Die Regatten find abgesagt wor-
sämmtliche von den Engländern gestellten Bedingungen angenommen und werden sich heute auS der Pofition bet Laingsneck zurückziehen.
— Es wird über einen Zusammenstoß zwischen den Engländern und den Boers während des Waffenstillstandes aus Durban berichtet, welcher bei Pot- schcfstroom stattfand. Die Boers hatten ein 500 Meter von dem Fort entfernt gelegenes G-fängniß besetzt. Da die Garnison von diesem Gesängniß aus beunruhigt wurde, beschloß der englische Oberst, die BoerS daraus zu entfernen. Eine englische Abthcilung von etwa 100 Mann unternahm einen Angriff auf bas Gefängntß, wobei 3 Mann getödtet wurden, während die Uebrigen in das Gesängniß eindrangen. Von den Boers fielen 3 Mann bet dem Kampfe im Gesängniß, die 27 anderen versuchten zu entkommen, mußten aber, von den Engländern verfolgt, noch 13 Mann auf dem Platze laffen.
gjijja, 24. März. Der Theaterbrand entstand durch eine GaS-Explofion. Als das Gas explodirte, herrschte im Theater völlige Dunkelheit, wodurch eine schreckliche allgemeine Bestürzung hervorgcrusen wurde. Bis 3 Uhr Morgens wurden 59 Leichen aus dem Theater geschafft und nach der Kapelle des Schloßkirchhofes gebracht. Man glaubt, daß die Zahl der Tvdten sehr beträchtlich ist. Die Verunglückten gehören meist der arbeitenden Klaffe an, die Orchester- und ersten Logen waren zur Zeit der Explofion noch meist ^leer. Eine Familie von 5 und eine von 3 Personen sind umgekommen. Die Sän- gertn Bianca Donadio hat sich gerettet, der Impresario -strakos ist leicht verletzt. Ein Marine-Detachement des Geschwaders von Villasranca kam mit Schiffspumpen herbei und rettete und löschte. Gegen 10 Uhr wurde man de« F-uers Herr. Für die unbemittelten Hinterbliebenen der Verunglückten sind bereits Sammlungen eröffnet worden. Die Regatten find abgesagt wor- den. Die auSgesetzten Preise werden für die Familien der Umgekommencn
«eiegraphlsche Depeschen.
Wolff's telegr. COrrespoudeuz-Burrau.
Berlin, 24- März. Deutscher Reichstag. Der Präsident verliest ein Schreiben des Kaisers aus die Glückwünsche des Reichstags zum Geburtstage des Kaisers. — Das Schreiben lautet:
„Der Gesammtoorstand des Reichstags hat Mich durch die Glück- und Segenswünsche, welche mir zu meinem Geburtstage von ihm Namens des Reichstags ausgesprochen worden, in hohem Grade erfreut. Ich danke demselben für seine Aufmerksamkeit aus vollem, warmem Herzen, welches in tiefgefühlter Erkenntlichkeit zum Höchsten sich erhebt, der mir vergönnte, das deutsche Vaterland zur Einheit und zu hohen Ehren gelangt zu sehen. Möge Gott auch ferner Deutschland m seinen allmächtigen Schutz nehmen. Wilhelm."
Bei der heute fortgesetzten Berathung über die Frage, ob zu den Kosten für den Hollanschluß von Altona die Zustimmung des Reichstags erforderlich sei, befürwortet der Ada. v. Kardorfs seinen Antrag auf motivirte Tagesordnung. Lasker hält nach der historischen Entwicklung des Zollvereins, sowie nach der vom Bundesrath selbst adoptirten Auslegung der Verfassung die Zustimmung des Reichstags zu den Kosten des Zollanschlusses von Altona für unumgänglich, v. Hclldorf befürwortet den Antrag der Conseroativen, die Erwartung auszusprechen, daß das verfassungsmäßige Zusammenwirken des Bundesraths und Reichstags auch betreffs des Aufwandes für die bestehenden Hauptzollämter zur Durchführung gelange. Flnanzminister Bitter con- ftatirt, daß zwischen ihm und dem Reichsschatzsecretär niemals eine Differenz bezüglich des Zollanschlusses bestanden habe und erklärt, der Bundesrath werde das Votum des
Hauses jedenfalls in ernste Erwägung nehmen. Hänel befürwortet den Antrag der
Budget-Commission. Staaissecretar v. Schelling führt aus, der Bundesrath habe tu den Hauptpunkten unbeschadet der Abweichungen in Nebenfragen immer den gegenwärtigen Standpunkt innegehalten. Windthortt tritt ebenfalls für den Antrag der
Budget-Commission ein, der der Praxis des Hauses entspreche und feine Conflictsgkfahr enthalte Abg. v. Kardorfs zieht die von ihm beantragte motivirte Tagesordnung zurück. Der Reichstag genehmigte sodann in namentlicher Abstimmung mit 183 gegen 45 Stimmen den Antrag der Budget-Commission, daß die zur etwaigen Durchsübiung detz Zollanschlusses von Altona erforderlichen Kosten, soweit sie nicht von den bc- theiligten Einzelstaaten zu decken sind, der Genehmigung des Reichstags bedürfen Der Antrag der Conseroativen war vorher mit 176 gegen 58 Stimmen abgelebnt woiden. Der Reichstag erledigte sodann die dritte Lesung des Etats, des Etatsgesetzes und des Anleihegeletzes unverändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung. — Nächste Sitzung Sonnabend.
