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Das Gnde vom Kriege in Süd-Amerika.
Für gewöhnlich pflegt man zu jagen, daß Republiken keine Kriege führen oder denselben doch so wett und so lange au- dem Wege gehen, wie die- nur irgend anläßlich ist. Der kleme Freistaat in den Hochalpm, die schweizerische Bundesrepublik, ist der Sitz und der Ausgangspunkt der europäischen Frte- denSgesellschaft und kein vernünftiger, kein unbefangener deutscher Politiker wirb Seitens Frankreichs einen Rachekrteg gegen Deutschland befürchten, so lange jenseits der Vogesen unter republtkanttchen Institutionen das souveräne Volk selbst über Krieg und Frieden zu entscheiden hat. Die große nordame- rtkanische Republik hat außer dem gewaltigen Freiheitskampfe, durch welchen sie vor hundert Jahren ihre Unabhängigkeit begründete, eigentlich nur einen einzigen Kiieg geführt, und da- war weder ein Eroberungskrieg noch ein solcher, den ehrgeizige Diplomaten angezettelt hatten: es war ein großer Prtnciptenkampf, eS war ein Kampf um die LrbenS-Jniereffen und um die Freiheit von Millionen von Mitmenschen, es war jener berühmte Sclavenkrieg, den der Norden der Union gegen den Süden derselben führte. — Je mehr nun aber die angeführten Beispiele den Ruf der Friedensliebe, dessen die Republiken im Allgemeinen flch erfreuen, zu begründen geeignet sind, desto auffallender muß daS Treiben der Republiken Süd-AmerikaS erscheinen, bet welchen die Herrschaft deS KrtegSgottes, so zu sagen, in Permanenz erklärt ist. Die Republiken Südamerikas gerathen aus einer Revolution in die andere und überziehen einander, wenn'S keine Revolution giebt, um den ewig zerrütteten Finanz^erhällniffen, in denen sich die meisten von ihnen befinden, aufzu- helfen, u-it Raubkriegen mit klassischem vorbilde. Die central - amerikanischen Republiken stehen mit denen des SüdenS auf gleicher Stufe und macht eine glückliche Ausnahme fast nur der aufstrebende und sich wohlgeordneter politischer, socialer und wirthschaftl cher Zustände erfreuende südamerikanische Freistaat Cbile, jeneS schmale, an Gold- und Stlberminen reiche Küstenland am stillen Ocean.
Aber, {•? friedliebender, je arbeitsamer die Republik Chile ist, disto nichts- würdiger und unruhiger find ihre Nachbarn. Die Chile benachbarten Ripubli- ken betrachten dieses gleichsam alS daS natürliche OperationS-Terram ihrer Straßenräuber-Politik. Einzig von diesem Gesichtspunkte aus ist auch der letzte Krieg zwischen CH le einerseits und den verbündeten Freist raten Peru und Bolivia andererseits zu betrachten. ES sei hier gleich bemerkt, daS Chile zu mehr alS ein Drittel von arbeitsamen Deutschen bevölkert ist, während Peru und sein Apendix Bolivia ehemalS ein Tummelplatz spanischer Grausamkeit und Habgier waren. Auch Peru war bis zum Jrhre 1525, wo der rohe Franz Pizarro bekanntlich in dasselbe eindrang, ein von einem ruhigen und nicht unculttvirten Volke bewohntes wohlgeordnetes Reich. DaS aber ist large, sehr lange her und seitdem hausten, wie gesagt, die Span er dort.
