Beschwerden, sowie auf Rathschläge, zu deren befriedigender Abstellung, refp. Erledigung erstrecken. — G-h. Staatsrath Knorr bedauert, daß der Abg. Schröder die tragischen Fälle in einer Weise zur Sprach- gebracht, welche geeignet sei, diese Todesfälle dem Gymnasium selbst zur Last zu legen. Den Antrag bitte er der Regierung zur Aeußerung mitzuihccken. — Abg. Schröder zieht seinen Antrag zu diesem Eapitel zurück, um ihn als selbstständigen Antrag cinzubringcn. — Abg. Reinhart bedauert, daß Schröder sich veranlaßt gesehm, die unglücklichen Wormser Verhältnisse hier zur Sprache zu bringen, ehe sie durch die Untersuchung klargestellt seien. — Schließlich wird für Worms unter Ablehnung von 600 X Besoldungserhöhung für den Director und der Anstellung von vier weiteren seminaristisch gebildeten Lehrern statt den geforderten 18,970 X der Betrag von 19,777 X bewilligt. Die Vereinigung der Vorschule ist also abgelehnt.
Fortsetzung der Budgetberathung Dienstag.
Berlin, 26. Februar. Aus Paris wird den „Berl. Polit. Nachr." geschrieben, daß die Hetzereien der Ganibettistischen Organe, die ganz besonders die egyptische Angelegenheit zu inehr oder minder directen Aufstachelungen gegen die Regierung benutzen, daselbst ganz wirkungslos bleiben und inan überhaupt die Wahrnehmung machen kann, daß der Einfluß Gambetta'S im Niedergange begriffen sei.
— Die Nachricht, daß dem preußischen Volkswitthschaftsrath das Unfallversicherungs-Gesetz in seinen Grundzügeu und das Tabaksmonopol in feinem vollen Entwurf vorgelegt werden wird, findet heute in der „Nordd. Allg. Ztg." die Bestätigung mit dem Hinzufügen, daß auch die Grundzüge des Hülfskaffen- Gesetzes zur Vorlage gelangen werden. Außerdem sind für die einzelnen Sectio- nen bestimmt: 1) Ein Gesetzentwurf, betr. die Abänderung des Titels III. der Gewerbeordnung über den Gewerbebetrieb im Umherziehen, und einiger Vorschriften über den stehenden Gewerbebetrieb; 2) Fragen, welche sich auf die Subhastationsordnung beziehen; 3) ein Gesetzentwurf, betr. dte Fabrikation von Zündhölzern mit weißem Phosphor; 4) die Einführung einer Controle der zum Verkauf gelangenden Milch; 5) Frage wegen Abänderung einer Vorschrift des Viehseuchen-Gesetzes (Hundesperre); 6) Ausgabe von Obligationen auf den Namen.
Hesterreich.
Wien. 26. Februar. Von der 18. Infanterie-Division wird unterm 25. ds., Abends, gemeldet: Die Colonne des Oberst Haas bestand am 23. ds., von Glavatieevo in nördlicher Richtung vorrückend, auf dem Rücken der Krstac- Planina ein siegreiches Gefecht, welches von Vormittags 10 Uhr bis 7 Uhr Abends dauerte. Die etwa 1000 Alaun starke Jnsurgenten-Abtheilung zog sich, zahlreiche Verwundete mit sich nehmend, zurück; 4 Todte und 2 Gefangene ließ sie zurück. Das 71. Infanterie-Regiment verlor 2 Todte, 4 Schwer- und 2 Leichtverwundete. — Das General-Commando in Serajewo berichtet unterm 25. ds., Nachts: Oberst Arlow meldete am 24. ds., Nachmittags, aus Kali- novie: Heute Mittag ist die Vereinigung mit der Colonne des Generals Leddihn bewirkt worden. Krbljena-Han und Vratloscharte sind besetzt. Es sind Feldsignal-Stationen zur Verbindung mit der Feldtelegraphen-Station etablirt worden. General Leddihn meldet, daß er die Verbindung mit der Colonne des Oberst Haas aufsuche. General Obadich meldet aus Foca die Ausführung von Reeognoseirungen am 24. ds. im Drina-Thale aufwärts gegen Bunovi und im Dragoeana-Thale. Die im Drina-Thale vorgehende Colonne brachte in Erfahrung, daß der Jnfurgentenführer Kovacevie beim Beginn des Gefechtes äm 23. ds. in Bunovi gewesen war, in Folge des Geschützfeuers bei Brod aber eiligst mit seiner Abthellung nach Bastaei abging.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telogr. Correspondcnz-Bureau.
