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Sonntag den 30. Januar

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AWgk- unb Amtsblatt für bkn Kreis Gießen.

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Erpedittonsbureau:

Schulstraße v. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit vringerlohr^ Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf,

Amtlicher Tßeil.

Gefundene G e g e n ft a u d e:

2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Messer, 1 Notizbuch, 5 verschiedene Handschuhe, 1 Tragkitzes, 1 Kindermuff.

Die Gegenstände find auf der Polizeiwache (Weidengaffe 93) aufbewahrt.

Gießen, den 29. Januar 1881. Großherzogliche Poltzeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

Berlin, 26. Januar. Gehetmrath Reuleaux befindet sich stark auf dem Wege der entschiedenen Befferung. Seine Familie hat briefliche Nachrichten erhalten, welche seine fortschreitende Genesung melden. Und bei dem Stif­tung-feste desVerein- zur Beförderung des GewerbfletßeS" verlas der Vor- fitzende, Staat-Minister a. D. Delbrück, einen telegraphischen Glückwunsch Aeuleaux's zum Feste, welcher, da er keinerlei Zusatz über den Gesundheit-- zustand de- deutschen Commiffars in Melbourne enthielt, die günstigsten Ver- muthungen in Betreff seiner völligen Wtederhestellung rechtfertigen dürfte.

Auf ein von der Universität Marburg (bei dem Commers am 18. Januar) gesandtes Begrüßungs-Telegramm hat Fürst Bismarck Folgendes geantwortet:

Ich danke dem Senior-Convent und den Herren Profefforen verbtndlichst für ihr freundliches Gedenken am gestrigen Tage. Unsere Universitäten find in schwierigen und an Hoffnung armen Zeiten dem nationalen Gedanken treu geblieben, sie haben ihn uns für günstigere Gelegenheit lebendig erhalten und entw'.ckelungssähig überltesert. Ihre heutige Begrüßung beweist mir mit den gleichartigen Kundgebungen anderer Universitäten, daß unsere nationalen Güter, wenigst nS in der Schätzung der Jünger und der Lehrer der Wissenschaft, da­durch, daß wir einen großen Thril derselben wiederum beßtzen, an Werth nicht verloren haben. v. Bismarck.

Berlin, 27. Januar. Von der Samoa-Gruppe wird folgender Vor­gang gemeldet. Die Bewohner des Jtu-otane-Districts auf Sawaii hatten vor längerer Zeit einen Angriff auf ein deutsche- Segelschiff unternommen und es war ihnen zur Strafe dafür die Zahlung einer Buße von 2500 Doll, auserlegt worden. Die Wilden mußten sich trotz allen Sträubens schließlich zur Zahlung dieses Tributs verstehen. Der deutsche General-Consul auf den Südfee-Jnseln, Eapitän Zembsch, erhielt jedoch von Berlin aus die Weisung, da die Insulaner dem deutschen Schiffe keinen Schaden zugesügt hatten und Entschädigungsgelder nicht in Frage kamen, die Summe dem goi.bg für den Bau eines Hospitals in Apia, dem Sitze der samoanischen RegierungSgewalt, rvfließen zu laffen. Gleichzeitig wird gemeldet, daß die politische Lage auf Samoa schwankend sei; die Regierung sei schwach und Bürgerkriege entkräfteten das Volk.

Wie zur Zeit gemeldet worden, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten wegen der Ausgabe von Eisenbahn-Abonnements-Karten für Schüler und Schülerinnen auf den Staat-- und unter Staatsverwaltung stehenden Bahnen eine Aenderung des bisherigen Verfahrens getroffen. Danach darf die Ausstellung solcher Karten nur dann erfolgen, wenn der Bestellung eine Bescheinigung der Schulbehörde beigesügt ist, daß der brtheiligte Schüler oder die Schülerin die angegebene Schule besucht und die Schulferientage, soweit sie sich erfahrungsmäßig feststellen laffen, nebst den in die Ferienzeit fallenden gesetzlichen Feiertagen darin vermerkt werden, weil die Karten nur auf eine bestimmte Zett und eine täglich einmalige Hin- und Rückfahrt, ausschließlich der Sonn- und gesetzlichen Feiertage, ausgesertigt werden. Die Beschaffung dieser Bescheinigungen ist lediglich Sache der Betheiligten, ohne daß sich die Verwaltungen irgendwie damit zu beschäftigen haben.

