich der Anwcs-nh-tt Böninas in einer süddeutschen Stadt ereignete. Herr B. hatte, von Niemandem gekannt, einem Kaffeehaus Platz genommen und bestellt- dort -m- Portion Kaffee. Der Kellner brachte das Verlangte, hatte aber kaum den Rücken gewandt, als Herr B. chm rurief, «0 denn der Kaffee bleibe! Verdutzt dreht- sich der Kellner um, das Kast-ea-schirr war verschwunden. Endlich brachte der ganz verlegen g-word-nc Kellner eine »weite Portion, hatte sich aber kaum wieder umgedreht, als der unheimliche Gast iNn abermals mit dem obigen Zuruf beglückte. Als der Kellner zum zweiten Male den Tischler stehen fah, riß ihm di- Geduld, er holt- den Principal. 2UIe§ umringte d n ruhig dasitz-nd-n Fremden Dieser erhob sich gelassen, gr.ff dem Kellner m di- hintere Rocktasche und zog aus derselben sämmtllches Kaffeegeschirr heraus, waches derselbe zweimal dem fremden Gast vorgesetzt hatte und das auf so rathselhafte Weise

Die mit der Bayerischen Landesausstellung in Nürnberg verbundene Lotterte erfreut sich nicht minder des besten Erfolges, als die Ausstellung selbst; der Absatz der Loose hielt mit dem enormen Besuche der Ausstellung gleichen Schritt, wozu nicht zum wenigste!! die glückliche Auswahl der Gewinne und die Begünstigung, daß die Haupt- industriegewmne in Baar umgetauscht werden können, betgetragen haben mögen. Welchen Besucher der Ausstellung haben nicht die schönen Gegenstände, die angekauft wurden, gefreut? Die Loose sind weit über unsere Grenzen hinaus sehr beliebt, was die rege Bethetligung des Auslandes beweist und mag Jeder, der noch Loose wünscht, zu deren Anschaffung schreiten, da der günstige Geschäftsgang einen nahen Schluß des Verkaufes wahrscheinlich macht.

Handel und Berkehe.

Gießen, 30. September. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter per Pfund X 1.101.12, Hühnereier per Stück 67 2 Stück 13

Käse per St. 59 H, Käsematte per Stück 3 H, Erbsen 1 Liter 20 H, Linsen 1 Liter 24 H, Tauben das Paar 5060 Hühner per Stück X 0.901.00, Hahnen per Stück «X 0.550.90, Enten per Stück X1.501.80, Ochsenfleisch per Pfund 6670^, Kuh- und Rindfleisch 5660 H, Kalbfleisch 50 bis 54 Schweinefleisch 6264 X Hammelfleisch 6066 H, Kartoffeln per 100 Kilo X 6.0010.00, Zwiebeln per Centner X 45.50, Milch per Liter 1418 Gänse X 3.004.00. Zwetschen pr. Ctr. X 78.

Frankfurt a. M., 30. Septbr., Nachmittags 2 Uhr Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactien 272%, Staatsbabnactien 298V2, Galizier 273%, Lombarden 123%, Nord- meftbahnactien, Darmstäoter-Baukactieu 158%, Oberschlesische E.-B.-Act. 258%, Oesterr. Silberrente 66, 4% Ungar. Goldrente 751/, 4% 1880er Russen 70%, 5% 1877r Aiussen 86%, 2. Orient-Anleihe 56%, Spanier 64%, 5% Rumänische Rente 91%, 4% Unific. Egypter 70. Tendenz fest-

Ein Freund in der Noth.

Amberg, den 30. Dezember 1880. Geehrtester Herr Apotheker! Ich habe voriges Jahr von Ihren so berühmten Schweizerpillen Gebrauch gemacht und kann Ihnen der Wahrheit gemäß meinen Dattk aussprechen, daß Ihre Pillen, was Sie ver­sprechen, auch bewirken; denn was bei mir ein geschickter Arzt Jahre lang nicht ver­mochte, das erlangte ich durch Ihre Pillen. Es grüßt Sie hochachtungsvoll Kunigunde Donhauser.

