retSgegeben. Die unwürdigen Monöoer könnten nur beweisen, daß jene Wi- /dersacher ihre Sache für verloren hielten.
Telegraphische Kepeschm.
Wolff'» Ultttt. <terrefpPÄ>e*i*t»extau.
EmS, 23. Juni. Zu dem gestrigen Diner bei Sr. Majestät dem Kaiser hatten der Fürst zu Sayn-Wittgenstein, Geheimrath von Schuhmann, General-Lieutenant v Fritsche, Dr. Orth, Oberst v. Bruhn und Major v. Sell Einladungen erhalten- Spater unternahm Seine Majestät eine Ausfuhr die Lahn abwärts. Heute setzte der Kaiser die Brunnenkur in gewohnter Weise fort und nahmen danach die Vorträge des Hofmarschalls Grafen Perponcher und des Chefs des Militärkadinets, Generals v. Albedyll, entgegen.
Berlin, 23. Juni. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Ein Theil der Tagespresse stelle bereits den neuen Minister des Innern als den Träger eines Systems der Reaction auf dem Gebiete der Verwaltung und der Refonngesetzgebung hin, einzelne Zeitungen wüßten bereits, daß Puttkamer von jeher zu den entschiedensten Gegnern der Selbstverwaltung gehört und als Oberpräsident von Schlesien der Entwickelung der provi- ziellen Organe der Selbstverwaltung Hindernisse in den Weg zu legen gesucht habe und nun mit dem Plane der Zurückschraubung der Gesammthcit der neuesten Reformgesetze sich trage. Der „Reichsanzetger^ publicirt zur Begegnung derartiger Insinuationen einen Bericht, welchen v. Puttkamer als Oberpräsident am 1. September 1878 über die Reform der Verwaltungsgesetzgebung an den Minister des Innern erstattet habe, in welchem über die allgemeine Stellung des gegenwärtigen Ministers des Innern Aufklärung aus authentischer Quelle gegeben sei. Die Veröffentlichung werde nicht zu spät kommen, um die Perspective auf eine Reihe von Gesichtspunkten zu eröffnen, deren ernster Erwägung sich Niemand entziehen könne, der der Frage der Ausdehnung der Reformgesetzgebung auf die gesammte Monarchie seine Aufmerksamkeit zugewendet habe.
— Der „Neichsanzeiger" publicirt die Ernennung des Geh. Ober-Re nerungs- raths Lucanus zum Unterstaatssecretär und des Consistorlalpräsidenlen Backhausen zum Director im Cultusministerium.
Rom, 23. Juni. Neber die Demonstrationen in Turin, Neapel und Genua wird gemeldet: In Turin versuchte eine große Menschenmenge vor die Wohnung des französischen Consuls zu gelangen, wo der Präfect bereits anwesend war, fand jedoch die benachbarten Straßen durch Truppen gesperrt. Nachdem die Behörden auf gütlichem Wege vergeblich versucht hatten, die Menge zum Auseinandergehen zu bewegen, erging die gesetzliche Aufforderung dazu. Die Menge zog hierauf nach der Canzlei des Consulats, wo sie ebenfalls zerstreut wurde. In Neapel zog eine Volksmenge durch mehrere Straßen, wobei sie Hochrufe auf Italien, die Armee und die italienische Fahne ausbrachte. Die Menge wurde von den Bersaglieri zerstreut. Weitere Unordnungen sind nicht vorgekommen. In Genua beschränkte sich die Demonstration darauf, daß unter den Fenstern der Präfektur Hochrufe auf Italien ausgebracht wurden.
Pari-, 23. Juni. Eine von der „Agence Havas" heute veiöffent- ltchte Note sagt: Indem der Bey von Tunis den französischen Mintsterrest- denten Roustan zu feinem officiellen Vermittler im Verkehre mit den Consuln der auswärtigen Mächte ernannte, wollte er demselben einfach die Controle erleichtern, welche Roustan in Gemäßheit des Vertrages vom 12. Mai über die internationalen Acte der tunesischen Regierung auszuüben hat. Da aber eine solche Maßregel nicht die Wirkung haben konnte, die Natur der persön' ltchen Beziehungen, welche der Bey bisher mit den fremden Agenten, wie früher Audienzen bei dem Bey nachzusuchen und dem Bey nach wie vor ihre Besuche zu machen, wenn und so oft dieser die Audienz gewährt. In dieser Hinsicht hat sich Nicht- geändert.
