20. Dienstag den 25 Januar
Meßen er Wyciger
__AnM- inl Iwfrtktt für hm Kreis Gießen.
GrpeditionSbure«u r } Schulftraße B. II. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Vrinzerlohiv
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Vmt/chümö.
Berlin, 22. Januar. Ueber den dem Bundesiathe vorliegenden Antrag des Reichskanzlers, zu genehmigen, daß ein Consularoerlrag mit Brasilien aus der Grundlage mit der brasilianischen Convention unter Einfügung der von Brasilien anderen Staaten gemachten wettergehenden Eoncefflonen abge- schloffen werde, erhalten wir folgende Mittheilungen: Nachdem der Reichstag vor mehreren Jahren befchloffen hatte, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß ein Consularvertrag behufs Verbefferung der Lage der dort lebenden Deutschen adgeschloffen werde, wurde zunächst im Reichskanzleramte der Entwurf zu einem solchen Vertrage ausgestellt; dieser Entwurf war dann geraume Ze t Gegenstand von Verhandlungen zwischen der deutschen und bra- stliantschkn Regierung. Die Verhandlungen hatten jedoch keinen Ersolg, weil die Regierung von Brafillien deutschen Consuln nur die Besugniß zugesiehen wollte, in den auf die Schifffahrt bezüglichen Angelegenheiten dtrect einzu. greifen, sich dagegen entschieden weigerte, dieselben zur Mitwirkung bet Nach, laßregulirungen von deutschen Reichsangehörtgen zuzulaffen. Die deutsche Regierung legte aber gerade auf diesen Punkt ein großes Gewicht, um so den traurigen Folgen für die Zukunft vorzubeugen, welche die durchaus mangelhafte und veraltete Form der Justizverwaltung in Brasilien für die Deutschen bisher gehabt hat. Die kl,Li ste Erbschafttregulirung dauert dort nämlich Monate, ost Jahre, und zur Bestreitung der GrrichtSkosten braucht man in solchen Fällen in der Regel die Hälfte deS zu ordnenden Vermögen-, während ein Lvi^sul eine solche Angelegenheit m einigen Tagen und mit geringen Losten regeln könnte. ALS dann bald darauf Portugal und Italien einen beschränkten Eonsularoerlrag mit Brasilien abschloffen, trat die deutsche Regierung der Frage näher, ob es opportun sein würde, dem Vorgehen jener Staaten zu folgen. Sie kam jedoch in Uebereinstlmmung mit den gutachtlichen Berichten der deutschen Eonsuln in Brasilien zu einer Verneinung dieser Frage und zu dem Entschluffe, einen günstigeren Zeitpunkt adzuwarten. Nachdem nun neuerdings die Deutsch. Brafiitaner m Rio Grande do Sul in einer Pttition den Abichluß einer Consula. -Convention, wenn auch nur auf der gleichen Grund- läge der zwischen Brasilien und andern Staaten bestehenden, für unbedingt aothwrndtg erk ürt haben, glaubt man die Regelung der Sache um so weniger länger htnausschteben zu dürfen, al- der neuerdings abgeschloffene spanisch, brafilian.sche Consularverttag eine geeignete Grundlage für eine deutsch.brafi. liantsche Convention bietet.
— Ueber den Seitens des Reichskanzlers den Bundesregierungen vorge- legten Entwurf von Grundsätzen für die Besetzung der Subaltern- und Unter- beomtrn-Stellen bei den Reichs- nnd Staatsbehörden mit Militäranaärtern wird Folgendes berichtet: Der Hauptzweck des Entwurfs ist ter, die Berück- sichttgung der Milrtär-Jnvallden bet der Besatzung von Subaltern- und Unter- beamten Stellen bei den Reichs- und Ltaaisbehörden, für das gesammte ReichSgeblet einheitlich zu regeln! Die diesbezüglichen preußischen Normen wurden schon vor dem Jahre 1870 vom Bundeerathe für das Gebiet des Norddeutschen Bundes befchloffen und durch das RetchS-Milttärpenstonsgesetz vom 27. Ium 1871 solche Normen für daL ganze RelchSgebiet vorgesehen, labern nach § 77 vieles Gesetzes die Subaltern- und Unterbeamten Stellen bet den Reichs- und Staatsbehörden nach Maßgabe der darüber oom Bundesrathe festzustellenden Grundsätze vorzugsweise m t Invaliden besetzt werden sollen, welche den LivilversorgungSschem besitzen. Eine solche Besatzung kennte aber bisher tm ganzen ReichSgebiete noch nicht erfolgen, weil jene vom BundeSraihe festzustellenden Grundsätze noch fehlen. Mit dem Inkrafttreten der letzteren wird für den gesummten Umfang des Reichsgebiets em gleichmäßiges Verfahren platzgre>fen, dergestalt, daß die von bayerischen und würrlemberglschen Militärbehörden ausgestellten Eivilversorgungsschetne nicht allein, wie es jetzt der Fall ist, in dem betreffenden Bundesstaate, sondern im ganzen Reichsgebiete Giltigkeit haben, und daß die von den Militärbehörden der Norddeutschen Bundesstaaten ausgestellten EivilversorgungSschetne tm ganzen Reichsgebiete zu einer Versorgung berechtigen.
