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Nr. 22« Donnerstag den 29. September 1S81.
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Aiikigk- uab Amtsblatt fit brn fiteig Gießen.
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t'Utcewt Lchulftraße v. 18. Erscheint täglich mit «»«nähme de« Montag«. Durch d,e Post bezogen vertrijähritch 2 War! 50 Pf.
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Musikkapelle
Das neue Drei»Kaiser - Bündniß.
Durch die Jndiscretion eines ungarischen BlalteS lst der wesentliche In» halt der Unterhaltungen der beiden Kaiser von Deutschland und Rußland bei der Zusammenkunft zu Danzig, sowie die Ansichten deS Fürsten BiSmarck, welche er sowohl dem Ezaren als Herrn v. GierS entwickelte, verrathen. Wir leben <n der Zeit der Oisfentlichkett, und dahtr mag es wohl kommen, daß Amtsgeheimnisse von heute, je wichtiger sie sind, um so schneller verrathen werden. Wie bei der Jndiscretion der Danziger Zeitung, so liegt offenbar auch bei der Veröffentlichung der Depeschen im „Egyetertes" ein Vertrauen-' bruch vor, aber bei Lichte betrachtet hat nicht allein die Preffe, bei welcher häufig genug gerade die Jndi-cretion der Hebel sür das allgemeine Wohl ist, den Dorthell einer solchen Enthüllung, sondern die gejammte gebildete Welt. Spectell die Völker Deutschland- und Oesterreichs können dem indiscreten Burschen, der angeblich die Dtpesche dem Papterkorbe entnommen haben soll, um sie in dle Preffe zu lanciren, nur dankbar sein, denn ein wenig Politik auf eigene Hand treibt heutzutage Jedermann und wenigsten- liefert die Publication dazu ein Fundament. Vorher toppten Zeitungen und Zukunft-. Politiker aus dem weiten Felde der Eonjecturen im Dunkeln umher; und wenn eS auch zuweilen, wie man jetzt ersehen kann, auch dabei gelang, das Richtige zu treffen, so konnte man doch nur von der blinden Henne sprechen, die auch ein Körnlein fand.
Gegenwärtig liegt nun der Zweck der Entrevue klar vor Aller Augen. Der Ezar war nicht ohne Mißtrauen gegen die Politik deS deutschen Reichskanzler-. W e die öffentliche Meinung in Rußland, so faßten auch der Ezar und die russische Regierung da- Zwei-Kaiser Bündniß als gegen Rußland gerichtet auf, übrigen- nicht ganz mit Unrecht, denn da die russisch- Hetzerei
macht, daß der Anwärter mindestens ein Jahr Unterofficier gewesen ift* Glücklicherweise bezweifelt das „Militär-Wochenbl." selbst die Zweckmäßigkeit und Durchführbarkeit dieser Radikalkur.
Hamburg, 26. September. Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Schweden sind heute Abend 6 Uhr mittelst Extrozug- von Frankfurt am Main hier eingetroffen; dieselben wurden vom schwedischen Eonsul mit den übrigen EonsulotSmitgliedern am Bahnhofe empfangen und begaben sich, von dem zahlreichen Publikum l-bhaft begrüßt, daraus nach Streit'- Hotel, wo sie ihr Absteigequartier nahmen. Der Kronprinz und seine Gemahlin werden während deS morgenden TageS hier verweilen und morgen Abend 6 Uhr mittelst E;trazuge- die Weiterreise nach Friedrich-basen antreten.
Krankreich.
Pari«, 25. September. In einer heute stattgehabten Versammlung der äußersten Linken wurde beschlossen, ein Manifest an da- Land zu richten, in welchem der Ernst der Lage in Tunis auseinandergesetzt und aus die Notbwendigkeit, die Kammern em- zubcrulen, bingewiesen wird. — Der Senator für bad Departement AlpeS-Maritime«, Ios'pb Garnier, ist gestorben. — Heute sind 2^00 Mann von Toulon nach Tunis ein- geschifft worden.
— In der heute von den Mitgliedern der äußersten Linken bei Louis Blanc abgchaltenen Versammlung berichteten die an den Minister Fcrry abgesendeten Dele- airten über ihre Unterredung mit Ferrn. Letzterer habe auseinandergesetzt, daß Die Lage dcr Dinge in Afrika durchaus keine beunruhigende sei. daß die umlaufenden Gerüchte übertrieben und daß die verursachten Ausgaben keine unregelmäßigen seien- Die Versammlung beschloß nach Anhörung des Bericht« den — schon oben gemeldeten — Erlaß eines Man fefts, in welchem erklärt wird, daß bei der Dunkelheit der Aufschlüsse über den Stand der Angelegenheit in Tunis und «hier es dringend noth- wendig erscheine, die neue Kammer sofort einzuberufen.
