Frankreich.
Paris, 22. April. Lor einigen Tagen wurde, wie „Paris-Journal" erzählt, bei Herrn Gambetta in seinem Lindhause zu Ville d'Ävray von einer ; Person, die sich für eine Kammerfrau ausgab, aber den Namen ihrer Herr- schäft nicht hinterlasien wollte als „Osterei" eine zierliche viereckige Schachtel abgegeben. Herrn Gambetta schien die Sache verdächtig und er ließ die Gabe vorsichtig öffnen. Man fand in der Schachtel ein zweites Schächtelchen, welches folgende Gegenstände in Miniaturform enthielt: einen Dolch, eine Pistole, eine Guillotine und ein Fläschchen mit der Aufschrift: „Blausäure." Dabet lag ein kleiner Zettel, auf dem die Worte zu lesen waren: „Vor der nächsten Weinlese wirst Du mit einem oder dem anderen dieser Gegenstände Bekanntschaft machen!" Herr Gambetta hat die unheimliche Sendung dem Polizetpräfekten mitgctheilt.
Paris, 22. April. Nachrichten aus Tunis erklären das Gerücht von einem Mordanfall aus den französischen Geschäftsträger Roustan für un6c« gründet. — Aus Bona wird gemeldet, daß das französische Transportschiff „Corröze" mit zwei Bataillonen an Bord heute früh Bona passtrt und seine Fahrt nach der tunesischen Küste fortgesetzt hat.
— Aus Tunis wird gemeldet, es seien Kisten mit Gewehren und Revolvern von Italien aus dort etngetroffen und sofort verthetlt worden, ai Ue Khrumirs habe man eine größere Menge Munition abgesendet, mehrere Kisten Gewehre seien in Beschlag genommen worden und befänden sich bi der Verwahrung des französischen Consulats. Auch gegen die Eisenbahn hätten neue Gewaltthättgkeiten stattgesunden, ein Eisenbuhnzugführer sei von dm Arabern leicht verwundet worden.
Pari-, 23. April. Ueber die Einnahme und Besetzung der tunesischen Insel Tabarka ist bis jetzt noch keine bestätigende Depesche emgelaufm oder doch noch keine solche zur öffentlichen Kenntntß gelangt. Ebenso ist heule keine Depesche vom Kriegsschauplätze btkannt; dagegen wird aus Tunis vom 20. April gemeldet, der Bey habe am Abend des 18. ds. seine schriftliche Antwort auf Frankreichs Anzeige vom sofortigen Einrücken der französischen Truppen und die Verantwortlichkeit Frankreichs für die Sicherheit der Europäer übermitteln lasten. Der Bey wiederholt seine Weigerung an der Mitwirkung seiner Truppen, verspricht, daß er die französischen Truppen nicht angreisen wolle, weist aber auf die Gefahren hin, die durch daS Einrücken derselben heroorgerufen würden, und schiebt die Verantwortlichkeit dafür Frankreich zu. Heute, 22. April, schickte der Bey die französische Note und seine Antwort auf dieselbe den Coasuln mit der schriftlichen Erklärung zu, er lehne jede Verantwortlichkeit für die Gefahren ab, welche aus dem Einrücken der Franzosen aus tunesisches Gebiet entstehen könnten; zugleich werben die Consuln ersucht, ihren betreffenden Regierungen telegraphisch darüber Mitthetlung zu machen.
England.
London, 23. April. Der internationale Socialisten-Congreß, welcher Ende April oder Anfangs Mat in London stattfinden sollte, ist, wie die „Times" erfährt, aufgegeben worden.
Außtand.
Petersburg, 21. April. Der Henker Frolow hat nach der Hinrichtung nicht, wie es zuerst hieß, 100, sondern 250 Hiebe aufgezählt bekommen; er war, wie ich direct vermuthete. vollständig betrunken gewesen. Als der Arzt ihn aufforderte, die Schlinge um Rysfakow's Hals anders zu legen, da sagte er: „Es thut nichts, es wird auch so gehen. Wenn ich Dich hängen soll, so werde ich die Schlinge anders legen!" Als der Jesst Helfmann mitgetheilt wurde, daß die Strafe an allen ihren Mitschuldigen vollzogen sei, da wollte sie daran nicht glauben, da sie fest überzeugt war, daß wenigstens Sophie Perowskij begnadigt würde. Als ihr jedoch die Zeitungen gebracht wurden, aus denen sie Näheres über die Hinrichtung erfuhr, siel sie in Ohnmacht. Als sie wieder zu sich kam, wurde ihr vorgcstellt. ein umfassendes Geständniß könne sie vor gleichem Schicksal bewahren. Darauf soll sie sich Bedenkzeit erbeten und nach Ablauf derselben wichtige Eröffnungen gemacht haben, infolge deren die Verhaftung eines der Hauptmitglieder der Verschwörung erfolgte. In Jsajews Quartier wurde auch der freie Zuhörer der hiesigen Universität „Podbelsky", der den Uiiiversitätsscandal in Scene gesetzt und dabei dem Minister Saburow einen Schlag versetzt hatte, ergriffen. Auf Jsajew soll auch Sheljpbow als auf eines der thatkräftigslen Mitglieder dcr Partei hingewiesen haben, der der Polizei viel zu schaffen machen, schließlich doch wohl auf der Anklagebank Platz nehmen werde. (K. Z.)
