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Italien.

Rom, 26. November. In einem längeren Artikel, betiteltdas Ausland und das Ministerium", antwortete dasDiritto" denjenigen, welche die Idee der Königs­reise nach Wien zu verkleinern, auf kleinliche Verhältnisse und insbesondere auf ein parlamentarisches Auskunftsmittel zu reduciren .trachten und constatirt sodann: Die Lage Italiens gegenüber Frankreich ist dieselbe geblieben wie im letzten Mai; Gam- betta thut, was er kann. Die Loyalität zwingt uns onzuerkennen, daß man die Politik seiner Vorgänger nicht acceptiren konnte. Wir nehmen seine friedlichen und wohlwollenden Erklärungen mit Vertrauen auf und sind alle geneigt, dieselben zu erwidern. Aber noch einmal: Die Dinge bleiben wie sie waren wir können dieselben weder ändern noch aufgcben weil ihre Ursache weiter besteht. Italien hatte keine feindlichen Absichten gegen Frankreich; es zog nur seine Interessen zu Rathe und sah sich für die Zukunft vor. Der Besuch in Wien war ein guter Anfang, der aber eine logische, vollständige Weiterentwickelung haben muß. Das Ministerium kann und will nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Wenige Tage nach dem 27. Oktober schrieb man in Berlin, daß das, was in Wien geschehe, nur in Berlin die öffentliche Be- kräftiguna und feierlUe Wirksamkeit erlangen werde. Derselben Ansicht war man in Wien und ist man auch in Rom. Ohne Zweifel ist die Uebereinstimmung zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn eine Friedensgarantie: der Hinzutritt Deutschlands wird diese Garantie verstärken. Sich an eine dieser Mächte anschließen und die andere bei Seite lassen, würde größere Mißstände als Vortheile im Gefolge haben.

Rußland.

Petersburg, 26. November. Gestern Nachmittag erschien während der Sitzung im Departement der Reichspolizei ein junger Mann, welcher den General Tscherewin zu sprechen wünschte und feuerte auf Letzteren einen Revolvrrschuß ab. Die Kugel durchlöcherte die Kleider des Generals. Die Verwundung soll unbedeutend sein. Der Thäter ist verhaftet.

Wettere Meldung. Gestern Nachmittag 2y4 Uhr erschien ein Mann von dürftigem Aussehen im Departement der Reichspolizei, angeblich um ein Bittgesuch an den General Tscherewin, den Adjunkt des Ministers des Innern, zu richten, und feuerte unmittelbar, nachdem er vorgelassen war, einen Revolver« schuß auf den General ab. Dieser wendete den Schuß ab, indem er den Arm des Attentäters ergriff. Dieser wurde sofort verhaftet. Nur die Uniform des Generals ist durch den Schuß beschädigt worden. Die angestellte Unter» suchung ergab, daß sich der Thäter NikolaS Sankowsky nennt und aus einem polnischen Abelsgeschlechte aus dem Gouvernement Grodno stammt. Derselbe gab an, aus Ansttften eines gewissen Paul Melnikoff gehandelt zu haben, welchem aus Grund einer Verurtheilung wegen Diebstahls die bürgerlichen Rechte aberkannt worden sind. Letzterer ist in Folge dessen ebenfalls verhaftet worden.

Türkei.

Konstantinopel, 25. Novbr. Das griechische Postamt in Konstan- tinopel und das griechische Postamt in Janina sind heute geschloffen worden.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenz - Bureau.

Wien, 27. November. Die derAgence Havas" aus Skutari gemel­dete Nachricht, daß Crivosctaner Insurgenten sich dreier Blockhäuser bemäch­tigt und die Garnisonen derselben gefangen genommen hätten, wird von com- petenter Seite in ihrem ganzen Inhalte als unrichtig bezeichnet.

BreSlau, 27. November. Der gestrige Berliner Tages-Expreßzug, welcher um 4 Uhr Nachmittags hier eintreffen sollte, ist beim Passtren der englischen Weiche der Station Mochbern um 3 Uhr 51 Mtn. entgleist. Die Maschine, der Tender, der Post- und Packwagen stürzten um. Außer einigen Contustonen, welche der begleitende Postsecretär erlitten hat, sind keine gefähr­lichen Verletzungen vorgekommen. Der Zug traf mit einer Verspätung von 2 Stunden hier ein.