Berlin, 28. Januar. DerPost" zufolge verurteilte der Discip- linargerichtshof des Provinzial-Schulcollegiums die Lehrer Foerster und Jungfer wegen des bekannten Vorgang- in der Pferdebahn heute zu einem in milder Form gehaltenen Verweis, erkannte außerdem gegen Foerster wegen agitatorischer Thätigkeit in der Judenfrage auf eine Geldbuße von 90 JL

England.

London, 28. Jan. Nack einer Meldung desReuter'ichen Bureau-" aus Newcastle vom 28. ds. eröffnete die Artillerie einer englischen Truppen- Abteilung unter Celley das Feuer auf die BoerS, hierauf ging die englische Infanterie vor. Die Boers zogen außerhalb der Schußweite der Artillerie zurück.___________________________________

Telegraphische Depeschen.

Wagner'» telegr. (?-rrespouVenz-Burean.

Berlin, 28. Januar. Abgeordnetenhaus. Bei Beratung des An­trags Minnigerode bezeichnet der Ftnammintster die Finanzlage als eine gün­stige. Die Mehreinnahmen im Betrage von 16 Millionen während der ersten 7 Monate seien bis zum Schluffe des drÄren Quartals auf 22 Millionen gestiegen. Ebenso hätten sich die Reichseinnahmen vom October in unerwar­teter Weise gesteigert. Der Steuererlaß könne daher ohne jede Gefahr rintreten.

Jahresbericht des ^abrikinspectors für das GrohherzogthumlHelsen für 1879

von Dr. Meisel, Handelstammersecretär in Darmstadt.

(Schluß.)

Der Bericht geht sodann zur Besprechung genehmiaungspflicktiger Anlagen über »nd bespricht eine Reihe von Details, die von der größten Wichtigkeit für die In­teressenten, doch das gleiche Interesse bei den Nichtfachmännern nicht beanspruchen können. Bon großem allgemeinen Interesse dürsten jedoch die Bemerknngen unter der Rubrik V.:Arbeiteroerhältnisse und Anderes" fein.

Es wird hier zunächst heroorgehoden, daß auf mehreren Werken innerhalb des Grvtzherzogthums zwar verschiedene Wohlfahrts-Einrichtungen, als Kranken- und Unter; stützungskasfen, Bade-Einrichtungen und dergl. existiren, daß dieselben jedoch im All­gemeinen im Berhältniß zu der Zahl der Werke nur noch sehr vereinzelt vertreten seien. Als Grund dafür wird angegeben, daß m Städten allgemeine Unterstühungs-, Kranken-, Sterbe- und Spar-Kassen und dergleichen Vereine, ferner Hospitäler und andere ge­meinnützige Anstalten mit liberalen Bedingungen, auch auf W-Hlthätigkeit begründete gesellige Vereine, Eonsum-Bereine, Suppenanslalten, Bildungsanstalten, theils aus­schließlich für die Arbeiter, theils denselben zugänglich, beständen, und darum sich an solchen Orten das Bedürsniß zu derartigen, mit einzelnen Werken verbundenen Ein­richtungen weniger geltend gemacht habe. Auch liege die Ursache zum Tbeil darin, daß sich bei der großen.Anzahl kleinerer und mittelgroßer Werke solche Einrichtungen häufig wegen der zu geringen Anzahl der Theilnehmcr nicht rer.tirten oder daß auf Gegen­seitigkeit begründete, auch von den Gewerbe-Unternehmern unterstützte Kassen-Vereine und Unternehmungen der oben bezeichneten Art nicht lebensfähig feien, falls die Be­sitzer felblt größtentheils Leute von mittleren BermögenSoerhaltniffen nicht den bei Weitem größten Theil der Kosten, bezw. der Ausfälle und das ganze Risico Über­nähmen. Für solche Fälle wird das Zusammengehen mehrerer benachbarten Werke eher ganzer Complexe zur Errichtung gemeinnütziger Anlagen und Einrichtungen und die Bildung gemeinsamer Kassen empfohlen.

