Port Said, 30. Juli. Die französischen Schiffe haben Befehl erhalten, das Durchfahren des Suezkanals einzustellen und in Port Said Station ,u Zo. Juli. Das „Journal de St. Petersburg" meint, die eng-
liscke Regierung stelle das Mandat, welches sie sich selbst ertheilt habe, über das, welches der Pforte durch die Conferenz ertheilt sei. Es sei nicht wahrscheinlich, daß die Pforte diese Lage der Dinge acceptiren werde. Die Pforte werde Truppen entweder schicken kraft des europäischen Mandats oder als suzeräne Macht, oder sie werde auf die Intervention verzichten. Im Fall einer türkischen Expedition würden also zwei Armeen auf dasselbe Ziel hinarbeiten, sich aber ihre gegenseitige Berechtigung bestreiten, und das auf einem Gebiet, wo auch die Interessen der übrigen Mächte in Frage kämen. Die hieraus sich ergebende schwierige Situation erheische die Fortdauer der Verhandlungen zwischen den Mächten im Interesse der Aufrechterhaltung des Friedens im Orient.
Konstantinopel, 30. Juli. Der Secretär der englischen Botschaft, Sandison, begab sich aufs Neue nach Yildiz Kiosk und wiederholte das Ersuchen Lord Dufferms, daß der Sultan eine Proklamation erlassen möchte, die Arabi Pascha zum Rebellen erkläre und die Rechte des Khedive Tewfik aufrecht erhalte. Zugleich gab Sandison die Versicherung, daß England ein Protektorat über Aegypten nicht im Auge habe und eine freundschaftliche Cooperation mit der Türkei wolle.
Konstantinopel, 29. Juli. Ein vom Mmffrer des Auswärtigen am 26. ds. an die diplomatischen Vertreter der Türkei bei den Mächten gerichtetes Rundschreiben lautet: Im Versolg meiner Mitthellung vom 24. ds. beeile ich mich, Sie zu benachrichtigen, daß die Pforte, von ihren unanfechtbaren Souveränetätsrechten in Egypten Gebrauch zu machen und dadurch ohne allen Verzug die Wiederherstellung der Ruhe daselbst zu sichern, beschlossen hat, sofort eine genügende Truppenmacht an Ort und Stelle zu senden. Die hierzu nothwendigen Maßnahmen sind bereits getroffen und steht diese mllitärische Action im Begriffe, in's Werk gesetzt zu werden. Ich ersuche Sie, den dortigen Minister des Auswärtigen hiervon sofort in Kenntniß zu setzen.
— Achmed Mukhtar Pascha hat die erforderlichen Dispositionen getroffen, um in einzelnen auf einander folgenden Abtheilungen ein etwa 20,000 Mann starkes Expeditions-Corps nach Egypten senden zu können.
Konstantinopel, 29. Juli. In den letzten Tagen haben zwischen den Vertretern der Mächte nur private Besprechungen stattgefunden. In der letzten Nacht ist ein kleines russisches Kriegsschiff in Bujukdere angekommen; wie es heißt, überbringt dasselbe Instructionen für den russischen Vertreter.
Konstantinopel, 30. Juli. Die türkischen Bevollmächtigten bei der Conferenz haben den Botschaftern der Mächte eine schriftliche Erklärung übermittelt, in welcher es heißt: Die Pforte sei im Begriffe, auf den in der letzten Sitzung der Conferenz erläuterten, von ihr zur Kenntniß genommenen Grundlagen der Note der Botschafter vom 15. Juli er. Truppen nach Egypten zu entsenden. Im Vertrauen auf die Billigkeit der Mächte und deren wohlwollenden Entschluß, die souveränen Rechte des Sultans zu achten, hoffe die Pforte, daß die Alexandrien occupirenden Truppen Alexandrien verlassen werden, sobald türkische Truppen daselbst eingetroffen seien. In einem dieser Erklärung beigefügten Anhänge wird gesagt: Da die Frage der Mllitär-Reform mit den Maßnahmen zur Wiederherstellung des normalen Status quo in Egypten Zusammenhänge , so werde dieselbe nur durch das Einvernehmen des Khedive mit der Pforte geregelt werden können. — Der Oberbefehl über das nach Egypten zu entsendende türkische Expeditions-Corps wird voraussichtlich Derwisch Pascha übertragen werden. '
Alexandrien, 29. Juli. Ali Mubarek Pascha und die Häupter der Ulemas verlangen die Rückkehr der Minister nach Kairo, well sie sich in Alexandrien in der Gewalt der Engländer befänden. Ali Mubarek soll Arabi Pascha aufgefordert haben, sich selbst mit dem Khedive in Verbindung zu setzen. Arabi Pascha hätte aber auf dieses Verlangen ausweichend geantwortet mit den: Hinweise, daß ihm nur die Bekämpfung der englischen Invasion obliege. Gleichzeitig hätte Arabi Pascha Ali Mubarek den Rath ertheilt, nach Kairo zurückzukehren. — In Jsmaila und im Kanal herrscht Ruhe.