Petersburg, 27. November. DerRegiemngsbote" veröffentlicht die bereits gestern gemeldeten Mittheilungen über das am Freitag erfolgte Attentat auf den General Tscherewin. Der Thäter ist ein vor wenigen Tagen aus MorschanSk hier eingetroffener Edelmann Namens Nicolai Sankowsky, aus dem Gouvernement Grodno gebürtig. Gleichzeitig verdächtig, um das Attentat gewußt zu haben, ist sein Reisebegleiter aus Morschansk, der Bürger Melnikoff, gestern Nacht verhaftet worden.

London, 27. November. Der Staatssecretäc für Indien, Marquis of Harttngton, hielt gestern in Blackbourne eine Rede, in welcher er auf die Nothwendtgkett htnwieS, daß nicht eine Macht, sondern das gesammte Europa aus die Ausführung sämmtlicher Bestimmungen des Berliner Vertrages dringe. Bezüglich der gegenwärtigrn Lage der Dinge in Irland sagte der Redner, dieselbe habe große Beunruhigung und eine arge Enttäuschung hervorgerufen. Es werde nöthig sein, die Frage einer Compensation für die Grundbesitzer in Erwägung zu ziehen. Die Regierung werde nicht aushören, mit entschiedener Festigkeit, gleichzeitig aber auch mit unerschöpflicher Geduld in dieser Ange- legenbeit vorzugehen. _________________

Vermischtes.

flRoinj, 22. November. In einem Hause der auf die Augustinergasie einmündenden Seitenstraßen erhob sich heute früh einMordspektakel". Mama und beide erwachsene Töchter, welche sich alle drei nicht eben durch sehr große Ordnung«- und Reinlichkeitsliebe auszeichnen, machten großen Lärm, da ihnen diefalschen Behauptungen", nämlich die Chignons und Zöpfe, abhanden gekommen waren- Schon hatte man den bekannten Bettler der, wenn irgendwo etwas fehlt, immer herbaltcn muß, im Verdacht, den Diebstahl begangen zu haben, schon wollte man zur Polizei schicken da brachte das Dienstmädchen unter bhn Herde hervor das Körbchen derMinz", die heute Nackt den Hausstand durck sechs junge Kätzchen vermehrt batte, und zwar hatte sickMinz" die falschen Haare der Damen zum weichen Lager er koren. Tableau!

- sWer Hut Recht.) Folgende ergötzliche Iagdgeschtchte ist vor wenigen Tagen in der Räbe von Berlin passirt. Ein echter Berliner Sonntagsjäger hatte sich den ganzen Tag im Schweiße seines Angesichts auf seinem theuerbezahlten Revier Herumgetrieben, ohne auch nur von Weitem einen Hasen zu Gesicht zu bekommen. Wüthend kcbrte er gegen Abend in die

Dorfschenke ein, um sein Pech mit einem Glase Bairisch hinunterzuspülen. In welcher Stimmung er sich befand, war ihm unschwer anzusehen. Auch der Krugwirth, ein dicker, jovialer Mann, wußte sofort, woran er mit unserem Nimrod war.Pech gehabt auf der Jagd, was?" fragte er, das schäumende GlaS vor seinem Gaste auf den Tiich setzend.Hunde- pech! Ganz niederträchtiges Hundepech/" sckimpfte der Jäger.Auch nicht ein elender Haie ist mir vor'« Rohr gekommen. Na, meine Frau wird wieder schön ra'.sonniren, wenn ich mit der leeren Iagdla che aus dem Coupe gestiegen komme. Weiß es Gott, zehn Mark wollte icti auf der Stelle drum geben, wenn ich auch nur ein einziges Mal zum Schuß gekommen wäre!" Zehn Mark!" fragte der Wirth,im Ernst?"Im vollen Einst!"Topp, Ihnen soll geholfen werden! Es geht mir zwar nahe, das Thier herzugeben, aber zehn Mark sind bei den heutigen Zeiten immer mitzunehmen." Unser Sonntagsjäger horcht erstaunt auf.Wo­von sprechen Sie denn?"Nun, von dem zahmen Halen, den ich im Stalle habe. Für zedn Mark sollen Sie ihn haben. Ich bince ihn im Garten an einen Baurn, Sic schießen ihn tobt und stopfen Muttern damit den Mund." Wie electrisirt sprang der Berliner in die Höhe. Es hätte nickt viel gefehlt und er wäre dem Krugwirth, dem Retter seiner Iagdehre, um den HalS gefallen. Dieser machte indeß sein Versprechen zur That. Binnen fünf Minuten war Meister Lampe mit dem rechten Hinterlauf kunstgerecht an einen Baum gebunoen und das neu­modische Iagdvergnügen konnte beginnen. Um den Hajen nicht allzu sehr zu zerfleischen, stellte sich der Jäger in einiger Entfernung von ihm auf, legte das Gewehr an und zielte. Er zielte lange und bedächtig, doch endlich krachte der Schuß. Im nächsten Augenblick setzte Lampe, von seinem Strick befreit, durch den Zaun und verschwand im offenen Felde.Da geht er hin, Ihr Hase", sagte der Jäger, nachdem er sich von seiner Ueberraschung etwas erholt hatte. Mein Hase?" fragte höhnisch der Wirth.Haben Sie mit den Haien nicht für zehn Mark abgekauft? Ihr Hase ist es und nicht der meinige."Ich werde mich hüten, einen Hasen zu bezahlen, den ich nicht bekommen habe", schrie dagegen wieder der Jäger, und von der früheren Einigkeit der beiden Männer war keine Spur mehr vorhanden. Die Gerichte werden in dem Streite das letzte Wort zu sprechen haben. Hätten wir die Entscheidung darüber zu fällen, wir würden sagen: Wirth und Jäger haben Unrecht, der Hase aber hat Recht.

