Ausgabe 
1.10.1882 Erstes Blatt
 
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Amts- und Auzeigeblatt für den Kreis Gießen.

1882

Bureau: Schulstrahe 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheit.

Bekanntmachung.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Verein zur Erbauung einer katholischen Kirch- in Mainz (Neustadt, Gartenfeld) die Erlaubniß ertheilt, eine Verloosung von Werthgegenständen, bestehend in Brillanten, Gold-, Sllber-, Industrie- und Kunstgegenständen, zur Vermehrung der Mittel für diesen Bau zu veranstalten. Es dürfen zu dieser Verloosung 100,000 Loose in 4 Klassen ausgegeben werden. Die mit einem Gewinn gezogenen Loose scheiden für die nächstfolgenden Klassen aus. Der Preis des Looses beträgt: für die erste Klasse: 2 Jl., für die zweite Klasse: 1 M., für die dritte Klasse: 2 M. und für die vierte Klaffe: 3 JL Der Werth der zu verloosenden Gegenstände muß 43% der Einnahme aus den Loosen betragen.

Die Loose dürfen im Großherzogthum vertrieben werden.

Gießen, am 29. September 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

i»r. Boekmann.

Gefundene Gegenstände:

1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Stück Franzen, 1 künstliche Rose und 2 Lederriemen, 1 Heugabel, 1 Etui mit Inhalt, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken Gießen, am 30. September 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

___________________________ Fresenius. _________________________________________

An die Groscherzoqlichen Bürgermeistereien des Bezirks.

Die mit Ende dieses Monats September fälligen Heugrasgelder der Oberförsterei Gießen, Schiffenberg und Treis a. d. Lumda, sowie die Holz­gelder der beiden letztgenannten Obersörstereien sind bis zum 25. Oktober l. I. bei Meidung der Mahnung anher zu bezahlen.

Sie wollen hiervon Ihren Gemeinde-Angehörigen auf ortsübliche Weise Kenntniß geben.

Gießen, den 29. September 1882.

Großherzogliches Rentamt Gießen.

Deutschland.

Berlin, 28. September. Von der Marine ist Folgendes zu melden: Auf der Kaiserlichen Werft in Danzig sind bis jetzt die von der Sociötö electrique Edison in Parts gelieferten beiden dynamo-elektrischen Maschinen und 200 elektrische Glühlampen eingetroffen, mit denen demnächst der Versuch, eine elektrische Beleuchtung einer Werk­statt, eines Bureauzimmcrs und eines Thetles des Werftraumes angestellt werden soll. Das auf der WerftVulkan" bet Stettin nm erbaute chinesische Panzerschiff wird durch eine neue deutsche Marine-Besatzung, die bestimmt ist, die Mannschaft eines seit längerer Zeit in den chinesischen Gewässern stationirten Kriegsschiffes abzulösen, nach China übergeführt werden Die chinesische Regierung hat wieder vier Torpedoboote beimVulkan" und zur elektrischen Erleuchtung der Räume des neuen Panzerschiffes 250 Edison'fche Glühlampen in Bestellung gegeben. Interessant ist es, zu erfahren, daß das beim Bombardement in Alexandrien von dem englischen PanzerschiffIn­flexible" benutzte prismatische Pulver deutsches Fabrikat aus einer Fabrik in Hamm o. d. Sieg war. Die Engländer haben dieses Pulver allgemein eingeführt.

Die Nachricht desSchwäbischen Merkurs", der Stadtverordnete Limprecht habe Forckenbeck, Straßmann und Löwe wegen Meineids denuncirt, ist erfunden- Gegen das Blatt wird voraussichtlich Klage erhoben werden.