Spanien.
iharst.
Tod na*
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gegen Deutschland bereit« zu „Äneg* in -Sicht-Artikeln" geführt hatte und Oesterreich durch die russisch - panslavtstische Propaganda in fortwährender Beunruhigung erhalten wurde, so würde selbstverständlich, wie in der Abwehr publiciftischer Anfeindungen, Rußland auch bei einem ernsteren Em flict da- vereinte Oesterreich« Ungarn - Deutschland al- Gegner gefunden haben. Für eine friedliche russische Politik, wie der Ezar sie aufrichtig zu wünschen scheint, lag eS dahez nahe, Ihrerseits beruhigende Versicherungen abzugeben. Erklärte daher der Ezar in Danzig, daß ihm jede aggressive Absicht, jede sranzosenfreundliche Neigung fern liege, erklärte Herr v. Greis, daß er weder mit der deutschfeindlichen, noch mit der russisch-panslavistischen Strömung, welche den Krieg gegen Oesterreich wünscht, liirt sei, so fiel jede Animosität Deutschland-Oesterreich- gegen Rußland von selbst fort. Diese beruhigenden Versicherungen find rusfischerseitS abgegeben iroibtn, und die Mäßigung, welche der Ezar an BiSmarck rühmte, ist offenbar der Freude de- Reichskanzlers entsprungen, welche er darüber empfand, daß der Ezar, dem man früher bekanntlich keine besondere Neigung sür Deutschland zutraute, seine Empfindungen über da- „herrliche und gute Volk", die Deutschen, sympathisch auSsprach und da« mit sowohl seinen Deutschenhaß dementirte. al- auch feine Verbindung mit der großrujfisch-panslavistischen Bewegung deSavouirte. Hierzu trat nun noch, daß Fürst BiSmarck im Namen Deutschland- und Oesterreich- erklären konnte, daß diese Länder und ihre Regierungen die internationale Revolution ebenso sehr Haffen und deren Exceffe ebenso streng zu verfolgen gedenken, we die russische Regierung; hat doch nicht allein der unglückliche Vater des Ezaren, sondern auch Kaiser Wilhelm von der „Schule deS Verbrechen-" die bittersten Erfahrungen seines ruhmreichen Leben- zu verzeichnen gehabt.
In dieser Einmüthigkeit der Anschauungen ruht die hohe Bedeutung der Danziger Zusammenkunft, welcher wohl trotz aller Dementis noch eine öntuoue deS Ezaren mit dem L iser von Oesterreich bald folgen dürfte; und in diesem Sinne der Einmüthigkeit — wenn auch nicht for ever, so doch sür die nächste Zeit — kann man auch von einer Erneuerung deS Drei. Kaiser - Bündnisse- sprechen.
Barcelona, 26. Septbr. Der Präsident und ter Secretär eines hier abgehaltenen socialistischen Congreffes sind wegen der gestern zu Gunsten der Nihilisten beschlossenen Erklärungen verhaftet worden.
Afrika.
Tunis, 26. Septbr. Nach aus Mahdia eingegangenen Nachrichten hat neuerdingS ein ernsthaftes Gefecht bei Djemmel zwischen Insurgenten und sra • zösischen Truppen stattgefunden. Die Araber räumen ein, 50 Todte und zahl- reiche Verwundete gehabt zu haben; die französischen Verluste find noch unbekannt.
ab HrvMi er
liebenen.
Vertichltrrd.
Berlin, 25. Septbr. Da- „Militär-Wochenbl.", das überhaupt allen Vorgängen in Frankreich große Aufmerksamkeit widmet, verfolgt mit ganz be- sonderem Jntereffe die Laufbahn Gambetta's- So hat es tn seiner gestrigen Nummer wieder unter der Aufschrift „Gambetta's militärisches Programm" die Aeußerungen zusammengestellt, welche der Ezdictator am 20. v. Mts. vor den Wählern von Belleville über die Frage der Dienstzeit und wo- damit zusammenbängt, gethan hat, und begleitet dieselben mit folgenden Bemerkungen: „Welche gewaltigen Reformen, welche tief einschneidenden Maßregeln! Die rückfichtslose Energie deS Mannes von CaborS, welche in den Jahren 1870 und 1871 die Heere der Republik aus der Erde stampfte, spricht fich in unge- schwächtet Kraft dahin aus: Jeder, der überhaupt die Waffen tragen kann, soll Soldat werden und für Alle soll die gleiche Dienstverpflichtung eingefübrt werden. Jeder soll drei volle Jahre dienen, fein E njLhriz-Freiwtlligendier.ft, fein deuxieme portion soll zu Gunstin deS Einzelnen eine Ausnahmestellung Lerbeiführen. Um die Rahmen herzustellen, in welche diese Masse gefügt werden soll und um der Armee die Dienste des intelligenteren LbeileS der Bevölkerung zu sichern, deren sie bedarf, wird die Anstellung im C'.mldienst (nicht nur für subalterne Posten, wie wir das Verhältniß aufzufaffen gewohnt find, sondern für den gesammten Mechanismus deS Staates) davon abhängig ge-
ß Binb.