Berlin, 27. Februar. Die „Nordd. Allg. Ztg.", einen Artikel der „Unite nationale" zu Paris reprodueirend, sagt, die Gambettistische Presse scheint zum Verständniß gelangt zu sein, daß die Zusammenstellung der Nanien Gam- betta-Skobeleff für Gambetta nicht von besonderem Vortheile sei, und beeilt sich, den politischen General schonungslos über Bord zu werfen. An anderer Stelle reprodueirt die „Nordd. Allg. Ztg." die Auslassungen der „Republ. francaise" über den Bericht der egyptischen Finanzeontroleure und sagt, die „Republ. francaife" scheint, wenn auch mit menig Aussicht auf Erfolg, allen Ernstes zuni Angriff auf das Ministerium Freycinet sich vorzubereiten und sainmelt mit unermüdlichem Fleiß Material, um im geeigneten Momente dem Nachfolger Gain- betta's Schwierigkeiten zu bereiten.
— Der „Reichs-Anzeiger" publicirt das Gesetz, betr. den Hamburger Zollanschluß.
Kiel, 27. Februar. Der „Kieler Ztg." zufolge ertranken gestern die Marine-Cadetten Crepin, v. Stoeßer und Quistorp, welche bei stürmischem Süd-West eine Segelfahrt in der Kieler Bucht machten. Das Boot kenterte. Die Cadetten Werckmeister und Stahmer wurden gerettet.
Dresden, 27. Februar. In der heutigen Sitzung der zweiten Kannner wurde der Antrag Müller, „die Staatsregierung zu ersucheu, im Bundesrath des deutschen Reichs, menn daselbst, wie zu erwarten steht, erneute Anträge auf Einführung des Tabakstvonopols gestellt werden, gegen dieselbe zu wirken", auf Antrag der Conservativen an eine Deputation verwiesen. Morgen findet der Schluß der Session statt.
Karlsruhe, 27. Februar. Nach dem heute veröffentlichten Bericht über den Gesundheitszustand des Großherzogs nimmt die Sehkraft stetig zu; die Trübung des rechten Auges ist nahezu verschwunden, diejenige des linken Auges nimmt regelmäßig ab. Das Allgemeinbefinden ist fortdauernd befriedigend.
Pesth. 27. Februar. Von officieller Seite wird mitgetheilt: Mit Rücksicht auf die von der „Berliner Nationallib. Corresp" veröffentlichte Nachricht, daß die Siebenbürger Sachsen für ihre Briefe das fchwarze Cabinet zu fürchten hätten, muß constatirt werden, daß in Ungarn, wenigstens seit dem Bestehen der ungarischen Regierung, fein solches Cabinet existirt.
London, 27. Februar. Das von dem „Daily Telegraph" verzeichnete Gerücht von der Absicht Gladstones, seine Entlassung zn nehmen, findet bis jetzt keinerlei Bestätigung und gilt ebenso, wie das Gerücht von einer Auflösung des Parlaments, für mindestens verfrüht.
— In einer heute Nachmittag unter dem Vorsitze Gladftone's stattgehabten Versammlung von Deputirten der liberalen Partei wurde einstimmig beschlossen, die Resolution Gladstone's, welche sich gegen die vom Oberhause ernannte Untersuchungs-Commission in Sachen der irischen Sanbaf'te ausspricht, zu unterstützen. Das Gerücht von der beabsichtigten Demission Gladstone's wird, wie schon erwähnt, durch Nichts bestätigt.
Lokales,
Gießen, 28. Februar. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 2. März 1882, Nachmittags 4 Uhr.
1) Die Bildung der Weinsteuer-Einschätzungs-Commifsionen für das Jahr 1882.
2) Die Eröffnung der Bleichstraße.
3) Die Erbauung eines Pulocrhauses für das hiesige Regiment.
4) Gesuch wegen Ueberlassung von Bildern aus dem städtischen Archiv.
5) Gesuch des Zieglers Kaspar Scham der dahier um Bauerlaubniß.
6) Desgleichen des Maurermeisters Balthaser Strauch dahier.
7) Desgleichen des Lacktrers Christian Euler II. dahier.