Wenn bei der Mehrzahl von Gewerbetreibenden die Einrichtungen nicht über das Maß des Allernothwendigsten und gesetzlich Vorgeschriebenen hinausgingen, so glaubt der Bericht das vielfach dem Mangel an der nöth'gen Anregung zuschreiben zu sollen, auch ist er geneigt, die mannichfach schlechten Ersahiungen auf diesem Gebiete nicht sowohl dem Eigensinn ober dem bösen Willen der Arbeiter, wie vielfach behauptet werde, sondern vielmehr der Unkenntniß und dem Mangel an Erfahrung auf Seiten der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer zur Last zu setzen. Rühmend werden indessen die mehrfach in mustergiltiger Weife vorhandenen Einrichtungen in einigen größeren Weiken in Worms, Offenbach und Mainz heroorgehoden und namentlich wird die Le­derfabrik von Cornelius Heyl in Worms lobend erwähnt. Außer der Unsalloei sicher - ung finde sich daselbst eine gut eingerichtete Kranken-, Medicamenten- und Sterbekasse, eine Sparkasse, ein wohl organisirtes. von liberalen, doch strengen Grundsätzen gelei­tetes Vorschußwes.n, ein Pensionsfond, eine Wittwenkasse, gegen Ä) geräumige Arbeiter- Wohnhäuser und dergleichen mehr.

Zu dem Charakter der hessischen Arbeiter übergehend bemerkt der Bericht, daß derselbe im großen Ganzen gutartig, fügsam, willig, fleißig, nüchtern und genügsam sei. Von wesentlich oppositioneller Haltung, von Stnkes, ist dem Berichterstatter nichts bekannt geworden.

In manchen Industriezweigen, so namentlich in der Tabaks- und Cigarrenin- dustrie vermißt er die nothwendige Straffheit der Zucht, Regelmäßigkeit im Einhalten der bestimmten Arbeitsstunden und Tage rc.

Nachdem noch das Vereinsleben im Allgemeinen in Lessen als ein sehr reges, und namentlich bas Vorhandensein zahlreicher Fach-Bibliotheken, Mustersammlungen, dauernder Ausstellungen, Laboratorien und Versuchsstationen, Fachschulen mit vom Staate besoldeten Lehrkräften als von dem günstigsten Einfluß auf die Gewerbethätig- feit des Einzelnen begleitet bezeichnet worden ist, glaubt der Verfasser schließlich im Interesse verschiedener ärmerer Gegenden die damals projectirte Einführung von Maß­regeln gegen den Wucher freudig begrüßen zu sollen.

Man sieht, der Bericht enthält des Anregenden und Interessanten jjar viel. Be­sonders wohlthuend berührt die Wärme, mit welcher sich der Verfasser für die Herbei­führung besserer sittlicher Zustände unter den Arbeitnehmern und für die Einführung von Einrichtungen zur Verbesserung des materiellen und geiftiaen Looses derselben ausspricht Wenn auch die gemachten Vorschläge, wie der Herr Berichterstatter mehrfach selbst zu- gibt, augenblicklich nicht überall durchführbar erscheinen, so sind doch die Bestrebungen nicht weniger anerkennenswerth, und können bet der Stellung und dem Wirkungskreis des Mannes, von welchem sie ausgehen, nur von den segensreichsten Folgen begleitet fein. Auch babrn wir bet der Lecture des Berichts nie zu vergessen, daß das Institut des Fabriktnspektors ein noch ganz neues ist und daß Zeit und Erfahrung, wenn irgendwo, auf dem hier berührten Gebiete helfend und erleichternd eingreifen werden.

Lokales.

Gießen, 29.Januar. ^Drittes Sonceit des .Concert-Dereins". Emile Sauret.j Fortiehung. Sauret's Technik imponirt nicht ttaa durch eire kalte Unfehlbarkeit, sie muthit an, als ob aus ihr eine Seele spräche. Das Spiel ist ein reines Singen und Klingen sowohl in dem brillanten Paffagewnk, wie in der Santilene. Sein Spiel ist gewiß nicht vorzugs­weise auf daS blendende Birtuosenihum gerichtet, sondern es wird in hohem Grade auch dem Tone, der Seele des Vortrages, das Recht gewahrt. Besonders wird dies in dem Dioliu-Eon- certe von Max Bruch morgen zur Geltung kommen, zu deffen Vortrag große ernste Auf­fassung und strenger Styl erforderlich sind.

Wir reihen unseren Solo-Geizer für Sonntag Abend unbedingt den besten Violonisten unserer Zeit an und wenn wir ihn neben Joachim, Wilhelmy und Sarasate stellen, so thun wir dies mit vollem Recht; nur der Character ihrer Nationalität gibt ihrem Spiele die ver­schiedenartige, eigenthümliche Weihe, was uns bestimmen mag, bald dem einen, bald dem andern den Vorzug zu geben. ,

Säuret, der vor acht Tagen in Elberfeld auftrat (dadurch wohl Verspätung unseres Concerts um eine Woche) concerttrt Montag Abend in Darmiiact.