Freitag den 26 August
Nr. 197
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AW-e- nub Imlüblatt fit btn Kreis Gießen
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Ersch«rU täglich mit LuSnahm, br* Montags
Betreffend: Die Errichtung und Einrichtung der Fortbildung-schulen.
Gießen, am 24. August 1881.
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Preis mrrtrfjdbrfi4 1 Warf tO V- mit vrmgerlcchn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 $8arf 50 Pi.
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sich nicht scheuen, den ihm hingeworsenen Handschuh aufzuheben, wenn er nicht sein Renomm^ verlieren will. Er kämpfte früher energisch gegen die Monarchisten, die sich unter dem Präsidium Mac Mabon's breit machten, und die hauptsächlich seiner Energie unterlagen. Jetzt beißt'-, tu seiner bisherigen Stellung al- Staatsoberhaupt, oder als Minister gegen die Radikalen und Communisten aufzutreten. und diese zu unterwerfen. Vorläufig hat also Gam- betta, und mit ibtn Frankreich, im Innern noch vollkommen seine Beschästi- gunß, und durchaus keine Veranlafiung, noch mit einem auswärtigen Staate Conflicte au suchen. — „Die Majestät de- Rechte--, durch welche der E;dtc- rator Elsaß-Lothringen wieder mit Frankreich zu Drreinigen gedachte, wird also noch sehr auf sich wartrn lasten.
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lhausen.
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Krankreich.
Pari-, 23. August. Anläßlich der Wahl in Bellecille meint der „TempS^, G^mbetta sei nicht mehr der Manu des aventinischen Berges, sondern der Mann, welcher die große Majorität des Landes für sich habe. Die Wahlen hätten Gambetta in die Lage, ja fast in die Nothwendigkeit versetzt, die Leitung der Regierunz-zOchäfte zu übernehmen. Sie müßten zur noch« wendigen Folge die Bildung eines Ministerium- Gambetta haben.
— Die .Aaence HaoaS* meldet auS Oran, eS seien zwischen Frankreich und Marokko Verhandlungen eingeleitet, um jedem Conflicte arläßlich einer demnächstigen Militär schen Operation rorrubeugen. Die Dinge in Marokko ständen sehr gut.
Die Großhcrzogliche Kreis-Schlü-Commistioll Gießen
an die Scbulvorstande des Greises.
Wir sehen der Einsendung der Schüler-Verzetchniste, die genau nach der Instruction pos. 6 aufzuftellen sind, innerhalb deS MonatS September entgegen.
Dr. Boekwann.
Deutschland.
Darmstadt, 24. August. Se. König!. Hoheit der Großherzog nahmen beute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Frhrn. v. Biege- lcben. sowie den Gerichtsaccesflsten und GeschäftSsührer deS Alice-Frauenverein- Jäge-; zum Vortrag den Staatsminister Frhrn. v. Starck.
Schweiz.
Bern, 23. August. Der Bundesrath hat heute beschlosten, dem rusfi- schen Flüchtling, Fürsten Peter Kropotkin, welcher sich zur Zett in Gelf aufhält, den Aufenthalt in dem schweizerischen Gebiete zu untersagen.
Oesterreich.
