Nr. 176. Dienstag den 1. August 1882
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Bureau r Schul st raße B. 18.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlshn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Arankreich.
°nd, der Schwerz «alten begonnen worden. i und es et nicht “ ^ X nut untet Bedingungen angenommen werden, Regierungspräsident v.Salzwedell hierselbst ist heute | Cooperation d-r.Turk^k garantirten.
mit
um
Zur
Danzig, 29. Juli. Nachmittag gestorben.
jchluß verlangt.
— Der italienische Minister der öffentlichen Bauten, Baccarini, hat, wie verlautet, Schritte gethau, um die Herstellung directer Anschlüsse sür die von Deutschland durch den Gotthardtunnel nach Jtalten gesuhrten Cvurierzüge und um eine geeignete Umgestaltung der Fahrplane herbetznfuhren. Wie man weiter erfahrt, ist bereits mit dem Studium sür eine eventuelle Aenderung der Fahrplane zwischen Deutschland, der Schweiz und Italien begonnen worden.
Paris, 29. Juli. Die „Agence Havas" läßt sich aus Tripolis melden, daß unter der dortigen maltesischen und jüdischen Bevölkerung lebhafte Befürchtungen herrschten. Die Konsuln suchten die erregten Gemüther zu beruhigen und der Gouverneur habe erklärt, sür Aufrechthaltung der Ruhe einzustehen.
Paris, 29 Juli. Deputirtenkammer. Beratung der für die egyptische Expedition beantragten Kredite. Ministerpräsident Freycinet erklärte, die Anhänger der Politik des Friedens könnten die beantragten Kredite ohne Besorgniß und ohne Bedauern bewilligen. Die Negierung wolle keine eigentliche Intervention, eine solche würde eine militärische Operation sein, welche beträchtliche Mittel erheischen und zahlreiche heikle Fragen aufwerfen würde. Er, der Minister, würde eine Intervention nur mit dem Mandate Europas angenommen haben. Ohne ein solches Mandat würde eine Intervention weder weise noch klug sein. Der Schutz des Suez-Canals werfe keine politische Frage und keine Schwierigkeiten auf. Die Gefahr eines Conflictes mit Europa schwindet, da alle Mächte das gleiche Interesse an dem Canal haben. Der Schutz des Canals sei ein rein materieller Akt und könne nicht in einen politischen Akt ausarten. Niemand könne Frankreich zwingen, in Egypten zu intervemren, wenn es nicht wolle. Frankreich Hobe nur Angriffe untergeordneter Stämme zu befürchten und werde zwei Punkte des Canals mit ca. 4000 Mann besetzen. „Dies ist in Wirklichkeit die Ausdehnung der Okkupation, welche im Einvernehmen zwischen der englischen und französis^en Admiralität in dieser Weise festgestellt worden ist. Ein Vorteil dieser Okkupation besteht darin, daß wir d-m Wunsche Englands entsprechen, welches unS um unsere moralische Unterstützung zum Schutze des Suez.Canals ang'.ng. Wir werden auf diese Wrisc England zeigen, daß es die freundschaftlichen Sympathieen Frankreichs besitzt. Wenn die Credite nicht bewilligt werden, können wir auch nicht einen Mann an's Land setzen, um uns daselbst Achtung zu verschaffen. Der Moment zur Verweigerung der Credite wäre schlecht gewählt, nachdem die Türkei ihrerseits e ne Intervention in Aussicht stellt. Dies würde den französischen Interessen und unserem Ansehen vor der muselmännischen Welt schädlich sein." Der Minister bemerkt weiter gegenwärtig kämen die Mächte auf die Idee der gemeinsamen Schutzmaßregeln zurück und die Conferen; bespreche soeben diese neue Phase der Frage. Frankreich sei geneigt sich an dieser gemeinsamen Frage zu beteiligen, England ebenso, aber in keinem jjaUe werde die Creditsorderung diejenige Grenze übersteigen, welche heute festgesetzt werden solle. (Unruhe rechts.) Niemand habe ein Recht, an den Versicherungen der Regierung zu zweifeln, welche bei allen Verhandlungen den Kammern die Zustimmung vorbehalten habe. Die Regierung appellire direct an das Vertrauen der Kammer, das Sabiner stehe einmütig in dieser Frage zusammen.
Die Deputirtenkammer hat die Credrtsorderurg für die Expedition nach Egypten 450 gegen 75 Stimmen abgelehnt. lf. ,,a
In Folge dieses Beschlusses der Kammer begaben sich die Minister in s Elyse, ihre Entlassung einzureichen. Der Präsident Grevy bat dieselben, die Geschalte bis Bildung eines neuen Cabinets fortzuführen.
Spanien.
Madrid, 28. Juli. Für nächsten Montag ist ein Meeting einberufen, in welchem über das Project der Aufnahme einer Anleihe von 250 Mill. Pesetas zur Reorganisation der spanischen Marine berathen werden soll.
Rußland.
Petersburg, 29. Juli. Die Gesetzsammlung publicirt ein vom Kaiser bestätigtes Gutachten des Reichsraths, welches die Strafbestimmung für Majestätsbeleidigung dahin abändert, daß das höchste Strafmaß, welches bisher außer in Aberkennung aller Standesrechte in 8jähriger Zwangsarbeitsstrafe bestand, künftig nur 16monatliche Festungshaft betragen soll.
— Der Kaiser hat die Eröffnung des von den hier lebenden Deutschen rum Andenken an Kaiser Alexander II. gegründeten Männerhospitals genehmigt. L Der Finanzmimster macht bekannt, daß die Bauer-Agrarbank ihre Thätig- keit erst im Anfänge des Jahres 1883 beginnen werde. — Der deutschen St. Petersb. Zeitung" zufolge ist das bei Guardafui gesehene Schrffswrack schwerlich das des vermißten Dampfers „Moskwa", da die Beschreibung des Wracks dem Aussehen nicht entspricht.
