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1882.
Amts- utib Anzeigeblatt für ben Kreis Gießen
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Bureaur Schulstraße B. 18.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Deutschland.
Darmstadt, 27. Mai. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 17. Mai den ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landes-Universität, Dr. Heinrich Will, aus sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. October d. Js. an in den Ruhestand zu versetzen.
Darmstadt, 27. Mai^ Se. Königl. Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Oberst z. D. Gerlach, den Major Buss vom Magdeburgischen Füsilier-Regiment Rr. 36 (Erfurt), den Director Menge vom Gymnasium zu Mainz, eine Deputation aus Gießen, bestehend aus den Herren Bürgermeister Bramm, Pfarrer Schlosser und Stadtverordneten Haustein; zum Vortrag den Staatsminister Frhrn. v. Starck, den Ministerial-Präsidenten Schleiermacher, den Geheimerath Hallwachs; den Ordenskanzler General-Lieutenant v. Grolman.
Darmstadt, 27. Mai. Das Großh. Regierungsblatt Rr. 9, ausgegeben am Heutigen, enthält das Finanzgesetz für die Finanzperiode 1882/85.
Darmstadt, 30. Mai. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 16. Mai dem Ortseinnehmer Friedrich Volk zu Reichelsheim das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für 50jährige treue Dienste",
am 17. Mai dein ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landes-Universität Dr. Heinrich Will das Ritterkreuz 1. Klasse des Lude- wigs-Ordens und
an deins. Tage dem Bürgermeister der Bürgermeisterei Mettenheim, im Kreise Worms, Heinrich Früh auf, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste" — zu verleihen,
am 24. Mai der' am 2. l. Mts. durch die Stadtverordneten zu Worms erfolgten Wahl des Kreisassessors bei dem Kreisamte Friedberg Wilh. Küchler zum Bürgermeister der Kreisstadt Worms die Bestätigung zu ertheilen.
Schloß Heiligen berg bei Jugenheim, 28. Mai. Se. Hoheit der Fürst von Bulgarien ist heute Vormittag zum Besuche seiner hohen Eltern hier eingetroffen.
Berlin, 27. Mai. Der „Reichs-Anz." veröffentlicht eine Verordnung, betr. Einsetzung einer königlichen Direction für die Anhalter Bahn einschließlich der Strecke Kohlfurt-Falkenberg zum 1. Juli mit dem Sitze in Berlin.
— Nach der Frühjahrs-Parade der Potsdamer Garnison sand daselbst im Marmorsaale des Stadtschlosses die feierliche Nagelung der Fahnen für die im Jahre 1881 errichteten 9 Infanterie-Regimenter, das Eisenbahn-Regiment und die Pionier-Bataillone Nr. 15 und 16 durch den Kaiser, die Königl. Prinzen und Prinzessinnen und die übrigen dazu befohlenen Personen, sowie durch die Commandeure, Ossiciere und Unterofsiciere der betreffenden Truppen- theile statt.
Ems, 27. Mai. Die Kaiserin Eugenie ist heute Vormittag nach Brüssel abgereist.
München, 27. Mai. Vor dem Landgericht München I sand heute die Verhandlung in dem Socialisteuproceß gegen 18 Personen statt, welche wegen Vergehens wider die öffentliche Ordnung durch Theilnahnie an geheimen Clubs und Gesellschaften, deren Tendenz Umsturz der bestehenden Ordnung ist, ange- tlagt find. Alle Angeklagte, von denen mehrere aus Berlin, Leipzig und Hamburg ausgewiesen sind, bekennen ohne Ausnahme Anhänger der socialdemokrati- ichen Partei zu sein, bestreiten aber, einem Club oder einer Gesellschaft Gleich- gefrnnter anzugehören. Der Staatsanwalt beantragte gegen 5 Angeklagte je 5 Monat, gegen die übrigen je 4 Monat Gefängniß. Das Urtheil wird am 2. Juni gefällt und publicirt.
Eisenach, 29. Mai. Der Ausschuß des Juristentages hat beschlossen, den Juristentag in Kassel vom 11. bis 13. September abzuhalten.
Oesterreich.
Wien, 28. Mai. Nach einer Meldung des „Tagebl." aus Gravojo haben außer der Bande Vukalovic's sämmtliche Jnsurgentenbanden in der Cri- voscie, im Ganzen 546 Mann , die Waffen gestreckt. Die Auflösung des Hauptquartiers in Ragusa und die Zurückbeförderung der Reservisten stehe demnächst bevor.
Wien, 28. Mai. Osficiell. Die Gegenden um Trusina, Lukavac, Rioka Hatelji, Begjisce, Crnagora, die Cervany - Planina, das obere Narenta- Thal, die Dumos - Planina, die Lelja - Planina, Catovabara, das Terrain Wer Zelenagora gegen das Jabusnica - Thal und das Bjelava - Thal sind in der Zeit vom 18. bis 26. Mai durchstreift worden. Dieselben wurden zum Theil f wi. von Insurgenten gefunden; an einigen Stellen wurden kleinere Jnsurgenten- haufen von 5 bis zu 20 Köpfen bemerkt, welche bei Annäherung der Truppen fbohen. Bei Catovabara stießen die Truppen auf Insurgenten, welche zersprengt wurden und einen Verlust von 5 Todten und Verwundeten hatten. Die Strei- mngen werden fortgesetzt.
Srankreich.