Alexandrien, 29. Juli. Osman Rifki Pascha und die 26 cirkasst- schm Osficiere, welche wegen eines angeblichen Complottes gegen Arabi Pascha aus Egypten ausgewiesen waren, sind heute aus Konstantinopel hier eingetroffen. Dieselben waren von cirkafsischen Adjutanten des Sultans begleitet und wurden feierlich empfangen.
— Zur Wiederherstellung der Eisenbahn bei Millaha, welche von Arabern zerstört worden war, sind heute Abend zwei Abtheilungen unter militärischer Bedeckung abgegangen. — Zum Leiter der Polizei ist Major Gordon ernannt worden an Stelle Beresford's, welcher bisher damit betraut war. — Cherif Pascha ist hier eingetroffen. — Heute vernichteten die Engländer Kanonen und Pulvervorräthe der eroberten egyptischen Forts, was starke Detonationen verursachte.
Telegraphische Depeschen.
Wolff s telegr. Correspondenz-Burean.
Gastein, 30. Juli. Se. Majestät der Kaiser machte heute nach dem Bade eine Promenade und wohnte sodann den: Gottesdienst in der evangelischen Kapelle bei, bei welchem der Hofprediger Frommel die Predigt hielt. Die Witterung ist nach drei kalten Regentagen heute wieder milder.
Petersburg, 30. Juli. Der Präsident des Minister-Co mit6s, v. Reutem, hat einen zweimonatlichen Urlaub nach dem Auslande erhalten; derselbe wird während seiner Abwesenheit durch den Grafen Baranoff vertreten.
Paris, 30. Juli, Nachm. Präsident Grevy wird heute mit den Mitgliedern des Präsidiums der Kammer und des Senats konferiren, alle anderweitigen Versionen über die muthmaßliche Lösung der Ministerkrisis sind als verfrüht anzusehen. Allem Anschein nach ist eine Lösung der Ministertrisis erst in einigen Tagen zu erwarten- Die Journale konstatiren, daß die Lage eine verwickelte und schwierige sei, erblicken aber in dem gestrigen Votum der Kammer, weil dabei Anhänger und Gegner der egyptischen Intervention in gleichem Maße gegen das Kabinet gestimmt hätten, vielmehr das Ergebniß einer Koalition der dem Ministerium feiiidlich gesinnten Parteien, als einen bestimmten Ausspruch über die von der Regierung befolgte auswärtige Politik Auch bemerken mehrere Journale, daß der Präsident Grevy, da das gestrige Kammervotum in Folge der von Marcere und Clemenceau gehaltenen Reden erfolgt sei nach rein parlamentarischen Grundsätzen Marcere und Clemenceau, als die Vertreter der die Opposition bildenden Parteien, zu sich berufen mußte. Die gambettlsti- schen Journale wollen wissen, Präsident Grevy werde Brisson mit der Bildung des neuen Kabinets betrauen, es sei aber zweifelhaft, ob Brisson den Auftrag annehmen werde. Mehrere Blätter sprechen die Ansicht aus, daß eine Auslosung der Deputtrten- kammer im nächsten Jahre ganz unvermeidlich sei-
sT o k a
Gießen, 31. Juli. Man sollte fast meinen, die Mutter Natur habe keinen Gefallen mehr an der sündigen Menschheit. Anlaß zu dieser Meinung bieten so recht die Witterungsverhältntsse des heutigen Sommers. Zufolge des sehr milden Winters haben wir eine vorzügliche Ernte m Aussicht, wenn das nasse Wetter es nur zulteße,
daß dieselbe sicher und trocken eingebracht, der Fruchtschnitt begonnen werden könnte und die Halme trocken in den Hausten blieben. Aber Regen und nichts wie Regen! Allem Vorhergegangenen setzte aber der gestrige Sonntag die Krone auf. Es regnete von Samstag Abend in einem fort bis heute Nacht- Und wie? Als wenn m t Kübeln geschüttet würde, strömte es vom Himmel herunter. Die Wasser unserer Lahn und Bäche haben ihre Ufer überschwemmt und wogen die Fluthen über die Fluchtfelder, munehmend was ihnen im Wege steht. Unsere beiden herrlichen Badeanstalten sind auch dem tosenden Elemente zum Opfer gefallen. Heute Nacht »/» vor 3 Uhr sind dieselben