— Der „Reichsanzeiger" publicirt nunmehr die Bekanntmachung des Ober- Präsidenten von Westfalen über die bereits gemeldete Gestattung der Ausübung bischöflicher Rechte und Verrichtungen vom 23. ds. ab an den Domcapitular Drobc in Paderborn. Gleichzeitig hört die bischöfliche Vermögensverwaltung durch den Com- missar auf. — Der Oder-Präsident von Hannover macht bekannt, daß der Dom- Capitular Höting in Osnabrück zum Capitular Vicar bestellt ist und daß seine Amts- thätigkeit mit dem 24. ds. beginnt. . 3 ~ s .
— Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht ferner einen Erlaß des Kaisers, m welchem Seine Majestät den Reichskanzler beauftragt, Allen, welche ihm zum Geburtstage Glück gewünscht haben, seinen tiefempfundenen Dank zu übermitteln. In dem Erlasse heißt es: Wiewohl meine lieben Deutschen mich daran gewöhnt haben, bei allen Ereignissen in meiner Familie, wie erst kürzlich wieder bei der Vermählung meines theuren Enkels, durch Glück- und Segenswünsche Mir ihre patriotische Sympathie zu bezeigen, so bin ich doch bei dieser Geburtstagsfeier durch die Fülle der Huldigungen ganz besonders überrascht worden. Die Stimmung meines Gemüthes an diesem in eine Zeit tiefer Trauer über den jähen Verlust meines treuesten Freundes und Verwandten fallenden Geburtstage ist durch dieselben wesentlich gehoben und erheitert worden.
London, 24. März. Nach einem Telegramm des „Reuter'schen Bureaus" aus Mount.Projpekt von gestern Abend haben die Boers nunmehr
verwandt werden.
Petersburg, 24. März. Se. K K. Hoheit der deutsche Kronprinz ist mit seinem Gefolge, dem sich an der Grenze der deutsche Mllitäibevoll- mächt'gte und die während des hiesigen Aufenthalts zum Dienst bei Sr. K. K. Hoheit commandirten Officiere angeschloffen hatten, Vormittags 101/* Uhr mittelst Gxtrazugs wohlbehalten hier eingetroffen. Auf dem Bahnhofe wurve Se. Ä- K. Hoheit von den Großfürsten Wladimir, Alexis, Konstantin und Nikolaus auf das Herzlichste empfangen. Der Kranprinz umarmte und küßte die Großfürsten. Der deutsche Botschafter, General von Schweinitz, war Sr. K. K. Hoheit bis Gatschina entgegengesahren.
Wien, 24. März. Der Kaiser hat folgenden Befehl erlasien: Um die innige persönliche Freundschaft, welche zwischen Mir und dem Kaiser Alexander II. bestanden hat und ebenso das besondere Wohlwollen, welches derselbe Meiner Armee jederzeit bewiesen hat, b:i dieser in unvergänglicher ehrender Erinnerung zu erhalten, befehle Ich, daß daS Ulanenregiment Nr. 11 den N'men des Kaisers Alexander II. für immerwährende Zeiten beibehalte. Zum Oberst'Jnhaber dieses Regiments ernenne Ich den Kaiser Alexander III. Das Infanterie-Regiment Nr. 61 Alexander Czarewttsch hat fortan den Namen Alexander III. Kaiser von Rußland zu führen.
Lokales.
Gießen, 25. März. Schwurgerichtsverhandlung am 24. März b. I. gegen I obanneS Habichts Eheleute von Braucrschwcnd, wegen Veivortheilung ihrer ©laubiger und Meineids.
