Ausgabe 
26.2.1881
 
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weisen, sein einziger Leitstern und die erste Frage für ihn sei stets, was dem Dater- lande fromme, was dem Heil, dem Ruhm der Selbstnändigkeit der Nation im Innern und nach Außen. Ob das durch eine csnseroatioe, liberale oder diktatorische R chtung zu erstreben, stehe für ihn erst in zweiter Linie, er greife zu dem einen wie zu dem andern, ivre es eben seinem Ziele fromme, das Hauptziel habe er jedoch nie aus den Augen verloren v. Minnigersde bekämpft Richter, plaidirt für die (Steuerreformpläne der Conservation und die Steucrprojecte des Reichskanzlers, d. Benda bemerkt, es sei gelungen, die Einzelstaaten zu entlafien, die Aussichten für die Zukunft seien günstig, bezüglich der neuen Steuern aber behalte er sich seine Aeußerung bis zu deren Berathung vor. Fortsetzung morgen.

Stuttgart, 24. Februar. Nach einer Mittheilung desStaats-Anz. für Wüntemd." ist Se. Königliche Hoheit der Prinz August von Württem­berg mit der Vertretung des Königs bet den Vermählungsfeterlichkeiten in Berlin beauftragt worden.

London, 24. Februar. Die Königin hat den diesseitigen Botschafter in Berlin, Lord Odo R^fsrll, in den Pai'stand mit d?m Titel Baron AmpthiÜ erhoben. John Bright hat ein Schreibe.- an Howard den Candidalen Der Liberalen für Ostkuwberland, gerichtet, in welchem er erklärt, es sei Grund vorhanden zu der Hoffnung, daß die Boers die englischen Friedensbeoingungen annehmen würden. Aus Cork werden m hrere ernste agrarische Ausschrei­tungen gemeldet. DieMorntng Post" erfährt, die peruanische Regierung habe die Vermittelung Englands, Frankreichs und Italiens bezüglich der chile­nischen Frtedensbedtngunger. nachgesucht. Der Prinz von Wales und der Herzog von Edinburgh sind gestern Abend über Calais nach Berlin abgereist.

Nach einem Telegramm derTimeS" aus Durban ist General Colletz am 23. ds. mit einem Fußregiment, einer -Schwadron Husaren, zwei Geschützen und einer großen Proviant- und Munittons-Colonne in Mount-Prospekc ange­langt, ohne aus BoerS gestoßen zu sein.

Nom, 24. Februar. Prinz Amadeus ist gestern Abend mit seinem Gefolge von Turin über München nach Berlin abgeretst.

Paris, 24. Febr. General Ney, Herzog von Elchingen, hat sich ge- tödtet. Man fand denselben in Chatillon tobt, in der Hand noch den Revolver haltend, mit dem er sich durch den Kops geschoffen hatte.

V^ew-Nork, 24. Februar. Die Nationalbanken haben seit der An­nahme der Funvirungsbill durch den Senat von ihren im Umlauf befindlichen Noten für 5 Millionen Dollars zurückgezogen. AuS San Francisco wird gemeldet, daß nach dort eingegangenen Meldungen auf den Samoa-Inseln noch immer ein anarchischer Zustand herrsche.

Berlin, 24. Febr. S. M. S.Victoria", 10 Geschütze, Commandant Corvetten-Capitän ValoiS, ist am 11. Februar er. in Madeira eingetroffen.

London, 24. Febr. Als der Premier Gladstone gestern Abend vor seiner Wohnung seinen Wagen verließ, glitt er aus dem Trottoir aus und fiel mit dem Kopse gegen den Wagentritt, wobei er sich eine ziemlich ttese Wunde zuzog. Gladstone hütet das Bett; der Wagenveikehr in der Downing Street ist verboten.

Der Unfall des Premiers Gladstone hat bis jetzt keine ernsthaften Folgen gehabt; Fieber ist nicht vorhanden, doch muß Gladstone einige Tage absolute Ruhe haben.

Lokales.