. Pari-, 28. Mai. Nach einer Meldung der „Agence Havas" aus Hairo hat das gesammte Ministerium seine Entlassung genommen.
— Wie der „Agence Havas" aus Kairo gemeldet wird, wird in dortigen
politischen Kreisen der Rücktritt des Cabinets als ein wesentlicher Schritt zur Lösung der egyptischen Frage angesehen.
Paris, 29. Mai. Der Ministerpräsident Freycinet theilte dem heute Vormittag abgehaltenen Ministerrathe die Depeschen bezüglich Egyptens mit; der Ministerrath erachtete es für nicht angezeigt, neue Entschließungen in dieser Angelegenheit zu fassen.
England.
London, 28. Mai. Das Gerücht von der Verlobung des Prinzen Wilhelm von Hessen mit der Prinzessin Beatrice wird osficiell dementirt.
London, 28. Mai. Graf Bismarck ist gestern Abend zum Besuche des Lord Suffield in Darmouth angekommen.
London, 29. Mai. Sämmtliche Morgenblätter besprechen die neueste Phase der egyptischen Krisis und befürworten fast einstimmig die türkische Intervention. Die „Times" giebt dem Argwohn Ausdruck, daß der Khedive von der Türkei zum Widerstände gegen die Nationalpartei in der Absicht ermuntert werde, eine türkische Intervention herbeizusühren. Die Entsendung einer türkischen Commission nach Kairo sei bereits ein Beweis für den Erfolg, welchen die türkische Diplomatie erzielte. Die türkische Intervention sei gegenwärtig die einzig mögliche Weise, die Unordnungen in Egypten zu unterdrücken. Nachdem die Türkei ihre Aufgabe gelöst, würde man sich ihrer allerdings wieder entledigen und die Herstellung des Status quo bewerkstelligen müssen. Es werde nothwendig sein, die Aktion der Türkei durch eine Convention zu regeln. Eine directe Intervention Englands und Frankreichs würde nicht allein zu Verwickelungen mit den östlichen Großmächten führen, sondern dürfte auch die Freundschaft zwischen England und Frankreich gefährden.
London, 29. Mai. Wie aus St. Johns auf New-Foundland vom heutigen Tage gemeldet wird, ist der Dampfer „Friary" auf der Fahrt von Newport nach New-Jork mit einem Eisberge zusammengestoßen und mit eingedrücktem Bug daselbst eingelaufen. Die in Halifax ankommenden Dampfer berichten fortdauernd über starken Eisgang. .
Italien.
Nom, 28 Mai. Im Senat wurde der Gesetzentwurf, betr. die Verlängerung der Handelsverträge mit England, Deutschland, Belgien, der Schweiz und Spanien eingebracht und auf den Antrag des Finanzministers Magliam die Dringlichkeit beschlossen. Der Entwurf ging an eine Commission von 5 Mitgliedern.
Außland.
Petersburg, 27. Mai. Das „Journal de St. Pötersbourg" schreibt: Die Verhandlungen zwischen den Ministern und den Consuln in Egypten sind abgebrochen. Der Ernst dieser Thatsache wird durch die Gewißheit gemildert, daß die Mächte über das zu befolgende Programm einig sind und daß somit die Rechnung der egyptischen Agitatoren auf Uneinigkeit unter den europäischen Mächten keinerlei Aussicht auf Verwirklichung hat.
Türkei.
Konstantinopel, 29. Mai. Bezüglich der von dein Khedive verlangten Entsendung eines Commissars soll eine endgiltige Entschließung der Pforte noch nicht gefaßt sein.
Aegypten.
Kairo, 28. Mai. (Meldung der „Agence Havas"). Die Consuln von Frankreich und England besuchten heute Vormittag den Khedive und sollen, wie es heißt, demselben gerathen haben, nicht nachzugeben. Alle Consuln traten sodann bei dem Generalconsul von Frankreich zusammen. Die egyptischen Officiere erklärten, indem sie gegen die gestrige Note der Consuln proteftirten, wenn die Pforte einen Vertreter mit dem Befehle hierher sendete, dem Khedive zu gehorchen, jo würden sie sich vor seiner Autorität beugen. Das Beunruhigende der Situation liegt darin, daß die Bevölkerung an der Meinung festhält, der Sultan sei für Arabi Bey und seine Collegen, während die von dem Khedive erhaltenen Telegramme klar beweisen, daß der Sultan den Khedive unterstützt und die militärische Unbotmäßigkeit mißbilligt.
Amerika.
Washington, 29. Mai. Der Admiral, welcher die europäische Flotte der Vereinigten Staaten befehligt, hat dem Secretär der Marine telegraphisch die Mittheilung gemacht, daß er zwei Schiffe zur Wahrnehmung der amerikanischen Interessen nach Alexandrien geschickt habe.
Telegraphische Depeschen.
Woiff'S telegr. Corrcspont>enz>Bur^»u.
Breslau, 30. Mai. Die „Schles. Volksztg." veröffentlicht den gestern von den Kanzeln verlesenen Hirtenbries des ^üritbischoss Robert Herzog, in welchem derselbe seiner durch das Vertrauen der höchsten geistlichen und weltlichen Macht erfolgten Berufung gedenkt und zur Ehrfurcht, Treue und unwandelbarem Gehorsam gegen !>as Herrscherhaus ermahnt. Der Hirtenbrief setzt ferner die Pflichten des Bischofs und der Gläubigen auseinander und schließt