Telegraphische Depeschen.
BBolfFi ttkflt. SOrrespoutzerrj-Brrr« au
Dresden, 24. April. Der König und Prinz Georg sind heute zur Jubiläumsfeier nach Braunschweig abgeretst.
Paris, 24. April. Aus Tunis wird gemeldet: Auf die Erklärung des Bey, er könne nicht für die Sicherheit der Europäer stehen, falls die Franzosen in das Land kämen, habe der Generalconsul, Roustan, erwidert, er selbst werde dann für die Sicherheit der Ausländer sorgen. Er habe zu diesem Zwecke auch bereits denjenigen, welche irgendwelche Besorgniste hegten, eine Zufluchtsstätte auf dem französischen Stattonsschiffe angeboten. — Uebrt- gens scheint zu solchen Besorgnisten bis jetzt noch kein tatsächlicher Anlaß vorzultegen.
London, 24. April. Die Ueberführung der Leiche Lord Beacons- field's nach Hughenden ist heute früh 2 Uhr 25 Min. per Bahn erfolgt.
Wien, 24. April. Gestern fand in der Hofburg ein Galadiner statt, an welchem der Fürst von Bulgarien mit seinem Gefolge the lnahmen. — Nachrichten auS Szegedtn zufolge hat sich die Situation daselbst so gebessert, daß jede weitere Gefahr als beseitigt anzusehen ist.
Paris, 24. April. Die von der internationalen Münzconferenz gewählte fünszehngliedrtge Commission trat gestern unter dem Vorsitze des Dele- girten Kern als Alierspräsidenten zusammen. Kern schlug vor, den Delegirten Cernuschi zum Präsidenten zu ernennen, dieser lehnte den Vorsitz jedoch ab, worauf auf seinen Vorschlag der Deleglrte Hollands, Vcolik, zum Vorsitzenden gewählt wurde. Die Commission beschloß, keine Protokoll-, über ihre Sitzungen aufzunehmen und beauftragte die Delegirten Cernuschi uni» Dona Horton (Amerika) einen Entwurf für die zu behandelnden Fragen aufzustillen. Die ' nächste Sitzung der Commission soll stattfinden, sobald Cernuschi und Dona Horton ihren Entwurf fertiggestellt haben.
Algier, 24. April. Ein Kurier von Ouargla ist in Laghouat eingetroffen mit der Nachricht, daß die zur Hülfe der Ueberlebenden der Mission des Oberst Zlatters abgesandte Abteilung nur noch 12 Personen fand, die
durch Strapazen und Hang r entkräftet waren. Ter Unterofsicier Pobeguin und 15 Mann waren vor der Ankunft der Hülfe vor Hunger gestorbui. Im Ganzen sind von der Mission nur 20 Mann gerettet worden.
Paris, 25. April. Mcldungen aus Bona zufolge rückte die Colonne des Generals Logerot in das Gebiet von Tunis ein. Dieselbe lagert halbwegs zwischen der Grenze und Kef. Bis jetzt fanden keine feindlichen Zusammenstöße statt. Starke Regengüffe erschweren den Vormarsch, während hoher Seegang die Ausschiffung der Truppen bei der Insel Tabarka verhindert. — Eine Meldung aus Algier besagt, daß bet Geryville (Oran) eine gewtffe Aufregung unter den Eingeborenen herrsche in Folge von Aufreizungen durch Marabuts. Ein zur Erkundigung abgesandter französischer Osficirr soll ge- tödtet worden sein. Die Telegraphen-Verbindung zwischen Geryville und Efrendah (?) ist unterbrochen.
Lokale-.
Gießen, 25. April. Am Freitag Abend erhitzten sich zwei Arbeiter auf der Frank futtet Straße über ein Räthsel derart, daß der eine dem andern mit einer zerbrochenen Flasche vas Riechorgan arg zerstückelte. Zu allem diesem kommt Die Polizeistrafe noch als hinkender Bote
— In der Nacht von Samstag zum Sonntag brach gegen 1 Uhr in einem Hause an bet Ftankfurtet Straße „Feuer" aus. Da dies in kurzer Zeit zum zweiten Male gescbehen, überdies auch Anzeichen einer vorsätzlichen Brandstiftung Vorlagen, begaben sich bereits gestern Morgen bet Staatsanwalt und bet Untersuchungsrichter in das betreffende Haus und nahmen Augenschein ein. Untersuchung ist etngeleitet.
