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25.9.1881 Zweites Blatt
 
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iRr. 223. Zweites Blatt. Solintag dni 25. September 1881

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Wochenschau.

In btc größte Freude mischt stch oft ein recht bitterer Tropfen Wer« aulh, davon gtben auch btc Ereignisse der vorigen Woche Zeugniß. Umjubelt vom Volke, im Kreise ihrer hohen Familie reichte die Enkelin unsere- Kaisers, z die Prinzessin Victoria von Baden dem Kronprinzen von Schweden am Traualtar ihre Hand zum ehelichen Büi.dniß für das ganze Leben. Wenngleich tm Badenlande die Freude über dieses Ereigniß selbst­verständlich am lautesten sich Bahn bricht, wenn Jeder deS Tages gedenkt, an dem vor genau 25 Jahren die Eltern der hohen Braut die Ringe wechselten, so findst doch im ganzen deutschen Volke diesegrüne" undSilbet-Hochzeit- in der Familie unseres Kaiser- die innigste Therlnahme. Es beweist auch die Begrüßung, welche der Kaiser im Norden, in Schleswig-Holstein überall wie setzt im Süden in der badischen Hauptstadt fand, daß das deutsche Volk sich seine- nationalen Stolzes auf einen solchen Her, scher, wie unser Kaiser ee ft, bewußt ist, iubem es ihm Liebe, Treue und Ehrfurcht entgegen bringt. | Eähre.b aber in Karlsruhe die Hochzeitsglocken den Freudentag e.nläuttten, hat jenseits deS OceanS einer der edelsten Dulder, der Präsident Gar- | fielt t, die müden Äugen geschloffen nach monatelanger Qual und furchtbaren Schmerzen, welche ihm die bübische Rachsucht eine- Fanatiker- bereitet hatte. Die schwere Verletzung, welche der Präsident davonzetragen, machte von vorn- I herein seine völlige Wiedergenesung unwahrscheinlich, aber doch hoffte man ' zeitweise, nachdem er, wie durch ein Wunder gefahrdrohende Krisen überstanden f aalte, daß eS der Kunst der Aerzte gelingen werde, einen guten und braven Rann zu erhalten. ES hat nicht sein sollen. Garfield ist dahin und um

ihn trauern nicht bloS die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die ihr ÄtaatSoberhaupt verloren haben, nein, die ganze gebadete Welt theilt ihren Schmerz, denn der Dahingeschiedene war nicht nur ein hochbegabter Staats­mann und Regent, er war such vor Allem ein Mensch, w:e er sein soll und Die es nicht v eie in seiner Stellung gibt. Treue, Fleiß, Wahrheit, Gerechtig­keit und Bescheidenheit zeichneten den Gemordeten aus, der mit Washington neb Lincoln zusammen ein funkelnde- Dreizestirn in der amerikanischen Ge- schichte bilden wird. Doch hoffentlich wild da- Werk, da- er begonnen, nicht nut fernem Tode zerfallen, die ganze Nation wird e- aufnehmen und energisch ttr Zuchtlosigkeit und Verderbniß, der Garfield zum Qpfer fiel, den Kamps erklären, und im Andenken an ihn eine Reform vollenden, die den Staat un- endlich heben muß. Bedeutende Ereignisse haben un- sonst aus unserer Silbe, insofern man eben im Hinblick auf die herrschende Wahlagitation über­haupt noch davon reden kann, nicht emporgeschreckt. Der Wahlkampf und die Kirchenfrage in Preußen, das find die einzigen Themata der politischen Tagesordnung, die, obgleich schon so ungeheuer oft besprochen und krilifirt, doch immer wieder Stoff zu neuen Untersuchungen und Streitereien geben. : kangsam, aber ständig, verstreicht die Zeit bi- zum Wahltermin, er wird eher \ da sein, als e- sich Mancher träumen läßt und bevor er überhaupt klar ist cbei daS, was er eigentlich thun und wen er wählen soll. Don den Staaten des Auslandes schenken wir unsere Beachtung zuerst Frankreich, nicht ttwa, weil eS nach seiner Meinung noch die erste Geize in dem Völkerconcert, die zur Zeiten des dritten Napoleon spielt, sondern weil es dort nie ganz ru^ig hergeht und die Republik stets da- reichhaltigste Material für eine solche Ueberficht der Ereignisse bietet. Zuerst erwähnen wollen wir nur gleich da­rb er schon wieder dementirte Gerücht, daß Prinz Jerom Napoleon (Napo- hon V. sollen ihn seine Anhänger ja im vertrauten Kreise trotz seiner früheren »rothen" Politik nennen) seine Rechte auf Frankreich, die aber im Lande selbst hum Jemand anerkennt, auf seinen ältesten Sohn Viktor, der also eventuell olÄ Napoleon VI. fignriren würde, übertragen hat. Der Prinz selbst hat fich vLch Konstantinopel begeben; ob diese Staatsaction wirklich irr'- Leben treten irtrb, muß fich ja über kurz oder lang Herausstellen. Beunruhigen wird sie di» republikanischen Machthaber nicht sonderlich, obgleich sonst in Frankreich die Slimmung gerade nicht die beste ist. Die Thatsache, daß Tunis fich absolut