— Ein großer Theil der Stadt Solzi, Gouvernement Pskow, bekannt durch ihren bedeutenden Flachshandel, ist durch eine Feuersbrunst zerstört-woroen.
Deutschland.
Darmstadt, 29. Juli. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Rr. 19) enthält: _ . . ... ..
1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend.
2. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen m oen Gemeinden des Kreises Oppenheim in der Zeit vom 1. April 1882 bis 3t ^Uebttsicht der für das Jahr 1882/83 zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religions - Gemeinden des Kreises Darmstadt genehmigten
Bekanntmachung Großh. Kreisamts Groß-Gerau, die Erhebung der Umlage zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse in der Gemeinde Biebesheim pro 1881/82 betreffend.
5. Ordensverleihungen.
6. Exequaturertheilung.
7. Namensveränderung.
8. Dienstnachrichten: r , ... f
Am 5. Juli wurde die Schulamts - Aspirantin Elise Taschö aus Salzhausen zur Lehrerin au der höheren Mädchenschule und der nut derselben verbundenen erweiterten Volksschule zu Gießen, unter Belassung m der Kategorie der Volksschullehrerinnen, ernannt; an deins. Tage wurde dem Schullehrer ^ud- wig Schaaf zu Rainrod eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Gießen, dem Schulamts-Aspiranten Johannes Jakob Grub aus Mommenheim eme erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Fürfeld übertragen; am 8. Juli wurde der Gehülfe des Oberstaatsanwalts Georg Enders unter Belassung in dieser Stellung zum Assistenten des Gerichtskosten-Revisors, der Vicefeldwebel im Feldartillerie-Regiment Rr. 25 Karl Schaaf zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgerichte Wörrstadt, am 14. Juli wurde der provisorische Portier ber der Main-Neckar-Eisenbahn Ludwig Luckhaupt aus Rieder-Ramstadt zum Bureau- diener bei dem Oberbetriebs-Jnspector dieser Bahn ernannt.
9. Dienstentlassung.
10. Ruhestandsversetzungen:
Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 8 Juli den Zugmeister bei der Main-Reckar-Eisenbahn Wilhelm Herget, sowie die Bahnwärter bei dieser Bahn Johannes Kirchner und Johannes Ludwig Groß, Letzteren bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, in den Ruhestand zu ver^ rourfoe her Schullehrer an der Gemeindeschule zu Höchst Philipp Jakob Schlößmann auf Nachsuchen in den Nuhehand versetzt.
11. Concurrenzeröffnungen:
Erledigt sind: Die evang. Pfarrstelle zu Lardenbach; Gehalt 1163 bas Präsentationsrecht zu dieser Stelle steht dem Herrn Grafen zu Solms- Laubach zu. An der kath. Schule zu Hirschhorn eine Lehrerstelle mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt von 900 bis 1400 «X — mit bet Stelle ist Organistendienst verbunden — und eine Lehrerinnenstelle mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt von 900 bis 1000 Jl. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Olfen mit einem Gehalt von 900 JL; dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hainhausen mit einem Gehalt von 900 JL; mit der Stelle ist Kirchendienst verbunden. Eine mit einer evang. Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Bessungen mit einem Anfangsgehalt von 1200 «X jährlich.
Berlin, 28. Juli. Auf Veranlassung des Cultusministeriums werden — wie die „Berl. Polit. Nachr." erfahren — gegenwärtig Erhebungen über den Stand des Turnwesens in den höheren Lehranstalten, den Lehrerseminarien und den Volksschulen veranstaltet. Diesen Erhebungen ist ein schematisirter Fragebogen zu Grunde gelegt, welcher über Alter, Vorbildung und Beschäftigung des Turnlehrers, Größe der Turnhalle, resp. des Turnplatzes, die Entfernung derselben vom Schullokale, die Hauptübungsgattungen, die Hauptgeräthe, die Leitfäden und Lehrbücher sür den Turnunterricht, den Procentsatz der vom Turnen dispensirten Schüler, die Hauptkrankheits-Ursachen für diese Dispensationen, Anordnung des Turnunterrichts im Sommer und Winter, über Baden und Schwimmen und die Beziehungen der Schule zu denselben, über Turnfahrten und Turnfeste, Censuren im Turnen, die Berücksichtigung des Turnens in den Schulprogrammen und über die Turnliteratur in der Schulbibliothek Auf-
300 fagt, re habe Gr»»d !» d« «chauM»» b« *
England und den ^^"Intervention Englands in Egypten nunmehr indessen völlig uber,eugt, a,> ^^^rhinderung derselben werde nicht gedacht und es fti dS einmal Migung vorhanden gegen dieselbe zu protestiren. Die uno es ]ei inaji tu UMh>r g^hntmtnrnm angenommen werden.
Aegypten.
Marseille, 29. Juli. Die Abfahrt der nach Port Said beorderten Brigade ist auf Befehl der Regierung verschoben worden. Die Panzerschme „Heroine" und „Revanche" sind nach Goletta zum Evolutwns - Geschwa er ab8eS£pnbDn, 29. Juli. Dem „Reuter'schen Bureau" wird aus Alexandrien von gestern gemeldet: Die Delegirten aus Kafre-Dowar sind hier emge- troffen. Man vermuthet, dieselben ü£>er6ringen
^ provisorische Regierung eingesetzt mit einer Nationalversammlung von