Prag, 22. August. Der czechische Pöbel in Prag Hot sich vorige Woche w eder eit mal bemüßigt gefunden, seinem Deutschenhaffe durch eine lärmende Kundgebung Ausdruck zu geben und diese neue Flegelhaftigkeit Hat wohl allen jenen Deutschen die Augen geöffnet, welche in unverbefferltcher Gutmüthigkeit und Vertrauensseligkeit glaubten, daß da- große czechische „Natior a'unglück", d. h. der Tbearrrbrand, alle bisherigen Gegensätze ausgehoben habe, und dcß rS nun Pfl cht der Deutschen in Böhmen sei, den so hart getroffenen Landsleuten versöhnlich und auSgle'chSbereit entgegenzukommen. Mit erneuten Ausschreitungen hat der czechische Pöbel die Spenden quittirt, welche, nie die „nationalen" Blätter selbst zugeben müsten, von Deutschen reichlich für den Wiederaufbau deS NationaltheaterS eingelaufen find. In der tiefen Trauer, welche da- czechische Delk zu Schau trägt, glaubte der Prager Pöbel den Vorabend deS kaiserlichen GrburtStageS nicht bester feiern zu können, a!S. indem er in Haufen von Hunderten vor daS Deutsche Hau- aus dem Graben zog und daselbst derart zu lärmen und zu johlen begann, daß die Polizei rinschreiten und die Unruhestifter au-einandertreiben mußte. Ein Therl der Hetzer soll auch, wie laute Rufe verriethen, die löbliche Absicht gehabt haben, sich gegen da- deutsche Landestheater zu wenden. Der E^ceß war keineswegs improoisirt, sondern vorbereitet, da die Theilnehmer an demselben mit Pfeifen versehen waren. Allerdings haben die Deutschen auch in diesem Falle „provocirt" ; im deutschen Casino sollte nämlich ein Gartenfest zum Besten deS deutschen SchulvrreinS stattstnden, wurde jedoch der ungünstigen Witterung wegen abgesagt. Aber selbst die bloße Absicht einer solchen „Provokation" mußte bestraft werden; für den czechischen Theaterbau dürfen wohl die Deutschen ihr Geld hergeb,n, aber zur Unterstützung ihrer eigenen Vereine keine Feste veranstalten. Wer übrigen- die durch die jahrelangen Hetzereien erzeugte Verwilderung der czechischen VolkSmaste kennt, der wird sich über die Erneuerung der Eheste trotz der von den nationalen Parteiblättern in diesen Tagen zur Schau getragenen Versöhnlichkeit nicht wundern. Der Haß gegen alle- Deutsche ist zu tief eingeiwpft, als daß er über Nacht schwinden könnte.
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Der Ausfall der Wahlen in Frankreich.
Wenn wir uni in Deutschland im Allgemeinen weniger um die rein politischen Ereigniste deS Auslandes kümmern und im Allgemeinen nur hervor» rage, de und effektvolle Thatsachen einer größeren Beachtung würdigen, so machen wir doch Frankreich, ui d vielleicht noch Rußland, gegenüber eine AuS- rahme. Oesterreich ist unser guter Freund, die langweiligen Reden im englischen Parlament ermüden zu sehr, im Orient passirt nicht- recht von Wichtigkeit mehr, und Italien liegt un- fern. Der firme Politt-er weiß sich auch bei diesen letztgenannten Staaten allerdings auf dem Laufenden zu halten, aber alle die, welche außer der Politik auch noch anderen Idealen bulligen, stehen dem Leben und Treiben dort sehr ruhig gegenüber. Ander- ist's mit Frankreich. Seit dem Kriege von 1870/71, au- dem so Manche ein Souvenir mit rech Hau- gebracht haben, steht eS uns sehr nab, denn dem unruhigen Wesen der Französin Rechnung tragend, müsten wir eben auf Alle- gefaßt sein und do- alte „Si vis pacem, para beUum“ (Wenn du den Flieden erhalten willst, so rüste dich zum Kriege) beachten. Besonders die Wahlen zur französischen Deputirtenkcmmer, welche am 21. dS. stattfanden, haben einige Aufregung in Deuischlcwd hervorgerusen, und Mancher, der sich sonst nicht viel um die politischen Angelegenheiten kümmerte, debanirte diesmal ganz ernsthaft mit über die Frage: „Ob Gambetta wohl gewählt werden wird?w