zLgllchen Opfer stets die gleichen sein, weshalb sich der Antrieb vermindert, sämmtliche Fabriketnrichtungen möglichst gefahrlos zu gestalten. Man darf nicht vergessen, daß die gesetzgeberischen Versuche auf diesem gdbe durchweg noch sehr neu sind. Die wenigen Jahre, in denen daö Haflpflichtgesetz in Kraft war, konnten nicht genügen, um diese Materie einer allseitig befriedigenden Lösung entgegen zu führen. Zweifel darüber sind daher sehr berechtigt, ob man durch radikales Abweichen von den bisher betretenen Wegen wirklich die besten Schritte thut, oder ob man sich nicht bester mit Geduld zu dem langsamen Ausbau des bisher Geschaffenen bequemen sollte.
Deutschland.
Berlin, 27. Januar. Der Student, welcher in der bekannten Stu- dentenverjammlung beleidigende Aeußerungen gegen Mommsen gethan hatte, erhielt das consilium abeundi.
Hannover, 26. Januar. Die Handelskammer in Hannover hat jüngst einen Beschluß gefaßt, der geeignet ist, Aufsehen zu errgen. Die Handelskauf mer beschloß nämlich einstimmig, ,.im Hinblick auf die im deutschen Handelstage in neuerer Zeit hervortretenden einseitigen hochschutz;öllnertschen Bestre- bungen, die eine ersprießliche Wirksamkeit für die gemäßigten Ansichten huldigenden Mitglieder vor der Hand nicht in Aussicht nehmen lasten, und im Hinblick auf die neue Institution des Volkswirthschaftsrathes" aus dem deutschen Handelstage auszutreten.
Braunschweig. Der Herzog hat in Anbetracht der herrschenden großen Kälte 5000 Jl. angewiesen, für welche Feuerungsmaterial für Hülfs- bedürftige angeschafft werden soll.
Pforzheim, 26. Januar. In der badischen Industriestadt Pforzheim hat dieser Tage, wie man der „Soctal-Corresp." schreibt, die vor etwa zehn Jahren gegründete „Pforzheimer Baugenoffenschaft" behufs Erbauung von Arbetterhäusern, welche deren 42 mit einem Capital von 70,000 errichtete, wesentlich in Folge der schlechten Zeiten und Zahlungen liqutdtren und ihre Häuser um etwa 200,000 JL an eine andere Gesellschaft überlasten müssen. Jedes Genossenschaftsmitglied hat einen Verlust von ca. 1500 zu tragen.
Frankreich.
Paris, 27. Januar. Die Pforte gab die officielle Erklärung ab, sie beabsichtige keinesfalls Griechenland anzugreifen.
England.
London, 27. Januar. Officiell wird aus Moirntprospect gemeldet: Die vormarschirende englische Truppencolonne ist durch Regen und Nebel auf- gehalten. Das Wetter beginnt aber sich wieder zu bessern. — „Reuters Bureau meldet aus Durban: Heute zog ein englischer Streittrupp aus Pretoria, überfiel und eroberte nach lebhaftem Gefcht das Lager der Boers. Die BoerS hatten 27 Todte, viele Verwundete und flohen; sie ließen Pro- viant zurück. Die Engländer hatten 4 Todte und 5 Verwundete.
x Rußland.
Petersburg, 27. Januar. Officiell. Skobelew wurde zum General der Infanterie ernannt mit Verleihung des Georgs-Ordens zweiter Klaffe.
Telegraphische Depeschen.
Waguer'r telegr. Csrrespoudenr-Bureau.
Berlin, 27. Januar. Fürst Bismarck hat heute den Volkswirth- schastsrath eröffnet. Er wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß bei den Fragen über den Rückgang im volkswirthschaftlicken Leben und über die in neuester Zeit eingetretene allmälige Rückkehr regelmäßiger Wirthschaftsverhält- niste sich wesentliche Meinungsverschiedenheiten geltend gemacht hätten. Man habe deshalb ein sachkundiges, einheitliches Centralorgan Herstellen wollen um dasselbe über die Nothwendigkett und Zweckmäßigkeit neuer Gesetze zu ver' nehmen, umsomehr, als die Vertreter von Landwirthschaft, Handel und Gewerbe, durch ihre Thättgkeit an den Heerd gebunden, an der parlamentarischen Thättgkeit weniger thetlnähmen, als die gelehrten Berufsstände. Der preußische Volkswirihschastsrath habe in weiterer Folge den deutschen VolkSwirrhschafts- rath tn'S Auge zu fassen.
