Ausgabe 
30.9.1881
 
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isst

Freitag den 30. September

Nr. L27

Erscheint täglich mit «u-nahme brt Montag».

Bvrecku r Lchulftraße B. 18.

Prei» vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit »ringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 1 Mart 50 Pf.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'- telegr. Korrespondenz-Bureau.

Berlin, 28. Septbr. Anläßlich des Einzugs des Bischofs Korum in Trier sagt dieProv.-Corresp.", die Regierung sei erfreut, in der Fürsorge

Rußland.

Moskau, 27. Septbr. In dem h.efigen Kaufhof ist eine Feuersbrunst au-gtbrochen, durch welche bereit- 20 Magazine in Asche gelegt sind; trotz aller Anstrengungen ist man Kes FeuerS noch nicht Herr geworden.

Amerika.

Washington, 26. Septbr. Die vom Präsidenten Arthur verfügte Einberufung des Senats auf den 10. October ist durch die eigentümliche Lage des Senats veranlaßt. Die amerikanische Verfassung schreib: vor, daß im Falle des Ableben- de- Präsidenten und des Vicepräsidenten das Amt des Präsidenten von dem derzeitigen Präsidenten des Senat- tu führen sei, bi- ein neuer Präsident vom Volke gewählt werden könne. In Folge der Geschäfts- Unterbrechung in dem Senate war im Frühjahre kein Präsident gewählt wor­den. Wenn also Präsident Arthur plötzlich sterben sollte, würde kein Regie- ruogshaupt vorhanden sein. Wie der Senat augenblicklich zusammengesetzt ist, würde überdies, wenn Präsident Arthur stürbe, die Regierung bis zur Wahl eine- neuen Präsidenten in die Hände der demokratischen Partei übergehen.

peot/chland.

Darmstadt, 28. Septbr. Se. König!. Hoheit der Großher-og nahmen beute militäriscke Meldungen entgegen und empfingen den Obersten z. D. Winter, bfti Obersten v. Tre-kow, den Oberstlteutenant v. Esebeck, den Oberst­lieutenant v. Pr ttwitz und Gaffron, den Major Scrtba vom 7. Rheinischen Infanterie Regiment Nr. 69, den Oberdomänenrath Schenk, den Oberforstrath Draudt, den Profeffor Streng von Gießen, den Gvmnaflaldtrrktor Schiller von Gießen, den Obersteuermspector v. Buri. den Dompräbendat Schneider von Mainz, den Geheimerath Walther, den Oberförster Klump von Romrod, den Hcsthealerdtrector Wünzer; zum Vortrag den Mtnistertal - Präsidenten Schleiermacher, den Ministerialrath v. Werner und den Geheimen CabmetS- rath Dr. Becker.

Berlin, 27. Septbr. Da- unterirdische RetchS-Telegraphennetz ist fitzt fertiggestellt worden; S verbindet 221 Städte miteinander und reicht von Königsberg bis nach Straßburg, von BreSlau biS nach Emden, von Thorn bis nach Aachen. DaS erste von Berlin nach Halle gelegte Kabel wurde im März 1876 in Angriff genommen, und daS letzte Netzstück, von Köln nach Aachen reichend, ist vor drei Monaten eingebettet worden. Die Legung fämmilicher Kabelstrecken hat einen Zeitaufwand von nahezu 58 Monaten und an Geldmitteln im Ganzen die Summe von rund 30,200,000 JL in Anspruch genommen. Die Gesammtlänge der Kabel beträgt 5,463.950 km, diejenige der in den Kabeln enthaltenen Leitungen 37,372,871 km ; von den 23 Linien, die gelegt wurden, haben nömlich 18 Linien siebenadrige und 5 Linien vier­adrige Kabel.

Fürst BiSmarck hat dem BundeSrathe die Thatfache angezeigt, daß im Jahre 1880 nicht weniger alS 11,454 junge, demnächst krieg-pflichtige Männer au-gewandert sind, und daß im laufenden Jahre weit mehr al- 20.000 solcher dem Kriegsdienste verloren gehen, abgesehen davon, daß damit zugleich die arbeit-kräftigste Bevölkerung auSwandert und die Schwäch» linge und Arbeitsunfähigen im verhältnißmäßig größerem Maßstabe zurück- bleiben. Da- Hauptau-wanderung-land ist Preußen; Bayern mit einem Neuntel der BevölkerungSzahl de- Reiche- li.fert nur ein Zwanzigstel der Auswanderung.