Es war im Frühjahr 1879, als eine Grenzstreitigkeit zwischen Chile Mr.b Bolivia die Veranlassung deS sich heute seinem Ende zuneigeuden blutigen Krieges gab. Es handelte sich um dm Besitz eines TheilS der Wüste Atar- carma, welcher dadurch beiden Theilen besonders begehrenswerth erscheint, weU er ungenÄhnlich reich an Guano, Salpeter und Silber ist. Zwar ist der Streit um die sri chtbare Wüste wiederholt durch Verträge geschlichtet und beseitigt worden, aber Bolivia glaubte dieselben, dieweil eS sich auf geheime Zusicherungen PeruS stützte, ungestört brechen zu können, zumal da Chile in Streitigkeiten mit drm argentinischen Staatenbund verwickelt war. Peru und Bolivia haben eine mindestens drittehalb Mal so starke Kriegsmacht (Landheer urd Flotte) wie Chile, und schien deshalb das Wagniß, welches die Verbündeten durch ihre Provocation eingingen, kein besonders großes zu sein. Dock Chile beeilte fich, seine Verwickelungen mit der argentinischen Bundesrepublik beizulegen, worauf ihm seine ganzen Streitkräfte gegen die Friedensstörer zur Verfügung standen. Jnd ffeu suchte es zunächst durch diplomatische Unterhandlungen dem unvermeidlich scheinenden Kriege doch noch vorzubeugen und erst, nachdem diese a!S gescheitert gelten konnten, besetzte es im Februar 1879 das streitige Gebiet, woraus am 1. April desselben Jahres die officielle Kriegserklärung erfolgte. Bald darauf zeigte es sich, wie sehr die verbündeten die Kraft und die Energie der chilenischen Republik unterschätzt hatten, denn dem ersten kleinen M ßerfolg der ch'lenischen Flotte bei Jquique folgte alsbald ein glänzender Seefieg der Chilenen, von welchem der ganze weitere Verlauf des Krieges vorqezeichnet wurde. Während die chilenische Flotte die bolivianischen und peruanischen Häfen eroberte, trieb das wackere Landheer deS thatkräftigen Freistaates die an Zahl weit überlegenen Gegner mit vernichtenden Schlägen immer mehr in die Enge, bis vor einigen Tagen die peruanische Hauptstadt Lima, die alte Jnca-Residenz, selbst eine Beute der Sieger geworden ist. Im verflossenen Herbste war den im Kampfe unterlegenen Verbündeten durch Vermittlung der Nordamerika: ischen Union unter verhältnißmäß'.g b lligen Bedingungen Gelegenheit geboten worden, fich den Frieden zu erkaufen; jetzt, nachdem fle den Chilenen auf Gnade und Ungnade überliefert find, werden sie es bereuen, die günstige Gelegenheit damals kurzer Hand zurückgewiesen zu haben. Chile aber dürfte die Genugthuung genießen, jene Raubstaaten auf lange Zeit hinaus unschädlich gemacht zu haben.
Deutschland.
Darm-adt, 26. Januar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Mergnädigst geruht:
Am 22. Januar der am 8. l. MtS. durch die Stadtverordneten zu Gießen erfolgten Wahl des Buchdruckereibefltzers Wilhelm Keller und Gas- fabrtkanten August Heß zu Gießen zu Bügermeisterei-Beigeordneten die Bestätigung zu ei theilen.
— Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 19. Januar den ordentlichen Professor in der medictnischen Fakultät der Landes - Universität und Direktor der Entbindungsanstalt zu Gießen Dr. Ferdinand Kehrer auf sein Nachsuchen von seinen Dienststellen mit Wirkung vom 15. April d. Js. an zu entlassen.
Berlin, 25. Januar. Da- ReichSamt des Innern hat wiederholt darauf btngewiesen, daß die Gewerbetreibenden den ausländischen, insbesondere überseeischen Abnehmern ihrer Erzeugnisse iu begründeten Klagen über Nach- läsfigkett oder Mangel an Reellität bei Ausführung übernommener Lieferungen Anlaß geben, durch derartige Vorkommnisse nicht nur ihren eigenen Geschäftsbetrieb, „sondern auch die Entwickelung des deutschen Ausfuhrhandel- im Allgemeinen schädigen und gefährden." Eine gleiche, höchst beklagenswerthe Wirkung zeige sich bei den Versuchen deutscher Exportgeschäfte, sich durch Umgehung ausländischer Zollgesetze unerlaubte Vortheile verschaffen zu wollen. „Von sorgfältigen Beobachtern ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß die Neigung deutscher Exporteure zu derartigen Versuchen mit der Entfernung des Absatzgebietes zu wachsen pflegt", und die sich hierin bekundende „Kurzsichtigkeit" tritt auch noch in der andern Richtung hervor, daß Umgehungen der Zollgesetze namentlich in solchen Ländern häufiger versucht werden, von denen es bekannt ist, daß dort die Zollqesetze mit Energie und Umsicht gehandhabt werden. Namentlich wird nun vor einem Kampfe gegen die Zollgesetze der Vereinigten Sta->ten Amerikas alS vor einem thürichten Unternehmen gewarnt, weil eS Niemandem „so leicht gelingen wird, die ausgebreitete Ueberwachung des Verkehrs durch alle, der dortigen Zollverwaltung zu Gebote stehenden Organe auf die Dauer zu täuschen, und eS ist durch die Härte der dortigen Zollsirafen dasür gesorgt, daß, wer sie unmittelbar zu büßen hat, dabei mehr verliert, als den unerlaubten Gewinn, welche geglückte Versuche ihm gebracht haben können " Ungleich wichtiger aber sei der dem deutschen Ausfuhrhandel und den redlichen Industriellen dadurch erwachsende Schaden. Die Zollverwaltung der Vereinigten Staaten bat „ein besonders tiefe- Mißtrauen gegen deutsche Importeure" und „es ist deshalb für den gesummten deutschen Ausfuhrhandel eine Pfl cht der Selbsterhaltung, in allen brtheiligten Kreisen energisch darauf hinzuwirken, daß einem solchen Mißtrauen jede tatsächliche Begründung entzogen werde."