gebrochen und stromabwärts getrieben. Gott weiß wohin! Unser löbliches Polizeiamt hatte heute Morgen in aller Frühe schon telegraphische Nachricht nach Wetzlar u. s. w- gelangen lassen. Aber wenn auch ein großer Theil des Holzes gerettet wird, der Schaden, welchen die Herren Rübsamen und Franz zu tragen haben, ist ein enormer. Mit dem ferneren Baden für diesen Sommer wird es somit auch seine Schwierigkeit haben. — Daß die auf gestern feit» gesetzten verschiedentlichen Sommerfeste sämmtlich buchstäblich zu Wasser wurden, braucht nicht besonders vermerkt zu werden. Die Ruderer kamen nicht nach Bad Nauheim, der Sängerkranz nicht nach Staufenberg und die Wartburger auch nicht nach Braunfels u. s. w-
— Das hierorts bereits sprichwörtlich gewordene Regatta-Wetter stellte sich auch gestern wieder ein und ließ das in Nauheim projectirte Ruderfest im wahren Sinne des Wortes zu Wasser werden; wie uns mitgetheilt wird, ist dasselbe auf nächsten Sonntag den 6. August verschoben worden; es mußte deshalb dieser Tag gewählt werden, weil Sonntags darauf große Regatta in Frankfurt a. M- ftattfindet und ein späterer Termin m Anbetracht der bereits vorgeschrittenen Saison nicht rathsam eischien. Gutes Wetter wollen wir der Nudergesellschaft nicht mehr wünschen, aber wenigstens fein Regatta-Wetter. —h.
Gießen, 31. Juli. (Armen-Verein Gteßen.j Denjenigen Mitgliedern des Vereins, welche noch keine Schildchen besitzen, diene zur Nachricht, daß 100 Stück neue Schildchen angeschafft sind. Dieselben führen auf weißem Grunde die schwarze Aufschrift „Mitglied des Vereins gegen Hausbettelei" und werden auf Verlangen durch Kretsdiener Egly abgegeben bezw. überbracht.
Vermischtes.
Lauterbach. Der hiesige Turnverein feiert Sonntag den 6. August er. fein 20jähriges Stiftungsfest unter Betheiligung des hiesigen Kriegeroereins, sowie der Section Lauterhach des Vogelsberger Höhen-Clubs. Die Feier findet im H ai nig, 1,2 Stunde von hier entfernt, statt. Das Programm geben wir hier kurz: Morgens 10—11 Uhr: Empfang der fremden Gäste. Zusammenkunft auf dem Mirus'schen Felsenkeller. Allgemeiner Frühschoppen. Mittags 12 Uhr: Abmarsch der Turner mit Musik. 2V4 Uhr: Abmarsch des Kriegervereins und des Vogelsberger Höhen-Clubs mit Musik. Nach Beendigung des Preisturnens gegen 3Vr Uhr: Einweihung des von der Sectron Lauterbach des Vogelberger Höhen-Clubs erbauten Aussichtsgerüstes. 4 Uhr: Ansprache Seitens des Turnvereins. Gesang. Preisvertheilung. Zum Schluß: Turnspiele. Allgemeine Volksbelustigungen, Musik und Tanz.
Wenn wir günstiges Wetter haben, gibt es ein wahres Volksfest. Das Aussichtsgerüst, sowie der Festplatz bieten eine schöne Fernsicht. Zum Gelingen ein herzliches „Gut Heil!" O—m.
Neuwied, 27. Juli. (Zum XIII. Mittelrheinischen Turnfest.) Jc näher das Fest heranrückt, macht sich in allen Ausschüssen eine fast fieberhafte Thätigkeit geltend; gilt es doch, in den wenigen Tagen, welche denselben zu den allerdings sehr umfangreichen Vorbereitungen nur noch Überlassen sind, noch gar manches zu leisten, um den ankommenden Turnern einen festlichen Empfang zu bereiten, sowie denselben den Aufenthalt in unserer Stadt während des Festes zu einem unvergeßlichen zu machen.
So nehmen die Bauten auf dem Festplatze den erfreulichsten Fortgang und hofft der Unternehmer Herr Johann Hermann, günstiges Wetter vorausgesetzt, dieselben bis Ende kommender Woche fertig zu stellen.
Der Fest-Ausschuß wirkte seither darauf hin, den Turnern und Gästen die Reise zum Feste so billig wie möglich zu gestalten und glauben wir einem allseitigen Wunsche zu entsprechen, wenn wir nachstehend die erlangten Fahrpreis-Ermäßigungen veröffentlichen.