8) Gesuch des Kaufmanns Moritz Gregors L Sohn dahier um Erlaub- niß zur Vornahme von Bauoeränderungcn.
9) Gesuch des Wirths Johannes Seibel dahier um Erlaubniß zur Umänderung einer Halle.
10) Kostendecreturen
Gießen, 28. Februar. Spruch liste für das Schwurgericht der Provinz Ober- Hessen vom I. Quartal 1882.
1) Georg Heinrich Fuhr, Fabrikant in Schwarz.
2) Johannes Hoos ,n Siorndorf.
3) Victor von Nordeck zur Rabenau, Rittmeister a. D. in Gießen.
4) Joh. Jost Schmidt in Strebendorf.
5) Johann Heinrich Jhring, SBierbrnuer in Lich.
6) Friedrich Stein III, Landwirth in Stumpertenrod.
7) Friedrich Möller, Landwirth in Eichelhausen.
8) Karl Schmidt I, Beigeordneter in Reichelsheim.
9) Jacob Schuchard in Brauerschivend.
10) Konrad Zinßer, Färber in Grimberg.
11) Konrad Mäser, Landw-rth in Selters.
12) Gustav Ickes, Landwirth in Bellmuth.
13) Joh. Konrad Heller, Rechner in Eberstadt.
14) Adam Lott, Landwirth in Düdelsheim.
15 Wilhelm Gerhard Michael Fauerbach in Dortelweil.
16) Heinrich @veb II, Beigeordneter von Hopfmannsfeld.
17) Hermann Wallach von Alsfeld.
18) Heinrich Wolf VII., Landwirth in Effolderbach.
19) Carl Friedrich Langsdorfs, Rittmeister z. D. in Bad-Nauheim.
20) Constantm Brumhard, Domänenrath in Gedern.
21) Julius Pfeiffer, Kaufmann in Laubach.
22) Richard Wefternacher i > Lindheim.
23) Heinrich Guth II. in Haarheim.
24) Konrad Euler V., Landwirth in Maar.
25) Karl Herbst, Landwirth in Wahlen.
26) Friedrich Lauckert III in Ständen.
27) Wilhelm Hensel in Okarben.
28) August Mayer, Weinhändler in Gießen.
29) Karl Wimmcnauer, Forstrath in Lich.
30) Heinrich Ufinger I. in Ilbeshausen.
— sNachtrag zum Concerl vom 26. Februar.j Mair würde irren, wenn man den Verfasser des Referats über daS vorgestrige Eoncert in Rücksicht ans die Unzulänglichkeit des Klubsaals für Concerte auf anderm Boden vermulhm wollte, als der ist, auf welchem der Verfasser des Artikels der „Oberhefsischen Nachrichten" steht. Letzterer hat vollständig Recht, daß der geringe Erfolg, den die 9. Symphonie bei dem Publikum hatte, der schrecklichen Hitze des Saales zuzuschreiben war. Referent dieses mochte, da er sich in seinem Bericht über das Eoncert selbst wegen des Raumes entschieden beschränken mußte, eine Frage nicht berühren, die er nicht gebührend besprechen konnte. Wie man hört, sollen in dem Saale 21 Gr. R. beobachtet worden fein. Auch sei die Ventilation über dem Kronleuchter so sagte man, wieder geschlossen gewesen. Offenbar that man dieses, wenn es wahr ist, aus gutem Grunde, weil im vorletzten Concerte in Folge des Luftstromes, der bei der geöffneten Ventilation über den feuchten Tünch zog, dieser trocknete, sprüng-g wurde und herunterfiel, was mehrere auswärtige im damaligen Concerte mitwirkende Künstler sogar empfindlich störte. Was von einem Concertsaale zu halten ist, bei dem alle möglichen Experimente zum Abstellen von Mtß- lichkeiten fehljchlagen, sieht Jedermann ein. Also kommt man mit Recht immer wieder auf das alte „Ceterum censeo“ zurück. •—er.
Vermischt« K.