Pesth, 23 Juni. Nach einer Meldung der „Ungar. Post" aus Agram sanden dort im Laufe der letzten Nacht vier sehr heftige Erdstöße statt, die uMWÜMiMt,W^uni7 Der italiemsche Botschafter, Graf Corti, hat als zeitweiliger Doyen des diplomatischen Corps der Pso-te heute eine Collectivnote übergeben, in welcher die Botschafter auf die Unterzeichnung der direct zwischen den Vertretern Griechenlands und der Türket verhandelten Convention dringen.
Lokales.
Gießen, 24. Juni. Schwurgertchtsverhandlung am 23. Juni I. I.: Gegen Johannes Keßler von Ruttershausen, wegen Meineids
In der Nacht vom 22. auf den 23. März l. I. wurde Johannes Kc'ßler von Ruttershausen auf der Straße zwischen letztgedachtem Orte und Staufenberg durch mehrere Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Der als Thäter bezeichnete Heinrich Euler von Stauf en bera gestand zwar die That sofort ein, behauptete jedoch, im Zustande der Nothwehr gehandelt au haben. Nach den Aussagen der von Setten der Staatsanwaltschaft im Vorverfahren alsbald vernommenen Zeugen, sowie nach der Depositwn des richterlich vernommenen Beschuldigten hatte sich der Vorfall folgendermaßen zugetragen: Am Abend des 22 März l. I. begleitete Henrich Henkelmann von Staufenberg den Heinrich Euler nach Ruttershausen, wo lentcrer in Geschäften zu thun hatte; mit Friedrich Roth von da, welchen sie aufiuchten, begaben sie sich alSdann in die Getßler'sche Wtrthschaft zu Ruttershausen und später in eine solche zu K.rchberg, an welchen Orten sie in nicht unerheblichem Maße Getränke zu sich nalrnen fo daß insbesondere Euler stark angetrunken war. Bon Kirchberg kehrten sie wieder nach Ruttershausen zuruck, um die bei Georg Erdmann I. stattfindende Spinnstube zu besuchen trafen aber m dem Hofe desielben auf Johannes Keßler und Heinrich Klein von Ruttershausen von denen Eistercr sie alsbald anfuhr und ihnen erklärte, sie könnten nicht hinein sie sollten machen daß sie fortkämen. Die Genannten leisteten dieser Aufforderung auch Folge und aina chnrn Keßler auf der OrtSstraße ein Stück nach, was zur Folge hatte, daß es eine kune Strecke von dem Hause des oben gedachten Erdmann zu einem erneuten Wortwechsel rwischen Keßler und Euler kam, gelegentlich dcffen jener einen an der Scheuer des Georg Erd- mann II. stehenden Prügel holte, dieser hingegen einen Stein aufhob und auf feinen Arm legte. Der Ausbruch von Thätlichkeiten wurde indeß durch das Einschreiten des Polizeidieners -.^" ""hindert, .welcher die Staufenberger aufforderte, zur Vermeidung weiterer Streitig- ketten nach Hau'e zuruckzukehren. Euler und Henkelmann leisteten auch willig Folge und gingen über di. Ruttershausen und Kirchberg verbindende Lahnbrückc. Roth, der etwa« zurückgeblieben ?nT'sä’fft na*' Km mU?J nQtbc Hause begleiten zu belfrn. Johannes Keßler war etwa 20—30 Dchrllte von der Brücke entfernt bet Heinrich Schwarz von Ruttershausen stehen geblieben und äußerte, als Poltzeidiener Karber zu ihnen trat, mit Beziehung auf die Staufen-
"k’h muffen.noch haben". Trotz der Verwarnung jener Beiden folgte er diesen auch alSbald mit dem erwähnten Prügel versehen, über die Lahnbrücke nach, kebrte aber nach kurzer »fCn!etf<n. zurück, er sei gestochen, und fanden sich in seinem Arm, sowie in dem Ducken in der That auch mehrere Stiche, an denen er mehrere Wochen lebensgefährlich erkrankt
Nach den im Wesentlichen übereinstimmenden Aussagen Euler s, Hcnkelmann s ilnbb2°sm?H9 ?8e"? CL‘ Überschreitung^ des jenseits der Brücke befindlichen Bahnüberganges in der Weise -uruck, daß Roth etwa 20 Schritte den beiden Anderen voraus war während - SJf* rnfe Höhe, aber auf verschiedenen Setten der Straße marschirten ।
