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Mittwoch den 26. Januar
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Amtlicher Hl-ei l.
Ä Gießen, am 24. Januar 1881.
Betreffend: Da- Dlehverficherunz-wesen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
•« die Großherzoglicken Bürgermeistereien des Kreise».
IBlr erinnern Diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände find, an Erledigung der Verfügung vom 22. December 1880 (Sn,eiger Nr. 303). ___________________ Dr. Boekmann.
Deutschland.
Berti», 24. Januar. Die Zahl der in öffentlichen Blättern rc. als au-getrUen verfolgten und von den Gerichten als solche verurtheilten Militär- pflichtigen ist so groß, daß es angezeigt erscheint, darauf himuwtisen, daß ein großer, wenn nicht der größte Theil dieser Militärpflichtigen schuldlo- ist, da er zur Zeit seiner Gestellungspflicht überhaupt nicht mehr am Leben war. Es klingt daS seltsam, entspricht ober völlig der Wahrheit. -öS bestand nämlich weder für die geistlichen Klrchenbuchssührer, noch besteht für die weltlichen Standesbeamten die Verpflichtung, baC Ableben der in ihrem Bezirke geborenen Personen im Geburtsregister zu vermerken. Versterben dieselben aber außerhalb dieses Bezirk-, so erhalten die Archenbucheführer selbst nur selten Kenntlich von dem Ableben. ES werden daher massenweise in den Geburt-» listen, welche von dem Geistl-chen bis zum J^hre 1891 einschließlich, späterhin von den Standei beamten den stammrollensührenden Behörden einzusenden find, Militärpfl chttge aus^esührt, welche zur Zeit der Eilsendung dieser Geburts» listen längst verstorben waren. Wohnen nun die Eltern de- angeblichen Mill- täipflichtigen noch im Bezirke des Stamu.rollensührer-, so werden diese Todes- fälle bei hinlänglicher Aufme ksamkeit der Behörden noch ermittelt. Sind sie verzogen und ist vollend- deren Aufenthaltsort unvekannt, so werden die Todten Unerbittlich verfolgt. ES ist der Fall vorgekommen, daß ein Viertel der In der Geburisliste als lebend ausgesührten 17jährigen nachträglich al- tobt er- Mittel! wurde. Für die Folge wird zwar durch die Bestimmung im § 45, 7, b. der deutschen Wehrordnung vom 28. September 1875 dieser ILbclfianb sich verringern; allein vorerst gewährt ditse Dcfltmr ung, weil ohne rückwirkende Kraft, sowie wegen der großen Sterb.ichkett der Kinder gerade .n den ersten Lebensjahren kerne genügende Abhülse. Ohne die Verpflichtung der geistlichen und weltlichen Standesbeamten jeden Todesfall einer Person männ- ltchen Geschlechts unter 20 Jahren in dem Geburtsregister zu notiren, bezw. dem Standesbeamten des bekannten Geburtsortes mitzutheilen, werden die großen, alljährlich von den Landgerichten abgehaltenen Todtengertchre vorerst nicht aushören.
Berlin, 23. Januar. Nachrichten aus Petersburg bestätigen, daß brr Friede in der kaiserlichen Familie wieder hergestellt ist. Der Thronfolger «nd se'ne Gemahlin laffen sich die zweite unebenbürtige Heirath des Kaisers gefallen, ohne daß von einer Äbdar kung des Kaiser- oder vvn einer Mitregent- schast dcS Großfürsten - Thronfolger- mehr die Rede wäre. Die Polit k Rußland- scheint in der That augenblicklich friedlich zu sein und sich ernstlich mit der Herstellung der Finanzen zu beschäftigen. Mit dem Deutschenhaß des Thronfolgers ist es nicht so schlimm, wie man öfter- befürchtet hat. Es ist wenigstens Thatsache, daß er ziemlich viele Deutsche in seiner Umgebung angestellt hat.
— Übereinstimmenden Nachrichten der Blätter zufolge wurde in varla. mentarischen Kieisen ganz bestimmt hingestellt, daß der Rücktritt des Fnaiz- mimsteis Bitter binnen kurzer Zeit zu erwarten ist. AlS sein Nachfolger wird der Staatssecretär im ReichSjckatzamt Scholz b> zeichnet. Interessant ist die ebenfalls in parlamentarischen Kreisen mit größter Bestimmtheit auftrehnbe Nachricht, daß der Reichskanzler dem Führer der Conseroatioen, Abg. v. Rauchhaupt, das Portefeuille des Finanzmimsters angeboten, dieser es aber abgelehnt habe. Der Rücktritt des Finanzministers Bitter kann, wie weiter auS^esührt wird, durchaus nicht überraschen. Man wird sich erinnern, daß Fürst Bie- marck ursprünglich einen dauernden Steuererlaß in Ausficht genommen hatte, daß er aber auf diesen Plan verzichtete, alS Herr Bitter erklärte, daß man nicht übersehen könne, ob die Mittel für einen solchen dauernden Steuererlaß sich auch finden lassen werden. Damals schon tauchten Nachrichten con Diffe- renzen zwischen dem Reichskanzler und Herrn Bitter auf, doch scheint eß damals wenigstens vorläufig zu einem Ausgleich gekommen zu sein. Das schwan- fenfce und unselbstständige Verhalten Herrn Bittei's, welcher zuerst durch die Ofstciösen den Antrag Rchter, der materiell mit dem des Äbg. v. M nnige- rode übereinstimmt, bekämpfen ließ, sich bald aber zustimmend zu dem dems Iben zu Grunde liegenden Gedanken äußerte und fttzt den dauernden Steuererlaß sogar direct befürwortet, hat selbstverständlich den Fürsten anangmehm be rührt. Den Conservativen war Herr Bitter von i!L fang an nicht recht sympathisch, seine unbestimmten Äußerungen über seine Reformpläne, sem unsicheres Auftreten im Hause der Abgeordneten und in den Commissionen Vermehrten die Unzufriedenheit.