Berlin, 22. Januar. Ein längerer, „Die katholische Geistlichkeit vvd die kirchliche Zerrüttung" betitelter Artikel der „Proo.-Corresp." bespricht »ater Bezugnahme auf den Windthorst'schen Antrag die Frage der Veraniworr- lutkeit für den unzweifelhaft vorhandenen Nothstand und weist entschieden zu- rück, daß die Verantwortung dem Staate zuzuschreiben sei. Es sei nicht zweifelhaft, an welcher Stelle ein unmittelbarstes Interesse am Seelenheil der katholischen Bevölkerung obwalten sollte und wer ein größeres Jntereffe an r Förderung des Seelenheils haben müffe. Warum richte das Centrum feine Bitten nicht nach Rom, damit die bereits an Melchers ertheilte Erlaub- utß der Anzeige der Geistlichen wahrgemacht und damit ein großer Theil der Maigesetzgebung befestigt werde? Das angebliche non possuaus, die Unmög- Ii4feit des Nachgeben- der katholischen Kirche sei längst durch den Papst selbst hinfällig erklärt; wenn Windthorst bet seinem Anträge keinen Hintergedanken »nd nur die Noch der Kirche und deren Abhülfe im Auge habe, so wiffe er schon heute wohin er seinen Antrag zu richten habe.
Heidelberg, 21. Januar- Vom 1. Juni ab wird H-idelberg endlich Garnison erhalten, und zwar das bisher In Lurlach stehende 2. Bataillon ces 2. badischen Grenadier-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 110. Heidelberg ist bfe einzige deutsche Universität, der bisher eine Garnison fehlte. Die Univer-
sttäts-Jrrenklinik in Heidelberg weist eine nicht unerhebliche Zahl sowohl an Kranken alS an Studtrenden aus (von October 1878 bis November 1880: 342 Kranke, 38 Studtrende); die Besorgniß, alS ob die Aufnahme in diese Klimt, eben ihres Lehrzwcckes wegen, dem Widerstreben der Krm km bezw. idrer Angehörigen begegnen werde, hat sich nicht alS begrübet erwiesen. Zum Prorector für daS Jahr 1881-82 hat die Universität Heidelberg den bekann- tm Germanisten, Geh. Hofratb Bartsch, gewählt. Der Profeffor der Ehtrur- gie, Cttrny, hat einen Ruf als Dumretchers Nachfolger nach Wien erhalten.
Straßburg, 20. Jan. (Katserfeier). Der vorgestrige 11. Geburts- tag des deutschen Reiche- ging hier auch nicht ganz ohne Feierlichkeit vorüber. Im O'ficicr-Casino fand ein glänzender Ball statt. D'e hiesige Studenten- schäft hielt dagegen in zwei größeren Localen solenne Commerfe ab, deren einer von den Corps veranstaltet war; ingletchen hatte der Krtegeroerein zu einer ' profjen Festlichkeit seine Mitglieder versammelt, von denen ein bedeutender Tbe.l an dem de. kwürdigen Kriege 1870/71 selbst theilgenommen, der und jener wohl auch Zeuge der Kaiser-Proclamatton in Versailles gewesen ist.
Straßburg, 21. Januar. Ueber die politischen Zustände im Elsaß schreibt die „Retchsl. Correfp.: Man muß gespannt sein, welche Partei hier den Sieg davon tragen wird, ob die der Autonomtsten, oder jene der Pro- Ostler und Klerikalen, und ob erstere wirklich E nfluß und Stärke genug besitzt, um der Regierung eine Majorität zu bieten, wie sie in einem constitutionellen Statt-wcsen nothwendig ist, eine Majorität, die nicht nur in wirthschasilichen Fragen und solchen der inneren Verwaltung die Regierung unterstützt, sondern auch ohne Hintergedanken anerkennt, daß die R.ichslande deutsche Lande sind, daß sie einen int grtrenden Theil des deutschen Reiche- bilden und daß da- deutsche Reich nie daran denken wird, Clsoß-Lothringen wieder herauszugeben. Jede- Liebäugeln über die Vogesen, jeder Vorbehalt, jede- Auflaffen einer Hintertbür müssen ausgeschloffen fein.