W« holte sie alsbald em und schlug dem ihm zunächst stehenden Henkelmann, der sich nach m,t *£m v°«rwäh'nten Prügel derartig über den Kopf, daß e^ besinnungslos zu Boden stürzte. Dann schlug er Euler nach dessen Angabe mit demselben Pnigkl auf den Arm und faßte ihn alsdann auf der Brust, weßhalb dieser sein Messer unh Äe^er, der ihn von vorne gepackt hielt, mehrere Stiche versetzte,' bis er losließ. 3 9 ..... m fctn,cr Qm 25. Marz zu Ruttershausen durch den Untersuchungsrichter stattgebabtcn eidlichen Vernehmung sagte Keßler auS, er babe nach Ueberschreitung der Labnbrücke vnn Euler :c. nichts mehr gesehen, w.ßhnlb er sich umgedreht Hube, um nach Hanse ÄeB. « («i hum ein paar Echntte gegangen gewesen als ihn zwei Leute van hinten überfallen bä!,-n ! mi er einen Stich in die linke Schulter erhalten habe, worauf er besinnungslos uitbeJflün" j ('* unb nicht wisse, was weiterhin vorgefallen. Auf Vorhalt erklärte er weiter er wisie ricktS ' boMU, daß er zu Euler und Hcnkelmann vor dem Hause des Georg Erdmann 'aesaat hätte fi» |att,n darin nichts zu thun, sie sollten sich fortmachen, und daß hierüber ein Streit entstanden
wäre; auch könne er sich nicht erinnern, daß Euler vor dem Hause des Bürgermeisters einen Pflasterstein ergriffen und er sich einen Prügel geholt hätte, endlich wiffe er nichts davon, daß er den Euler und Henkelmann mit einem Prügel verfolgt, den Henkelmann zusammengeschlagen und auch den Euler geschlagen hätte, auch wiffe er nicht mehr, ob er an dem fraglichen Abend mit dem Polizeidienrr gesprochen habe.
In der Hauptverhandlung, welche unterm 3. Mai l. IS. stattfand, wiederholten die sämmtlichen Zeugen — auch Keßler — ihre früheren Aussagen und ergaben sich demgemäß dieselben Widersprüche zwischen der Aussage des Keßler einerseits und den Depositionen der übrigen Zeugen andererseits, wie in der Voruntersuchung.
Nach semer Vernehmung wurde er sodann, nachdem er nochmals auf die Wichtigkeit des Eides htngewiesen und auf die Folgen des Meineids eindringlichst aufmerksam gemacht norden war, rite beeidigt.
Angesichts der höchst auffälligen Widersprüche zwischen der AuSsage des Keßler und der vollkommen glaubhaften Deposittonen der übrigen Zeugen ic., beantragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft die sofortige Inhaftnahme des Keßier's, welchem Anträge auch daS Schöffengericht entsprach.
Angeschuldigter Keßler hat sowohl bei seiner ersten Vernehmung vor Großh Amtsgericht Gießen, alS auch bei seiner weiteren Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter zugrstanden, daß er weder vor letzterem, als er vor demselben in RutterShausen vernommen worden, nod> vor dem Schöffengericht die volle Wahrheit gesagt habe, weil er geglaubt, er werde bestraft werden, wenn er die Wahrheit angeben würde. Er gestand zu, daß sich die Sache so zugetragen habe, wie die Zeugen angegeben hätten, und daß er sowohl vor dem Untersuchungs-
I richter als auch vor dem Schöffengericht den Sachverhalt wissentlich falsch dargesteüt habe. - Dagegen bestreitet er nach wie vor, den Euler geschlagen zu haben, behauptet jetzt vielmehr,
in dem Moment, als er auf Henkelmann geschlagen, habe er einen Schlag oder Wurf in der
l nken Seite gespürt und zwar derart, daß er zujammengestürzt sei und nicht wisse, was weiter vorgegangen, auch wiffe er nicht, daß es Euler gewesen, der ihm diesen Schlag oder Wurf versetzt habe. Daß diese Darstellung richtig sei, erscheint jedoch als höchst unwahrscheinlich mit Rücksicht auf die glaubhaften, das Gegrntheil bekundenden Aussagen Euler's und Roths.