Die Defchuldigten sind angeklagt und zwar:
1) Johannes Habicht, Lei, weder zu Brauerschwend, 52 Jahre alt, verheirathet, evangelisch, bereits bestraft:
a. daß er im Jahre 1879 und auch später, nachdem über sein Vermögen das Eoncurs- verfahren eröffnet war, ober doch, nachdem er seine Zahlungen eingestellt hatte, in der Abficdr seine Gläubiger zu benachlhriligen, Vermögens stücke verheimlicht obc. bei Sette geschafft habe.
b. daß er einen ihm auferlegten Eid wissentlich falsch abgrleistet habe, indem er am 6. August l. I. die Vollständigkeit und Richtigkeit eines über fein ®c<mögen aufgenommenen Vermögensverze'chniffls bei Gr. Amtsgerichte Alsfeld beschwor, obwohl er Vermögensstücke bei Seite geschafft und verheimlicht hatte,
2) besten Ehefrau:
baß sie im Jahre 1879 und auch später im Jntereste ihreS Ehemannes, welcher seine Zahlungen eingestellt, oder über besten Verwogen bas Eoncursversahren eröffnet worden war, Vermögenöstücke desteiben verheimlicht ober bei Seite geschafft habe.
lieber die Verheimlichung bezw. Beisettesckaffung der fraglichen Mobllien zur Rede gestellt, gestanden die Habicht Eheleute den Besitz und die Verheimlichung eines großen Theils dieser Mobilien ein und machten zur Rechtferl'gung ihrer Handlungsweise geltend, baß iolche Eigenthum der Ehesrau seien, weil sie diese in die Ehe eingebracht habe. Diese Angabe ist jedoch nach dem für die Eheleute in Betracht kommenden ehelichen Güterrecht und nach Inhalt des zwischen ihnen errichteten Ehevertrags wie nach der Beweiserhebung unwahr, jene Mo' i: lien bilden vielmehr Bestandtheile bet Errungenschaft und waren dehbalb die (Seeleute zur Angabe derselben bei Aufnahme ihres Ve>mogenS veipfltchtei. Johs. Habicht hat demzufolge eine wissentliche Verletzung des Eides begangen, wenn er am 6 August 1880 die VollsiänNg kett und Richtigkeit des von dem Concursverw aller aufgenommenen, thatsächttch unvollständigen Vcrrnögensverzeichnistes eidlich erhärtete.
Die Geschwornen verneinten die an sie gestellte Frage, ob Johs. Habicht den am 6. August v. I. abgeleiteten Eid wissentlich falsch geschworen habe, dagegen erkannten sie denselben in Beziehung der weiteren Anschuldigungen für üblrsührt, woraus der Gerichtshof den Johs Habicht in eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten verurteilte, denselben aber wegen Meineid freilp ach.
Die Verhandlung gtgen die Ehefrau Habicht mußte wegen eingetretener Krankheit derselben vertagt werden.
Gießen, 25. März. In den auf nächsten Montag und Dienstag anberaumten öffentlichen Sitzungen des Provinzialausschuffes der Provinz Oberhesten kommen folgende Gegenstände zur Verhandlung:
Montag bin 28. März r
1. Klage des Orts - ArmenverbandeS Reinhardshain gegen den OrtS - Armenverband Grünberg, wegen Unterstützung des Heinrich Wagner.
2. Klage des OrtS-Armenverdandcß Grünberg gegen den OrtS Arm'nverband Blitzen- rod, wegen Unterstützung Öc6 Johannes Mangel.
3. Klage des Orts-Armenverbandes Herbstein gegen den Land-Armenverbanb Lauterbach, wegen Unterstützung des Konrad Heckert.
4. Klage des Orts-Armenverbandes Gießen gegen den Orts Armcnverband Schotte», wegen Unterstützung der H. Konrad Wittwe.
5. Remonstration in S .chen des Johannes Wilhelm Hochstein zu Utphe gegtn be» Herrn Grafen zu Solms Laubach, wegen Ablösung einer Erblethe.
6. Remonstration in Sachen des Johann Heinrich Junkec zu Utphe gegen den Herrn Grafen zu Solms-Laubach, wegen Ablösung einer Erbliche.
Dienstag den 29. März:
1. Klage des Orts - Armcnverbanoes Oespel gegen den OrtS - Armenverband Bieden, wegen Unterstützung des Kaspar Decher.
2. Klage des Bürgermeisters Holzer zu Flensungen gegen die Gewerkschaft Schalter Gruben- und Hütten-Verein, wegen Erwerbung eines Grundstückes.
3. Klage des Orts - Armenverbandes Alsfeld gegen den OrtS - Armenverband Oter- Ohmen, wegen Unterstützung des Johannes Post.
4. Reelamation gegen die Gemeinderathswahl zu Altenschlirf.
5. Die Dienstführung des Polizeidieners Schild zu Hochweisel.
6. Die Beschwerde der Israeliten zu Londorf, wegen ihrer Berechtigung am Äe- meindewald.
Vermischte-.