Wien, 27. Januar. Der Cardinal-Erzbischof in Wien, Kutschker, ist heute Vormittag gestorben. 1
« i ?7* Januar. Abgeordnetenhaus. Bei der zweiten Lesung des
Antrages Wtndthorst wird die von Rauchhaupt (konservativ) beantragte mo- tivirte Tagesordnung abgelehnt und hierauf der Antrag Windthorst selbst mit 254 gegen 115 Stimmen verworfen.
Jahresbericht des Tabrikinspectors^für das Groscherzogthum Hessen
von Dr. Meisel, Handelskammersecretär in Darmstadt.
der Buchhandlung von Fr. Kortkampf in Berlin erschienenen amtlichen Mitthei.ungen aus den Jahresberichten der mit der Beaufsichtigung der Fabriken be- Houten Beamten, Jahrgang 1879, enthalten im zweiten Bande den instructionsmäüia von dem Fabriklnspector für das Großherzogthum Hessen an die Rcgieruna iu er, hÜT ?87?9' ^selbc bringt des Interessanten auf dem Gebiete g£r,f; und Gewerbewesens außerordentlich viel und dürsten die nachstehenden ^Ämen können^ *** °"ch das Interesse weiterer Kreise in Anspruch
zunächst mitgetheilt worden ist, daß der Fabrikinsvector der seine ^Ä^Elgkett tm Anfang Mai 1879 begonnen, vom 20. dieses Monats bis Ende 1879 ?? Fabriken und fabrikmäßige Gewerbebetriebe eingehend revidirt bat
abgesehen von den zeitraubenden Besprecbungen über die Visitationen und der (fr' ^'6ung zahlre,cher Beschwerden, Gesuche 2c. und dabei constatir wu d daß trok her' Neuheit des Instituts dem Beamten bei den Industriellen eine f^st durchweg f?kund liche und sympathische Aufnahme zu Thcil wurde, geht der Bericht zu den Details über und besprich die Verhältnisse der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeite- Im Groß herzogthum sind nach denselben besonders viele Gewerbe vertreten, in'denei7b lliae weibliche und tugendl.chc Kräfte regelmäßige Verwendung finden und werden namentlich folgende aufgezahlt: C'garrenfabriken, Webereien, Strumpf- und
^^"Nriken Zündholz-, Patronenhulsen-Fabriken, Papier- und Porteseuille-Fabr ken in welchen dieselben - meistens mit männlichen Arbeitern, bezw. mit Erwachsenen zusammen - und zwar vorwiegend mit leichteren - wenn auch nicht immer ganz gesunden — Arbeiten beschäftigt werden. B 6 H
In den von Ende Mai bis Ende December 1879 revidirten Fabriken und Gewerbebetrieben wurden im Ganzen 7030 Arbe ter beschäftigt, darunter 5146 — 73 E männliche und 1884 = 27 pCt. weibliche Arbeiter. Unter diesen waren be)dmftiat: s..Kmder von 12—14 Jahren 494 = 7 pGt.; b. jugendliche Arbeiter von 14-16 Jahren !
E — 9 pCl- Es betrug also die Zahl der sogenannten jugendlichen Arbeiter unter 16 Jahren zusammen 1162, wahrend weiter noch 1372 oder 19.51 pCt. aller Arbeiter lunge Leute von 16—21 Jahren waren, so daß die Gesammtzahl der jüngeren Arbeiter ""ter 21 Jahren sich auf 2o34 oder 36 pCt. aller Arbeiter belief. Dieser Procentsatz roirb als? em sehr hoher bezeichnet. Bezüglich der Einführung und ordnungsmäßigen Innehaltung der Vorschriften über Arbeitsbücher und -Karten, auszuhängende Listen der iugerü)lichen Arbeiter, Anmeldung der letzteren bei der Ortspvlizcibehöide ?c. findet der Bericht noch manches zu wünschen übrig, und werden zur Abstellung d^r vor- handeiren Uebelstande eine Reihe von Vorschlägen gemacht, von denen namentlich nachstehende hervorgehoben zu werden verdient. Da die Unterschiede der Körperbeschaffen- und des Geschlechts erfahrungsgemäß oft viel größer und in Hinsicht auf die zu oder die Widerstandsfähigkeit gegen etwaige schädliche Einflüsse viel durchschlagender sind, als einige Monate — ja als ein ganzes Jahr und mehr — Altersunterschied, überdies em Mißgriff in dieser Beziehung notorisch von den verderb- lichjten Folgen sür die Gesundheit und das ganze spätere Leben eines Kindes ist, so emp stehlt der Bericht dringend die Erweiterung der Formulare für Arbeitsbücher dahin daß den Karten und Arbeitsbüchern bis zu der Altersklasse von 16 Zähren obligatorisch eine Rubrik tuc ein ärztliches Zeugniß beigedruckt würde. In diese seien dann die bezüglichen Bemerkungen des Arztes über die Art d.r Constitution sür eine best-mmte Beschäftigung ober cm bestimmtes Fach und für den durch d.«sc Beschäftigung bedingten Aufenthaltsort elnzutragen. Nur so - nicht durch die schablonenmäßme unteifdiiebS. ^A"!chn^ e-lnes bestimmten Alters - könne dem Sinne unb der Absicht der rlr.» lz unt> ldo bis 139a ber Gewerbcorbnung Genüge geleistet werden. An- gestchts der eventuellen unersetzlichekl Schädigung des zarten kindlichen oder des in der Entwickelung begriffenen jugendlichen Körpers und gegenüber der nicht seltenen notorlfchen Atisnutzung junger Leute durch unverständige oder gewissenlose Ellern und Arbeitgeber halt der Berichterstatter diesen Schutz der Gesundheit unb des Wohles der Jugend durch sachkundige ärztliche Aufnahme-Prüfung und etwa viertel- ober halb- lahnge Nachuntersuchung der Kinder unter 16 Jahren als im Intel esse des Staats liegend und bezeichnete denselben als eine unabweisliche Pfl'.cyr gegenüber den Unmündigen.