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Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen. »Aufgebote.

September. 26. Lieutenant Karl Hermann Adalbert Clausius in Gießen mit »ska Bertha Martha Wielke, Tochter des verstorbenen Kaufmanns Emtl Wielke erltn. 27. Schneider Ernst Zetdter von Gießen mit Susanne Kaufmann, Tochter des Schuhmachers Heinrich Gottlieb Kaufmann von Alsfeld. 28. Conditor Friedrich Georg Christian Carl L>nd mit Luise Johannette Karoline Nehmeyer, Tochter des Hospitalvrrwalters Wilhelm Nehmeyer von Gießen. 29. Schlosser Jacob Rau von Gießen mit Luise Wilhelmine Henriette Nitschke, Tochter des Agenten Theodor Karl Nttschke von Halle a. S-

Eheschließungen.

September. 25. Der praktische Arzt Dr. Karl Posner von Berlin mit Sophie Rosenberg, Tochter des Rechtsanwalts Dr. Anton Rosenberg von Gießen.

Geborene.

September. 21. Dem Tapezier Wilhelm Böhling ein Sohn, Friedrich Julius. 21. Ein Sohn von auswärts, Hermann. 24 Dem Kaufmann Karl Matth. Cahn ein Sohn, Ludwig Gustav. 24. Dem Houtboist Franz Geißler eine Tochter, Pauline. 25. Dem Wirth Wilhelm Hammel eine Tochter, Helene. 26. Dem Bremser Joh. Höfer ein Sohn, Emil Hermann Nicolaus. 26. Dem Schneidmüller Johs. Weigel V. von Kleinlinden ein Sohn-

Gestorbene.

September. 22. Kaufmann Karl Friedrich Heinzerling, 32 Jahre alt- 24. Luise, 1 Jahr alt, Tochter des Schlossers Georg Lampus. 25. Marie, 4 Jahre alt, Tochter des Schuhmachers Wilhelm Drescher. 27. Wilhelmine, 5 Monate alt, Tochter des Bremsers Christian Heinrich S'-mon. 27. Dem Schnetdmüller Johs. Weigel V. von Kleinlinden em Sohrt, 1 Tag alt 28. Julius, 1 Jahr alt, Sohn des Schuhmachers Wilhelm Drescher. 29. Schuhmacher Philipp Lather, 27 Jahre alt.

Auszug aus dm Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 23. September. Ludwig Karl Philipp Welker, Wirth in Gießen und Elisabeth Margarethe Desch, Tochter des verstorbenen Ackerers Heinrich Desch in Wetzlar.

Getaufte.

Den 24. September. Dem Gensdarmen August Friedrich Hermann Zater ein Sohn, Hermann Heinrich Georg Jakob, geboren den 3. August.

Denselben. Dem Güterexpeditions-Gehilfen Julius Adolf Gerndt eine Tochter Christiane Justine Henriette, geboren dm 25. August.

Denselben. Dem Taglöhner Johannes Neeb eine Tochter, Anna Maria Elise, geboren den 5. August.

Denselben. Dem Schneidermeister Johann Peter Leilich ein Sohn, Karl Otto, geboren den 4. September.

Denselben. Dem Hilfsweichensteller Friedrich Kauntz eine Tochter, Lina, geboren den 26. August.

Denselben. Dem Kaufmann Otto Balzer ein Sohn, Fritz, geboren den 6. Septbr.

Denselben. Dem Schreinermetster Justus Heck ein Sohn, Wilhelm Karl, geboren den 5. September.

Denselben. Dem Braumeister Otto Müller ein Sohn, Friedrich Wilhelm August, geboren den 29. August

Den 28. September. Dem Zugführer Georg Friedrich Brückel eine Tochter, Emilie Katharina, geboren den 12..Juni.

. Beerdigte.

Den 24. September. Karl Friedrich Heinzerling, Kaufmann zu Gießen, alt 32 Jahre, gestorben den 22. September.

Allgemeiner Anzeiger.

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