— Am Samstag Abend wurden in bet Ludwigsstraße zum wiederholten Male vier Petroleum Laternen zertrümmert. 8 Scheiben, 3 Cylinder und 2 Oelkugeln sind auf Conto der Stadt zu schreiben. Dem Thäter ist man auf der Spur. (»egen bk mutbmaßiichen Attentäter der zertrümmerten Laternen in der Nacht auf den 1. Osterfeiertag ist Anzeige erstattet.
— Eine garstige Messer Affatre haben wir leider beute zu verzeichnen. In der Samstags Nacht beim Nachhausegehen wurde einem Gast von einem andern im Gatten, nicht Saal, mit einem Mester eine rechr tiefe Fleischwunde am Oberarm beigebracht. Die auch hier ein geleitete Untersuchung wird Licht verschaffen.
— Heute Nacht kurz nach 1 Uhr wurde ein Soldat welcher den Einlaß in ein Haus n der Neustadt foulten wollte und dabei einem Manne, einem Briefträger, m.t dem Säbel über den Kopf und Schultern drei scharfe Hiebe versetzte, von der Schuyinannschaft bei der Attake gefaßt und nach der Wache verbracht. Wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung und Sachbeschädigung ist Anzeige erhoben.
— Am verflossenen Freitag Abend prügelten sich an der Wieseck zwei Herren ganz „incogn ito". Beide gerietben tm (S-fer in bas Master, welches denn auch d e erhitzten Köpfe abkühlte. Nach Schluß der Scene sollen sich beide verschworen haben, nichts von der Äffiire laut werden zu losten.
Vermischte-.
Paris. „Bald wieder zimmert et neu den wogenumpeitschten K.cl" — ;o singt Horaz das Lob des Kaufmanns, des Trotzigen, den kein Schiffbruch dauernd entmuthigt und der „nicht lernen will Armuth zu tragen " Zur Ehre des Handels und seiner Jünger muß man eingestehen, daß der römische Dichter nicht zu viel gesagt und daß noch heute der richtige Kaus- mann den Stürmen des Schicksals ebenso wacker zu trotzen liebt wie vor neunzehn' Jahrhunderten. Ein glänzendes Beispiel hiervon kann mon gegenwärtig in dem Wiedererstehen des „Prinlemps", des bekannten Pariser Nouveaute-Geschäftes, beobachten, welches voc kaum sechs Wochen durch eine Feuersbrunst zerstört wurde. Kaum war nach dreitägigem Kampfe mit dem verheerenden Elemente die Flamme in der Äsche der von ihr zerstörten Reichlhümer begraben, so plante auch Herr Jaluzot, der schwer heimgesuchte, aber nicht entmuthigie Direkror dieses Welthauses nicht allein den Wiederaufbau seines gewaltigen PalasteS, sondern auch die unmittelbare Wetterführung der Geschäflsbeziehungen wenigstens mit Dem Auslände. Die Er> Haltung bet ausgebreiteten fremden Kundschaft war wesentlich davon bedingt, daß nicht bei Abbruch der brandgeschwärzten Ruinen und die Errichtung eines neuen Gebäudes von so kolossale!- Dimensionen auf ein Jahr oder länget hinaus den gesammten Betrieb unterbrach. Die Pariser, das steht außer Zweifel, werden weder die Leistungen des „Printemps", noch sein an da» Mitgefühl aller Franzosen appellircndes Mißgeschick vergessen; bei den Fremden dagegen mußte die Erinnerung durch ununterbrochenen Geschäftsverkehr rege erhalten werden. Bon dieser Erwägung ausgehend richtete Herr Jaluzot schon am Tage nach dem Brande sem Hauptaugenmerk auf die fernere ungestörte Bedienung dcr fremden Kundschaft. Hierbei war ihm trotz allem über ihn Hereingebrockenrn Unheils das Glück in sofern gewogen, alS ein tseiis in dem vom Feuer verschont gebliebenen Gebäude nach dem Boulevard Haußmann hin ausreichende Räumlichkeiten zur Einrichtung von Cotrespondcnz- und ExpeditlonS Büreaux bereit standen, andererseits auch die tm Sommerkatalog angezeigten Neuheiten ter Saison seitens bet für ben „Priniemps" arbeitenden Fabriken noch gat nicht abgeliffart, also gerettet water. Auch bet Katalog selbst befand sich erst unter der Presse. Diese drei günstigen Momente er- rnuthigten Herrn Jaluzot, seine ganze Willenskraft und sein außergewöhnliches Organisation^, talent für die Verwirklichung des immerhin gewagten Planes einzusetzen, von der Brandstätte seine« großen Magazins Dem AuSlande die mit Recht so geschätzten Srzeugniste des „Printemps^ sofort zu weiterer unbeschränkter Persügung zu empfehlen. In diesen: Augenblick bereit« wird bet Sommerkatalog versandt und während ein Mafs nausverkauf die aus dem Brande gerettete! Stoffe den Pariserinnen gewistermaßen als Andenken an den alten „PrmtempS" überläßt, beginnt gleichzeitig der neue „Printemps" mit den alletneuesten Lieferungen seiner Fabriken die Aera seiner ausschließlichen Beziehungen zum Auslande.