Im Weiteren wird die mangelhafte Führung der Listen der jugendlichen Arbeiter gerügt und bezüglich der vielfach nicht beobachteten Aushängung des gedruckten Auszugs aus der Gewerbeordnung bemerkt, daß auf dieselbe seitens ber Onspolizeibehörbe U1]T >v mehr zu bringen sei, als diese Auszüge nicht nur zur Nachricht für die jugend- Lr^en Arbeiter über ihre gesetzlichen Rechte bienen, sondern gleichzeitig auch bie Industriellen selbst auf diese ihnen leider vielfach noch unbekannten für sie wesentlichen Bestimmungen der Gewerbeordnung und auf ihre daraus hervorgchenden Verpflichtungen Hinweisen sollen. Es wird vorgefchlagen, die Aushängung ähnlicher Auszüge für alle Fabriken obligatorisch zu machen und sie nicht auf diejenigen zu beschränken, die bereits ingendliche Arbeiter beschäftigen.
Der Bericht geht sodann auf die Arbeitszeit, namentlich der jugendlichen Ar beiter über und bemerkt hierüber nur, daß in 3 Fabriken Kinder unter 12 Jahren beschäftigt gefunden worden seien unb daß in mehreren Etablissements die gesetzliche zehn-, bezw. sechsstündige Maximal-Arbeitszeit für die jugendlichen Arbeiter, in sehr vielen auch die vorschriftsmäßigen regelmäßigen selbstständigen Vor- und Nachmittagspausen, jedoch offenbar meistens nur aus Unkenntniß, nicht eingebalten worden seien. Es wird zu- gefügt, baß bie Unternehmer sich in ben meisten Fällen nach sachgemäßer Belehrung willig den gesetzlichen Bestimmungen gefügt hätten.
Auf bie Trennung der Geschlechter und der Altersklassen und bie Aufsicht über bie lugenblichen Arbeiter unter 18 Jahren, bie leider nicht überall burchzusühreu fei, nr.rb großes Gewicht gelegt. Es dürfte von Interesse sein, hier den Bericht seinem Wortlaut nach zu hören. — Er sagt: „Es liegt auf ber Hand, baß dies — die Vereinigung von Arbeitern verschi'benen Geschlechts in denselben Arbeitsräumen bei mangelhafter ober durchaus ungenügender Aufsicht — namentlich in solchen Fällen zu Ausschreitungen führen und überhaupt sittlich von den schädlichsten Folgen begleitet fein muß, wo beide Geschlechter einer rohen, oft sittlich ve dorbenen El ässe von Fabrikarbeitern in einem und demselben Locale, ja an einem Tische und je nach ber Jahreszeit und ber Art der Arbeit, bei auf geschürzter, sehr unvollkommener Bekleidung der stlngen Arbeiterinnen Schulter an Schulter, Fuß an Fuß ohne hinreichen c Aufsicht zusammen arbeiten. Es sind mir haarsträubenbe Rohheiten - durch diese Verhältnisse veranlaßt — zu Ohren g ekommcn, die ich hier nicht wicdcrgcben kann,, während doch notorisch nur ber allergeringste Tbeil davon außerhalb bekannt wird. Es wäre eine einheitliche Regelung dieser Angelegenheit durch Verordnung oder Gesetz, namentlich die strenge Vorschrift der möglichsten Trennung der Geschlechter und amtlichen sackgemäßeR Aufsicht gewiß dringend zu wünschen und wohl geraden, diese Quelle der Sittenver- derbniß und schlimmer socialen Zustände zu verstopfen."