Berlin, 24. Februar, lieber die Höllenmaschine auf dem Slettiuer Bahnhof berichten die hirsigm Blätter Folgendes: Das Feuer im Güterbahnhofe der Stettiner Bahn ist nicht durch Selbstentzündung entstanden, sondern in frevelhafter Weise von einem in der Dresdenerstraße 54 wohnenden Agenten Bader angelegt worden. Derselbe hatte am 21. ds. Mts eine Kiste nach Stettin aufgegeben, deren angeblich aus Sammet, Federn und Pelzwaar-n bestehender Inhalt mit 8750 X deklarirt und versichert war. Es war nun constatirt worden, daß sich unter den etwa 20 vom Feuer beschädigten Collis eine Kiste befand, deren vom Feuer völlig unversehrter Deckel anscheinend mit großer Gewalt abgesprengt, circa 12 Schritte weit sortgefchleudert war und am Boden lag. Während die übrigen Collis von außen durch das Feuer beschädigt waren, war diese Kiste inwendig vollständig ausgebrannt und nur ein Haufen Asch- fand sich darin vor, deren Geruch annehmen ließ, daß sie von Theer oder andern ähnlichen Stoffen heriühre. Daß der Herd des Feuers tu dieser Kiste zu suchen sei, war sofort klar. Am Tage nach dem Brand fand man nun außerhalb des Schuppens auf der Eide ein merkwürdiges, ziemlich großes messingenes Uhrwerk mit sehr starker Feder, das ersichtlich vom Brande geschwärzt und theilweise verbogen war. Auch batte der Weichensteller, der das Feuer zuerst wahrgevommen, einen starken Knall gehört. Daraufhin wurde Bader am Donnerstag Abend verhaftet. Das Uhrweik ist nach der Angabe von Sachverständigen eine sogenannte amerikanische Uhr, tue zu Billardzwecken benutzt wird und 48 Stunden lang läuft An diese irgendwo erlangte Uhr hat Bader ein zweites Rad angefügt, durch welches der Lauf der Uhr noch erfolgtem Aufziehen auf 12 Stunden beschränkt wurde. An diesem Rad befindet sich ein Stift der, sobald er an eine bestimmte Stelle gelangt, eine Feder ersaßt, durch welche in demselben Augenblick die Explosion des damit verbundenen Sprengstoffes bewirkt wird. In dem Comptoir Bader's ist eine Anzahl von Zeichnungen derartiger Uhrwerke gefunden worden, In welche nachträglich ein zweites Rad, gleich wie das oben erwähnte, etn- gezeichnet worden. Die Beschränkung des Laufes der Uhr auf 12 Stunden erfolgte offenbar zu dem Zwecke, daß die Kiste vor, refp. während der Bahnbeförderung explodirie.
Köln. Der am Morgen des 22. Febr. fahrplanmäßig um 7 Uhr 50 Minuten fällige Berliner Conrierzug traf diesen Morgen erst 11 Uhr 33 Minuten hier ein. Es war eine Reise mit Hindernissen theilweise grauenhafter Art Zuerst mußten mitten auf der Lüneburger Haide die Passagiere umfteigen und oas Gepäck in einen andern Zug umgeladen werden, weil dort ein Güierzug derartig entgleist war, daß beide Geleise der Bohn vollständig gesperrt waren. Erst 5 Uhr Morgens traf dadurch der Zug in Hannover ein In Münden muhten die Passagiere eines Wagens erster Classe aus- und einsteigen, weil derselbe in Brand gerathen war. Zwischen Bielefeld und Hamm gerieth der Postwagen in Brand und mußte derselbe ebenfalls aus- und ein- geladen werden. Das Gräßlichste wartete aber der Passagiere in Mühlheim am Rhein um 11 Uhr Morgens. Der Zug hielt hier, weil man einen abgefahrenen Menschenfuß im Geleise gesunden hatte und man nach dem Körper erst suchen mußte. Derselbe fand sich denn auch auf der Strecke am Deutzerselde. Es war die gräßlich verstümmelte Leiche eines Bremsers des eben vor dem Courierzuge in ein anderes Geleise gefahrenen Güterzuges. Der Verunglückte hatte einen Fehltritt beim Aufsteig n gethan, war unter die Räder gerathen und eine Strecke mitgeschleift worden. Dieses gräßliche „Memento mori“, und dos auf den Aschermittwoch, wird den Passagieren unvergeßlich bleiben. Ein Schaffner, der schon 12 Jahre lang eben diesen Köln-Mindener Courier- zug begleitet hat, behauptete, er fei bei vielen Unglücksfällen zugegen gewesen, aber eine Fahrt wie die heutige habe er noch nicht erlebt.
— sFeine Umschreibung.) Nazi: „Ei, ei, Schorsch, woher hast Du denn den g'schwollenen Backen?" — Schorsch: „Dm? — das — das ist weibliche Handarbeit."