Gießen, 25. Februar. Eine von der Großh. Kreis-Schul-Commission an die Schul Vorstände des KreifeS erlassene Verfügung ertheilt denselben unter Bezugnahme auf eine Ver­fügung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz Abteilung für Schulangelegenheiten, vom 24. Januar 1881 den Auftrag, die Lehrer wiederholt darauf aufmerkiam zu machen, daß ihnen durch bestehende Verordnungen die Annahme jeden Ehrengeschenkes, an Geld oder Naturalien, sei es an Geburts- und Namenstagen des Lehrers, sei es bei der Entlassung der Kinder aus der Schulklasse oder der Schule zur Zeit der Konfirmation, oder bet ähnlichen Veranlassungen, z. B. Weihnachten, Neujahr u. s. w. untersagt ist

Die Schutzmannschaft hielt nach einem gestern Abend in der Süd^Änlage statt, gefundenen Diebstahl, wobei die Diebin abgefaßt wurde, bei einer im Gartfeld wohnenden Frau Haussuchung und entdeckte dort ein großes Lager an gestohlenem Weißzeug, sowie drei Körbe voll Strümpfe. Jnteressirenden Hausfrauen wird jedenfalls auf der Polizeiwache nähere Auskunft ertheilt werden.

Vermischtes.

sZur Judenfrage.j Wenn es noch eines Beweises für die Frivolität bedurft hätte, mit welcher von Seiten conservattver Organe die sogenannte Judenirage behandelt wird, so liefert ihn dieDeutsche Landeszeitung" mit folgendem Vorschlag zur Güte, dem sie zwar nicht die unbedingte Durchführbarkeit zuerkennt, der ihr jedoch einzelne wirksame Momente zu ent« halten scheint:Von einem Schlesier wird unS geschrieben: In einer Gesellschaft von Ritterguts besttzern, in welcher die üble Lage deß Grundbesitzes, wie auch die Semitenfrage erörtert wurde, meinte einer der Theilnehmer, er wiße ein Mittel, um in beiden Richtungen wesentlich zu helfen ; um nähere Ausführung gebeten, erklärte er: Wenn man den Uebrrmuth der Semiten brechen und dem Großgrundbesitz gründlich helfen will, ist es am besten, daß man den deutschen Juden den standesgemäßen Unterhalt der Lieutenants in der deutschen Armee übeiweist Die ganze Macht der Semiten liegt in dem von ihnen eingesammelten Capital. Nun versteht aber Nie­mand bester Geld unter die Leute zu bringen, wie ein Lieutenant; müstcn die Juden die Lieute­nants der deutschen Armee standesgemäß unterhalten, so wird ihre Capitalsmacht bald verringert werden. Gleichzeitig aber wird dem Großgrundbesitzer geholfen, denn da die Mehrzahl der Lieutenants aus diesem Stande hervorgeht, der seinen Söhnen, um den großen Anforderungen zu genügen, welche an die Caste eines Lieutenants gemacht werden, immer eine anständige Zulage geben, oft auch ihre Schulden bezahlen muß, so wird dieser wesentlich entbürdet wenn diele Last von den Semiten getragen wird. Nehmen wir an, daß in der deutschen Armee 15 000 Lieutenants existiren, deren jeder jährlich inclusive der etwa zu bezahlenden Schulden 500 Thaler oder 1500 Mark an privatem Zuschuß kostet, so macht dies jährlich 7,500,000 Thlr. oder 22,500 000 M. Wird diese Steuer auf die Juden gelegt, so ist dies keine übte Verminderung ihreS Capitalvermögens, für die Stände, aus denen das Officiercorps sich ergänzt, jedoch eine wesentliche Erleichterung ; wissen aber d'k Lieutenants erst, daß sie offene Caste bei den deutschen Juden haben, so wird es ihnen leicht werden, auch noch mehr wie 50j Thlr. jährlich zu verbrauchen "