Es wird sodann die ausgesprochene Ansicht weiter begründet und als Beweis dafür, wie auch die allerjüngsten Arbeiterinnen, ja Kinder, durch diese Verhältnisse m’S Verderben geführt werden, die Thatsache angegeben, daß in Offenbach ein Kind (eine junge Fabrikarbeiterin) von damals 13, jetzt (Anfang 1880; 14 Jahren, vorgefunden woiden fei, das bereits Mutter ist.
Bezüglich des Schutzes der Arbeiter gegen Gefahren, wie sie der Betrieb mit sich bringt, wird constatirt, daß sich die GewerbesUnternehmer den Anordnungen des Fabrik- Jnspcctors meistens willig fügten und Rathschläge dankbar und freundlich entgegennahmen. Als ein wesentliches Hülfsmittel für die Thättgkeit auf diesem Gebiete wird das Haftpflichtgesetz bezeichnet. Der Hinweis auf die möglichen Folgen desselben, sowie auf die strafrechtliche Verantwortlichkeit begründeten bet den Unternehmern am leichtesten die Ueber8eugung, daß sie an der Herstellung der möglichsten Sicherheit ihrer Leute selbst das dringendste Interesse haben. Schließlich werden 2 Kessel-Explosionen erwähnt, die den Verlust von 6 Menschenleben nach sich zogen. (Schluß folgt.)
Dermiscbtc-.
— Neustadt (Pfalz), 18. Jan. Einer angesehenen Persönlichkeit in einem unserer Nachbarorte ging in voriger Woche ein Eirkular der antisemitischen Liga in Berlin zu. Der Empfänger zerriß dasselbe sofort in Stücke und antwortete auf einer Postkarte:
„Ihr Eirkular nützt hier gar nichts!
Ob man Jude oder Christ, Alles ganz egal uns ist;
Vor Gott sind alle Menschen gleich!
Nach dem Tod' sind alle bleich!
Fröhlich Pfalz, Gott erhalt's!"
— Madrid, 21. Jan. Der Schnee liegt hier mehrere Fuß hoch, so daß Fußgänger und Wagen sich nur mühsam htndurcharbeiten. Die kastiltanische Hochebene hat einen ganz sibirischen Anstrich.
— In Seekirchen (Oesterreich) starb vor wenigen Tagen in Folge allzu übertriebener Sparjamkeit ein fleißiger Arbeiter an Erschöpfung der Kraft?. Der arme Mann wollte sich thatsächltch daß Essen abgewöhnen und näbrte sich schließlich nur von einem in purem Wasier ausgekochten Stückchen Brod. Seine Körperschwäche nahm endlich so überhand, daß er seine Stube nicht mehr verlaßen konnte Da sein Verschwinden den Leuten aufsiel, wurde die verscklosiene Thür zu feiner Wohnung geöffnet und er in derselben in bedauernßwerthem Zustande ^ufgefunden Der sofort herbeigeholte Arzt versuchte eß ihm stärkendes Getränk löffelweise einzuträufeln. Er weigerte sich aber, daffelbe zu nehmen, weil ihm die Kosten für daffelbe zu hoch kämen. So starb er denn wirklich Hungers. Nach seinem Tode soll man ein auf seinen Namen lautendes Sparkaffebuch mit einer Einlage von mehreren hundert Gulden gesunden haben.
— (Aus Bremen) wird uns unterm 22. Januar gemeldet: Noch immer sieht eß sehr trübe bei uns aus. Bet dem starken Frost und hohem Wafferstand ist es unmöglich, den Detchbruch zu rcpariren unb die gewaltige Oeffnung wieder auszufüllen. Unser schöner Bür- gervark macht einen traurigen Eindruck. Zu Neujahr fuhr man dort auf Kähnen, jetzt ist Alles eine unabsehbare Eisfläche und Schlittschuhbabn. Der koloffale Schneffall aber läßt befürchten, bei erstem Thauwetter werde das Waffer abermals und noch schrecklicher wieder- kehren. —
— (Große Kälte in Südfrankreich.) Aus Bordeaux wird berichtet, daß in der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag das Thermometer auf —16« C. gefallen ist, auf den Höhen von Floirac, welche La Bastide beherrschen auf —22«. Die größte Kälte, die bisher in Bordeaux beobachtet ist, war - 13 0 tm Jahre 1788, int Jahre 1829 — 10 0. Man kann sich denken, welchen Eindruck dieser scharfe Winter mit Scknee und Eis in einem Lande macht, / ba§ sich eines fast südlichen Klimas rühmt. Alles Leben in ben Straßen schien erstarrt. Kein Wagen, kein Lärm. Die Fußgänger, vermummt, gehen behutsam aus der ungewohnten glatten