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Amerika.
Washington, 24. Septbr. Die Leiche deS Präsidenten Garfield ist gestern Nachmittag um P/2 Uhr in Cleveland angekommen. Als sich der Leichenzug vom Bahnhofe nach dem Katafalk auf dem Monumental-Square bildete, läuteten die Glocken sämmtlicher Kirchen; die Straßen, durch welche sich der Zug bewegte, waren mit Zuschauern buchstäblich besät. ES ist be- schloffen worden, die Leiche nicht öffentlich avfzubahren; doch wird dem Publikum gestaltet werden, den Sarg heute und am Montag biS zur Stunde der Beerdigung zu besichtigen. Die Mutter des Präsidenten und andere Anverwandte deffelbeu find in Cleveland eingetroffen. — Auf der Baltimore-Ohio- Eisenbabn ist ein Zug verunglückt, welcher die Vertreter der Preffe auS Washington beförderte; sechs Personen kamen dabei um's Leben.
— Die gerichtliche Verhandlung gegen Guiteau wird erst im November beginnen. In mebreren Städten ist Guiteau von erregten Volk-Haufen im Dildniffe gehänat worden. Der Verbrecher soll ganz zufrieden mit fich selbst sein und keine Spur von Scham oder Reue empfinden. Er erwartet zuversichtlich. freigesprochen zu werden, wenn, wie er sagt, da- Vorurtheil gegen ihn nachläßt; jr. er erwartet sogar eine Belohnung al- Entschädigung für die seiner Parte, geleisteten Dienste. ES bestehen noch immer Zweifel darüber, ob im District Columbia über den Verbrecher abgeurtheilt werden könne, weil sein Opfer im Staate New-Jersey gestorben ist.
(5leveland, 26. September. Die Beerdigung des Drästdenten l^arneld bat heute, nachdem eme solenne Trauerfeter an dem Katafalk in dem auf dem Monumental- Equare errichteten Pavillon vorauSgegangen war, unter allgemeinster Belhetligung stattgefunden. Der lange, imposante Leichenzug bestand aus neun von Truppen, Milizen, Bürgern. Mitgliedern der Gewerk-. Turn- und Wohlthät'gkeiisv^reine und drittem gebildeten Abthrilungen und zahlte gegen 10,000 Personen, mehrere Musikkapellen spielten Iranerdiorlle. Der Leichenwagen wurde von zwölf mit
schwartem lud) behangenen Pferden gezogen, die Pferde wurden von zwölf Negern geleitet zwölf der intimsten Freunde des Verstorbenen hielten die Zipfel des Le:chen- Mchs. sobald der Leichenwagen sich näherte, entblößten alle Umstehenden die Häupter. Dem Sarge folgte eine doppelte Reihe von Wagen mit den zu der Ir au erfrier geladenen Personen, darunter der frühere Präsident Hapes, die Generale Hancock. Sherman und Sheridan, 100 Senatoren und Congreßmuglieder, die Admirale, me Gouverneure der Bundesstaaten, die Mitglieder des Cabinets und des diplomatischen (5orvs, b:e Richter des CbertrdunaB, d:e Bürgermeister der großen Städte. Von den Familienangehörigen des Verstorbenen befand sich Niemand im Zuge, welcher von 10 Milizregimentern geschloffen wurde. Alle Kirchenglocken lauteten, in angemessenen Pausen ertönten Kanonenschüsse. Am Grabe sprach ein ('oplan vom Regimente des Präsidenten Garsield em Gebet, die deutschen Gesangvereine trugen Choräle und Trauer- geiänge vor. am Schluß wurde der Segen gesprochen. Ter techs Meilen lange Weg vom Monumental-Sauare bis zum ,Friedhöfe war dicht mit Menschen bedeckt, ihre Zahl wird auf 250,000 geschätzt.
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