Und in der That, um die Wahl Gambetta'S drehte sich die-mal die ganze Aufmerksamkeit, cb- aleich man ost wohl die Bedeutung derselben etwa- zu groß darstellte. Gam» betta batte fich auch die-mal wieder, wie bisher, in den beiden Bezirken von Pellevtlle, einem Pariser Arbeiterquartier, al- Candidat präsentirt und diese Condldatur auch nach dem unseren Lesern bekannten großen Tumult hartnäckig festgehalten. Freilich, zurück^utreten wäre schl'mmer gewesen, alS eine Niederlage, ober immerhin spielte er ein gewagte- Spiel, da er sich einen großen Haufen von Jrrtrar.figenten, Revolutionären, Radikalen und Communisten gegenüber wußte, die Femde de- gemäßigten RepublikaniSmuS überhaupt sind inb die jpeciell Gambetta eben so sehr Haffen, alS fürchten. Sie wiffen recht tobl, daß Gambetta nach der höchsten Gewalt strebt, wiffen aber auch, daß n sich memal- zum Spielzeuge Anderer hergeben wird, und vor Allem, daß lann ihre eigene Stunde geschlagen hat, daß bann Gambetta kein Mittel scheuen wird, um fich von der revolutionären Gesellschaft tu befreien. Nack . diesem Stande der Dinge märe jeder andere republikanijckeCand.dat in Belle» ville unterlegen. Gambetta hat seine Wiederwahl erreicht, allerlingS mit einer winzigen, fast verschwindenden absoluten Majorität. Wäbrend die auf chv gefallene Stimmenzahl die des Gegi.erS in dem einen Bezirk um etwa 800, in dem anderen um 1000 Stimmen übertrifft, beträgt gleich wohl die Zahl der Stimmen über die absolute Majorität in Folge Stim menzersplitte- rung nur 1 resp. 49. Die Intransigenten posaunen dieses Resultat als einen Lieg ihrerseits in die Welt hinaus, greifen sogar daS erste Resultat als un» richtig an, aber damit fonw t daS Factum nickt auS der Welt, daß ihnen ittei Sitze entrissen find, auf die sie zuversichtlich hofften. Auf eine große Majorität konnte Gambetta von vornherein überhaupt nicht hoffen, er wiid selbst eingesehen haben, welche Fehler er beging, alS er die Rückberufung der verbannten Eommunehelden befürwortete. Sie haben ihm jetzt bei der Lellemller Wahl ihren Dank abgestattet. Im Uebrigen »st daS Wahlresultat ib solches, wie eS Gambetta sich nur wünschen kann. In den biS jetzt be» lannien 512 Wahl-Resultaten gehören 340 Deputiere ter. Republikanern an, inb also wehr ober weniger Anhänger Gambetta'S. 40 den kler.kalen Roya- ifen, 38 ben Bonapartisten, bie in Folge bei TodeS bei Prinzen Napoleon hre Chancen mehr m b mehr zu verlieren scheinen, bet äußersten Linken, b. h. den Radikalen ü la Slemenceau, bie mit den Communisten und Ir.tranfigerten ein Bündnlß geschloffen haben, 36, den Intransigenten selbst aber nur 3. Stichwahlen find 55 erforderlich. Frankreich ist also mit Ausnahme von einigen Pariser Wahlbezirken durchaus gemäßigt republikanisch gesonnen, die £embe der Republik, die Monarchisten und Coma unisten, verlieren immer mehr. Besonders groß ist der Verlust der Bonapartisten, welche nahezu die Hälfte ihrer Sitze verloren haben. Die Hauptfrage, aus die es für unS ankommt, ift nun die, wie wird Gambetta dem gegenüber auftreten- Vorläufig verhält ir fich noch in kühler Reserve, aber sein Weg ist ihm unserer Ansicht nach l'.ar und deutlich vorgeschrieben. Die Belleviller Wahlangelegenheit Hal itm -r^igt, daß bie „Unversöhnlichen", zu benen er vor 1870 mehr ober weniger feilst gehörte, seine bittersten Feinde geworden sind, die Alles daran setzen wer- im, seine Popularität in Pari! zu untergraben, da sie ihm im Lande, abge- fehin von einigen großen Städten, kaum sofort schaden können. Gambetta ist also auf eben Kampf mit diesen finsteren Mächten angewiesen und er darf
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«hr. Roll III, am Kavzltibng.
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