Eine naiv-romantische Geschichte erzählte eine Wiener Zeitung aus einer Schwur. gerichtSverhandlung. Ein junger Mann aus dem Volke wirbt um ein Mädchen. Der Vater macht ihnen Schwierigkeiten unv schließlich beschließen die jungen Leute, zu sterben. Sie be­gaben sich gegen Abend in einen Wald nächst der Hmterbrühl. Dort kramte der Geliebte seine Mordwerkzeuge aus; zwei Rastrmesser, just nicht die Instrumente, mit welchen romantische Selbstmorde verübt werdenSchneide Du mir den Hals ab, ich selbst treff'S nicht", sagte das Mädchen todesmuthig, legte sich auf bcn Rasen hin und bot ihm, ohne zu zittern, den Hals dar. Sie zuckte kaum, als er es wirklich that und wandte blos die Augen ab, als er selbst das Messer gegen sich richtete. Nun umarmten sie sich, drückten Wange an Wange und

erwarteten den Tod. Sie fühlten, wie das Blut aus den Wunden rieselte und mit seiner Wärme auch das Leben fortzunehmen schien. Ihre Blicke richteten sich hierauf nach den Kronen der Bäume und nach den Wolken am Himmel, die, geröthet vom Sonnenuntergänge. gleich feurigen Boten dahinjagten. Sie vernahmen das Waldesbrausen des Windes, wußte aber nicht mehr, ob es nicht der Flügelschlag des Todes sei, der heransause, um ihre See mit sich fortzureiße« in eine unbekannte, weite, öde Ewigkeit ... und da umklammerten sic sich fester, damit sie sich nicht verlieren könnten. Aber es wehte vorüber, ohne sie mitzunehmc», der Tag erstarb, ohne ihr Leben mit hinabzuziehen, und die Wolken zogen langsamer am Himmel, wie das Blut langsamer aus den Wunden quoll.Eduard, lebst Du noch?" fragte endlich das Mädchen mit schwacher, ängstlicher Stimme. Er antwortete und sie wunderten sich nun Beide sehr, daß sie noch Bewußtsein hätten. Es kam ihnen recht traurig vor, daß sie nicht einmal zu sterben veimochten. Wie tiaumbefangen kehrten sie in's Leben zurück, wuschen ihre Wunden und ließen sich von einem gutherzigen Fuhrmanne nach Wien zurück­fahren. Sie genasen von den schrecklichen Wunden. Der arme Bursche mußte sein neues Leben mit einem Jahre schweren Kerkers bezahlen, da die Jury nur mit fünf Stimmen seine Unzurechnungsfähigkeit bejaht hatte. Und so bleibt das Liebespaar nun wohl länger getrennt, als dies ohne Blutvergießen geschehen wäre.

Berlin. Ein recht betrübendes Zeichen der Zeit sind die erschreckend zahlreichen Annoncen, in denen Kinder zum Verschenken ausgeboten werden. Dutzendweise kann man der artige Offerten in den Blättern lesen. Das Unerhörteste aber ist wohl am Sonnabend geleistet worden. Da bietet <n einer unlerer gelesensten Zeitungen eine Wittwe ihre vier Kinder mtt einem Male aus, und zwar wegen Mangel an Raum.

sWahres Wort.) Wann wird am meisten gelogen? Vor einer Wahl, während eines Krieges und nach einer Jagd.