Der sechste deutsche Seminar-Lehrertag wurde heute eröffnet und vom Eultu-mitister mit einer Ansprache begrüßt, worin e- heißt: Vor wenigen Tagen wurde der fünfte Oriental'sten-Eongreß geschloffen, heute öffnet Berlin wiederum die gastlichen Thore dem sechsten Seminar-Lehrertag. Tort waren die höchsten Spitzen der Wiffenschaft, hier sind die Vertreter deS deutschen Unterricht-. Ein Blick aus beide Versammlungen zeigt, daß das .Bildung-- Gebäude unseres Staate- stockwerkartig aufgebaut ist und keine Lücke, keine schroffen Gegensätze darin vorhanden find. Ueberall werden durch harte Aibeit gesegnete UebcrgLnge geschaffen. Ihre Ausgabe ist eine schu irrige, aber auch die edelste und dankbarste. LS freut mich daher, daß mir die Ehre wurde, Lie Namens der UnterrichtSverwaltung hier willkommen zu heißen; die Unterricht-- Verwaltung muß mit der Volksschule gleichen Schritt halten. Ter Minister giebt sodann eine statistische Uebersicht der Unterrichtsoerwattungen und bemerkt weiter: Zu den Schwierigkeiten aus dem Gebiete de- LchulwrsenS kommen die Sprachverschiedenheiten des Vaterlandes, die consesfionellen Verhältnisse, die fortwäbrende Fluctuation der Bevölkerung, welche theils auf die Frei» zügigkeit, thetl- auf die industriellen Derbältniffe zurückzusühren ist. Hierbei wird eS der Schule schwer, Ihre DurchscknittSaufgabe zu erhöhen. Wenn eS nicht gelingt, allen Sckülera die Grundbtdingungen elementaren Wiffens zu- zuführen, erwächst der Volksschule ein Vorwurf. Es muß gelingen, die Durch, schnittsaufgabe der Volksschule immer mehr zu erhöben. Die wesentlichste Aufgabe fällt dem Lehrer zu; diese ist. wenn auch eine schwierige, doch die dankbarste, wenn der Lehrer eingedenk ist, daß er ein Voibild der ganzen Ge- meinde sein soll. Die Bildung solcher Lehrer ist die Aufgabe der Seminare. Unser Volksleben kann nur dann gedeihlich sein, wenn sich die Lehrer durch Fleiß bemühen, dem Volke ein treues Vorbild zu sein. Ich freue mich, eine so stattliche Schaar ernsthafter Männer hier begrüßen zu können, die auS allen Theilen des Reiche- zusammengrkommen find, im Interesse der Volksschule ihre Erfahrungen auSzutauschen, Belehrung zu ertheilen und zu empfangen. Mögen deshalb die Berathunzen zur Ehre Gottes und zum Legen der Mitmenschen gereichen. (Lebhaftes "Bravo). Die Versammlung erhebt sich zum Zeichen des Dankes. Der Vorsitzende, Seminar-Director Henning, dankte dem Minister. Zeitpunkt, welcher für den Zusammentritt des Reichstags

zu seiner ersten Session (behufs Berathung des Budgets pro^l882/83)_ in Aussicht genommen ist, hören wir, daß man an maßgebender Stelle beabsich­tigt, die Einberufung für den Donnerstag, 10. November, zu erlassen. Es würden dann dem Reichstage etwa fünf Wochen (bis zur Woche vor dem WeihnachtSfeste) zur Erledigung seiner Ausgabe verbleiben, und dürfte dies vollkommen genügen, um die Beratbung zu erledigen.

Hamburg. (Zur deutschen Pctroleum-Indusrrle.s Immer machNger dehnt itch das Ged'ct der Bohrungen auf Petroleum in Hannover aus und große Quantitäten des gewonnenen Oels wandern bereits aus den Weltmarkt. Der Reichthum der Gegend an Mineralöl, den die Geologen festgeftellt haben, die Ergiebigkeit der Production, eine gute Qualität des Rohmaterials das find Tinge, die nicht mehr bestritten werden, so verschieden auch der Ertrag einzelner Gegenden sein mag.