— Die Zeitung „Tribüne" hat sich al- Secesstonisten - Organ mit 430,000 JL Capital constituirt. Brömel ist Direktor, Kipp und Bamberger find betbeiligt.
Berlin, 26 Januar. Das parlamentarische Diner bei Bismarck war heute angeblich ohne politische Ausbeute, weder über WirthschaftS- noch Steuerfragen, nicht einmal über Windthorst'S Antrag soll gesprochen worden fein. Windthorst, obgleich eingeladen, war übrigens nicht anwesend, ebenso hatte Freihr. v. H^eremann abgesagt. Bismarcks Befinden und Stimmung wird alS ausgezeichnet frisch geschildert.
Dortmund, 25. Januar. Wie ein Dortmunder Privat-Telegramm der Berliner „Bors • und Ha dlS.-Ztg." unterm Gestrigen meldet, wurde die Zeche Courl durch Anhauen einer Wasserader außer Betrieb gesetzt. Menschen und Pferde konnten rechtzeitig aus der Grube entfernt werden. Es herrscht große Besorgniß, ob es gelingen wird, deS WafferS Herr zu werden. (Nach neueren Nachrichten ist die Sache nicht so schlimm, wie vorstehend gemeldet.)
Kngtaud.
London, 26. Januar. Einzelne Theile des Tower, welche sonst dem Publikum geöffnet waren, find auf Anordnung deS Kriegsministers aus Besorgniß vor fenischen Attentaten geschloffen worden.
Telrgraphischr Depeschen.
Wagver's telegr. Eorrespoudeuz-Bureau.
Washington, 26. Januar. Bei der gestrigen Verhandlung der F'nanzcommijsion deS Senats mit dem Schatzsecretär Sherman befürwortete Letzterer die Amortisirbarkeit der fundirten Bonds in 5 Jahren und deren Rückzahlung binnen 20 Jahren. DiS dabin sollten jedoch dieselben zu 3^ pCt. oder darunter nach dem Ermessen des SchatzsecretärS verzinst werden.
London, 26. Januar. Das Unterhaus berieth die Bill zum Schutze der Personen und des Eigenthums in Irland. Die irischen Deputirten bekämpftm Gladstone's Antrag auf prioritätische Berathung der Bill. Biggar wurde mehrmals zur Ordnung gerufen. Wiederholt- Anträge auf Vertagung der Debatte und des Hauses wurden abgelehnt. Die Sitzung dauerte heute ftüh um 3 Uhr noch fort.
Loudon, 26. Januar. Die Sitzung des Unterhauses hatte bis heute Vormittag halb 11 Uhr noch ununterbrochen fortqedauert. Die irischen Deputirten brachten fortwährend neue Vertagunasanträge ein, welche die Regierung bekämpfte und das Haus ablehnte. Das Ende des Kampfes ist noch nicht ab- zus ehen. Der um 10 Uhr von Dublin angekommene Deputirte Parnell wurde von den irischen Deputirten mit stürmischen Hochs beaiM^^^^^E—.