Karlsruhe, 28. September. DieKarlsruher Zeitung" veröffentlicht den Vor­trag, welchen das Großh. Ministerium des Innern über die Hülfeletsiung nach dem Eisenbahnunglück bei Hugstetten unterm 19. ds. an den Grotzherzoa erstattet hat. Der Vortrag constatirt auf Grund der Berichte des nach Freiburg entsendeten Ober-Medi- cinalrath Battlehner, daß seitens der Aerzte, der Gemeinden Hugstetten und Hochdorf, sowie der Beztrksverwaltung gelegentlich des Unglücks Alles geschehen se', was unter den obwaltenden Verhältnissen geboten und möglich war. Die erste HÜlfsthätiakeit wird in folgender Weise dargestellt:

Sofort, nachdem das Kind des Bahnwarts Freßle die erste Nachricht nach Hugstetten gebracht hatte (noch vor </®9 Uhr), eilten die Einwohner der genannten Orte, meist schon mit den erforderlichen Hülfsger äthschaften versehen, in großer Anzahl zu Wagen und zu Fuß an Ort und Stelle. Der hingebenden Arbeit und rafllosen Thätig- keit dieser wackeren Männer, welche unter der umsichtigen und energischen Leitung der Bürgermeister Morat von Hochdorf und Ramsperger von Hugstetten standen, ist es zu verdanken, daß bereits um V811 Uhr kein Verwundeter mehr unter den theilweise schwer zugängigen Trümmern des Zuges lag, ja, daß die meisten der Verwundeten bei An­kunft der ersten Freiburger Aerzte schon auf dem Transporte nach Freiburg sich be­fanden. Die Thätigkeit der Aerzte an Ort und Stelle erstreckte sich meist auf Anlegung von Nothverbänden, wo solche nothwendig waren, dagegen war nickt eine einzige Unter: bindung-wcgen Blutung vorzunehmen, da die Wunden meist in Quetschungen und Brüchen bestanden. Es möge noch bemerkt werden, daß die erste ärztliche Hülfe durch einen in Neuershausen wohnenden cand. med. Norbert Dettlinger etwa um i/2ll Uhr geleistet wurde, während um die gleicke Zeit der nach Hugstetten geeilte praktische Arzt Denzlinger von Buchheim im Orte thätig wurde. Die noch draußen befindlichen Ver­wundeten wurden ebenfalls theils mit der Bahn, theils mit Wagen nach Freiburg gebracht, so daß kurz vor 2 Uhr kein Verwundeter mehr an der Unglücksstätte oder in Hugstetten vorhanden waren."

Bezüglick der in Freiburg noch befindlichen Verwundeten ist mitgetheilt,daß nach dem Berichte des Medicinalreferenten am 9. d. M. dieselben größtenthetls in der Klinik und 12 in der Augenklinik untergebracht waren, woselbst sie auf das Beste und Sorgfältigste verpflegt wurden. Der Stand derselben betrug in der Frühe des ge­nannten Tages 77, da 11 inzwischen verstorben und 16 entlassen wurden. Noch in der Unglücksnacht vom Sonntag auf Montag waren 4 Amputationen vorgenommen worden und hatten alle ihren regelrechten endgiltigen Verband erhalten, so daß Montag Morgen 8 Uhr diese anstrengende Arbeit der Aerzte beendigt war".

Schließlich wird die Hoffnung ausgesprochen, daß auch weiterhin Alles geschehen wird, was in menschlichen Kräften liegt, um die Lage der Unglücklichen zu verbessern und ihre Heilung herbeizuführen.

ßngkand.

London, 29. September. Aus Kairo wird von heute früh berichtet, daß das Feuer noch brenne. Bezüglich der Entstehung der Explosion für fiten verschiedene Ge­rüchte. Die Eisenbahnbeamten glauben an eine Brandstiftung.

Amerika.

New-Aork, 28. Septbr. Hiesige Blätter melden aus Panama, es

seien Unterhandlungen int Gange, um mit Unterstützung von Chili Pierola wieder zum Präsidenten von Peru einzusetzen.

Telegraphische Depesche«.

Wolffs telegr. Correspondenr-Bureair.

Baden-Baden, 29. September. Se. Majestät der Kaiser ist heute früh 8 Uhr mittelst Extrazuges wohlbehalten hier angekommen und von dem Erbgroßherzog, dem Stadtdirecior v. Göler und dem Oberbürgermeister Gönner am Bahnhofe empfangen worden. Alsbald nach der Ankunft auf dem Bahnhofe erstattete der Leibarzt Dr. Schliep Bericht über das Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin. Auf dem Wege nach dem Meßmer'schen Hotel wurde Se. Majestät von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt Die Stadt ist mit Fahnen geschmückt.