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Die Delheimer Petroleumgesellschoft. an deren Spitze der eigentliche vearünder der neuen Industrie. Mohr, steht, macht beträchtliche Fortschritte. Der Abschluß de» Ankaufs einer Raffinerie ist persekt geworden; die Gesellschaft hat die feither im Besitze der Gebr. Behrens in Hamburg befindlich gewesene Rasfinerie-Anftalt übernommen (PretS 180,000 Jt) In der Raffinerie wurden bisher tSgllch hundert Etr. Del raffintrt; es sind mdesien Vorbereitungen gettosien. um die Einrichtungen und tägliche Rasfinir-Fahigkeit aus 300 Ctt. ju erweitern (btt Mitte Oktober). Der projectirte Reubau einer Rasfinerie ist unterblieben, da die Anlage 812 Monate beansprucht hätte und in der »Zwischenzeit der durch das Rasfiniren entstehende Mehrvetdienft (8-9 JL pr. Faß)"oerloren gegangen wäre. Die BehrenS'iche Anstalt raffintrt ledig­lich Delheimer Petraleum (A M- Mohr) und die Preise für daS Petroleum, welches feiner vollständigen Farblosigkeit und feiner Qualität nach dem lkrofs'schen Kaiseröl ziemlich gleichkommt, sind 13 X pr. Gtr., für Schmieröl, von welchem das Rohöl 55«/o enthält. 18 Für den Vertrieb und die geschäfttiche Vettuna ist eine kauf, männische Direktion in Hannover bestellt worden. Stach alledem ist die Lage der Gesellschaft günstiger alS je, zumal die Quellen sämmtlich in aleichmäßiger und unveränderter Ergiebigkeit fließen und die ganze Entwickelung des Unternehmens die beträchtlichsten Fortschritte gemacht hat. In den letzten Wochen ist eine große Anzahl neuer Bobrungen gemacht worden, vorzüglich zwischen dem Bohrloch 3 der Delheimer Gesellschaft und der ziemlich ergiebiaen Quelle der Bremer Gesellschaft, so daß eine Steigerung der Productton durch Erschließung neuer Quellen devorsieht. Während das bekannte Bodrloch 3 fortdauernd noch ergiebig ist, melden Depeschen, daß von den neuen Bohrlöchern (Nr. 6 geaenwärtig 60', Nr. 7 IW, Nr. 8 125', 8tr. 9 32') Bohr­loch 5 bei einer Tiefe von 200' Petroleum ergab.

Frankreich.

Pari-, 27. Septbr. Gambetta läßt verbreiten, daß er in der nächsten Kammerseffion nicht auf die Präsidentschaft reflectire, sondern sich alS einfacher Deputirter an die Spitze der Mehrheit stellen wolle. Ueber den eigentlichen Grund der merkwürdigen Enthaltsamkeit erfährt man Folgende- :

Gambetta'- Wahl gehört zu denen, gegen welche Proteste eingelausen find, so daß fie zu einer längeren Debatte Anlaß gebm und nicht sofort für gültig erklärt werden kann, wie dieS bei den Wahlen geschieht, gegen die nichts vorliegt. Die Kammer hat die Gewohnheit, fich, wenn eins über die Hälfte ihrer Mitglieder für endgültig gewählt erklärt ist, alS beschlußfähig zu betrachteu, und schreitet daun zur Ernennung ihre- endgültigen Vorstandes. Geschieht die- auch in diesem Jahre, so wird der Präsident wahrscheinlich in der vierten Sitzung, wie dies auch früher der Fall war, gewählt werden. Gambetta, deffen beanstandete Wohl bann noch nicht gutgeheißen ist, kann de-halb nicht als Candidat für die Präsidentschaft auftreten, und läßt deshalb schon jetzt verbreiten, er habe auf dieselbe Verzicht geleistet.

Auch im heutigen Mtnifterr.tthe waren außer Ferrv auch Eonstans und Cazot wieder abwesend, der Krieg-mintster dagegen erschien und theilte eine Depesche des General- Saussier mit, worin derselbe meldet, die Opera­tionen gegen Kahiruan könnten der Hitze wegen nicht vor 10 bi- 15 Tagen eröffnet werden. Saussier will auch erst noch Verstärkungen abwarten. In Sacken des angekündigten Manifestes der äußersten Linken wegen Einberufung der Kammern beschloß der Ministerrath, sich um die Sache nicht zu beküm­mern. Morgen gehen wieder 2500 Mann von Toulon nach Tunesien ab. Heute rückte von Paris ein Bataillon Jrfanterie nach Afrika ab. Fürst Orloff ist au- dem Haag nach Pari- zurückgekehrt. DieEstafette" meldet: Gambetta wird in Folge seiner Reise in Belgien, wo er mit zwei deutschen Notabtlitäten verkehrte, eine große friedfertige Rede halten."

tngfanb.

Manchester, 27. Septbr. In einem heute abgehaltenen Meeting von Baumwoll-Spinnern der Grafschaft Porkshire, in welchem 900,000 Spindeln vertreten waren, aurde einstimmig beschloffen, nur vier Tage in der Woche während eines Monats arbeiten zu laffen und damit sofort zu beginnen. Der Zweck dieser Maßregel ist, die Operationen des Liverpooler Baumwoll-Ring­zu vereiteln.

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Amigk- uni> Amtsblatt für btn Kreis Gießen.