Johannes Keßler ist Eigarrenmacher, 30 Jahre alt und noch nicht bestraft worden. Keßler wurde zweier Meineide für schuldig erkannt, ihm jedoch bezüglich beider der Straf- milberungsgrund des § 157 pos. 1 des St. G.-B. zugesprochen und derselbe in eine Gefäng- nißstrafe von 15 Monaten und in die Kosten verurtheilt.
— Es ist in letzter Zeit öfters beobachtet worden, daß erwachsene Personen sowohl als auch Knaben in der Wleseck, hinter der Gasanstalt, baden. Wir machen darauf aufmerksam, daß solches polizeilich verboten ist. Für das öffentliche Baden ist ein begrenzter Raum in der Lahn unterhalb des Männerbades bestimmt. ES kann daselbst ganz ohne jegliche Gefahr gebadet werden.
— Gestern Abend wurde am Himmel nach Norden zu ein hellstrahlender Komet beobachtet.
Vermischtes.
Kassel, 21. Juni. Die Rectoren, Profefforen und Dozenten der Schwester-Universitäten Göttingen, Gießen und Marburg hielten am vergangenen Sonntag auf Wilhelmshöhe eine sehr zahlreich besuchte gesellige Zusammenkunft ab, die einen recht animirten Verlauf nahm, so zwar, daß die Teilnehmer (über 100) den Beschluß faßten, alle Jahre zu gleichem Zweck auf dem herrlichen Platz zusammenzukommen.
Leipzig, 20. Juni. Zum Verbandstage selbstst. Buchbinder Deutschlands und Oesterreichs in Leipzig, den 14. und 16. August 1881 sind für den betr. Stand äußerst wichtige Fragen auf die Tagesordnung gesetzt worden, so daß wir erwarten, eS dürfte keine deutsche Buchbinderinnung In den Tagen in Leipzig unvertreten sein. Für angenehme und belehrende Tage in Leipzig ist nach dem umfassenden Programm hinreichend gesorgt. Auch von außerdeutschen Staaten sind Besucher gemeldet, welche vas Jntereffe an den Bestrebungen der Fach genoffen über die Bedenken erheblicher Unkosten siegen lassen.
— Wie man dem „Br. Tgbl." aus Göttingen schreibt, ist den Wünschen, welchen die Stuventenschaft in der bekannten, an den Stadtmagistrat gerichteten Petition Ausdruck gegeben hat, entsprochen worden Denselben ist somit der Besuch oer Wirthshäuser in drr Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ohne Einschränkung gestattet; auf diejenigen Studirenden, welche sich abgeschlossen vom übrigen Publikum, in besonveren Zimmern vereinigen, soll sich die festgesetzte Polizeistunde überall nicht erstrecken. Auch die Versetzung des Polizeikommtssars P. soll verfügt )etn_
—L—• Oti(i»n$rhranf.l £Det einem <ö*unt«, btt in Äernbach ausbrach, fanden die Feuerwehrleute beim Emreitzen des brennenden Gebäudes ca. 2 »,000 Geld, bestehend in Gulden Kroncnthalern re. in einem Schweinstroge versteckt.
Frankfurt, 21. Juni. Heute Morgen um halb 8 Uhr sollte die Leiche eines vor wenigen Tagen im Stift Verstorbenen zur letzten Ruhestätte geführt werdet Viele Leidtragende waren erschienen. Der Sarg wurde in Den Leichenwagen geschoben, worauf der Leichenzug sich m Bewegung fftzte. Als derselbe schon eine ziemliche Strecke zurückgelegt hatte (bis in die Nahe der Bletchstraße), kam ein Diener des Stiftes dem Leichenzug nachgelaufen und ersuchte denselben sofort umzukehren; denn man habe aus Versehen einen erst vor Kurzem Gestorbenen statt des vor mehreren Tagen Gestorbenen in Den Leichenwagen gestellt.
— [(Sme entmenschte Mutterj. In Szolad bat eine Bäuerin ihr drei Monate alteS Kind mit Opium eingeschläfert, um dasselbe für tobt zu erklären und dessen Beerdigung zu veranlassen. Mir Umgehung des Todtenbeschauers hat denn auch die Beerdigung stattgefunden , dir Taufpathin des Kindes glaubte wahrgenommen zu haben, daß dem Kinde, als es auf der Bahre lag, Schweißtropfen von der Stirne perlten; sie theilte dies der Mutter mit, doch diele betheuertc, daß die Erscheinung blos ein Trug und das Kind wahrhaftig tobt sei. Nach dem Begräbmß theilte die Pathin ihren Argwohn Dem Vater des Kindes mit, welcher daS Grab sofort aufscharren ließ und, den Sarg öffnend, zu seinem Entsetzen fand, daß die Wangen und die beiden Hande des armen Kindrs, sowie die Lilien, die es in den Händen hielt, mit blutigem Schaum bedeckt waren. Gegen die grausame Mutter wurde die Strafanzeige erstattet.