Aachen, 12. Februar. In der Nacht vom 26. auf den 27. Februar 1843 wurden in dem hiesigen Münster folgende Schätze gestohlen: 1. <5ine goldene Krone, einem Marien bilde angehörend, etwa 5 Zoll im unteren Durchmesser und von gleicher Höhe, am unteren Rande mit zwei Rethen Perlen ringsherum; außerdem noch mit Perlen und Edelsteinen, r.amucklich mit Brillanten, Rosetten und Rubinen, deren Zahl nicht genau angegeben werden kann, reich besetzt und ganz emaillirt. Das Ganze an Gewicht vielleicht 3 Pfd, ein Geschenk der In fantin von Spanien, Isabella Klara Eugina, vorn Jahre 1621. 2. Eine kleine Krone etneb Jesuskindes, ganz wie die vorige, mit vier oben zusammengebogenen Strahlen, worauf eine Weltkugel mit goldenem Kreuz angebracht war. Beide befanden sich in einer mitentwendete» Kapsel von schwarzem inwendig mit blauem Sammet gefüttertem Leder 3. Ein ganz goldener Kelch, vielleicht 3 Pfd. schwer, mit goldenem Schüstelchen und einem kleinen, ebenfalls golvnen Löffel, geschenkt vom Herrn Dechanten Cardoll, mit einer unter Dem Fuße befestigten runde» goldenen Platte, auf welcher folgende Inschrift sich befand: Cardoll decanus dedit Alfari B. M. V. 1680. Als Prämie für den Angeber des Diebes wurden 1000 Thaler ausgesetzt, die Regierung fügte zu dieser Summe noch 500 Thaler Laut demEcho der G.aenw." find in letzter Zeit Verhaftungen vorgenommen worden, welche mit diesem Diebstahl in Ver­bindung stehen sollen.

Ein beachtenSwertbeS Eingesandt, das in weiteren Kreisen Verbreitung verdient, bringt dieN. Altenb. Zig." Dastelde lautet: Beim Herannaben b'r Osterzeit, als der Zeit, zu welcher an so viele Eltern die Frage herantritt, welchen Beruf laßt Ihr (Suren Sohn er- greifen, erlaubt sich ein Vater von 5 ©ebnen mit der Mahnung an die Orffentlichkeit zu treten: Laßt, ihr Eltern, die Ihr nicht zu den mit Glücksgütern gesegneten gehört, Eure Söhne jedes Handwerk erlernen, nur laßt sie nicht Kaufleute werden, denn ick) kann mir jetzt keinen erbarm ungSwürdigeren Beruf denken, als Kaufmann. Von meinen fünf Söhnen haben drei et» Handwerk erlernt, während zwei Kaufleute geworden sind: die ersten drei sind noch nie einen Tag, ausgenommen die Wanderzeit und etwaige Krankheit, ohne Arbeit gewesrn, tue letzten zwei hingegen sind ohne ihr Verschulden und trotzdem sie brauchbar sind, feit ungefähr einem Jahr stellenlos und leben mir nur zur Last. Darum beherzigt das alte wahre Wort:DaS Handwerk bat einen goldenen Boden."

Vom König Humbert erzählt dieJtalie" einen Zug, welcher seinem He'>en alle Ebre machte Aus der Kön'gsreife fragte Humbert während der Vorstellung der Behörden zu Potenza, ob ein Repräsentant der Gemeinde von Salvia zugegen wäre, wo b'kanntiich Der Attentäter Pastanante geboren ist. De: Deputate Maro da wird dem König vorgefüait und dieser fragt, ob Pastanant-' noch Verwandte in Salvia habe.Seine Mutter lebt noch in Salvia", antwortete Marolda.Die arme Frau! In welchen Verhältnis) n befinoet sie sich?"Sie ist sehr unglücklich, Sire, s hr arm". Am folgenden Tage sandte Humbert 500 Fres an die Mutter deß Mannes ab, der einst die Hand zum Moree gegen bfn Köng erhoben hatte.