nicht den franzöfischen Waffen fügen will, daß Soldaten über Soldaten übet'l Meer geschickt werden muffen, weßhalb sogar die die- Jahr zu entlaffende Reserve zurückgehalten werden muß, macht viel böses Blut und das jetzige (Sabine!, welchcs durch seine Ungeschicklichkeit die Zustände wesentlich ver­schuldet bat, würbe von der Deputirtenkammer nach der Einberufung bei letzteren schöne Dinge zu hören bekommen, wenn es überhaupt bann noch ex stirte. Es gibt leider dem Drängen Gambetta's nach und wirb an bem- selben Tage, an dem baS Einberufungs-Decrel erscheint, seine Entlassung ein­reichen. (?) Dann wirb also ber große Bürger an die Spitze der Geschäfte treten, allerbmgS nicht zur besonderen Freude Grevy's, ber auf den Dauphin ber Republik nicht besonberS gut zu sprechen ist weil er recht wohl weiß, wohin Gambetta strebt. Einen etwas frieblicheren AuSgang alS bie tunesische Invasion scheint der Aufstanb ber egypfschen Solbaten in Kairo nehmen zu wollen, benen ber Khebwe ihre Forberung zugestanben hat, unter Zustimmung Frankreichs unb England-. Ob nun die beabsichtigte Dl-lokation ber Truppen ohne Hinberniß vor fich gehen wirb, steht noch bahin, denn bie Solbaten wissen sehr wohl, baß es mit ihrer Mrcht vorbei ist, sobalb sie getrennt find. Vorläufig ist aber allerbingS Englanb wie Frankreich ber Grund zu einer Intervention genommen, und daS ist bie Hauptsache. Begonnen haben zwischen der Republik unb Großbritannien wieber einmal bie schon so oft angeknüpsten unb wieber fruchtlos verlaufenen HanbelsvertragS-Verhanblungen; ob sie dies­mal zu einem besseren Endresultat gelangen werden, mag der Himmel wlfiei, da die Franzosen auf die Wünsche ber Englänber nicht sonderlich zu achten pflegen. In Irland 'st ein irischer Nationalkonvent abgehalten, auf dem sich die Herren Parnell unb Consorten wieber elr.mil In Ihrer ganzen Größe zeigten; sie hegen bie besten Hoffnungen, daß eS ihnen gelingen werbe, Jrlanb doch noch selbstständig zu michen. Gnade Gott aber dem Lande, wenn diese Gesellschaft unb bazu noch bie Fenier zur Herrschaft gelangten. Die französische Reoolution vom vorigen Jahrhunbert wäre noch ein Ktnberspiel bagegen. Der Zusammenkunft bes beutschen unb russischen Kaisers in Danzig soll eine solche zwischen bem österreichischen und russischen Kaiser folgen, wenigstens melbet bas em öfficiöseS österreichische- Blatt. Die Entrevue ist jedenfalls freudig zu begrüßen, denn sie bildet einen neuen Beweis dafür, daß eS allen Mächten ernstlich daran liegt, Frieden zu halten, unb bie Orient-Frage, wenn sie über kurz ober lang nochmals auftauchen sollte, gütig zu regeln. Einstweilen gebt« ja auf ber Balkanhalbinsel ziemlich ruhig zu, wenn auch Fürst Ale;anber von Bulgarien feine schweren Sorgen hat, ba sich brohenbe Unzufriebenheit im Lanbe zeigt. Fast glücklich beendet ist dagegen die griechische Invasion der Griechenland zugesprochenen GebietStheile und da­mit zugleich eine Befürchtung aus der Welt geschafft, daß es auch hier wie bei Dulclgno nochmals zu drohenden Erörterungen kommen könnte.

Vermischte-.

IRabatt-Sparanstaltj. Untere Leser erinnern sich wohl nocb bei Artikel- im hiesigen Anzeiger vorn 1. Juni d. I. betreffend wbo6 Sestern der Au-gabenrstckgewLhr" und freut eS nnS. nun miltberlen iu können, daß fier im Lause deS vorigen Monalb unter der Finna .Rabatt: Spar Ankaif tn Berlin, eine Äesellsckast gebUdet bat, »riebe gemäß den Bor. schläaen bei Dr. Wlib Löwenthal (Aulgaben-Verficherung 1877,Wesen unb Dirken der Rabatt-Spar-Anstalt 1881) die allgemeine Einführung des Baarverkehrs in den Klein­handel und die gleichzeitige Hebung des Zparnnnes im Volke bezweckt. Bet diesem System, dal sich in England. Franke ei cd unb der Schweiz vorzüglich bewahrt hat, (auch neuercinql tn Stuttgart und Neustadt-Magdeburg) wird die Nabattiruna auch bei kleinsten Baarverkaufe! unb dte zmltragende Ansammlung der kleineren Beträge durch S(6eine bewirkt, weiche bie beitretenden Tew er betreiben den (^Handelsmirglieder ihren baarzahlenden Kunden veraLfalgm; der innere Werth dieser SLeme w'.ro durch Zinse^zinlen entweder wieder auf den ursprüng­lichen Betrag der Ausgabe gebracht oder aber mit Hülfe von Versicherungsgesellschaften in Form von Inraliditat!', Renten-, Aussteuer- und sonstigen Versicherungen nach Wahl Le! Berechligten verwerthet. An der Bildung der Anstalt haben Interesienten aul allen Lhetlen del Reichel partieixirt, dem Aufsichtlrathe stnd die besten Kräften au! hervorragenden politischen, wissen­schaftlichen und mdustn'llen Kreisen gesichert. Der Abgeordnete Dr. Georg von Dunsen ist Seifigenber del Auffichtlrathl, an welchem von bekannteren Namen, neben Vertretern del Handell und Tewerbel, jetzt schon der Baurath Iunk und der Stadtverordnete Lauenburg participiren. Die Herren Seh. Regierunglrath Direktor Dr. Engel, Seh. Regierunglrath Dr.