Wenn im preuß.schen Abgeordnetenhause eine Hand voll Polen und zwei bis drei Nordschleswiger oder Welfen da- Recht Preußen- auf ihre Provinzen und ihre Zugehörigkeit zu dtesim L nde bestreiten und sich in fortlaufendem Protest gefallen, so thut das in Anbetracht der verschwindenden Minorität nichts zur Sache. Ganz anders liegen aber hier die Verhältniffe. Wenn der größere Theil der Landksvertrtter tm Namen der Bevölkerung mehr ober weniger deut'ich erklärt: „Wir sind keine Deutschen, wollen auch keine werden, wir sind Franzosen und werden es ewig bleiben"; so schließt das unseres Er. achtens ein Selbstgouvernement au- und die Duldung der fortgesetzten öffent- lichen Kundgebung solcher Bestimmungen würde schließlich zum Verbrechen gegen da- deutsche Vaterland. Die birecten Retchstag-wahlen, welche sich ber äußeren Beeinflussung im Gegenlatz zu den, wir möchten sagen, „durchgefiebten" rande-ousschußwahlen, entz.ehen, werden uns Aufschluß über die Gesinnung ber Majorität ber reichslänbiichen Bevölkerung bringen.
Jnbeffen spitzt sich der Conflict zwischen den Eingang- erwähnten Par- teien von Tag zu Tag mehr zu. Die schon todtgesagte autonomistische Partei, welche bet den letzten Rtichstagswahlen so ziemlich Fiasco machte, seither fast von der B-ldfläche verschwunden war refp. sich mit den anderen Parteien mehr oder wmiger veralgamirt hatie, tritt wieder in den Vordergrund und erweist sich, wie zu Zeiten des Herrn v. Müller von den einheimischen Par- teien. als einige Stütze ber Regierung; ob als starke ober schwache, wird die Zukui ft lehren. Sie hat sich offen von den anderen Parteien lo-gesagt, mit denen sie nach der M tthttlung des ^Cl'äffer Journal-" umging, weil sie hoffte, jene zu sich herüberzuziehen. Das „Elsäffer Journal" gesteht aber Jefct selbst ein, efc habe sich in einem Theil seiner Land-leute getäuscht, alS eS sie für bereit hielt, die wahren Jntereff-n deS Lande- zu vertteten. Da- Blatt kann sich da mit anbmn L-uten östen; denn ber im Beginn de- zei- tigen Regimes verfolgte ideale Plan, durch äußerste- Entgegenkommen die extremsten Parteien zu gewinnen, war wobl auch ein kleiner Jnthum. Ob ein ferneres, sich weiter entwickelndes, constltutionelleS Regiment hier noch möglich fein wird, wenn die Autonomisten der Regierung die nothwendige Majorität nicht zu bvten vermöchten, ist mindestens fragl'ch. Vielfach ist die Frage schon von deutsche Seite verneint und die Möglichkeit bestritten worden; man hat mittelst eines JmgleurstückchenS die Sache dann so gedreht, alS eien die biefig-u Deutschen, ipeciell die Beamten, abgesagte Feinde jeder frei- zeitlichen Entwick-lung und Anhänger der absoluten Dictatur. Wir Altdeut- chen find mi dchers ebenso große Freunde einer möglichen freien Selbstregie- Tung und Selbstverwaltung, wie die Els. ß Lothringer, wir fürchten aber nach unserer Kenntniß der ©efirnungen eines großen Theiles der Bevölkerung, daß die Z<it hierfür noch nicht gekommen ist. Sollten wir uns täuschen, sollte die autonomistische — oder elsässische — oder regierungsfreundliche — Partei wirklich so stark sein, daß mit ihr hier konstitutionell regiert werden kann, so werden das alle Altdeutschen im Lande mit großer Freude begrüßen. Hat )ie Partei wirklich ihre Schiffe verbrannt, so möge fte nun auch vollkommen Farbe bekennen und sich all' und jeder ZDeideutigkeit für die Zukunft enthalten. Es giebt h'er in W rklichkeit doch nur zwei Parteien, auf die es ankommt: „Deutsche und Franzosen."" Warum alio nicht statt aller jener unzuläng< lichen Bezeichnungen frisch heraus mit der Loosung: „Deutsche Partei" I
tzugkand.
Loudon, 22. Januar. Die Admiralität entsandte das Thur»schiff