Berlin, 29. September. DerReichsanzeiger" meldet: Die Wahlmännerwahl ist auf den 19., die Abgeordnetenwahl auf den 26. October festgesetzt.

Wien, 29. September. In Preßburg fanden gestern Abend Judenkrawalle von bedeutenden Dimensionen statt. Die Sackträger des Fruchtmarktes eröffneten die Hetze mit dem Rufe: Elfen Jstozcy! Eljen Onody! Man zog zunächst gegen das Tobesco'sche Stiftungshaus, in welchem fast sämmtliche Fenster eingeworfen wurden; sodann ging es an ine Demolirung jüdischer Gewölbe. Obgleich die Stcherheitswache mit blankem Säbel einhieb, erwies sie fich-dem Pöbel gegenüber zu schwach und es mußte Alarm geblasen werden. Der Pöbel begann gerade ein Bombardement m:t Steinen ai f die Synagoge, als Militär mit gefälltem Bajonette anrückte. Die Massen leisteten zwar Widerstand, die Soldaten wurden auch mit Steinen geworfen und mehrere Bajonette wurden zerbrochen, doch gelang es bis zehn Uhr Abends, die Ruhe in der inneren Stadt herzustellen. Indessen begab sich ein Theil der Excedenten in das Blumenthal, wo das einem Juden gehörende GasthausZum weißen Ochsen" geplündert wurde. Vierzig Excedenten sind verhaftet; mehrere befanden sich im Besitz geraubter Sachen. Das Militär ist für heute Abend consignirt; der auf Montag angesetzte Preßburger Jahrmarkt ist abgesagt.

Pretzburg, 29. September. In Folge der gestern Abend in einzelnen von Juden bewohnten Gassen vorgekommenen Excesse, denen durch Militärpatrouillen Em- balt gethan wurde, sind 40 Personen verhaftet worden. Der Magistrat der Stadt er­klärte sich in Permanenz und erließ einen Aufruf zur Beruhigung der Bevölkerung. Das Militär ist in den Kasernen consignirt. Der auf den 2. Oktober fallende Jahr­markt wird nicht abgehalten. , _ r . _ .

Biarritz, 29. September. Die Herzogin von Parma ist in Folge der Ent­bindung von einem tobten Kinde gestorben. a x

London, 29. September. DemBureau Reuter" wird aus Kairo gemeldet: Die Annahme, daß die Explosion das Werk von Brandstiftern sei, wird seitens des englischen Hauptquartiers nicht getheilt. Man glaubt, d^r Brand Entstand durch das Explodiren eines Zünders, welcher zufällig in einer engllschen Gr anale stecken geblieben. Die Eisenbahn ist gegenwärtig wieder frei gemacht, die ^^nbahnschienen sind aber theilweise durch die Gewalt der Explosion verbogen und müssen durch neue ersetzt werden. Von den Soldaten ist nur einer getödtet.

London, 29. Septbr. DieTimes" erfährt, es sei beschloffen worden, 12,000 Mann Truppen in Egypten zu belassen. Von maßgebender eeite werde, befürwortet, das Occupations-Cors zum Theil aus mdrschen Truppen mohame- danischen Glaubens zu bilden. ,

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s? "u«id-Lf!!'7oL-E Mand' sich -.uem gr°ß°n Krüge aussetzen? Das wäre eine thönchte Poülik. Die gestrigen Explosionen auf dem Bahnhof- haben

Kairo, 4» ® P neaen drei Stunden angedauert. Des Feuers am

mürbe man st geg.rr 9 Uhr Abends Herr, der angerichtete Schaden wird ?M mebrer^ hundeOtaus-nd Pfund Sterling angeschlagen. Die Eis-nbahnb-amten halten hl ^7net§brunft für das Werk von Brandstiftern, weil st- di- Wagen von zwei verschiedenc^^istnb^ahnlinKn zu gleicher Zeit in Brand gerathen sahen. Auch wurden nn* her erften Grclcfion zwei Araber IN dem Momente sestgenommm. wo st- an einten Wagen Feuer anlegen wollten, ein dritter Araber enttarn. Die Zahl der ge-