— Die trojanischen Schätze, in deren Besitz, Dank der Uneigennützigkeit und Vaterlandsliebe des Berliner Ehrenbürgers Dr. Schliemann, das Deutsche Reich und speciell Berlin gelangt ist, und die bisher in Kistm verpackt im dortigen Kunstmuseum aufbewahrt wurden, werden daselbst gegenwärtig in einer ihrem hohen Werth entsprechender Weise aufgestellt. ES sind für dieselben zwei Säle disponibel gemacht, in Denen sie dieser Tage bis zu der Zeit, wo sie in dem ethnographischen Museum eine dauernde Stätte finden, dem Publikum zugänglich bleiben werden. °
— In dem Städtchen Hettstedt, Mansfelder Gebirgskreis, ist wiederum die Trichinenkrankheit in starkem Grade (bei 150 Personen) aufgetreten. Em Fleischer soll zwei Schweine geschlachtet, davon aber nur eins haben untersuchen laffen, welches von dem Fleijchbeschauer !“!/V^nfret "klärt worden ist. Im Jahre 1863 brach, wie man sich erinnern wird ebin-
Hk"strdt die Trichinenkrankheit in so heftiger Weise auf, daß damals eine große anjapl Personen derselben zum Opfer fielen. Don daher datirt auch die sogenannte Trichtnen-
LiterarischeS.
„Rhein. Kurier" spricht sich ein Recensent über die im Verlage von E. Seel in Dillenburg foeben erschienene Lerne Broschüre von Sanitätsrath Dr. Speck, die pneuma- tilchc Heilmethode oder die Anwendung verdichteter und verdünnter Luft bei Lungenkrankyetten m folgender Weise aus: „Der Verfasser, praktischer Arzt und Kreisphyfikvs in Dillenburg, WelcfctT schon durch eine Reihe gediegener Abhandlungen über verschieDene Gegenstände der Medicin in der wissenschaftlichen Welt bekannt ist, hat hier die Resultate seiner langjährigen äußerst mühevollen und interessanten Untersuchungen über den Athemproceß einem größeren Publikum zugänglich gemacht. In klarer unö anschaulicher Sprache erörtere er zuerst die ana; komischen und physiologischen Verhältnisse der Lungen, bespricht die chemischen und physikalischen Vorgänge, sowie die Rolle des BluteS beim Athemproceß und geht dann auf die Wirkungen der komprimirten und verdünnten Luft bei den krankhaften Störungen der Brustorgane über. Der Verfasser hat den bekannten WalDenburg'schen Apparat in sehr zweckmäßiger Weise modi- ficirt, so daß er mittelst einer Drehung deS Hahnes gleichzeitig zum Ein- und Ausathmrn dienen kann und ein ruhiges, ununterbrochenes Athmen für 10 bis 15 Minuten gestattet. Zu- gleich können Durch besondere Vorrichtungen medicamenköse Stoffe, sowie Stickstoffe der Em- athmungsluft beigrmischt werden. — Die guten Wirkungen dieser Jnhalationsmethoden, die ja bereits von den verschiedensten Seiten ihre verdiente Anerkennung erfahren haben, werden nun eigenen vielfachen Erfahrungen in überzeugender Weise auSeinandergesetzt und namentlich wird ihr Einfluß auf Die chronischen Katarrhe, daß Lungenemphysem und die Lungenschwindsucht nachgewiesen. Es wirb habet nicht unerwähnt gelassen, daß neben der Inhalation«behandlung vtt Kranke eine entsprechende Lebensweise führen und durch reichlichen Genuß einer guten Wald- juft den Wirkungen deS Apparats zu Hülfe kommen muß. Daß Schriftchen behandelt seinen Stoff durchweg in wissenschaftlicher und doch klar verständlicher Weise ohne jede Uebettieibung und sei deßhalb Aerzten und Pattenten auf's Beste empfohlen."