Das aus allen Nationen refruttde, wohlgeschulte Personal der fremdländischen Altheilung des Geschäftes funktionirt heute wie vor dem Brande, die Bestellungen werben mit der gleichen Raschheit wie früher und zu denselben erstaunlich billigen Preisen ausgefübn, welche dem Geschäft des Herrn Jaluzot namentlich auch in Deutschland seit Jahren eine ebens» zahlreiche wie gewählte Kundschaft gesichert haben. Wir glauben unteren verehrten Leserinnei, unter denen ohne Zweifel viele aus eigener Erfahrung b*e Bedeutung des Pariser Welthaus«- zu beurtberlen wißen mit obiger Mi tbetlunq eine nicht unwillkommene Aufmerkiamkelt zu erweisen. Utbrigenö ist auch die Adreffe des 'Geschäftes nach wie vor die nämliche Herr» I. Jaluzot, Grand Magasins du Printemps, Paris
— sDas Verbrecher-Album der Berliner Kriminalpolizei^ ist im Laufe deS verflosienkil Jahres um 482 photographische Aufnahmen vermehrt worden. Am Ende 1880 enthielt da« Album 2135 Photographien, und zwar die Photographien von 25 Mördern, 638 Einbrechern, 291 Taschen Dieben, 143 Laden-Dieben. 191 Schläfst.llen-Dieben, 153 Bauernfängern, 153 Betrügen, 88 Paletot Dieben, 298 verschiedenen anderen Verbrechern und 155 prostituirt«» Diebinnen'. Auch im verfloßenen Jahre sind aus dem Verbrecher Album Personen, welche ,a Berlin oder auß/r'alb Verbrechen au^geführt hatten, rekognoszirt resp. Deren Joentitäc festgestellt worden, obgleich entweder der Name gar nicht bekannt war oder ein falicher Name angegeben würbe. Ebenso sind verschiedene alte Verbrecher, die sich bei ihrer Verhaftung faHd* Namen behelegt hatten, mit Hilfe deS AlbumS ermittelt worden, obgleich sie bereits vcr mehreren Jahren photograpbirt worden sind Unter den verschiedenen Verbrecher Kategorie» sind im verstcffenen Indre durch das Attum 13 Einbrecher, 10 Taschendiebe, 11 Ladendieb, 30 Sedlafstellendiebe, 35 Bauernfänger, 25 Betrüger urb 11 verschiedene andere Verbrecher nachgewiesen worden. Es fanden sonach im Jadre 1880 durch daS Verbrecheralbum 13» Rekognitionen statt, während im Jabre 1879 durch das Album nur 93 Rekognttionen erfolg.' waren. Die besten Dienste bat das Album in Bezug auf Schlafftellendiebe und Bauernfänger geleistet. Leider hat nur in wenigen Füllen die Bestrafunz der rekognoszirten Bauernfänger erfolgen können, da die von den Daue'nfängern geschädigten Fremd.n ihre Reise fortsetzten un> dann nicke mehr zu ermitteln waren. Nur bei fünf durch das Album ermittelten Bauerr fängcrn trat eine strafrechtliche Verfoloung ein. Von auswärtigen Behörden gingen ca. 9t> Requisitionen mit Photographien von Verbrechern ein, die außerhalb festgenommen wordeit waren und ihren richtigen Namen veihelmlickten. In den meisten Fällen war es möglich, die Identität der' Verbafteten aus dem Album fcfhuft.’Qen.
— Ein Gänsekopf wurde kürzlich in einem amerikanischen Theater von einem Zuschauer dem ersten Heldendarsteller zugeworfen. Der Schauspieler hob die seltsame Spenve auf, trat gegen dic Proseeniumslampe vor und sprach: „Gentlemen, ick bemerke, daß Einer von Euck seinen Kops v'rlor; aber er braucht sich nicht zu fürchten. Ich bin bereit, ihm denselben am Schluffe der VoHellung zurückzugeben!"