[Sin fettet Bisten für die Finanzbehörde ] Man berichtet demW Frdbl." aus Prag vom 17. d. M.: In Pilsen wurde bekanntlich in voriger Woch" em Sensatwnsproeeß abgeschlossen. Einer der Vernommenen gab auf die Frage, wie denn die von ibm vertretene Firma in so kurzer Zeit zu einem so enorm-n Reichthum gelangt sei, d,- Antwort, taß da8 Geschäft jährlich ein Reinerträaniß von 10,000 fl. abgeworfen habe. Die Finanzbehörde, die bekanntlich für solche Geständniste ein feines Gefühl besitzt, forschte nun in den Einkommensteuer Bekenntnissen nach und fand, daß die Firma bloß ein jährliches Reineinkommen von 500 fl. angegeben hatte. Die Folge war die Ausfertigung eines nachträglichen Zablungsauftrages, in welchem die Firma das nette Sümmchen von 105,000 fl. vorgeschrieben wurde.

sWas nicht Alles ersonnen wirb.] In Paris hat sich wie dirGaulois" fcbreibi, eine neue Agentschaft gebildet, die zum Zwecke hat, b'.c Höfitchkeits Visiten für Jene abzustatten, welche eigentlich dazu verpflichtet wären aber keine Zeit dazu haben. Das Material der ®e sellschaft bestellt aus einer Anzahl anständiger, theilweise selbst becori.ter Männer, welche mit Schnurr, Backen ober Vollbart, je nach bem Aeußeren der Person cricheinen, die sie repräsen tiren. Der Bctreffenbe überaibt demselben seine Karte, welche sie selbst mit einaebogenen 6dm in die Wohnung tragen Die Agenten besorgen ihr Geschäft theils zu Fuß, tbeilS in coneet angeschirrten Equipagen, je nach dem Stand» des Kommittenten. Diese Einführung verdient auch anderwärts Nachahmung.

In Greifswald wurde vor einigen Tagen der Profestor der Geschichte und Ober: Bibliothekar Theodor Hirsch mitten in einer Vorlesung vom Schlage getroffen und verschied auf der Stelle. Er war 1806 in Danzig geboren und hat sich namentlich um die Geschichte von Danzig verdient gemacht.

sEine gute Antwort ] Der berühmte Arzt Orsila war einmal alS Sachverständiger in einem Kriminalproceß vorgelaben, und der Präsident deß Gerichts ließ sich bet btt üblichen Vernehmung beifallen, Orsila zu fragen, ob er ihm sagen könne, wie viel Arsenik nothwendig sei. um eine Fliege umzubringen? Orsila erwiderte:Ich kann dies allerdings angedm, allein ich muß zuvor daß Alter der Fliege, ihr Temperament, ihre Leibesbeschaffenheit und ibre Lebensgewohnheiten kennen unb genau wissen, ob sie lebig ober verheirathet, Wittwe oder Jungfer oder Junggeselle ist. Sobald ich über ble Punkte im Klaren bin, werbe ich Ihre Frage beantworten."

Irischbäcker in Gietzen.

Sonnlag, den 27. Februar. Jacob ZNingelhöffer, Wallthorstraße. Wilhelm Lang, Marktstraße. Auguft Noll, Mäusburg.

Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinde zuOießen. Gottesdienst: Sonntag, den 27. Februar.

Morgens 9^2 Uhr: Pfarrer Schlosser. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Mittwoch, den 2. März, Nachmittags 5 Uhr, in bet Stadtkirche:

Erster PusfionSgottcSdienst.

Freitag, ben 4. März, Abenbs 6 Uhr, im Gymnasium: Letzte Bibelstunde: Pfarrer Dr. Naumann.

Am Sonntag, ben 6. März, wird das heilige Abendmahl gefeiert werden; die Beichte findet in Verbindung mit bem Abenbrnahl selbst, unmittelbar vor demselben statt.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 27. Februar bis 5. März besorgt Pfarrer Schlosser.

Allgemeiner Anzeiger.

Oswald's Garten. Große Menagerie. Täglich 3 große Vorstellungen um 4, 6 und 8 Uhr.

Um 4 und 8 Uhr Hauptdreffur und Fütterung.

Die Herren Lehrer der Stadt und Umhegend laden mit ihren Schülern zur Besichtigung der Menagerie mit dem Bemerken ein, daß pro Ktnd nur 10 H Entree erhoben wird und für jede Schule eine Extra-Vorstellung statt, findet. Achtungsvoll

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