Berlin, 22. März. Eine in der Nähe des Zoologischen Garten« belegen? Villa war in der vorigen Rächt der Schauplatz einer schrecklichen Scene. Das HauSmädchen He mme W. batte ihrem Herrn schon früher geklagt, daß sein Kammerdiener, ein Engländer Namens Tomskp. fie ferttoäbrenü mit LiebeSanträgen verfolgte ; sie könne den „spleenhaften" Menschen jedoch nicht leiden und habe überdies ein Verhältmß mit einem achtbaren BüraerSsohn aus Char otttn- buxq. mit welchem sie sich bald zu verbinden gedenke. Am Avend war das junge ')':adch.-n mit Erlaubniß ihrer Herrin ausgegangen und kehrte gegen Kalo 12 Uhr Nachts in Begleitung ihres Bräutigams nach Hause zurück. Im Begriff, ihr Schlafzimmer zu betreten, kam ibt Tomskv der ihren Abschied von d'M jungen Manne vom Fenster aus beobachtet hatte, bleich und verstört entgegen. Der offenbar in furchtbarer Aufregung befindliche Menich trug un blankeS Küchenmesser in der Hand und stürzte sich mit einem wahren Wuthgeheul auf das zu« Tode erschrockene Mädchen, »hr dabei den Weg zur Thüre abschneidend. Hermine sand nut io viel Zeit zum Fenster zu springen, welches sie mit der geballten Faust etnschlug, und mit gellender Stimme um Hilfe zu rufen, als sie auch schon der wahnsinnige Mensch zu Bod^n warf $um hohen Glück für das Mädchen halte der sich bereits m einiger Entfernung bcnnD- hebe Liebhaber desselben den Hülseiuf vernommen. Er eilte zurück, sprang über dav «seine Gartengitter und rief unten eaut den Namen des Mädchens Dieses, bereits erschöpft, wäre gewiß dem stärkeren Gegner unterlegen, wenn derselbe nicht bei dem lauten Rufen im ^art-n mit einem heiseren Wuthgebrüll aufgefpiungin wäre. Tomsky hatte kaum leinen Neb.nbub.er unten erblickt als er das ihm beim Ringen mit dem Mädchen entfallene Messer wieder aufhoe. das Fenster öffnete und den ziemlich beträchtlichen Sprung hinab wagte Der unten sic hei de sehr kräftige junge Mann warf sich dem Gegner entgegen, erhielt aber in oemfelben Moment einen Stoß in den Oberarm. Jetzt hatte der furchtbare Lärm auch nock andere Leute hertn gezogen denen t- endl.ch gelang, den vor Wuth schäumenden Wahnsinnigen zu bändigen und ju binö’en T. .st einer hi-si^n J«en°nst°l. zur «'»doch'unq übnpeben inorben. Die ^r tounounq 6e8 jungen Mannes ist nicht ungesahti.ch uaa auch das Mädchen hegl.infolge « furchtbaren Aufregung und de« starken Blutverluste« durch die beim Z.^chlagen de« Fensters arg zerschnittene Hand erkrankt darnieder.
Handel und Verkehr.
«ieücit 25 Wär» Äuf dem am 21 und 23. d «:«. tabier abgehaltenen «aller waren aufgetneb'en: 4 Pferde. i«gl, Stück Rindvieh und 5. 0 Stück Schweine. Die Pr.,' biteben unverändert. Nä-bster Markt Dienstag den ... und Mie.wock den K «pril am lr6trr-r Tage auch Keämermarkt und findet an tiefem Tage Margen« i Uhr da« Berieten ter Krämerstände statt -
FriMijürcc in Gietzen.
Sonntag, den 27. März Gustav Eger, Lindenplatz. Earl Plank, Wclkrngaff, Ludwig Kroneberg, Maiktstraße.
Kirchliche Anzeigen der cvangclifchkuScmciiide fuSietzen.
Gottesdienst:
Sonntag, den 2 7. März.
Morgens 9</2 Uhr: Pfarrer Schlosser»
(Feier des heiligen Abendmahls. Die Beichte findet \n Verbindung mit dem Abendmahl unmittelbar vor demselben statt.)
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Mittwoch, den 30. März, Abends 6 Uhr, in der Stadttnche:
5. PasfionsgotteSdienst: Gvmnafiallehrer^!»l*ä m m.
(Die Eollecte ist zur Bestreitung der Kosten des Gottesdienstes bestimmt.)
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 27. März bis 2. April besorgt Pfarrer Schlosser.