— ES ist amtlich festgestellt, daß sich in Sachsen bei den slavomschen Drahtbindern der Fleckentyphus gezeigt hat. Es werben deshalb die nöthigen
Maßregeln angeordnet; auch find alle Behörden angewiesen, aus die slavoni- schen Drahtbtrder und andere umherziehende Gewerbetreibende, sowie auf deren Gesundheit-Verhältnisse ein wachsame- Auge zu haben. ES reiht sich aber hieran auch die Frage, ob nicht allgemeine Maßregeln zu ergreifen sein wer- den, um die Gefahr der Verschleppung von Krankheiten zu verhütm.
— Zu dem NlchtSwürdigften, wa- jemals ein in deutscher Sprache erscheinendes Blatt geleistet bat, gehört ohne Frage, daß das klerikale ^Vaterland" in München zum 21. Januar, zu dem Tage, an welchem vor zehn Jahren die bayerische Abgeordnetenkammer die Versailler Verträge genehmigte, mit einem Trauerrande erschien und der großen Thatsache der deutschen Einigung gegenüber ein kaiserliches Wort dahin zu travestiren wagte: „Welch' wunderbare Wendung durch Gotte- Zulassung."
— Zum 1. Juli d Js. werden die Vereinigten Staaten von Columbien dem Weltpostverein beitreten. Dieser Anschluß hat in Folge besonderer Schwierigkeiten, welche in der Tranfitfrage bezüglich des wichtigen Verkehr- über die Landenge von Panama begründet waren, längere Verhandlungen erfordert. Im Weiteren ist der Bettritt Ch lis auf den 1. April d. IS. festgesetzt; auch sind verschiedene britische Colomen im Weltmeere zur Aufnahme bereits angemeldet. Der Verein wird aisdann ein Gebiet von rund 81,550,000 qkm mit etwa 783 Millionen Bewohnern umfassen. Außerhalb M verein- befinden sich jetzt nur noch Bolivien, Paraguay, einige minder bedeutende Republiken Central-Amenka-, das Capland und die australischen Colonien. „Meiner Ansicht nach", so sagt der Generalpostmeister der Vereinigten Staaten in seinem letzten Jahresbericht, dem wir diese Notizen entnehmen, „hat nicht- so sehr zum allgemeinen Frieden und zur Freundschaft unter den Völkern, zur Förde- rung der Civilisation, zur Verbreitung der Wahrheit und guter Grundsätze bei- getragen (wie ter Weltpostverein); er ist ein großer Schritt vorwärts auf der Bahn des menschlichen Fortschr-tts." Und er läßt diesen Worten alßbalb die That folgen, indem er einen Gesetzentwurf zur Einführung der Pak.tpost in den Vereinigten Staaten in A-sficht stellt, damit denselben der Beitritt zu dem vor Kurzem in Paris abgeschlossenen internationalen Vertrage über die Einführung des Paketpostdienstes in den Weltpostverein ermöglicht werde.
Hesterreich.
Wien, 24. Januar. Cardinal Kutscher hatte einen Schlaganfall. Sein Zustand ist bedenklich.
tz-ugland.
London, 24. Januar. D s britische Geschwader an den irischen Küsten wird durch zwei Kanonenboote verstärkt. Von Birmingbam ging eine Abiheilung Kavallerie nach Smallhent ab zum Schutze der Feuerwaffen Werk- stätte ;e^n etwaige Versuche, welche gemacht werden könnten, sich bet Feuerwaffen und der Munition darin zu bea ächtigen.
Rußland.
Petersburg, 23. Januar. Oificiell. Skobeleff meldet Nachts vom 15. auf den 16. Januar: N,ch genügender Befestigung unserer eigenen Positionen und de- Lager- erkämpftm wir Positionen zwanzig gaben von der feindlichen Mauer; alle hartnäckigen Versuche seitens des Feinde-, unS aus den neu eingenommenen Positionen h-rauszuschlagen, waren vergeblich. Am 16. J.nuar, Abend- 7 Uhr, überfiel der Feind mit feiner ganzen Macht unser Centrum und die linke Flanke, f st auf ter ganzen Strecke entstand ein hart- näck ges Handgemenge; der Feind wurde mit großem Verlust von unseren Trancheen abgeschlagen und bis über die F stungSwälle verfolgt, gleich nach zurückge'chlaaener Ärtate nahmen wir durch forttficationSartiqes Vorrücken durch Lapp-'ure, zweck-Verstärkung unserer Verthei' iaungSlinie, die Arbeiten wieder auf. Der Verlust der Russen: 1 Ofstcier 12 Soldaten tobt, 4 Officiere, 78 Solbaten verwundet. Die Trancheearbeiten sind schwer, well bas Belagerungs- Corps zehnfach geringer, als bie K äste bes Vertheibigers. Die Sappearbeiten dauern fort; der S-rppekopk befi-.bet sich 17 Faden von der Frstungsmauer. Am 17. I nuar betrug der Verlust der Russen 4 Soldaten tobt, 1 Officier, 17 Soldaten verwundet.
Moskau, 24. Januar. Am Sonnabend begann bas Mtlitärkrei-ge- richt cen Proc^ß in Sachen des poli'ischen 22 Jahre alten Verbrechers Pekarsky. Derselbe wurde gestern zu 15 Jabren Zwangsarbeit verurtheilt; in Anbetracht der Jugend brs Verbrechers, welcher mehr der Versuchung erlegen, beschloß das Gericht, eine Strafmilderung von 4 Jahren Verbannung an einen