1) Die Köln-Düsseldorfer Dampfboot-Gesellschast ist bereit, bei Lösung von mindestens 400 einfachen B'.lleten zur Vorkajüte, ab Mainz refp. Biebrich nach Neuwied, ein Extraboot zu stellen und von den dazwischen liegenden Einsteige-Stationen: Eltv'lle, Rüdesheim, Bingen, Oberwesel, St. Goar, Boppard, Oberlahnstein, ebenfalls für jede einsteigende am Feste theilnehmende Person einfaches Vorkajüten-Billet nach Neuwied auszugeben und gegen die in vorgedachttr Weise gelosten Billetc die freie Rückfahrt auf jedem Boote, mit Ausnahme der Salon-Boote, bis ind den 16. August zu gewähren. Die Fahrt nach Neuwied würde beginnen von Mainz am Samstag den 12. August, Morgens 9 bis 9Vr Uhr. so daß das Boot Nachmittags gegen 3 Uhr hier eintreffen würde.
2) Die hessische Lu'omigsbahn gibt auf ihren Strecken an Turner, welche sich durch eine Mitgliedkarte legitimsten, am 12. und 13. August für Her- und Rückfahrt einfache Billets aus mit Gültigkeit bis zum 16. August ind. und zwar bis Bingerbrück refp. Limburg a d Lahn.
3) Alle preußischen oder unter preußischer Staatsverwaltung stehenden Bahnen gewähren 50pCt. Ermäßigung auf die Her- und Rückreise bei einer Betheiligung von mindestens 30 Personen von ein und derselben Station (b. i. einfaches Billet gültig für Her- und Rückreise) in Benutzung aller reglementsmäßigen Züge, mit Ausnahme der Schnellzüge. Die Herreise ist geschlossen, die Rückreise einzeln anzutreten. Die Gewährung dieser Ermäßigung muß frühzeitig bet dem zuständigen Königl. Eisendahn- Betriebsamte nachgesucht, auch die annähernde Personenzahl, sowie der Tag und Zug der Abreise bezeichnet werden-
4) Die Elsaß-Lothringer Hahn gewährt bei Gesellschaftsreisen von mindestens 30 Personen auf ihren Bahnlinien eine Fahrpreis-Ermäßigung von 33V,pEt, sobald die annähernde Personenzahl, sowie der Tag und Zug der Her-und Rückreise bei ihrer betr. BetriebssJnspection (Luxemburg, Metz refp Saargemünd) rechtzeitig angemeldet wird. Da auf dieser Bahn die Rückreise ebenfalls in geschlossener Gesellschaft angetreten werden muß, so kann für die Her- und für die Rückreise einfaches Billet bestellt werden
W>r hoffen, daß diese gewiß sehr günstigen Fahrpreis-Ermäßigungen einen zahlreichen Besuch unseres Festes von nah und fern herbeiführen werden und schließen mit einem herzlichen „Gut-Heil I" auf das Gelingen des Festes.
Schiffsbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C W. Dietz Nachfolger Gießen.
Bremen, 28. Juli. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer America, Capt. F. Hamelmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 12. Juli von Bremen abgegangen war. ist gestern wohlbehalten in Baltimore angckommen '
Handel und Berkehe.
" nli (Fruchtpreise vom 22. Juli.) Weizen X 24.96,
7.00, Hafer X 16.30, Erbsen X ——, Lein X Samen X 25.56, Kartoffeln X 4.18.
Frankfurt, 29. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu X 4.60, neues x 3.00, Stroh X 2.00—2.40, Eier das Hundert X 4.50—5.50, Butter 1. Qualität X 1.30, 2. Qualität X 1.10, Kartoffeln per Centner X 2.50—3.50, Erbsen das Pfund 00—00 H, Bohnen per Pfund 12—15 Wirsing 8—10 Blumen
kohl 30—70 4 das Stück Schinken per Pfd. X 1.10—1.20, Ochsenfleisch per Pfd. 6.1—70^, Kuhflcisch 45—60, Rindfleisch 45—60 H, Kalbfleisch50—60^, Schweinefleisch 65—75 H, Hammelfleisch 45—65 X 1 Hahn X 0.00—0.05, 1 Huhn X 0.—0.00, 1 Poularde X 0—0.00, 1 Ente X 0.00, 1 Taube 00 H, 1 Welschen X 8—12, 1 Gans X 0.00.
731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von HAASEmEIN «fc WOWILEIB Vn Frankfurt a M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt
Grunl) erg, 29. Korn X 19.34, Gerste X