Handel und Verkehr.

Grün berg, 28. November. (Frucktpreise vom 26. November.) Weizens 24,30 Korn JL 20.,30 Gerste JL 16.54, Hafer 15.70, Erbsen JL 20.40, Linsen JL 30,00, Wicken JL 18.00, Lein JL 00.00, Samen JL 26.00, Kartoffeln JL 0.00. Durchschnittspre s pro 100 Kilogramm.

Frankfurt, 26. Novbr. (Marktbericht). Der heutige Heu- und Strohmarkt wwt gut befahren. Leu kostete je nack Qualität der Ltr.* 3 50 -5.50, Stroh LtL 4.004.40 Butter 50 Kilo 90-00, im Detail 1. Qualität das Pfund JL 1.2000, 2. Qualität das Pf. 1.10-0, (Bier das Hundert6.007.00 Ochsenfleock yer Pfund 60 0^

Kuh-, Rind und Farrenfleisck 40- 55 , Kalbfleisch 4055 H, Hammcifieis^

3565 Schweinefleisch 70 80 H, ein Hahn 1.802 20, ein Huhn v4t 1.60 2 0< eine Ente ^ 2 50 3.00, eine Taube 50 60 H, Gans JL 5.00-9 00, Has>n das Stück 2.503.50, Poularden «X 22.60, Rehbock daS Pfd. 70 80 Kapaunen vti* 2.503, Wälscher Hahn JL. 912, Kartoffeln 100 Ko. JL 3.505.00, Kob.kraut 20 41l Blumenkohl 1 St. 2050 H, Wirsing 00-00 H, Gelberüben 1 Bund 00-0 H, Zwiebel 1 Bund 0 Sellerie das Stück 3000 H Meerrettig 1 Stück 1015, Spargel daS Pfunt 30 Romain-Salat00 H, Endivien 10 0 H Rothkraut 1520 H, Weißkraut 1012 Artischoken 00 00 Erbsen bas Pfd. 00 Bohnen 100 Pfund 000 Kartoffeln bas Gescheid 0-00 das Malter jl 3.095.00, Kopf-Salat 00 H, Spinat 3050 H, Schnittlauck das Gebund 0 H Koblrabi per Stück 35 H

Berlin, 26. November. Im oberen Saale bei Julitz hielt gestern die Norddeutsche Gruppe des Vereins deutscher Eisen und Stahlindustneller unter dem Vorsitz des Herrn Gebeimrath Schwartzkopff ihre diesjährige Generalversammlung ab. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten fand eine längere Verhandlung über daS Eisenbahntarifwesen, insbesondere über die Einführung einer ermäßigten II. Stückgutklaffe und eine anderweite Normirung der Expeditionsgebühren statt, welche Dr. Rentzsch in einem längeren Referate einleitete. An der sehr lebhaften Debatte betheiligten sich u. A. die Herren Gebr. Schwartz­kopff, Hoppe, Behrens, Beckrr, Brodnitz, Redacteur Kirchner, sämmtlick aus Berlin, Director Stahl vom Vulkan in Stettin, Pauksch-Landsberg, Dr. Rentzsch u A. Einstimmig wurde folgender Beschluß angenommen:Die in Folge einer Einladung der norddeutschen Gruppe des Vereins deutscher Eisen und Stahlinbustrieller versammelten Vertreter des Maschinen= baueß und der Eisengießerei erklären die Einführung des von der Tarifkommission und dem Ausschuß der Deikehrsintereffenten empfohlenen neuen Tarifschrma's, insbesondere die Er­richtung einer II. Stückgutklaffe für ein dringendes Bedürfntß." liebet die Expeditionsgebühren gingen die Ansichten sebr auseinander und sah man deshalb von einet Resolution ab. In Fo>ge der vorgerückten Zeit mußten die Verhandlungen über die Unfall-Versicherung einer später einzuberufenden Versammlung Vorbehalten bleiben.

-rankfurt a. M., den 28. Novbr., Nachmittags 2 Uhr - Min. (Telegr. CourSbertcht Mttgethetlt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Credtt. Een 3113/8^ aatsb.-Actien 2771/2, Gali,-er 262^, Oest. Silberrente 66«/16, 4% Ungar. Goldrente 771/«, 4% 1880er Ruffen 74, \ 2. Orient-Anleihe 60, 5% Rumänische Rente 88, Lombarden 1303/,. Tendenz fest.

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